Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

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Kathas Katastrophen – Mein Leben zwischen Knochenjob und Hamsterflop – Band 2

Kathas Katastrophen - Mein Leben zwischen Knochenjob und Hamsterflop – Band 2
Johanna Kleinert
Mareikje Vogler
dtv
Kathas Katastrophen
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
Chaos herrscht auch schon auf dem Cover, viele kleine Bilder zeugen von den Dingen, von denen im Buch berichtet wird. 
Greifen wir mal den Begriff „Gyros-Gott“ heraus, mit dem fängt irgendwie alles an. Aber noch davor gibt es die kleine Episode mit den Spuckebläschen, die Katha einfach noch mal ausprobieren muss und dann mit diesem spuckeverschmierten Gesicht dem gutaussehende und klugen Elyas begegnen muss.
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Wenn das nicht peinlich ist. Aber zurück zum „Gyros-Gott“, den Katha im Ethiktest zum Schöpfer macht. Als diese Arbeit, für die sie auch nicht gelernt hatte, mit einer Fünf benotet wird, muss Katha sich etwas einfallen lassen. Aber ihre Lehrerin mit dem schwierigen Doppelnamen, die alle Schniesi nennen, bietet ein Möglichkeit an, eine gute Note zu bekommen. Die Kinder sollen Verantwortung übernehmen und über ihre Aktion einen Bericht schreiben. Natürlich käme es besonders gut an, wenn man sich um den Hamster von Schniesi kümmern würde und Katha tut alles, um diese Aufgabe übernehmen zu dürfen. Klar ist, dass auch das wieder mit Katastrophen verbunden sein wird.
Ich habe das Buch sehr schnell durchgelesen, zum einen, weil der Text immer wieder von anderen Schriftarten und vielen kleinen comicartigen Zeichnungen unterbrochen wird, zum anderen, weil die Handlung so temporeich ist, dass ich immer weitergetrieben wurde. Und natürlich ist es auch spannend zu erfahren, wie sich am Ende doch alles auflöst.
Ich bin hier mit dem zweiten Band gestartet und ich werde sicher noch den Ersten lesen wollen, was aber für das Verständnis nicht unbedingt nötig ist. Aber am Ende des Textes gibt es schon einen Vorgeschmack auf Band 3, der macht natürlich auch neugierig.
Katha ist ein wenig wie wir alle, nur vielleicht noch etwas chaotischer, dabei aber durchaus liebenswert.

Dagmar Mägdefrau

Retro – Geh nicht online

Retro – Geh nicht online
Jarrod Shustermann
Sofia Lapuente
Sauerländer
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre
Luna lebt ein klassisches modernes High School Leben, in dem sich Hierarchie und Ordnung durch einen einzigen Post auf Limbo, DEM sozialen Netzwerk, verändern kann. Als ihre beliebte Freundin Samantha ihr Unrecht tut, greift sie für ihre Rache als erstes nach ihrem Handy und postet ein schlimmes Video von Samantha, das alles auf den Kopf stellt. 
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Luna selbst ist es, die den Netzwerk-Riesen kontaktiert, damit er sich um das kümmert, was die vielen Profile auf der Plattform anstellen: Extremes Mobbing und Rufschädigung.
Tatsächlich kommt Limbo dem Ruf nach Hilfe nach und veranstaltet an der High School eine Retro Challenge: 1 Jahr ohne moderne Geräte (alles nach 2000) leben. Im wahren Leben sein, echte Kontakte pflegen, nicht mehr hinter Bildschirmen verstecken… Denjenigen, die durchhalten, winkt ein Stipendium. Tatsächlich finden sich bereitwillige Teilnehmer, so auch Axel, der eigentlich zur Influencer-Gang “Golden” gehört und der nun eine andere Seite zeigt. Ganz ohne technische Hilfe ist es gar nicht mal so leicht, sich gegen die Gefahren zu wehren, die irgendwann auftreten …

Der Thriller entwickelt sich langsam und lässt Raum für den Aufbau einer neuen Freundesgruppe um Luna, Axel, Darrel, Mimi und Kilo. Subtil schleichen sich unheimliche Elemente in die Geschichte ein, die ein stetes Misstrauen schüren, doch die eigentliche Spannung entfaltet sich erst später. Das Thema Freundschaft ist generell eng mit sozialen Netzwerken verknüpft und man sieht hier wunderbar, wie viel sich ändert, wenn man sich Freunde unabhängig ihrer Follower*innen-Zahl sucht. 

Das Buch lässt sich superschnell lesen, da man motiviert wird, selbst das Handy wegzulegen und natürlich auch, weil es wirklich spannend ist und gleichzeitig ein wichtiges Thema behandelt. Da es nicht allzu brutal ist und in einer High School spielt, ist für Jugendliche mehr als geeignet.

Raphaela Brosseron

Die Hüter des magischen Waldes – Finde die geheimen Kristalle

Die Hüter des magischen Waldes – Finde die geheimen Kristalle
Cee Neudert
Philipp Ach
Baumhaus
Verlagsempfehlung ab 9 Jahre
Diese Abenteuerspielbuch bietet wirklich eine Menge. Man kann sich einen Charakter aussuchen, die Beschreibung findet man am Ende des Buches, und in die Rolle dieses Tieres schlüpfend im Buch agieren. Die drei Tiere auf dem Cover des Buches begleiten dann den Lesenden bei seinen Abenteuern, auch die Drei habe einen festgeschriebene Identität, die man auch am Ende des Buches nachlesen kann. 
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Dort gibt es auch ein „Notizbuch“ und einem „Rucksack“ mit der Möglichkeit, ihn zu befüllen. So findet man zum Beispiel während des Spieles immer wieder Nüsse, die Zahlungs- und Nahrungsmittel sein können. Ganz vorne im Buch ist die Landkarte des „Wilden Waldes“ mit den drei Orten, in denen die Spieler ihre Abenteuer bestehen müssen.
Nachdem der Neuling willkommen geheißen wird, geht es an die Auswahl der „Spielfigur“, mit der man sich im Laufe des Spiels völlig identifizieren kann. Ich hatte mich für die Maus entschieden, sie ist geschickt, aber leider nicht sehr stark. So wurde ich zum Bestandteil der Geschichte und wurde immer direkt angesprochen. Es gibt ein Problem mit dem „Großen Baum“ und seine Hüter kommen zusammen und wir machen uns gemeinsam auf den Weg. Je nachdem ,wie ich mich nach einem kurzen Kapitel, von denen es 207 gibt, entscheide, lese ich an einer anderen Stelle weiter. Zum Glück gibt es ein Lesebändchen und ich kann mir merken, wo ich zuletzt war.
Eine fantasievolle, spannende Geschichte, in die ich eintauchen und zusammen mit mystischen Figuren die Rettung des Baumes auf abenteuerliche Weise bewerkstelligen kann. Man kann das Spiel auch mehrfach machen und die erworbenen Stärken behalten.
Mir ist diese Art Buch und Spiel neu und ich habe solchen Spaß dabei gehabt, dass ich das Buch nur empfehlen kann.

Dagmar Mägdefrau

Lakritz-Sommer

Lakritz-Sommer
Anna Beringer
Thienemann
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Ich mag Lakritze und ich war enttäuscht, dass Nella keine Lakritze mag, sondern mit dem Duft, den die Lakritz-Tagetes verbreiten, die negative Veränderung in ihrem Leben verbindet. Denn mit dem Entschluss ihrer Mutter, die alte Mühle, Nellas geheimem Rückzugsort, zu renovieren und als Ferienhaus zu vermieten, kam der Duft. 
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Auch das Hofcafé, das gleichzeitig in der Scheune eröffnet wird, trägt den Namen Café Lakritz. 
Nella wohnt auf dem alten Familienhof mit ihrer Mutter, ihrer großen Schwester Tilke und dem dementen Opa Ocko. Als erste Mieter zieht ein Elternpaar mit Zwillingen in die Mühle, die selbstbewusste Tasha mäkelt ständig an dem schweigsamen, ängstlich wirkenden Kiran herum. Doch Nella, die ständig ihre Schritte verfolgt, hat sofort einen Draht zu dem zarten Jungen. So merken die beiden schnell, dass der Mann, der zunächst im Anzug auftaucht, ständig im Ort und im Café herumstöbert. Was hat der Mann wohl vor? Nella schwant nichts Gutes.
Im Laufe des Buches verändern sich die drei gleichaltrigen Kinder und ihre Einstellungen, sie werden zu guten Freunden und ziehen an einem Strang.
Meer, Watt, ein Schiffswrack, eine Kutsche, Urlaubsgefühl und Ermittlungsarbeit machen diese Buch zu einer wundervollen Urlaubslektüre, die man aber auch zu anderen Zeiten und ohne Urlaub genießen kann. Das Cover gibt uns einen guten Eindruck davon, wenn die Mühle auch etwas nah am Wasser steht.
Am Ende des Buches gibt es noch ein paar Lakritz-Rezepte zum Ausprobieren, denn der Geschmack der schwarzen Süßigkeit kann am Ende doch überzeugen.

Dagmar Mägdefrau

Mensch, Bär!

Mensch, Bär!
Knut Krüger
Catharina Westphal
dtv
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
Bruno ist ein etwas ängstlicher, verträumter Bär, mit wenig Orientierungssinn. Seine Geschwister toben ohne ihn durch den Wald und oft ist er alleine unterwegs. Emily, die alte Eule, hilft ihm, zur Höhle zurückzufinden, wenn sie auch mit ihm schimpft und sich freut „nicht seine Mutter zu sein.“ 
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Kurz vor Vollmond kommt der Bärenvater zur Familie und warnt sie vor dem Werbär, der nach bestimmten Vorzeichen in der Vollmondnacht auftaucht und alles zerstören wird.
Die Tiere haben unterschiedliche Meinungen zu dieser alten Spukgeschichte, die einen treffen Vorsorge und die anderen finden die Geschichte ist ein Witz. Dieses Kapitel bringt Spannung und auch ein bisschen Grusel mit sich.
Bruno fürchtet sich durchaus, aber trotzdem geht er wieder allein im Wald herum. Da sieht er einen angelnden Jungen und die beiden können sich verständigen.
Diese Begegnung wird so herzerfrischend und humorvoll geschildert, dass das Lesen einfach Spaß macht. Zusätzlich denkt sich Bruno immer kleine Reime aus, die den Text zusätzlich auflockern.
Auf dem Cover sehen wir die beiden, Bruno und Noah, wie sie locker über einen Baumstamm gehen. In der Geschichte ergibt sich dazu eine sehr aufregende Szene, nach der Noah seinen Bärenfreund mutig nennt.
So kommt es, dass der Bär am Ende der Erzählung mit viel Selbstvertrauen und Mut seinen Weg zur Höhle ohne Hilfe findet.
Ein liebenswerter Bär, der viele Eigenschaften unserer Kinder vereint und der zu seiner Freundschaft steht und seinem Freund hilft. Ich freue mich sehr aufs Vorlesen dieser schönen Geschichte, die durch ebenso schöne Bilder ergänzt wird.

Dagmar Mägdefrau

Die Blumenfrau

Die Blumenfrau
Anna-Christin Plate
NordSüd
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
Luchs im Mai 2024
Schon auf dem Cover sehen wir die alte Frau, die wohl aus einem osteuropäischen Land stammt, auf einer Decke sitzend Blumen anbieten. Auf der ersten Seite ist sie mehrfach abgebildet, so sehen wir sie mühevoll den Einkaufswagen ziehen, eine Tüte mit Gräsern im Arm. Während im Hintergrund die Bahn zu sehen ist, sitzt die alte Frau an einem Zaun, um sie herum viele eilige Menschen. 
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Die Buntstiftzeichnung spiegeln realistisch die Situation am Bahnhof wider. Im Laufe des Jahres wechselt das Blumenangebot, dass wir auf der nächsten Seite bewundern können. Im Winter, wenn es keine Blumen gibt, sitzt die Frau da und hat einen Becher aufgestellt. Mit nur wenigen Strichen sehen wir das verhärmte Gesicht der Frau, sie schaut auf die Beine der Menschen. Dann taucht Wanja auf, auf ihn freut sich die Blumenfrau, manchmal kauft er Blumen bei ihr und dann strahlen die Gesichter der beiden. „Und so schauen sie immer nach einander, die Blumenfrau und Wanja.“ Doch dann ist die Frau nicht mehr an ihrem gewohnten Platz.
Im Nachwort berichtet die Autorin uns von ihrer Blumenfrau und lässt uns überlegen, wie wir diesen Menschen begegnen, die am Rand der Gesellschaft leben und doch mitten zwischen uns sind.
Ein Buch zum Nachdenken und um Kindern die Scheu, die wir alle haben, zu etwas zu nehmen und vielleicht mal die Blumenfrau am Bahnhof nach ihrem Namen fragen oder sie zumindest anzulächeln. Wanja kann uns da als Vorbild dienen.
Ein ungewöhnliches Thema für ein Bilderbuch mit wunderschönen Buntstiftzeichnungen, die sehr eindringlich die Situation aufzeigen.

Dagmar Mägdefrau

Als Ela das All eroberte

Als Ela das All eroberte
Adina Hermann
Raúl Krauthausen
Laura Rosendorfer
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
Auf dem Cover sehen wir Ela im Raumanzug in ihrem Rollstuhl sitzen. Ela möchte unbedingt Astronautin werden und deshalb freut sie sich sehr auf den Ausflug ins Planetarium. Zusammen mit ihrem Freund Ben macht sie sich auf den Weg und da Ela eine sehr stürmische Rollstuhlfahrerin ist, ist es für Ben nicht leicht, mit ihr Schritt zu halten. 
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Ela hat viele kluge Fragen an die Dame im Planetarium, die sogar eine Antwort auf die Frage „Kann ich im Weltraum Rollstuhl fahren?“ weiß. Neben dem Erzähltext gibt es Bilder von Frauen und eine kurze Biografie, die erklärt, was sie mit der Raumfahrt zu tun haben. In der Nachbarschaft von Ela gibt es eine „olle Tante“, die meint, sie müsse Ela klar machen, dass ihr Traum vom Weltraum für sie immer ein Traum bleiben wird. Doch Elas Mama ist da ganz anderer Meinung und sie bestärkt ihre Tochter in ihrem Wunsch. Die Nacht verbringt Ela bei Ben und die beiden schlafen unterm Sternenzelt und planen, wie Ela sich auf das Astronautin-Werden vorbereitet. Erstaunlich, welche tollen Ideen die beiden da austüfteln.
Die beiden Kinder verbindet eine echte Freundschaft, wieso Ela im Rollstuhl sitzt, wird nicht erklärt, aber für ihre Umgebung stellt das keinerlei Problem dar. Ein neu gebautes Baumhaus erhält einen „Fahrstuhl“ und in allem anderen ist Ela sehr selbstständig unterwegs.
Das Buch erklärt ganz deutlich, dass man immer Ziele haben sollte, und man sollte alles dafür tun, sie zu erreichen, es ist aber auch nicht falschen einen Plan B zu haben. So überlegt Ela am Ende, dass sie auch z.B. Raumschiffe bauen könnte.
Ein tolles Buch, dass nicht nur Menschen mit Einschränkungen Mut macht, alles auszuprobieren und aufzugeben. Zusätzlich kann man auch einiges über die Raumfahrt und den Sternenhimmel lernen, besonders auf den letzten Seiten gibt es einige Sachinformationen. „Fragen rund um Ela“ geben noch Informationen zur Person dieses mutigen Mädchens.

Dagmar Mägdefrau

Hella und Pitsche – Die erstaunliche Geschichte von zwei ungleichen Freunden

Hella und Pitsche - Die erstaunliche Geschichte von zwei ungleichen Freunden
Axel Schlote
Gina Schlote
Edition Petersen
Leseempfehlung ab 8 Jahre
Auf dem Cover des dünnen broschierten Buches sehen wir die beiden Protagonisten, Hella, die Flamme,und Pitsche, den Wassertropfen. 
Schon seit Jahres brennt die kleine Flamme vor dem Fischerhaus, jeden Tag stellt der Fischer eine neue Kerze in das offene Glas und brennt ihren Docht mit der abgebrannten Kerze an. So ist Hella schon lange dort zu Hause.
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Pitsche hingegen ist schon weit in der Welt herumgekommen, jetzt ist er mit seinen Freunden im Hafenbecken des kleines Städtchens gelandet, in dem auch Hella wohnt. Durch eine kleines Unglück schwappt Wasser aus dem Hafen und ausgerechnet Pitsche spritzt bis zu Hellas Flamme und löscht sie aus. Allerding verdampft der Wassertropfen auch und als er wieder zu Wasser wird, befindet er sich auf einem Blatt am Strand. Dort beobachtet er, wie die Sonne durch den Boden einer Flasche einen Ast entzündet. Als er sich dieser Flamme neugierig nähert, erkennt er Hella, die natürlich nicht gut auf ihn zu sprechen ist. Doch schnell kommen die beiden ins Gespräch und es entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft. Doch bis die beiden am Ende zusammen an den Strand ziehen, erleben sie noch einige gefährliche Abenteuer.
Dass Wasser, egal in welchem Aggregatzustand es sich befindet, immer wieder zu Wasser werden kann, ist mir bekannt, aber dass auch Flammen eine Art ewiges Leben haben, ist mir neu. Genauso wenig kann ich mir vorstellen, dass sich ein Wassertropfen oder eine Flamme gezielt fortbewegen können. So sind wir hier in einer fantastische Geschichte angekommen, die ganz klar zeigt, dass sich zwei Wesen, die sich sogar gefährlich werden können, durchaus anfreunden können. Diese liebevolle, fast aufopfernde Freundschaft der beiden wird hier sehr klar beschrieben. Auf den etwas einfach gehaltenen Illustrationen haben die beiden ein Gesicht und dadurch können ihre Gefühle sehr gut dargestellt werden. Da der Text für ein Bilderbuch sehr lang ist, liegt die Leseempfehlung ab 8 Jahre, aber ich befürchte, dass Grundschulkinder an anderen Texten mehr Interesse haben.

Dagmar Mägdefrau

Ein Zimmer für mich allein

Ein Zimmer für mich allein
Frauke Angel
Jungbrunnen
Verlagsempfehlung ab 9 Jahre
Elli, eigentlich Elizabeth, genannt nach der englischen Queen, lebt mit ihren zwei Brüdern in einer Plattenbausiedlung. Ihr größter Wunsch ist, wie schon der Titel sagt, ein eigenes Zimmer, dass aber leider nicht zur Verfügung steht, denn bezahlbare Vierraumwohnungen sind rar und ihre alleinerziehende Mutter kann sich keine teure Miete leisten. 
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Aber sie hat Elli einen blickdichten Vorhang ums Bett gebaut, damit sie ein wenig Privatsphäre hat. 
Ellis Freundin Nursemin unterstützt Ellis Wunsch Schriftstellerin zu werden, denn auch sie möchte gerne Bücher schreiben. So berät sie Elli beim Schreiben und schenkt ihr ein wunderschönes Tagebuch vom Asia-Shop. Durch Zufall geraten die Kinder in ein verwildertes Grundstück und finden dort einen Bunker, den die beiden Mädchen erkunden.
Das Buch ist von Elli in der Ich-Form geschrieben und dank Nursis Ratschlägen bekommt es eine ungewöhnliche Form, so gibt es nach fünf ein Kapitel null, weil doch noch etwas nachgetragen werden musste. Die Protagonisten dieses sehr realistisch beschriebenen Buches sind sehr vielschichtig. Da Ellis Mutter ihre Kinder von drei verschiedenen Vätern bekommen hat, ist William, der große Bruder dunkelhäutig und mit viel Gel glättet er jeden Morgen seine Haare. In Nursis türkischstämmige Familie versucht der Vater seine Tochter zu kontrollieren, um sie zu schützen. Otto, der kleine Bruder, hat einen Freund, dessen Vater Alkoholiker ist und er mit Sprüchen wie „Das Boot ist voll“ besonders Ellis Mutter gegen sich aufbringt. So erleben wir den ganz normalen Alltag in einer Wohnsiedlung mit großem Hof aus Sicht einer fast 10-jährigen. Der wir von Herzen ein eigenes Zimmer gönnen, die aber, auch dank ihrer Freundin, stark genug ist, sich ihren Freiraum zu erkämpfen.
Dank der bildhaften Schilderung könnte ich mich gut in die Welt von Elli hineinversetzten. Worum sie alle zu Recht beneiden ist ihre coole Mutter.

Dagmar Mägdefrau

Der kleine Siebenschläfer – Ein Rucksack voller Waldgeschichten

Der kleine Siebenschläfer – Ein Rucksack voller Waldgeschichten
Sabine Bohlmann
Kerstin Schroene
Thienemann
Der kleine Siebenschläfer
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Wir haben schon auf neue Geschichten vom Siebenschläfer und seinem Freund der Haselmaus gewartet, jetzt gibt es ein ganzes Buch voller Waldgeschichten.
Siebenschläfer und Haselmaus langweilen sich sehr, als eine Fremder auftaucht. Es handelt sich dabei um die Reisemaus, ein etwas zerzaustes Tier, das schon viel in der Welt herumgekommen ist und kein sehr gutes Deutsch spricht.
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Gut, dafür spricht sie aber 33 Sprachen, 25 Dialekte und 11 Lautsprachen, das ist schon sehr beachtlich. Unsere beiden Waldtiere sind sofort begeistert und wollen auch in die weite Welt und Abenteuer erleben. Doch die Siebenschläfer-Mama kann sie davon überzeugen, erstmal den Wald so erkunden. So packen die beiden Tierkinder ihre Rücksäcke, wie man auf dem Cover sehen kann, und ziehen los. Zunächst nehmen sie den Waldexpress, eine Schildkröte, die nicht besonders schnell ist und landen im Fuchsland. Hier treffen sie auf einen jungen Fuchs, der das von ihm gestohlene Huhn nicht essen will, weil er sich so gut mit ihm unterhalten hat. Aber er befürchtet, dass seine Natur stärker ist, denn er isst so gerne Huhn. Doch Siebenschläfer und Haselmaus haben da eine gute Idee.
Wieder ist es Sabine Bohmann gelungen, uns mit ihren Geschichten zu verzaubern. In jeden Winkel des Waldes bin ich Siebenschläfer und Haselmaus gefolgt und habe mit Begeisterung ihre Abenteuer miterlebt. Es ist einfach herrlich, wenn die beiden wieder einmal feststellen, dass ein Freund das Wichtiges im Leben ist.
Wunderschön sind wieder die Illustrationen, die das Buch einfach perfekt machen. Jedes dieser Tierbilder ist mit so viel Gefühl gezeichnet und es ist einfach schön, sie anzuschauen.

Dagmar Mägdefrau

Ab ins Wasser

Ab ins Wasser
Tomo Miura
Aladin
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Das niedliche Kerlchen im schwarzweiß gestreiften Badeanzug mit schwarzer Schwimmhaube schaut auf dem Cover ins blaue Wasser des Schwimmbades. 
Am Montag packt er seine Sachen zusammen und geht fröhlich mit seiner gelben Tasche ins Schwimmbad.
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Nach dem Aufwärmen möchte er ins Wasser springen, doch da sind ganz viele Leute, die genauso aussehen wie er, die aber schwarze Badeanzüge tragen, im Wasser und vor ihm wartet schon eine Schlange darauf, ins Wasser zu können. 
Am Dienstag sitzen Angler am Becken, deshalb nimmt er am Mittwoch eine Angel mit. Doch da ist es kalt und alle fahren Schlittschuh. Am Donnerstag sind Surfer und ein Kanufahrer auf den Wellen unterwegs. So gibt es am Freitag ganz viel mitzunehmen, doch da ist das Schwimmbad geschlossen. Aber unser Freund tröstet sich damit, dass morgen auch noch ein Tag ist.
Ganz minimalistische Zeichnungen und kurze Texte machen dieses Bilderbuch aus, aber ich denke, die Kinder werden den Witz dieser Geschichte verstehen und sie mögen.

Dagmar Mägdefrau

Willi Wölfchen – Wir finden einen Schatz

Willi Wölfchen - Wir finden einen Schatz
Nikolai Renger
esslinger
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Dieses Pappbilderbuch ist mit „Werkzeugen“ ausgestattet, das bedeutet, auf der vierten Seite sind - wie bei einem Puzzle - Seil, Schaufel, Taschenlampe und Schlüssel ausgestanzt. Diese Gegenstände sind mit einem dünnen Geschenkband am Buch befestigt.
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Auf dem Cover sehen wir Willi mit seinen Freunden, sie haben eine Schatztruhe mit Gold in ihrer Mitte stehen. Die vier beschriebenen Gegenstände sind ebenfalls abgebildet. 
Die Tiere sind wenig realistisch und auf ihre besonderen Merkmale reduziert dargestellt und tragen Kleidungsstücke.
Willi hat zu seinem Geburtstag für seine Freunde eine Schatzsuche vorbereitet. Die Kinder werden aufgefordert, die benannten Tiere auf der Seite zu finden. Dann geht es ans Graben und dazu benötigen wir die Schaufel. Damit wir in dem gegrabenen Loch besser sehen können, machen wir die Taschenlampe an. Zum Herausziehen der schweren Kiste nehmen wir das Seil und mit dem Schlüssel öffnen wir die Kiste. Am Ende wird gefeiert und überlegt, dass man bald wieder einen Schatz suchen wird und wir werden gefragt, ob wir wieder dabei sein werden.
Die Geschichte wird in kurzen Sätzen erzählt und eine solche Feier macht sicher viel Freude. Die Nutzung der Werkzeuge gestaltet sich allerdings etwas schwierig, da das Band sich immer wieder verdreht und dann entwirrt werden muss.

Dagmar Mägdefrau

Die 5 Doppelpunkte und der Wanderzirkus

Die 5 Doppelpunkte und der Wanderzirkus
Maria Braig
epubli
Die 5 Doppelpunkte
Leseempfehlung ab 8 Jahre
Ich habe mich sehr gefreut, dass es ein neues Abenteuer der 5 Doppelpunkte gibt, denn das erste Buch hat mir sehr gut gefallen und es war schön, die ungewöhnlichen Freunde wiederzutreffen.
Am Beginn des Buches werden sie noch einmal vorgestellt: Luke und Lena, die bei ihrem Papa und seinem Mann leben, während ihre Mutter als Ärztin unterwegs ist. Ferrari, die so genannt wird, weil sie sehr schnell in ihrem roten Rollstuhl unterwegs ist.
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Abdo, der aus Afrika geflüchtet ist, so wunderbar schwäbisch spricht und einen Blog mit seinen Fotos veröffentlicht. Dann ist da noch Slash, die auf die Frage „Junge oder Mädchen?“ mit „Ja, genau“ antwortet.Die Bande geht zusammen zur Schule und trifft sich fast jeden Tag in ihrem Gartenhaus. Diesmal wollen sie gemeinsam einen Zirkus besuchen und Lena freut sich auf das Ponyreiten in der Pause. Doch Ferrari, die selbst auf einem Therapiepferd reitet, sieht sofort den schlechten Zustand der Tiere und als dann die müden kleinen Tiere stolpern, werden sie mit einer Gerte geschlagen. Dagegen müssen die Freunde etwas unternehmen. Doch als sie mit dem Zirkusdirektor sprechen wollen, stellt sich heraus, dass ein einäugiges Pferd von der Weide verschwunden ist. Die Kinder machen sich auf die Suche nach dem Tier, aber in der Schule erfahren sie, dass auch ein Mädchen vermisst wird. Ein neuer Fall für die 5 Doppelpunkte.
Der „Fall“ ist schon nach Zweidrittel des Buches gelöst, aber es gibt dann noch ein neues Problem, das die Kinder mit Ideenreichtum und Tatkraft bewältigen. Die Fünf sind sehr sympathische Kinder, die auch mal sauer sind und trotzdem finden sie immer wieder eine Lösung, weil sie zusammenhalten und Verständnis für die anderen haben. Ich wünsche mir noch viele solcher spannenden Fälle.

Dagmar Mägdefrau

Im zweiten Teil der “5 Doppelpunkte” ruht sich die zusammengewürfelte Freundesgruppe nicht einfach aus, so langsam nimmt die Detektivbande fast schon professionelle Züge an.
Kein Wunder, dass sie sich sogar zwei Fällen widmen: Mysteriöse Begebenheiten rund um den Zirkus, der momentan in der Stadt ist, und ein Mädchen aus der Parallelklasse, das verschwunden ist.
Diese willkürlich erscheinende Kombination an Fällen hat mich zunächst verwirrt, auf die Verbindung, die die 5 Freund*innen erkennen, wäre ich nie gekommen!
Ferrari ist nicht nur gut mit ihrem Rollstuhl unterwegs, sondern auch auf Pferden, weswegen ihr sofort auffällt, dass die Ponys vom Zirkus nicht gut behandelt werden. Das Thema Tierquälerei ist ihr, aber auch Slash, den Zwillingen Luke und Lena und Abdo ein Anliegen. Da sie zu 5 sind, können sie sich aufteilen und gleichzeitig das Verschwinden der Mitschülerin Sanne untersuchen, dabei zeigen sie besonders feinsinniges detektivisches Können.
Wer sich ausschließlich auf einen Detektivfall freut, sollte wissen, dass die Lösung des Falls nicht das Ende ist, danach passiert noch einiges, was eher in Richtung Aktionismus geht. Die 5 sind nun mal sehr engagiert und vielseitig interessiert, kein Wunder, dass die Lösung des Falls noch zu weiteren Aktionen führt.
Ich finde, die Geschichte zeigt, wie wichtig Selbstwirksamkeit für Kinder ist, denn es macht super viel Spaß zu sehen, dass die 5 mit ihren Taten auch tatsächlich einiges erreichen!
So ganz habe ich am Ende aber tatsächlich selber nicht mitfiebern können, da ich einfach nicht mit dem Fortlauf der Geschichte gerechnet habe.
Der Schreibstil ist sehr klar und einfach nachzuvollziehen, ein paar Illustrationen im Stile des gelungenen Covers regen die Vorstellungskraft an.
Ich bin gespannt auf die nächsten Abenteuer der 5 Doppelpunkte!

Raphaela Brosseron



Junior High – Chaos im Doppelpack

Junior High – Chaos im Doppelpack
Tegan Quin
Sara Quin
Tiellie Walden
arsEdition
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Tegan und Sara sind unzertrennlich und froh, die Veränderungen in ihrem Leben nicht alleine durchstehen zu müssen. Ihre Eltern sind geschieden, die Mutter ist mit Bruce zusammen, doch die beiden sollen trotzdem regelmäßig ihren Vater sehen. Also ziehen sie in seine Nähe, was einen Schulwechsel bedeutet. 
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Ab sofort gehen sie auf die Edmunds Junior High, auch noch in getrennte Klassen. Als wenn das nicht genug wäre, stehen die beiden auch noch kurz vor der Pubertät.
Doch was, wenn die beiden auf die Veränderungen nicht gleich reagieren? Wenn eine andere Freunde findet, sich anders entwickelt oder körperliche Veränderungen nicht gleichzeitig erlebt werden?
Besser als mit Tegan und Sara könnte man so eine Situation nicht vergleichen, denn wir begleiten sie ein komplettes Jahr auf der Junior High. Ich muss zugeben, auch ich habe Probleme die beiden zu unterscheiden, was nicht gegen die Illustrierung sprechen soll, die ist zwar relativ einfach gehalten, aber dafür fängt sie wunderbar das quirlige Teen-Werden der beiden ein. Am liebsten habe ich ihre Gesichter, wenn ihnen etwas unangenehm ist und da sie sich mit Themen wie Periode, Gefühlen und BH’s auseinandersetzen müssen, ist das nicht selten der Fall.
Da ich selber Zwilling bin, kann ich vieles gut nachvollziehen, gerade die Streitigkeiten und das Danach-wieder-lieb-haben kennen vermutlich alle Geschwister.
Ich finde die Konflikte der beiden aber besonders authentisch, was bestimmt auch an den Autorinnen liegt, die tatsächlich Zwillinge sind und Tegan und Sara heißen.
Mit den beiden wird es absolut nicht langweilig, mich haben sie wunderbar unterhalten und nochmal in die eigene Teenager-Zeit versetzt, auch wenn meine nicht ganz so amerikanisch war. Ich freue mich, den nächsten Teil zu lesen, wenn es noch mehr um das Thema Liebe mit all ihren Problemen geht.

Raphaela Brosseron

Das ist doch unfair! – Warum gibt es Armut und Reichtum?

Das ist doch unfair – Warum gibt es Armut und Reichtum
Sarah Tabea Hinrichs
Inka Friese
Sauerländer
Verlagsempfehlung ab 7 Jahre
Das Cover zeigt zwei Kinder, das eine steht dort mit verschränkten Armen und hinter ihm ist ein graues Hochhaus zu erkennen, das andere Kind hält ein Smartphone, trägt Kopfhörer und aus ihren Taschen quillt Geld, das teilweise schon auf der Straße liegt, im Hintergrund sehen wir ein freistehendes Haus mit grünem Vorgarten.
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Neben der Überschrift „ARM? REICH?“ lesen wir Aussagen zum Thema wie „Arme Menschen haben manchmal nicht genug zu essen.“ 
In dem Buch erzählen Grundschulkinder aus ihrem Alltag, manchmal sind es ganze Geschichten, manchmal nur kleinere Abschnitte, daneben gibt es viele Informationen.
„Was bedeutet Armut?“ - das ist die erste Frage in dem Buch und sie wird auf vielfältige Weise beantwortet. Zuerst geht es um Finn (7 Jahre), der seinen Geburtstag nicht feiern wird, aber dann kommen überraschend zwei Kinder, die mit ihm die mitgebrachten Nudeln kochen und so wird es doch noch ein toller Tag. Die zehnjährige Daria ist zum Geburtstag eingeladen und sie schämt sich, denn sie kann als Geschenk nur eine Schachtel mitbringen.
Der erklärende Text endet mit der Frage, ob man unbedingt etwas schenken muss.
„In Deutschland ist jedes fünfte Kind arm.“ Dieser Satz ist auf der nächsten Seite zu finden und dort stehen neben einigen Beispielen, was alles Geld kostet, noch anders interessante Zahlen. Immer gibt es erklärende Bilder dazu. Einige Kinder erklären in kurzen Textes, was für sie Armut bedeutet. Es folgen einige Infos zum Thema Geld und wie man an Geld kommt. Chancengleichheit ist natürlich ein wichtiges Thema und damit verbunden die Frage „Können wir werden, was wir wollen?“
Am Ende des Buches werden „Gleiche Chancen für alle, jetzt!“ gefordert und die Kinder werden aufgefordert „Zusammenzuhalten!“
Ich kann nicht nachempfinden, wie traurig es für benachteiligte Kinder ist, diese Texte zu lesen, wohlhabendere Kinder werden dadurch vielleicht wachgerüttelt und können ihre Mitschüler vielleicht besser verstehen. Das wäre schön und positiv und ich würde mich freuen, wenn es eine solche Wirkung hätte. Die Bilder sind ganz witzig gezeichnet, es gibt Menschen in unterschiedlichen Hautfarben, manche tragen Kopftücher, ein Mädchen eine Burka, was aber fehlt, sind Menschen mit Behinderungen. Auch die sind ja stark von Armut bedroht und gehören in unserer Gesellschaft dazu.

Dagmar Mägdefrau


Mute – Wer bist du ohne Erinnerung?

Mute – Wer bist du ohne Erinnerung?
Tobias Elsässer
Hanser
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
„Jedes Mal, wenn ich diese Bilder anschaue, denke ich daran, wie zufällig dieses Leben ist. An welchem Ort man geboren wird, in welchem Haus, bei welchen Eltern. Alles Zufall.”

Espe lebt als eines von drei Adoptivkindern mit einer leiblichen Tochter zusammen bei ihren liebevollen Eltern, die beide wissenschaftlich engagiert sind und sich stets bemühen, ihren Kindern ein gutes Leben zu bieten.
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Dieses Streben führt dazu, dass die Familie häufig umzieht, zuletzt in ein Haus in St. Engberts. Dort ereignet sich ein Unfall, der glücklicherweise glimpflich endet. Seitdem jedoch wird Espe regelmäßig von unerklärlichen Bildern heimgesucht, die besonders durch unangenehme Gerüche ausgelöst werden. Ihre jüngere Schwester Yuma zeigt sich seit dem Unfall ebenfalls verändert, zieht sich von der Familie zurück und beginnt, allem zu misstrauen. 
Die Situation eskaliert weiter, als die Eltern verhaftet werden und die Familie ins Kreuzfeuer der Medien gerät. Die genauen Vorwürfe gegen die Eltern werden erst allmählich enthüllt und scheinen mit der Vergangenheit der adoptierten Kinder verknüpft zu sein. Dieses schrittweise Zusammensetzen der Ereignisse verdeutlicht das Leid der Geschwister, die als Adoptivkinder ohne Erinnerungen an ihre eigene Herkunft kämpfen. Ihre Identität ist durch diese Lücken geprägt.
Die Handlung wird durch die chronologische Erzählweise sowie Einschübe von Interviews einer Investigativreporterin und Notizen aus einem Tagebuch, das von einem Klinikaufenthalt berichtet, reichhaltig gestaltet. Themen wie Erinnerungen, Trauma und Epigenetik bilden ein komplexes wissenschaftliches Geflecht, das von Tobias Elsässer fesselnd in die Geschichte integriert wird. Im Nachwort betont Elsässer, dass diese Themen primär der Erzählung dienen und nicht vollständig sachlich aufgearbeitet sind. Das heißt. dass man nicht alle wissenschaftlichen Erklärungen zur Epigenetik vollständig verstehen muss, es reicht, sie als spannenden Motor der Geschichte zu sehen.
Absolut kein alltäglicher Thriller, durchweg fesselnd und bis zum Schluss voller Innovationen!

Raphaela Brosseron

Helle Sterne, dunkle Nacht

Helle Sterne, dunkle Nacht
Lisa-Viktoria Niederberger
Achse
Leseempfehlung ab 5 Jahre
Auf dem Cover sehen wir Maya, die mit ihren beiden Papas zusammenlebt, neben ihr steht die Nachbarin Rabea, die als Ärztin arbeitet und die auch in ihrer Freizeit ihren weißen Kittel trägt.
Im Fernsehen wird über einen „großartigen Meteorschauer“ berichtet, der in der Nacht zu sehen sein wird.
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Maya fragt Rabea, ob sie mit ihr in den Park geht und schleicht sich an den schlafenden Vätern vorbei aus der Wohnung. Obwohl sie einen Zettel hinterlässt, gefällt meiner vierjährigen Enkel dieses Verhalten gar nicht. Aus dem Inhalt ergibt sich auch kein Grund, weshalb sie nicht ihre Väter fragt. Schnell stellen Maya und Rabea fest, dass es im Park viel zu hell ist, um Sterne zu sehen. Zusammen mit einer verwundeten Fledermaus gehen sie also an den Stadtrand, wo sie einen sternenklaren Himmel sehen können.
Neben der Erzählung um die Beobachtung der Sterne gibt es immer wieder gekennzeichnete Sachinformationen um die Themen, die in der Geschichte vorkommen. So geht es um die Nachtarbeit der Ärztin und ihren Folgen oder um Glühwürmchen und warum sie leuchten. „Mayas schlaues Buch“ ist das Glossar am Ende des Buches.
„Lichtverschmutzung“ ist ein Begriff, der mir auch erst seit kurzem bekannt ist. Dank der Helligkeit in unseren Städten nehmen wir den Tieren und auch uns Menschen den natürlichen Biorhythmus. Ein Thema, das sicher in der nächste Zeit noch häufig auftauchen wird.

Dagmar Mägdefrau

Auf dem Weg

Auf dem Weg
Heinz Janisch
Helga Bansch
Jungbrunnen
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Die kleine Maus, der wir schon auf dem Cover begegnen, macht sich „Auf den Weg“ und genau dort, unter dem Titel, sehen wir sie mit einem Plan, den sie genau studiert. Das Wort „Zoo“ sehen wir von innen, also in Spiegelschrift, und unsere Maus steht mit Rucksack und Plan vor dem Zebra, auf dem vier Mäuse sitzen. 
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Wahrscheinlich fragt sie nach dem Weg. Wegen der roten Sonne heißt diese Seite wohl „Feuerball“. Danach folgt „Wasserfall“ und unsere Maus ist mit dem Boot unterwegs, sie hat einen Schirm aufgespannt und das Bild ist sehr grau. Verschwommen erahnen wir schon den „Monsterberg“ auf der nächsten Seite, jetzt fährt die Maus auf einem roten Rad. Leider hat sie dann einen kleinen Unfall, das Rad liegt am Boden und ein Kind mit Zipfelmütze, der "Zauberzwerg", hat ihren Schwanz verbunden. So kommt jede Seite mit einem Wort aus, das sich mit dem Wort der nächsten Seite reimt. Am Ende kommt die Maus bei einem Huhn an und die beiden sitzen plaudernd auf einer Bank.
Ein Wort pro Seite und doch sagt es eine Menge aus, der Klang des Reimes kommt so voll zur Geltung. Die Bilder sind nicht sehr farbenfroh, eher etwas matt. Sie gehen immer über eine Doppelseite und es gibt einiges zu entdecken. Ganz einfache, leise Poesie für unsere Kleinen.
Allerdings muss ich zugeben, dass mein erster Versuch, das Buch vorzulesen, nicht so gut ankam.

Dagmar Mägdefrau

Mein großes Sachen suchen – Bei uns im Garten

Mein großes Sachen suchen – Bei uns im Garten
Anne Ebert
Susanne Gernhäuser
Ravensburger
Sachen suchen
Verlagsempfehlung ab 2 Jahre
Das große Pappbilderbuch zeigt uns schon auf dem Titel eine kleine Gartenszene.  Bei dem gemütlichen roten Gartenhaus wird die Dachpappe repariert, ein Kind planscht und zwei sitzen im Sandkasten, Rasenmäher und Gießkanne sind nur einige Utensilien, die man entdecken kann. 
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Das Buch beginnt zu Anfang des Frühling, die Kirsche blüht und der Sandkasten ist noch abgedeckt. Die Menschen sind dick angezogen und ein Kind setzt die ersten kleinen Pflänzchen. Es gibt einen kleinen Text, der die Situation erklärt und Gegenstände, die benannt sind und die man im Bilde suchen kann. So sind alle Seiten des Buches aufgebaut. 
Auf den nächsten Bild ist es schon viel wärmer geworden und in den Beeten kann man Salat und Erdbeeren reifen sehen. Der Rasen wird gemäht und die Kinder spielen draußen. Jetzt wird auch des Holzhaus rot gestrichen.
Danach besuchen wir einen Handwerkermarkt, im Vordergrund sucht einen Frau Lavendelpflanzen aus, ein Kind hat eine kleine Schubkarre in seinen Händen.
Dann sind wir wieder im Garten und die Familie hat so einiges zu tun, der Rasenmäher wird repariert und Oma putzt Gemüse. Am Rand ist ein Lastenrad zu sehen, mit dem die Kinder wohl in den Garten kamen.
Es folgt eine Szene in der Dämmerung mit aktiven Igeln, die Sommerszene vom Cover und dann wird ein Klimahaus besucht, die Gesamtgartenanlage gezeigt, Memory auf einer großen bepflanzten Terrasse gespielt, ein Kitafest gefeiert und zum guten Schluss sehen wir unseren vertrauten Garten im Schnee.
Das Buch zeigt also sie ganze Bandbreite des Themas „Garten“ und es gibt enorm viel zu entdecken.

Dagmar Mägdefrau

Sachen suchen – Wimmelbuch – Auf dem Land

Sachen suchen – Wimmelbuch – Auf dem Land
Peter Nieländer
Susanne Gernhäuser
Ravensburger
Sachen suchen
Verlagsempfehlung ab 2 Jahre
Der Traktor auf dem Cover hat wohl ein Problem mit der engen Holzbrücke und deshalb bildet sich hinter ihm eine Autoschlange. Leider kann man nicht genau erkennen, ob der Vorderreifen defekt ist oder ob die junge Fahrerin nicht genau die Mitte des Weges getroffen hat. Da muss ich mit den Enkeln lange diskutieren und mutmaßen.
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Jede der folgenden Seiten hat einen kleinen Text zur Erklärung und dann einige Bilder von Personen oder Gegenständen, die man im Bild suchen soll. 
Auf der ersten Seite dieses Pappbilderbuches sehen wir den Markplatz mit Rathaus und Feuerwehr. Wenn man die Klappe Rathaustür öffnet, kann man das Brautpaar sehen, der Konditor bringt schon die Hochzeitstorte mit dem Wagen, der Schornsteinfeger winkt dem Paar mit dem Zylinder zu und die Feuerwehr hat einen Einsatz. Viele andere Menschen sind zu sehen und es gibt sehr viel zu entdecken und zu schauen.
Die nächste Doppelseite führt uns auf den Bauernhof und hier steht auch wieder der Traktor, diesmal wird wohl sein Hinterrad gewechselt. Ponyreiten, Lamas und ein Baum voller Äpfel kann man sehen, aber auch noch viele andere Situationen sind abgebildet.
Dann ist die Ernte im vollen Gange, der Waldkindergarten wird besucht, ein Sommertag im Seeschwimmbad, ein Feuerwehrfest und zum Schluss gibt es Tannenbäume zu kaufen.
Wenn man genau hinsieht, kann man immer wieder dieselben Personen oder Autos wiederfinden. Ich denke auch, man kann das Buch noch oft (vor-) lesen und wird immer wieder etwas Neues entdecken. So wird das Buch auch, wenn die Kinder wachsen, nicht langweilig werden.

Dagmar Mägdefrau

Sachen suchen – Wimmelbuch – In der Stadt

Sachen suchen – Wimmelbuch – In der Stadt
Peter Nieländer
Susanne Gernhäuser
Ravensburger
Sachen suchen
Verlagsempfehlung ab 2 Jahre
Ein Wimmelbuch in dem es viele Dinge zu entdecken gibt und dass dank seiner Klappen zum Mitmachen animiert. Das Cover zeigt eine Lastenrad, mit dem eine Frau zwei Kinder herumfährt. Ein roter voll besetzter Doppeldeckerbus, fährt über eine Brücke, unter der ein Schiff zu sehen ist, im Hintergrund ein Bahnhof, eine Hubschrauber, ein Flugzeug, ein Fernsehturm und eine Kran, um nur einige Dinge zu nennen.
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Auf jeder Seite gibt es einen kleinen Text und einige Sachen, die man im Bild finden kann. Hier geht es um ein Lastenrad, einen Lieferdienst per Rad und um einen Dino, den man in einem Museum besichtigen kann, wenn man die entsprechende Klappe öffnet. Die Szene ist eine Erweiterung des Covers. 
Am Hauptbahnhof warten viele Menschen, einige steigen in den orangen Bus, ein anderer nutzt einen Elektroroller. Auf der Baustelle wird Beton gegossen, durch das Öffnen einer Klappe ändert der kleine Bagger seine Position. Afrikanische Tiere sehen wir im Zoogehege, am Kanal ist ein Flohmarkt aufgebaut, durch einen Unfall sehen wir einen Abschleppwagen, ein Polizei- und ein Feuerwehrauto, dann liegt schon Schnee und im Hintergrund ist der Weihnachtsmann unterwegs.
Es gibt viel zu sehen und zu finden, Klappen sind zu öffnen und sicher wird man immer wieder etwas Neues entdecken.

Dagmar Mägdefrau

Sachen suchen – Englisch lernen

Sachen suchen – Englisch lernen
Bea Zorell
Barbara Jelenkovich
Ravensburger
Sachen suchen
Verlagsempfehlung ab 2 Jahre
Dieses Pappbilderbuch hat ein etwas kleineres Format und dadurch sind die meisten Darstellungen auf den Bildern ebenfalls etwas kleiner. Das System der „Sachen-suchen-Bücher“ bleibt erhalten, nur dass hier der Text sehr kurz ist, dafür aber in beiden Sprachen, Deutsch und Englisch, zu lesen ist. Die Gegenstände und Personen, die in den Wimmelbildern zu suchen sind, sind auch in beiden Sprachen beschrieben. 
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Nach dem Spielplatzbild auf den Cover, geht es gleich mit einer Spielplatzszene weiter. Sandkasten, Rutsche, spielende Kinder - alles Dinge, die den Kleinen vertraut sind. 
Kindergeburtstag, das Geburtstagskind trägt eine Krone und vor ihm sehen wir die vier Kerzen brennen. Oma und Opa sind zu Besuch und es wird gebastelt, danach ein Grillabend im Garten und ein buntes Kinderzimmer mit fröhlichen Kindern. Regen auf dem Markt, ein Bahnhof, eine Baustelle, Kinder in der Kita, eine Streichelzoo und ein Zoo sind die nächsten Stationen.
Vielleicht merken sich die Kinder einige der englischen Begriffe, Zweijährige, die nicht zweisprachig aufwachsen, werden erstmal die Begriffe einer Sprache zeigen und später benennen können.
Einige der Bilder sind schon in anderen Büchern erschienen, aber die elf Doppelseiten sind sicher einer Entdeckung wert.

Dagmar Mägdefrau


The dreams we chase

The dreams we chase
Lorena Schäfer
One
Emerald Bay
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Im dritten Teil der Reihe verschlägt es Lexi für ein Meeresbiologie Studium vom Outback nach Emerald Bay. Mit diesem Studium erfüllt sie sich einen Traum, den sie schon strebsam verfolgen will. An der Uni trifft sie auf Hazel, die wir schon aus dem zweiten Teil kennen und die beiden freunden sich an. 
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Jake kennen wir ebenfalls aus dem zweiten Teil, genauso ist Lexi ihm in der Vergangenheit bereits begegnet, doch hat sie daran keine gute Erinnerung, denn sie hält Jake für einen privilegierten Sohn bekannter Meeresforscher. Jake ist genauso wenig begeistert, als die beiden dann ausgerechnet zu einem gemeinsamen Projekt verdonnert werden … 

Der Teil ist mein Lieblingsteil der Reihe, erst mal ist es natürlich irgendwie, wie an einen bekannten Ort zurückzukehren und es war auch schön, zumindest einige Figuren wiederzutreffen. Aber ich hatte dieses Mal nochmal mehr das Gefühl, dass die Autorin sich von gängigen Romance-Klischees versucht abzuheben, ohne den Faktor “Romance” zu streichen. Der Konflikt der beiden spitzt sich nicht künstlich zu und sie schaffen es öfter mal, tatsächlich zu kommunizieren und Sachen aus der Vergangenheit zu klären.
Außerdem verlieren beide ihre persönlichen Ziele nicht aus den Augen, sofern sie sich derer sicher sind. Ganz sicher ist, dass beide das Meer lieben und sehr viel Ahnung davon haben, das hat mir am Buch auch super gefallen. Da wurde Emerald Bay als Umgebung richtig ausgeschöpft und nochmal anders beschrieben.
Einfach eine richtige Wohlfühlgeschichte und ich bin traurig, erst mal nicht mehr in Emerald Bay zu sein!

Raphaela Brosseron

Almuth und der Hühnersommer

Almuth und der Hühnersommer
Mareike Krügel
BELTZ & Gelberg
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Almuth, die auf dem Cover mit dem Kopf nach unten auf einer Stange hängt, zieht aufgrund des instabilen Gesundheitszustandes ihres kleinen Bruders mit der Familie aufs Land. Ihre Mutter, die die Kinder Matti nennen, geht täglich zur Arbeit, während der Vater seine Arbeit zu Hause erledigt. Noch hat Almuth keine Freund*innen gefunden und deshalb freut sie sich sehr, dass die Hühner des Nachbarn, den sie Öhi nennt, zu ihr an die Turnstange kommen. 
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So entsteht zunächst die Freundschaft speziell mit Huhn Ingeborg. So geht sie täglich den alleinstehenden Nachbarn besuchen und führt philosophische Gespräche mit ihm. Doch es gibt auch ein paar Kinder im Dorf und so freundet sich Almuth mit Said, den jeder im Dorf kennt, und mit Joy, die auf ihre kleinen Geschwister aufpassen muss, an und so gehen die Drei bald auf Marderjagd.

Almuth erzählt im Plauderton von ihren Erlebnissen, ihrer Hühnerfreundschaft, ihrer Angst um den kleinen Bruder und von ihrem Familienleben auf dem Dorf. Sie macht sich Sorgen um den Bruder, der immer wieder ins Krankenhaus muss, weil er Probleme mit der Luft hat, und sie setzt sich jeden Abend zu ihm ans Bett und versucht, ihn zum Lachen zu bringen. Sie mischt sich ein, wenn ein Junge in der Schule gemobbt wird. Sie ist einfach ein liebenswertes Mädchen, das mit beiden Beinen um Leben steht.

In den 17 etwas längeren Kapiteln erleben wir, wie Almuth sich im Laufe des Sommers verändert und doch irgendwie die Gleiche bleibt. Viele kleine Zeichnungen lockern die Erzählung auf und dank des flotten Erzählstils ist es einfach, das Buch zu lesen.

Dagmar Mägdefrau

Ameisen in Adas Bauch

Ameisen in Adas Bauch
Stefanie Höfel
Philip Waechter
BELTZ & Gelberg
Verlagsempfehlung ab 6 Jahre
Liebe-Buchtipp des Monats April 2024 (Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur Volkach)
Ada erlebt in diesem Buch den Sommer vor ihrer Einschulung. Auf dem Cover sehen wir sie ins Schwimmbecken springen, im Wasser erwarten sie Mama, ihr kleiner Bruder Max und Mamas Freund Paul. Bis zu diesem Sprung dauert es aber eine ganze Weile, denn Ada mag es nicht, auch wenn sie gut schwimmen kann, wenn ihr Kopf unter Wasser kommt. 
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Schon das Inhaltsverzeichnis ist ungewöhnlich, denn es gibt noch Unterpunkte, die sich wie ein Wetterbericht anhören. Zum Glück heißt es zuletzt „Die Sonne kommt zurück“. 
Die Sätze und die Kapitel sind sehr kurz und es gibt ganz viele bunte Bilder, deshalb ist das Buch gut zu lesen.
Zunächst wird Ada vorgestellt, so heißt die erste Überschrift „Was die anderen sagen“, und das weicht schon ab von dem „Was Ada sagt“. Aber das ist ja wohl meistens so. Dann beginnt die Geschichte zum „Sonnenschein“, da geht Mama mit den Kinder sehr früh ins Freibad, auf dem Bild kann man die drei einsam am Beckenrand stehen sehen. Aber in den Buch geht es in erster Linie um leise und laute Gefühle, so heißt es im Untertitel. Zu Beginn geht es um ein „Schokokuchengefühl“. Ada erzählt aus ihrem Alltag, von Mamas Weichheit, wie es sich anfühlt, wenn Mama sie „Ada, meine Große“ nennt, was geschieht, wenn Paul Cello spielt und von ihrer Freundin Laila. Und natürlich von den Ameisen, die sie im Baum spürt, wenn sie an die Schule denkt. Obwohl Mama es nicht möchte, bekommt Ada zu ihrem Geburtstag von Oma ein Huhn. Im nächsten Kapitel gibt es „Wolken“. Da kommt es richtig zum Streit mit Max, doch als beim Einschlafen Monstertentakel auftauchen, liegen sie wieder in einem Bett vereint. Bis zu Einschulung erlebt Ada noch so einiges und sie macht sich viele Gedanken um Seelen.
Ein traumhaft schönes Kinderbuch! Ada Gefühle kann man so gut nachempfinden, auch die negativen. Die Worte erreichen sofort die Herzen der Leserinne und Lesen und man möchte manche Passagen immer wieder (vor)lesen und in die Geschichte versinken. Ein wundervolles Buch nicht nur für Schulanfänger*innen.

Dagmar Mägdefrau

Mit der Maus auf dem Fluss   

Mit der Maus auf dem Fluss
Alice Melvin
Kunstmann
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Ein wundervolles Bilderbuch! 
Das Cover zeigt die Maus, die mit ihrem Ruderboot auf dem Fluss unterwegs ist. Beim Umblättern sehen wir ein Wasser mit vielen Enten und danach die Karte, die uns zeigt, welchen Weg der Fluss und auf ihm die Maus nimmt. Da geht’s von ihrem Haus bis ans Meer durch die unterschiedlichsten Landschaften.
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Zunächst nimmt sie Abschied von der Familie, danach geht es durch ein grünes Blättermeer, damit wir es uns richtig gut vorstellen können, kann man an beiden Seiten die Bäume ausklappen. Nach den Kopfweiden kommen wir an ein Bootshaus und nachdem wir die Hauswand aufklappen, sehen wir einen Korbflechter bei der Arbeit. Das Boot fährt unter einer Holzbrücke durch und wir können das Boot durch Umklappen der Brücke vor und nach der Brücke sehen. Nach einem Hausboot, dessen Einrichtung wir anschauen können, folgt eine Schleuse. Hier kann man die Seite unten aufklappen und dann sehen, wie das Boot nach unten geschleust wurde. Es folgt ein Geschäft und ein Café, immer mit der Möglichkeit ins Innere zu schauen. So gibt es noch viel zu sehen, bis auf der letzten Seite der Mäuserich und sein Freund aufs Meer schauen.

Kinder lieben es einfach, in Büchern etwas zu entdecken und die Illustratorin dieser stimmungsvoll gezeichneten Bilder hat mit der Konstruktion ihrer Klappen viel Fantasie bewiesen. Erstaunlich, was sich da alles verändert.

Die erklärenden gereimten Texte sind kurz und sie lassen sich sehr schön vorlesen, wie oben gesagt: Ein wundervolles Buch!

Dagmar Mägdefrau

Von wegen Regen!  

Von wegen Regen!
Nelly Buchet
Rachel Katstaller
NordSüd
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Auf dem Cover sehen wir die beiden Schwestern, von denen dieses Buch handelt, fröhlich gemeinsam in einem gelben Regencape im Regen stehen. Die Illustrationen gehen über die Doppelseite und wir sehen die beiden Kinder Hand-in-Hand aufbrechen. Im Hintergrund sieht man Schiffe fahren und „Es sollte der beste Tag werden!“ 
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Es ist so ein richtig heißer Sommertag und die beiden essen zunächst ein Eis, überall sind Menschen unterwegs. Doch dann fängt es an, zu regnen. Zum Glück hat die große Schwester ein Regencape dabei und auch für ihre kleine Schwester gibt es einen blauen Regenmantel. Der Plan, in den Zoo zu gehen, eine Ausstellung zu besuchen oder in die Bibliothek zu gehe, geht leider nicht auf. Beide sind „patschnass und hungrig“. Da beschließen sie, nach Hause zu gehen. Es ist schon dunkel, als sie mit der Bahn fahren. Der Tag ist nicht so gelaufen, wie sie es geplant hatten, aber „so ein Tag mit dir allein“ ist einfach das Schönste.
Sehr gut gefällt mir der Text der Autorin am Ende des Buches, in dem sie von ihren Schwestern berichtet und den Leser*innen Fragen stellt.
Ein rundum gelungenes Bilderbuch, ganz besonders für Schwester. Ganz knappe Texte und Bilder zum Eintauchen.

Dagmar Mägdefrau

Was macht die Farben bunt?   

Was macht die Farben bunt?
Marcus Pfilster
NordSüd
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Farbenfroh kommt das Cover schon daher, wenn man genau schaut, sind es Schmetterlinge, die dort fliegen. Auf der ersten Doppelseite sehen wir eine Pflanze aus dem Boden wachsen, danach sehen wir rosarote Blüten auf grünem Grund, der Text dazu lautet „Was lässt der Blumen Duft entstehen, und warum ist er nicht zu sehen?“ Sonne und Wolken sind das nächste Thema, ein pfeifender Vogel folgt und er schaut uns direkt an und sein kleiner Schnabel ist weit geöffnet.
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Fliegende Herbstblätter und die Frage „Was lässt die Erde ständig drehen, den Wind mal stark. Mal sachte wehen?" Schön ist auch die nächste Seite, dort wächst ein kleiner Apfelbaum aus einem halben Apfel. Muschel, Fische und Farben sind auf den nächsten Seiten zu finden, immer mit einer gereimten Frage. Die Antwort kann man sich denken, aber ich werde sie nicht verraten.
Die Bilder sind wohl mit Farbe Naturmaterialien gedruckt und dadurch verschwimmen die Konturen etwas, dadurch wird alles etwas weicher. Die kleinen Zweizeiler-Fragen sind sprachlich wunderbar gestellt und sehr poetisch.

Dagmar Mägdefrau

Fototag im Dinokindergarten   

Fototag im Dinokindergarten
Sean Julian
NordSüd
Dinokindergarten
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Nach „Normans erster Tag im Dinokindergarten“ treffen wir im zweiten Band wieder auf die kleine Kindergruppe unterschiedlicher Dinosaurier, die wir schon auf dem Cover sehen können. Frau Horn bringt einen etwas antiquierten Fotoapparat mit. Fridas hat extra ihren Lieblingshut aufgesetzt und will deshalb auch vorsichthalber nicht an den Spielen teilnehmen. 
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Aber immer nur abseits zu sitzen, hält sie nicht aus. So stürzt sie sich von der Rutsche ins Wasser. Beim gemeinsamen Mittagessen bemerkt der kleine Norman, dass der Hut fehlt. Obwohl alle bei der Suche helfen, ist der Hut zunächst nicht zu finden. Doch dann schauen die Dinos nach oben und entdecken, dass ein Vogel seine Eier in den Hut gelegt hat. Doch Frida findet, dass der Vogel ihren Hut behalten darf, denn „mein Hut eignet sich noch viel besser als Nest.“ Dank Frau Horn gibt es am Ende doch noch ein wundervolles Foto, auf das alle stolz sind. Wundervoll, wie einfühlsam die kleinen Dinos miteinander umgehen. Alle helfen Frida und die bleibt ganz ruhig, als ihr Hut zum Nest umfunktioniert wird. Eine tolle Truppe!

Kurze Texte über Situationen, die zum Kitalltag gehören (wenn auch die Ausstattung nicht so toll ist wie im „DinoPlay“) und die Bilder zeigen viele verschiedene Dinos, die die Kinder sicher zuordnen können.

Dagmar Mägdefrau

Golden Heritage

Golden Heritage
Carolin Wahl
Loewe Intense
Reihe Crumbling Hearts
Verlagsempfehlung ab 16 Jahre
Während Aleksander Skogen im ersten Teil der Crumbling Hearts Reihe gerade wegen seines Skandal im Lampenlicht Aufmerksamkeit auf sich zieht, lebt Ellinor Skogen, seine jüngere Schwester, ein anderes Leben: Ihr ist jede Form von Aufmerksamkeit zu viel, die Presse hat kein aktuelles Bild von ihr und allein der Gedanke, mal kein chronischer People-Pleaser zu sein, bereitet ihr Panik. 
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Nichtsdestotrotz möchte sie in das Keksunternehmen der Familie Skogen eintreten und nutzt ihre Unbekanntheit, um dort hinter die Kulissen zu blicken. Schon kurz vorher war sie Lucas, ihrem ehemaligen besten Freund, der sie damals einfach geghostet hatte, nach Jahren wieder begegnet und nun der nächste Schock: Sie müssen beide eng zusammenarbeiten. Da er eine Kälte und Distanz hat, die ihr fehlt und sie die Kontakte, die ihm fehlen, überlegen sie sich einen zunächst rationalen Plan, diese Zusammenarbeit irgendwie gewinnbringend für beide Seiten zu machen - mit emotionalen Folgen. 
Nachdem ich den ersten Teil noch durchaus gelungen fand und mir sicher war, dass er für Fans von Romance ein guter Fund ist, weiß ich nicht, ob ich das gleiche auch für den Teil behaupten kann. Klar, die Romance-Tropes sind gut vertreten, nicht nur Fake-Dating, wie es auf dem Buch schon angegeben ist, auch Enemies-to-lover, genauso die großen Emotionen und einige “spicy” Momente.
Die Story ist nicht neu, zwei Leute, die aus welchen Gründen auch immer nicht verstehen, dass sie Gefühle füreinander haben, das stört mich nicht.
Aber wie kann es sein, dass sie beim anderen wirklich jede Regung wahrnehmen, jedes Zucken, jede „Veränderung der Haltung” usw., nur um dann aber die falschesten Schlüsse daraus zu ziehen? Am häufigsten war eigentlich etwas mit dem Brustkorb. Um es einmal exemplarisch zu verdeutlichen: Auf Seite 86 „rollt etwas Mächtiges” durch seine Brust, ein paar Zeilen später kämpft er „gegen das dumpfe Gefühl” in seiner Brust an, auf Seite 88 schmerzt sie und fühlt sich eng an. Der Magen kommt genauso oft vor, er hat ein „protestierendes Ziehen”, er krampft sich eine Seite später und rebelliert auf der nächsten.
Dass Nervosität sich so körperlich in der Brust und im Magen zeigt, sehe ich ein. Aber beim Lesen wird einem jedes sprachliche Klischee gefühlt in 10 Varianten vorgeworfen. Gerne werden auch Vergleiche gebracht, hauptsache irgendein „wie” folgt, „brennen wie Brennnesseln”, „schneiden wie Fleischmesser”, eigentlich auch das Übliche, aber so gehäuft, dass ich mich zwischendurch wirklich fragte, ob das eine Parodie ist.
Das “Komm schon, Kätzchen, zeig mir deine Krallen”, das Lucas sehr früh, als die beiden noch sehr distanziert sind, ständig sagt, kommentiere ich einfach mal damit, dass ich dachte, diese Phrase ist vielleicht nicht ideal übersetzt, er nennt sie doch nicht wirklich so abwertend Kätzchen? Dann ist mir eingefallen, dass das Original ja schon auf Deutsch ist.
Man hätte so viel mehr aus allem machen können, die Gespräche über das Unternehmen, die Beziehung zum manipulativen Großvater, die arabischen Wurzeln von Lucas …
Es muss ja nicht unendlich viel Tiefe bekommen, aber dieser krampfhaft bildliche Schreibstill war für mich alles andere als intensiv, eher sehr oberflächlich.
Es gibt bestimmt Abnehmer*innen für dieses Buch, die sich bei meinen Ausführungen denken, dass das doch alles toll klingt. Gleichzeitig bin ich trotzdem enttäuscht, nach einem soliden ersten Teil so ein Leseerlebnis zu haben.

Raphaela Brosseron