Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

Im Jahr des Affen

Que Du Luu
Königskinder-Verlag
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Die besten 7 Bücher für junge Leser (Juni 2016) – White Ravens 2016, Nachwuchspreis 2016 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur
Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2017

Zu Anfang kam ich etwas schlecht rein. Irgendwie war das nicht so richtig rund für mich. Eine junge Asiatin ging in Herford mit ihren Freundinnen in die Disco, ärgerte sich über ihren Pickel, trank zu viel Bier und machte sich an den Schwarm der Freundin ran.
Aber dann bekam der Vater einen Herzinfarkt und nur mit Hilfe des aus Australien angereisten Onkels Wu war Mini in der Lage das Restaurant des Vaters weiterzuführen.

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Dann erfährt der Lesende, dass die, als Dreijährige aus Vietnam als Bootpeople geflüchtete Chinesin, eine Banane ist: Außen gelb und innen weiß.
Und so erleben wir sie auch. Sie hat nie wirklich mit dem Vater gesprochen, kann sich an die Flucht oder das Leben davor nicht erinnern. Sie kennt weder chinesische Bräuche noch die kann sie die Sprache richtig sprechen, lesen schon gar nicht.

Das bringt uns ein wenig den Menschen näher, die sich in unserem Land zwar fast deutsch fühlen, aber durch ihr Aussehen als Fremde behandelt werden. Dabei sind Mini unsere Sitten näher, als die ihrer Ahnen. Der Vater hat keinen richtigen Glauben, ist aber für alles andere, wie Weihnachten, offen. Aber der Tochter fehlt der Halt ohne Geschichte und ohne Glauben.
Dabei lebt in Australien die ganze restliche Familie und das sind viele Tanten und Onkel. Doch der Vater wollte dem Kind die Freunde nicht nehmen, die sie hier gefunden hat und betreibt deshalb mehr schlecht als recht sein Lokal.

Ich habe viel gelernt über Chinesen, die wir ja alle aus dem Chinarestaurant kennen, die wir dort aber nur als „Diener“ wahrnehmen. Die menschlichen Schicksale bleiben uns verborgen und wir haben auch nie danach gefragt. Wie auch, der Kellner kennt nur seine Karte und spricht sonst kein Deutsch.

Ein wirklich interessantes und spannendes Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann, gerade, weil wir uns über die „Nichtintegrierten“ wundern.

Dagmar Mägdefrau