Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

Welche Farbe hat mein Tag? - Ein Krimi-Abenteuer

Welche Farbe hat mein Tag? – Ein Krimi-Abenteuer

Carina Lendl
Bucher
Verlagsempfehlung ab 9 Jahre
Ein Kinderbuch, zu dem es sehr viel zu erzählen gäbe, immerhin umfasst es ganze 416 Seiten. Wer es liest, ist also erst mal beschäftigt, wird aber auch mit entsprechend viel Inhalt belohnt, der sich kaum auf ein paar Zeilen zusammenfassen lässt:
Paulas Familie ist in ihrem Verhalten und Konsum sehr auf Bio bedacht, einer der vielen Streitgründe mit der ungeliebten Tante Viola: Die nämlich gar nicht. Diese sorgt auch dafür, dass Paula verdächtigt wird, ihre Abstellkammer angezündet zu haben, ein schwarzer Tag für Paula, die sich ab jetzt mit der Polizei auseinandersetzen muss.
mehr oder weniger lesen
Paula, die eigentlich ihre Sommerferien genießen sollte, gilt nun im ganzen Dorf als verdächtig. Gott sei Dank hat sie ihre Eltern, die ihr helfen wollen, den wahren Täter zu finden.

In fast schon poetischer Erzählung bringt die Autorin nicht nur Witz und Spannung sondern auch Ernsthaftigkeit in die Geschichte. Man merkt Paula, die ihre Gefühle und Gedanken gerne in Farben sortiert, ihre Angst sehr an, die auch absolut nachvollziehbar ist.
Der Anfang ist etwas schleppend, doch das Warten lohnt sich, denn es wird, ganz wie es sich für einen Krimi gehört, noch sehr spannend und zeugt, dass auch Kinder sich nicht alles von Erwachsenen gefallen lassen müssen.

Raphaela Brosseron

Paula lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Ort. Ihre Mutter arbeitet im Bioladen, die Spezialität des Ladens, die Kostbärchen, fertigt Gabi in Mengen zu Hause an. Sie und Max sind ein nettes Elternpaar, dass sie auch mal streiten kann. 
Weniger nett sind das Nachbarehepaar, das ständig im Garten zu tun hat, aber selbst keinen Lärm von anderen duldet. Aber am schlimmsten ist Max Schwester Viola. Sie war schon als Kind Klassenbeste, weil sie ein fotografisches Gedächtnis hat. Sie soll ihrer Nichte während der Ferien Nachhilfe in Mathe geben. Aber sie ist so boshaft und gemein, dass Paula da wenig Lust dazu hat. Als es dann auch noch zu einer Auseinandersetzung zwischen den beiden kommt, fällt der Verdacht, als es einen Brand bei der Tante gibt, auf Paula.
So kommt es, dass Paula, deren Ferien so gut begannen, schreckliche Zeiten durchmachen muss. Ihre Eltern und Freunde geben sich alle Mühe, um sie zu unterstützen. Ein echter Lichtblick in dieser Zeit ist Ufo, der Wellensittig, der seit den Ferien bei Paula wohnt.
In so einem kleinen Ort, wo jeder jeden schon immer kennt, ist ein Thema noch viel schneller in aller Munde als in der Großstadt. Da kommen alte Schulgeschichten wieder hoch, alte Frauen beurteilen nach ihren altmodischen Vorstellungen, Halbwahrheiten werden ausgeschmückt und rücksichtlos verbreitet. Als Paula von vielen Seiten angefeindet wird, verliert sie fast den Mut sich zur Wehr zu setzen. Paulas Gefühle werden in der Geschichte sehr gut beschrieben und ich habe sehr mit ihr gelitten. Aber es gibt auch nette Menschen, wie den Pizza-Bäcker Antonio, die Polizei-Psychologin Camen und ihre Freundin Fanni mit dem losen Mundwerk.

Die zu Anfang harmonische Geschichte entwickelt sich immer beängstigender. Dadurch steigt die Spannung und das Mitgefühl mit Paula, deren Gefühlswelt dem Lesenden sehr nahe geht. So ganz passt dieses Buch deshalb nicht in das Genre „Krimi“, obwohl durchaus eine Straftat aufgeklärt werden muss. Aber ich finde, es ist mehr als das. Die Geschichte lässt uns mit der Protagonistin leiden, hoffen und verzweifeln, aber auch erfahren, was Freundschaft und Familie bedeuten kann. Trotz der Spannung gibt es aber auch sehr humorvolle Situationen, so ist es ein Spaß, wie die Tratschweiber beschrieben werden. Lesenswert!

Dagmar Mägdefrau