Fräulein Renée und das kartografische Komplott

Fräulein Renée und das kartografische Komplott  

Katja Grimme

Corinna Böckmann

Südpol

Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

Die 17-jährige Renée Graf stellt im Jahr 1908 den jungen Dichter Casper Schützer ein, damit er ihre Chronik schreibt. Dabei hat sie jedoch drei Regeln: Erstens hat sie das Kommando. Zweitens entscheidet man sich im Zweifelsfall nicht für die vernünftige, sondern immer für die abenteuerliche Lösung. Und drittens ist Tradition niemals ein Argument. Da Casper keine andere Wahl hat, lässt er sich auf diese ungewöhnliche Vereinbarung ein.
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Bei einem Spaziergang entdecken die beiden in einem Forsthaus eine Leiche, und Renée beschließt, dass sie gemeinsam ermitteln. Schon bald stoßen sie auf Spuren, die sie zur Geographischen Gesellschaft Württemberg führen …
Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht des Chronisten Casper erzählt. Dadurch taucht man sofort in die Handlung ein und erlebt seine Gedanken und Gefühle hautnah mit. Besonders gelungen fand ich, dass Caspers Neurodivergenz auf eine authentische und unaufgeregte Weise in die Geschichte eingebunden wird. Sie macht ihn zu einem vielschichtigen Charakter, ohne ihn darauf zu reduzieren. Die Spannung baut sich zunächst langsam auf, doch ab einem gewissen Punkt möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Der Roman ist nicht nur ein spannender Kriminalfall, sondern greift auch die Situation queerer Menschen in der damaligen Zeit auf und vermittelt zugleich interessantes historisches Wissen, unter anderem über König Karl I. von Württemberg. Normalerweise bin ich kein großer Fan von Liebesgeschichten, da sie mir oft zu kitschig sind. Kaja Grimme gelingt es jedoch, die Liebe zwischen Renée und Lisbeth so natürlich in die Handlung einzubinden, dass sie den Kriminalroman bereichert, ohne jemals kitschig zu wirken. Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Buch.

Katrin Hemmerich

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