Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

Golden Heritage

Golden Heritage

Carolin Wahl
Loewe Intense
Reihe Crumbling Hearts
Verlagsempfehlung ab 16 Jahre
Während Aleksander Skogen im ersten Teil der Crumbling Hearts Reihe gerade wegen seines Skandal im Lampenlicht Aufmerksamkeit auf sich zieht, lebt Ellinor Skogen, seine jüngere Schwester, ein anderes Leben: Ihr ist jede Form von Aufmerksamkeit zu viel, die Presse hat kein aktuelles Bild von ihr und allein der Gedanke, mal kein chronischer People-Pleaser zu sein, bereitet ihr Panik. 
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Nichtsdestotrotz möchte sie in das Keksunternehmen der Familie Skogen eintreten und nutzt ihre Unbekanntheit, um dort hinter die Kulissen zu blicken. Schon kurz vorher war sie Lucas, ihrem ehemaligen besten Freund, der sie damals einfach geghostet hatte, nach Jahren wieder begegnet und nun der nächste Schock: Sie müssen beide eng zusammenarbeiten. Da er eine Kälte und Distanz hat, die ihr fehlt und sie die Kontakte, die ihm fehlen, überlegen sie sich einen zunächst rationalen Plan, diese Zusammenarbeit irgendwie gewinnbringend für beide Seiten zu machen - mit emotionalen Folgen. 
Nachdem ich den ersten Teil noch durchaus gelungen fand und mir sicher war, dass er für Fans von Romance ein guter Fund ist, weiß ich nicht, ob ich das gleiche auch für den Teil behaupten kann. Klar, die Romance-Tropes sind gut vertreten, nicht nur Fake-Dating, wie es auf dem Buch schon angegeben ist, auch Enemies-to-lover, genauso die großen Emotionen und einige “spicy” Momente.
Die Story ist nicht neu, zwei Leute, die aus welchen Gründen auch immer nicht verstehen, dass sie Gefühle füreinander haben, das stört mich nicht.
Aber wie kann es sein, dass sie beim anderen wirklich jede Regung wahrnehmen, jedes Zucken, jede „Veränderung der Haltung” usw., nur um dann aber die falschesten Schlüsse daraus zu ziehen? Am häufigsten war eigentlich etwas mit dem Brustkorb. Um es einmal exemplarisch zu verdeutlichen: Auf Seite 86 „rollt etwas Mächtiges” durch seine Brust, ein paar Zeilen später kämpft er „gegen das dumpfe Gefühl” in seiner Brust an, auf Seite 88 schmerzt sie und fühlt sich eng an. Der Magen kommt genauso oft vor, er hat ein „protestierendes Ziehen”, er krampft sich eine Seite später und rebelliert auf der nächsten.
Dass Nervosität sich so körperlich in der Brust und im Magen zeigt, sehe ich ein. Aber beim Lesen wird einem jedes sprachliche Klischee gefühlt in 10 Varianten vorgeworfen. Gerne werden auch Vergleiche gebracht, hauptsache irgendein „wie” folgt, „brennen wie Brennnesseln”, „schneiden wie Fleischmesser”, eigentlich auch das Übliche, aber so gehäuft, dass ich mich zwischendurch wirklich fragte, ob das eine Parodie ist.
Das “Komm schon, Kätzchen, zeig mir deine Krallen”, das Lucas sehr früh, als die beiden noch sehr distanziert sind, ständig sagt, kommentiere ich einfach mal damit, dass ich dachte, diese Phrase ist vielleicht nicht ideal übersetzt, er nennt sie doch nicht wirklich so abwertend Kätzchen? Dann ist mir eingefallen, dass das Original ja schon auf Deutsch ist.
Man hätte so viel mehr aus allem machen können, die Gespräche über das Unternehmen, die Beziehung zum manipulativen Großvater, die arabischen Wurzeln von Lucas …
Es muss ja nicht unendlich viel Tiefe bekommen, aber dieser krampfhaft bildliche Schreibstill war für mich alles andere als intensiv, eher sehr oberflächlich.
Es gibt bestimmt Abnehmer*innen für dieses Buch, die sich bei meinen Ausführungen denken, dass das doch alles toll klingt. Gleichzeitig bin ich trotzdem enttäuscht, nach einem soliden ersten Teil so ein Leseerlebnis zu haben.

Raphaela Brosseron