• Freunde    

    Freunde    

    Eva Kranenburg

    Fischer-Sauerländer

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Oldenburg 2025

    Der Roman erzählt die Geschichte von Nata, Ren und Tuk, die sich in den letzten Tagen eines Krieges auf einen Aufruf hin als Kämpfer melden und dadurch zu Tarek finden. Schon bald werden die vier jedoch zu Deserteuren. Trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft und der Tatsache, dass sie ursprünglich verschiedenen „Lagern“ angehören, entwickelt sich zwischen ihnen eine tiefe und berührende Freundschaft.
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    Besonders eindrucksvoll ist, dass es sich bei ihnen noch um sehr junge Menschen handelt – Teenager, wobei Tuk sogar noch jünger ist.
    Die Handlung spielt sowohl in den letzten Kriegstagen als auch in der ersten Zeit danach und zeichnet ein eindringliches Bild von Krieg und Nachkriegszeit. Die Geschichte ist äußerst bildgewaltig erzählt und wirkt erstaunlich real, obwohl sie von einem fiktiven Krieg handelt. Gerade diese Nähe zur Wirklichkeit macht den Roman so eindrucksvoll und zugleich emotional fordernd. Es zeigt wie wichtig Freundschaft und Menschlichkeit ist.
    Ich konnte das Buch deshalb oft nur in kleinen „Häppchen“ lesen, um das Gelesene nachwirken zu lassen und zu verarbeiten. Schon lange hat mich kein Buch mehr so nachhaltig beschäftigt wie dieses. Besonders erschütternd ist, wie greifbar nah die geschilderten Ereignisse in unserer heutigen Zeit erscheinen.
    Für mich ist dieses Buch ein wichtiges Werk, das unbedingt von Jugendlichen ab 14 Jahren sowie von Erwachsenen gelesen werden sollte.

    Katrin Hemmerich
  • Amokalarm

    Amokalarm

    Uli Black

    BoD

    Autorenempfehlung ab 15 Jahre

    H.C., dessen Vorname nur aus diesen beiden Buchstaben besteht wird von seinen Lehrern nie so angesprochen, sondern immer mit seinem Nachnamen „Nachtnebel“. H.C. wird bald 16 und er ist ein durchschnittlicher Schüler nur in Mathe ist er ein Genie, so bezeichnet ihn auch sein Mathelehrer. 
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    Am liebsten spielt er Basketball mit einen Freunden Mateo, Julian und Linus, auch hier ist er sehr er ein echter Meister im Körbe werfen. Er hat keine Geschwister und seine Eltern kümmern sich vielleicht etwas zu sehr um ihn, denn H.C. hat vor einiger Zeit einen Zusammenbruch erlitten als sein großes Idol der Basketballer Kobe Bryant bei einem Helikopterunfall ums Leben kam. Inzwischen finden er beim Tragen des Trikots von Kobe Trost und er zieht sich dann damit ihn sein Zimmer zurück. 
    Die Geschichte wird aus der Sicht von H.C. erzählt, er lässt uns an seinen Ängsten und Hoffnungen teilhaben und so erfahren wir in kleinen Dosen, wie es dazu kommt, dass er die Lehrer in Raum 24 der Schule mit einer Bombe bedroht. Zunächst geht es um den normalen Schulalltag, um Basketball und die Mathestunde. Später um seine Gefühle für Keira und die neue Hoffnung, die er aus dieser Liebe schöpft.
    Besonders der Zusammenbruch aufgrund des plötzlichen Todes seinen Idols wurde sehr eindringlich beschrieben. Erst im letzten Teil erfuhren wir von der Intrige, des H.C. zu seiner Tat veranlasst hat, bis dahin berichtet er auf unterschiedlichen zeitlichen Ebenen vom Geschehen, das ist am Anfang etwas verwirrend, aber im Laufe der Geschichte entwirrt sich denn alles. Auch an die Jugendsprache musst ich mich erst gewöhnen und ich kann nicht beurteilen, wie identisch sie ist.
    Ein spannendes Buch über einen Jungen, der einen Verlust verarbeiten muss, seine erste Liebe erlebt und der aus seinem Erleben heraus eine schlimme Entscheidung trifft. Ungewöhnlich sensibel erzählt - mit Einblicken in eine verletzte junge Seele.

    Dagmar Mägdefrau
  • Seit dir steht mein Leben Kopf

    Seit dir steht mein Leben Kopf

    Christine Fehér

    cbt

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Das Cover zeigt eine Schnur mit Bildern und einem paar geringelten Söckchen. Diese Schnur hängt die junge Mutter an die Wand ihres Zimmers in der Wohngruppe.
    Aber zunächst wohnt die 16-jährige Fiona noch zusammen mit ihrem Baby bei ihrer alleinerziehenden Mutter.
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    Obwohl Pepe die Ansprüche eines Säuglings hat, schafft die junge Mutter es sehr gut ihn zu versorgen, sie stillt ihn sogar ohne Probleme. In die Schule geht Fiona zurzeit nicht, denn sie fokussiert sich auf ihre Mutterrolle. Der Vater des Kleinen Pepe macht bald Abitur und muss viel lernen, trotzdem kommt er regelmäßig zu seiner kleinen Familie und kümmert sich liebevoll um seinen Sohn. Aber Fiona ist oft unzufrieden mit der Hilfe von Lukas und ihrer Mutter, die sich frisch verliebt hat. Manchmal ist Fiona dann auch ungerecht und sieht nur ihre Situation, die sicher nicht ganz einfach ist. 
    Das Buch berichtet aus sich einer 16-jährigen Mutter ihren Alltag und die Probleme, die dieser mit sich bringt. Die berufstätige frisch verliebte Oma kann nicht immer für die beiden da sein und der junge Vater lernt zunächst und macht dann eine Reise und genießt sein Leben nach dem Abi-Stress. Fiona möchte auch wieder in die Schule und einen Abschluss machen, aber ihr ist das Schülerinnenleben inzwischen fremd geworden. Daneben stillt sie immer wieder ihr Kind, wickelt es und versucht es zum Schlafen zu bringen. Ich muss leider zugeben, dass mich das Lesen dieser Careaufgaben selbst etwas ermüdet hat. Schlimm genug, wenn mir persönlich von solchen Tagen berichtet wird. Jede Mutter kennt das und ich befürchte junge Leser*innen werden da eher abgeschreckt und ob sie das von einer frühen Schwangerschaft abhält, halte ich für unwahrscheinlich.
    Ich ziehe meinen Hut davor, wie gut Fiona ihren Alltag meistert und ich gönne der jungen Familie, dass ihre Wünsche in Erfüllung gehen, befürchte aber, dass das Thema nicht viele junge Menschen anspricht.

    Dagmar Mägdefrau
  • Narbenmädchen 

    Narbenmädchen 

    Lilly Bogenberger

    dtv

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Die 15 jähre Lara landet, weil sie sich immer wieder ritzt, in einer Kurklinik für verhaltensauffällige Jugendliche. Natürlich hat sie auch hier Rasierklingen eingeschmuggelt, doch dann blutet sie so sehr, dass sie in eine Notaufnahme muss und ihr von Seiten der Leitung der Klinik gedroht wird, dass sie, sollte sie noch einmal auffallen, in eine Psychiatrische Klinik eingewiesen wird. 
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    Im Laufe der Geschichte lernen wir einige der anderen Jugendlichen und ihre erschreckenden Schicksale kennen. Der so gemütlich wirkende Neo hat schon einige Selbstmordversuche hinter sich und der zarte Finn betäubt sich mit Haschisch. Die Gruppentherapie nervt und überhaupt fühlen sich die Jugendlichen nicht von den Therapeuten verstanden. Sie finden, ihnen wird nicht, wie erwartet, geholfen. So kommt es, dass dann am Ende, nach vielen Abstürzen, die drei Freunde sich selbst therapieren.
    Ich fand das Lesen dieses Buchen schon belastend, es gab viele Abgründe, in die ich hineingeblickt habe. Deshalb möchte ich das Buch auch nur unter dem Vorbehalt empfehlen, dass die Lesenden psychisch stabil sind oder zumindest ihre Gedanken mit anderen teilen.
    Der Schreibstil, der die Geschichte aus Sicht der Lara erzählt, ist sehr gut zu lesen und es ist immer wieder spannend, wie sich alles entwickelt.

    Dagmar Mägdefrau

  • Spiel des Lügners – Schattenbrüder-Dilogie – Band 1

    Spiel des Lügners – Schattenbrüder-Dilogie – Band 1

    Jessica S. Olson

    Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Hansen-Schmidt

    Fischer Sauerländer

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Lola und ihr Boss, Enzo der Dieb, versuchen seit vier Jahren, die magische Mondscherbe aufzuspüren. Diese haben Enzo und sein Bruder Nic, der Lügner, aus dem Tempel von Aethera gestohlen.
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    Mit der Mondscherbe hat der Lügner seinen Bruder mit einem Fluch belegt und nur ihre Zerstörung kann Enzo davon befreien. Die letzte Spur, die Lola und Enzo verfolgen, führt in das Casino des Lügners, den einzigen Ort in Aethera, den der Dieb nicht betreten kann. So ist Lola auf sich allein gestellt. Sie wird an dem mehrtägigen Würfelturnier des Lügners teilnehmen und die Zeit als Gast nutzen, um nach der Mondscherbe zu suchen. 

    Das Buch zieht einen bereits auf den ersten Seiten geradezu magisch in die Geschichte rein. Gleichzeitig braucht man etwas Zeit, um sich auf diese fantastische Welt, die Jessica Olson entworfen hat, einzulassen und sie in ihrer Komplexität zu verstehen. Am besten gönnt man sich gerade zu Beginn ausreichend Lesezeit am Stück. 

    Lola, die sich nichts so sehr wünscht, wie Mitglied von Enzos Bande zu werden, entdeckt im Laufe des Turniers ihre eigenen Kräfte und emanzipiert sich von ihrem Boss. Betrachtet sie noch zu Beginn des Turniers den Lügner als Feind, kann sie sich im Laufe der Zeit seinem Charm nicht entziehen und verliebt sich in den Nic, der hinter der Fassade des glatten Casinobetreibers auftaucht. – Ein typischer Fall von From-Enemies-to-Lovers. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Lola und Nic, was uns als Leser*in vor allem Einblicke in das Gefühlschaos der Protagonisten ermöglicht. 

    Das Buch ist toll gestaltet – Cover, Pageoverlay und Farbschnitt. Ein echter Hingucker und so passend zu dieser mitreissenden Romantasy mit ihrem Setting in einer Welt voller Illusionen. Ich freue mich schon auf den zweiten Band dieser Casino-Dilogie, der hoffentlich alle meine offenen Fragen beantworten wird. 😃

    Beate Böhm

  • Pepper  

    Pepper  

    Nils Mohl

    Rotfuchs

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Auf dem Cover sehen wir Pepper mit ihrem roten Notizbuch, in dem alle Fragen stehen, die sie ihrem Vater stellen wird, sobald sie weiß, wer er ist.
    Die Frage nach ihre Vater stellt Pepper ihrer Mutter immer wieder, doch erst als sie schon 17 ist, gibt sie ihr überraschenderweise den Namen auf einem Zettel: „Kimme“.
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    Ihre Mutter ist Politikerin und die beiden wohnen sehr feudal in der HafenCity in Hamburg. Bald erfährt sie, dass ihr Vater, der in jungen Jahren als Musiker eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte, immer noch mit seinen Bandkollegen in einer WG wohnt. Da macht sie sich auf, um dort in ein freies Zimmer zu ziehen. Ihre Mutter und ihr Freund August raten ihr ab, doch Pepper möchte ihren Vater erstmal inkognito kennen lernen. Ihr Vater ist ein eigenwilliger Typ, dass kann sie schon an seiner Kleidung erkennen, aber auch seine schroffe Art und seine weisen Kommentare bringen wenig Nähe. Als er dann Pepper unter Druck setzt, sie müsse eine riesige Einweihungsparty organisieren, ist diese völlig überfordert. Denn sie ist ein ruhiges jungen Mädchen, das wenig Freunde hat und nie auf wilde Partys geht.
    „Kann man vermissen, was man nie hatte? – Wie würde es wohl klingen, wenn du meinen Namen sprichst?“ das sind Fragen, die Pepper in ihren Notizen stehen hat. Erst ganz am Ende wird sie Antworten bekommen, aber dann ist ihr Vater schon sterbenskrank.
    Jedes Kapitel beginnt mit einer grauen Seite, auf der wir Peppers Notizen lesen oder auf der deutsche Songtexte von der Band „Kimme & Popkorn“ stehen. Uns wird die Geschichte von Pepper erzählt, die ihren Vater immer direkt anspricht, wodurch für mich eine besondere Nähe zu spüren war. Der zunächst schroffe Kimme zeigt im letzten Teil doch noch viel Gefühl und die kurze Zeit, die den beiden bleibt, gibt Pepper sehr viel. Mir gefiel es auch sehr gut, dass das Verhalten der Mutter nicht zu einem Bruch geführt hat. Ein Buch mit vielen Facetten, neben den Jungen gibt es eine Truppe alternder Menschen und dann noch drei Senioren mit viel Witz und Lebenserfahrung. Eine hervorragende Mischung und ein Jugendroman, der gelesen werden muss.

    Dagmar Mägdefrau
  • Hundertsiebenundachtzig Tage

    Hundertsiebenundachtzig Tage

    Ludovic Lecomte

    Aus dem Französischen von Nadine Püschel

    Mixtvison

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Ganz in sich versunken, den Blick nach unter gerichtet, sehen wir den gezeichneten Jungen auf dem Cover.
    „Höhlensyndrom“ nennt sich der Zustand, in dem er sich seit 187 Tagen befindet.
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    Sein Ziel in den nächsten Stunden ist es das Haus zu verlassen und einen Brief an eine Freundin einzuwerfen. Nachdem der Schüler plötzlich nicht mehr die Wohnung verlassen konnte, igelt er sich zu Hause ein. Seine Therapeutin hat sich darauf eingelassen ihn telefonisch zu unterstützen. Zu Freunden und Familie hat er den Kontakt verloren, während seine hilflosen Eltern versuchen ihn zu unterstützen. 
    Die Geschichte wird aus der Sichte des Jungen geschrieben und die Buchstaben passen sich mit der Groß- und Kleineschreibung dem Gemütszustandes des Jungen an. Auch die Zeichensetzung fehlt manchmal völlig. Das Buch hat nur etwas über 100 Seiten und im Text gibt es große Freiräume und SMS-Texte. Es ist also schnell zu lesen, aber trotzdem könnte ich die Empfindungen sehr gut nachvollziehen. Ich würde meinen, der Text geht unter die Haut und hinterlässt einen Nachgeschmack der Ängste, die der Protagonist durchleidet.

    Dagmar Mägdefrau

  • Der Scherbenpalast      

    Der Scherbenpalast      

    Annette Mierswa

    Verlag Freies Geistesleben

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Weil Lous Mutter ein neues Engagement als Schauspielerin angenommen hat, zieht die Familie von Hamburg nach Mannheim. Lou ist entschlossen, sich gegen diese Entscheidung aufzulehnen und sie benimmt sich sehr peinlich in der neuen Umgebung. 
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    Obwohl die Eltern sich sehr bemühen, ihre Wünsche zu erfüllen, verärgert sie Nachbarn, Lehrkräfte und Mitschüler*innen. Sie ist einfach nur wütend, weil sie ihre beste und längste Freundin zurückgelassen hat. In der Theatergruppe, wo sie die Hauptrollen gespielt hat, gab es Damian, auf dessen Freundschaft sie gehofft hat. Die alte Nachbarin Freya mit dem Mammutbaum im Garten, die an ihrem Scherbenpalst baut, ist die erste mit der Lou spricht. Dann taucht Sari auf, eine fröhliche Chaotin, die sich selbst als Fettnapf-Queen bezeichnet und die mit ihrer humorvollen Art Lou immer wieder zum Lachen bringt. Sie kennt sich aus in Mannheim und wirkt als Statistin beim Theater mit.
    Besonders Freya ist eine ungewöhnliche Person, sie hat einiges erlebt in ihrem Leben und gibt den Menschen angelehnt an die vielen Planzen in ihrem Garten Namen. Lous Eltern sind bereit, für das Glück ihrer Tochter einiges in Kauf zu nehmen, doch dann entwickelt sich alles ganz anders.
    Julia „Butterfly“ Hill ist eine amerikanische Umweltaktivistin, die u.a. einen Mammutbaum durch ihren Protest gerettet hat. Ihre Aktion spielt im Buch eine bedeutende Rolle.
    Für mich benahm sich Lou mit ihren wütenden Aktionen mehr wie ein Kleinkind, immer wieder zerstörte sie alles und es gab viele Tränen und einige traurige Schicksale in der Geschichte. Aber es gab durchaus auch lustige und bewegende Szenen.
    Und eine Rolle spielt auch die Stadt Mannheim, die am Anfang Kackmannheim genannt wurde.

    Dagmar Mägdefrau

  • Mo & Motitz    

    Mo & Motitz    

    Julya Rabinowich

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Buch des Monats Februar 2026

    Beste 7, Deutschlandfunk, März 2026

    Ein sehr bewegendes Buch, das unter die Haut geht. Mo ist Moslem und musste mit seiner Familie nach Wien fliehen. Er lebt beengt mit seinen Eltern, seiner Schwester, die sich gerne anpassen möchte, und seinem Bruder, der dieser westlichen Welt sehr kritisch gegenübersteht. 
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    Da Mo von der Schule fliegt, fängt er eine Lehre in einem angesagten Friseursalon an. Herr Franz, der Meister, ist ein besonderer Mensch, der sich sehr um Mo kümmert. Auf dem Opernball begegnet Mo dann einem anderen Mo, nämlich Moritz, der Jude ist, und die beiden verbindet eine zarte Liebe. 
    Mir gefällt es besonders, wie die Autorin diese Liebe beschreibt. Besonders in die Gefühle von Mo, der sich seiner Familie und dem Meister verbunden fühlt und den es gleichzeitig zu Moritz zieht, konnte ich mich sehr gut hineinfühlen. Wie die ganze Geschichte meine Gefühle durcheinanderbrachten. Deshalb hat mich die Hoffnung zum Ende des Buches ein wenig beruhigt, denn es ist zu befürchten, dass so eine Liebe in unserer Welt keine Zukunft haben wird. Wie schön, dass „die blaue Fee“, eine alte Dame Mo so unterstützt hat.
    Ein zarte Geschichte, die mit dem Anschlagplänen auf das Taylor Swift-Konzert einen sehr realistischen Part hat.
    Die Geschichte ist konfliktreich und doch voller Hoffnung. Wollen wir Mo & Moritz ganz viel Glück für ihre Zukunft wünschen.

    Dagmar Mägdefrau
  • Catch your Death – Traue niemandem

    Catch your Death – Traue niemandem

    Ravena Guron

    Aus dem Englischen von Katja Hildebrandt

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Emily Vanforte, die wohlhabende Hausdame des Bramble Estate, wird ermordet. In der Mordnacht befinden sich zahlreiche Mitglieder der Familie im Anwesen sowie drei Mädchen, die später den Ermittlern erzählen sollen, was passiert ist.
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    Devi ist eigentlich nur auf dem Weg zu ihrer Großmutter, doch ein Schneesturm und ihr klappriges Auto machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Als sie am Bramble Estate vorbeikommt, lädt Emily sie ein, die Nacht dort zu verbringen. Lizzie wollte eigentlich nur Schmuck abliefern, kann aber wegen des Wetters ebenfalls nicht mehr weg. Jayne arbeitet in der Küche des Anwesens und kümmert sich um die beiden, da sie ungefähr im gleichen Alter sind. Gemeinsam müssen sie eine unheimliche Nacht inmitten einer zutiefst zerstrittenen Familie überstehen. Und fragen sich ziemlich schnell, in welchen Horrorfilm sie da eigentlich geraten sind.
    Die Geschichte wird über Vernehmungsprotokolle und die Perspektiven der drei Mädchen erzählt. Devi, Lizzie und Jayne könnten unterschiedlicher kaum sein. Anfangs rechnet man fast damit, dass sie sich an die Gurgel gehen, doch das gemeinsame Erlebnis schweißt sie zusammen. Neben dem Kriminalfall entwickelt sich so auch eine glaubwürdige Geschichte über Freundschaft. Gerade die Unterschiede zwischen den Figuren sorgen für eine spannende Dynamik. Besonders interessant (und anfangs etwas irritierend) ist, wie unterschiedlich dieselbe Person je nach Perspektive wahrgenommen wird: Devi wirkt in Lizzies Erzählung völlig anders als in ihrer eigenen. Das unterstreicht sehr gut die vorhandenen Antipathien.
    Großes Plus ist die Atmosphäre: keine Handys, kein Empfang, keine Fluchtmöglichkeit, eingeschneit in einem riesigen Anwesen: Das schreit geradezu nach Horror. Schon früh fragt man sich, was auf Bramble Estate eigentlich vor sich geht, und als Leser*in bekommt man an genau den richtigen Stellen neue Hinweise serviert.
    Ein spannender, düsterer Mystery-Thriller mit klassischem „Locked-Room“-Feeling ,starken Figuren und spannender Wendung.

    Raphaela Brosseron

    Das Szenario erinnert an Agatha Christie: Eine einsame Villa, ein Familienessen, Geheimnisse, die offen gelegt werden sollen, keinen Kontakt zur Außenwelt und drei junge Frauen, die zufällig dort hingelangen und erleben müssen, dass die Hausherrin ermordet wird.Devi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter, als ihr Auto Probleme macht und sie so auf Bramble Estate landet. Lizzie liefert für ihre Mutter eine Halskette aus, als der Schneesturm sie überrascht und Jayne arbeitet aushilfsweise in der Küche und bleibt ebenfalls über Nacht im Herrenhaus. Die Hausherrin Emily Vanforte ist eine sehr reiche Frau, die mit einem Politiker verheiratet ist. Ihre Tochter Lottie ist 17, genau wie die drei anderen Mädchen.
    Es geht um Lügen und Intrigen, alles ist undurchsichtig und als ich glaubte ,so langsam zu verstehen, war alles ganz anders.
    Vor allem der erste Teil war sehr spannend geschrieben, da lag der Mord in der Luft und es war unklar, wer von den Anwesenden das Gift verabreicht haben könnte. Anhand der Polizeiprotokolle und den Berichten der drei jungen Frauen konnte ich mir ein Bild von der Situation in der Mordnacht machen. Geheime Gänge wurden beschrieben und es wurden Gespräche belauscht. Im zweiten Teil des Buches wurden die Beweggründe klarer, aber erst zum Schluss, nachdem alles ganz anders gelaufen war, als ich erwartet hatte, wurden alle Verwicklungen klar. Das zog sich allerdings doch ein wenig in die Länge.
    Ich bin mir nicht sicher, dass alles so ganz logisch ablief, zumindest wurden zwei Tassen Tee getrunken, obwohl es keine Energiequelle gab, um ihn zuzubereiten.
    Eine sehr spannende Konstruktion, die so nicht zu erwarten war.

    Dagmar Mägdefrau

  • Please unfollow

    Please unfollow

    Basma Hallak

    Arctis

    Leseempfehlung ab 14 Jahren

    Kranichsteiner Kinder- und Jugendliteratur-Stipendien 2026

    Nominiert für den Jugendliteraturüreis 2026 Jugendjury

    Sherry ist eine rebellisch wirkende Teenagerin, die auf dem Weg in ein Camp für Jugendliche mit Problemen heimlich ihre Haare grün färbt, ein Versuch, unkenntlich zu werden. Denn Sherry lebt auch als Sherezade Weiß, dem  „Star“ des Familien-YouTube-Kanals Familie Weiß. Seit ihrer Adoption haben ihre Eltern ihr gesamtes Leben öffentlich gemacht und monetarisiert.
    mehr oder weniger lesen
    Der Roman erzählt auf zwei Ebenen: Sherezades Zeit im Camp, wo sie neue Freundschaften schließt und ihr Geheimnis bewahrt, und Rückblicke in Form von Transkripten der YouTube-Videos samt Kommentaren. Besonders diese Einblicke fand ich sehr stark und zugleich erschütternd, weil sie zeigen, wie schamlos das Privatleben eines Kindes für Profit ausgeschlachtet wird. Auch die Kommentare wirken authentisch, von treuen Fans bis hin zu Menschen mit eindeutig problematischem Interesse.
    Allerdings nehmen diese Kommentare den Lesenden viel Interpretationsarbeit ab, hier hätte ich mir mehr Mut zur Lücke gewünscht.
    Generell hatte ich den Eindruck, dass den Lesenden wenig zugetraut wird. Die Eltern werden sehr stark antagonisiert, meiner Ansicht nach hätte es diese „in-your-face“-Botschaft von den bösen Social-Media-Eltern nicht in dieser Konsequenz gebraucht.
    Der Schreibstil wirkt stellenweise etwas anspruchslos, etwa wenn von einer „metaphorischen Frage“ statt einer „rhetorischen“ die Rede ist. Das mag pingelig erscheinen, hinterlässt für mich aber den Eindruck sprachlicher Ungenauigkeit.
    Trotzdem gelingt es dem Buch eindrücklich, die Folgen totaler Transparenz auf Identität und Selbstbild einzufangen. Für Leser*innen, die sich bisher nicht mit Kindern auf Social Media beschäftigt haben, ist der Roman ein gut zugänglicher Einstieg in das Thema.

    Raphaela Brosseron

    Die hübsche junge Frau auf dem Cover ist Sherezade und sie wurde als Baby von der Familie Weiß adoptiert. Das Paar, das sich auf den Social-Media-Kanälen tummelt, benötigte ein Kind, um als "die Whites" mehr Follower und Likes zu bekommen. Wir lernen Sherry, wie sie sich jetzt nennt, kennen, weil sie nach einer Zeit im Gefängnis nun in eine Art Camp gebracht wurde, in dem junge Menschen nach festen Regeln zusammenleben, lernen und arbeiten. Sherry teilt sich ihr Zimmer mit Aluna, die Sherry allerdings auch schon aus dem Internet kennt. Denn @therealwhites hat in Spitzenzeiten über zehn Millionen Follower. Doch sie ist bereit, ihr Wissen für sich zu behalten. Sherry hat etwas Schreckliches getan (was erfahren wir erst sehr spät), um ihre Transparenz, die durch die ständigen Einblicke in ihr Leben entstanden ist, zu beenden. Ständig wird sie gefilmt und alles, was man lieber für sich behalten hätte, wird der Community vorgeführt. Wir erfahren davon in den Kapiteln, die mit der Videoleiste und den Zahlen der Aufrufe überschrieben sind. Oft sind schon die Überschriften zum Fürchten.
    Es ist einfach grauenhaft zu erfahren, was die Eltern, die ständig der Tochter ihre Liebe bekundeten, diesem Kind angetan haben. Zu manchen Post werden auch die Antworten der Follower abgedruckt, einige warnen die Eltern, davor, was sie mit ihren Kind machen, andere bestätigen sie und versichern ihnen ihre Liebe, aber es gibt auch zotige und beleidigende Posts. Einfach schrecklich, wenn man bedenkt, das ein Kind so etwas über sich hören muss.
    Da Sherry ihre Geschichte und ihre Empfindungen selbst erzählt, können wir an ihrer Verzweiflung, aber auch an ihrer ersten Liebe teilhaben. Es macht Hoffnung zu lesen, wie sie sich entwickelt und wie sie langsam wieder sichtbar wird. Eine einfühlsam geschriebene Geschichte, die sehr gut Gegenwart und Vergangenheit verbindet und uns den Horror einer solchen Kindheit vor Augen führt.

    Dagmar Mägddefrau

  • Theo, Tim, Kurkuma und ich

    Theo, Tim, Kurkuma und ich

    Margarita Kistner

    Tyrolia

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2025

    „In der Küche bin ich dir tausendmal näher als auf dem dämlichen Friedhof. Auch wenn ich zu den Red Hot Chili Peppers tanze [...] überall bin ich dir näher als auf diesem scheußlichen Friedhof.‟
    Amelies Stiefvater lebt seit anderthalb Jahren nicht mehr, was ihr Bedürfnis, mit ihm zu sprechen, nur noch größer macht.
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    In ihrer Erzählung spricht sie ihn weiterhin mit „Du“ an und baut dabei eine neue, ganz eigene Beziehung zu ihm auf: Sie nimmt ihn mit in ihre Klasse, tanzt zu der Musik seiner Lieblingsband, den Red Hot Chili Peppers, erzählt von Mitschüler*innen, ihrer Leidenschaft für Fotografie, ihren alten und neuen Sorgen als Teenager, der mit einem schweren Verlust leben muss und mit einer Mutter, die die Liebe ihres Lebens verloren hat.
    So bekommen wir einen sehr persönlichen und ehrlichen Einblick in Amelies Gefühlswelt. Sie musste plötzlich Verantwortung übernehmen, ihre Freundschaft zu Selina hat sich verändert, und die Fotografie wird für sie zu einem wichtigen Ventil. Und dann ist da noch Theo, ein schräger, aber irgendwie lieber Typ, bei dem sie einfach sie selbst sein kann: ein trauerndes Mädchen, das versucht, mit all dem Schmerz klarzukommen. Und bei allem, was sie tut, ist Stefan in Gedanken dabei, sie fragt sich immer wieder, was er wohl denken würde.
    Besonders interessant finde ich, dass die titelgebenden Figuren erst relativ spät alle auftauchen. Das nimmt ihnen nicht ihre Bedeutung, gibt Amelie aber den Raum, erst einmal ihre eigene Geschichte zu erzählen. Auch die Rolle von Kunst und Freundschaft im Trauerprozess wird auf sehr einfühlsame Weise gezeigt.
    Eine berührende Geschichte über Trauer, Neuanfänge und darüber, wie sehr ein einziger Mensch fehlen kann, erzählt mit viel Gefühl und von schönen und stimmungsvollen Illustrationen begleitet.

    Raphaela Brosseron
  • Bahnhof Nord

    Bahnhof Nord

    Andrea Behnke

    Klartextverlag

    Leseempfehlung für junge Erwachsene und Erwachsene

    Es gab keinen Festakt 1874 zur Eröffnung des Bahnhof Nord, der damals noch Rheinischer Bahnhof hieß, da öffnet der zuständige Landrat ganz alleine eine kleine Flasche am Gleis und trinkt ein Glas mit sich. Schon in der nächsten Geschichte geht es um die Namensänderung des Bahnhofs. 
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    1914 zieht der Jude Waldemar für Deutschland in den Krieg. Zum Ende des 1. Weltkriegs fahren die Bochumerinnen mit dem Zug zum Hamstern aufs Land. Die Familie kommt 1935 von der Cranger Kirmes zurück, die heute noch ein besonderes Volksfest ist. In einer Erzählung begegnen wir Fräulein Hirschberg, der Lehrerin an der jüdischen Schule, die wir aus Andrea Behnkes Kinderbuch „Die Verknöpften“ kennen.  Jüdische Menschen, Sinti und Roma und ein homosexueller Mann fahren von diesem Bahnhof während der NS-Zeit zu ungewissen Zielen. Sogar die Möbel, die diese Menschen zurücklassen müssen, gehen vom Bahnhof Nord auf die Schiene. 1945 kehren Kinder, die „verschickt“ wurden, wieder heim in ein fremdes, zerstörtes Bochum. 1953 besuchen Vater und Sohn das neueröffnete Schauspielhaus und schwärmen von „Peterchens Mondfahrt“. Eymen muss nach dem Besuch bei seinen Eltern wieder zurück in die Türkei reisen, so ging es den Kinder der ersten „Gastarbeiter“. 1979 endet die Geschichte des Bahnhof, der dank eines Vereins sehr schön erhalten wird.
    Der Gedanke, anhand eines Bahnhofs die Geschichte der Stadt Bochum stellvertretend für viele Städte im Ruhrgebiet zu erzählen, ist wirklich brillant. Viele kleine Schicksale, traurige, erfreuliche und hoffnungsvolle Begegnungen mit vielen Menschen stecken in den meist nur zwei oder drei Seiten langen Texten, sie gehen zu Herzen und bleiben mir noch lange in Erinnerung.

    Dagmar Mägdefrau
  • Das Feuer vergessen wir nicht  

    Das Feuer vergessen wir nicht  

    Sarah Jäger

    Rotfuchs

    Leseempfehlung ab 14 Jahre

    Kennst du das, wenn du ein Buch schnell auslesen möchtest, weil es dich so interessiert, du dann aber traurig bist, dass es zu Ende ist. Du hättest gerne noch so viel erfahren wollen. Mir ging es mit diesem Buch so. 
    Ari lebt mit ihrer schwangeren Schwester und ihrer Mutter zusammen in einem Haus, in dem sich die Bewohner*innen als Freunde betrachten und sich auch so verhalten.
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    Mirjam und Milan kennt Ari schon ihr Leben lang und sie nennt sie kurz ihre MiMis. Die drei verbringen ihre Tage und manchmal auch ihre Nächte zusammen und kennen sich total gut. 
    Ari liest, um etwas Geld zu verdienen, in einem Altersheim vor. Dort trifft sie Flint, der hier aushilft. Die beiden verbindet etwas und es ist angenehm zu lesen, wie Ari dieses Zusammentreffen empfindet. Etwas Zartes wird sich entwickeln. Als die alte Frau Martin, die nie spricht, Ari Streichholzmädchen nennt, möchte Ari gerne verstehen, was sie damit gemeint hat. So erfährt sie von einem Streik, der vor 100 Jahren in einer englischen Streichholzfabrik stattfand. Und für sie taucht die Frage auf, was in 100 Jahren noch von ihr übrig sein wird.
    Schnell war ich beim Lesen in den Zauber dieser jungen Liebe eingetaucht, aber auch in die äußeren Umstände, die nicht so einfach waren, die ich aber durch den Zusammenhalt und die Freundschaft rund um Ari so angenehm empfunden habe. Das Ungeborene der Schwester wurde „das kleine Wesen“ genannt, daraus spricht die ganze Zärtlichkeit einer werdenden Tante. Die Berührung von Flints Hand so zart und forschend, die ein Kribbeln bei Ari auslöst, da kann ich beim Lesen die Schmetterlinge spüren.
    Das etwas karge Cover passt hervorragend zur Geschichte, die zum Ende noch an Dramatik zunimmt. Ein Buch geschrieben für Jugendliche, ein Coming-of-Age-Roman, wie es heute genannt wird. Ich kann aber auch allen Erwachsenen dieses Buch ans Herz legen.

    Dagmar Mägdefrau
  • Girls Trip – Vier Freundinne. Eine Luxusjacht. Eine tödliche Reise

    Girls Trip – Vier Freundinne. Eine Luxusjacht. Eine tödliche Reise

    Jan Gangsei

    Übersetzt von Sabine Schilasky

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Wer einmal von einer Jacht verschwindet, gilt quasi schon als tot. Als dann noch Videobeweise auftauchen, die zeigen, wie Giselle absichtlich über Bord gestoßen wird, und dies ausgerechnet von der mysteriösen Neuen der Gruppe, liegt der Verdacht auf Mord nahe. 
    mehr oder weniger lesen
    Der Fall wird rückwärts aufgerollt: Wie kam es dazu? Warum reden die Mädchen so schlecht über Maggie? Und was hat sie überhaupt als „armes Mädchen“ auf der Luxusjacht zu suchen?
    Besonders interessant sind die Einblicke in Maggies Sicht und Giselles Briefe an ihre verstorbene Mutter, die eine Art Tagebuch ersetzen. Giselle hat viele Probleme, vor allem finanzieller Art, während es Maggie vergleichsweise gut geht. Trotzdem freunden sich die beiden an. Erfrischend dabei: Giselle ist nicht naiv, sie durchschaut Maggies Lügen, auch wenn ihr der Grund zunächst unklar bleibt.
    Das Locked-Room-Szenario ist hier gelungen. Eine Jacht mit Personal und Menschen, die glauben, sich alles mit Geld kaufen zu können, ist von sich aus schon gruselig. Das mysteriöse Verschwinden am Anfang nimmt die Hoffnung auf ein Happy End und steigert dadurch die Spannung.
    Ganz gepackt hat mich der Thriller allerdings nicht. Keine der Figuren blieb mir wirklich im Gedächtnis, und anfangs haben mich Maggies Beweggründe zum Lügen kaum interessiert. Erst ab der Mitte des Buches nahm die Geschichte richtig Fahrt auf.
    Ein Punkt, der mich gestört hat, sind die Tagebucheinträge. Wenn sie zu erklärend wirken, nach dem Motto „wie du weißt, ist XY meine Freundin“, verlieren sie für mich an Authentizität. Genau das war bei Giselles Briefen der Fall. Trotzdem fand ich Giselle mit ihrer ambivalenten Art noch spannend.
    Alles in allem ein solider Thriller: unterhaltsam, wenn man keine zu tiefgründigen Einblicke in die Dynamiken der Figuren erwartet und mit einigen Klischees leben kann.

    Raphaela Brosseron

  • Zwischen Berlinern und Butterbrezeln

    Zwischen Berlinern und Butterbrezeln

    Annemieke Reesink

    Spaß am Lesen Verlag

    Leselevel 2

    Das Cover zeigt des Gebäck, das dem Buch den Titel gibt mit Deutschlandfähnchen geschmückt. 
    Das Buch wendet sich in erster Linie an Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind und die hier einiges über unser Land und die Menschen, die hier leben, erfahren.
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    Unter der Überschrift „zu Hause“ geht es um die eigene Wohnung und den Umzug dorthin. 
    Die Geschichten handeln zum von einem jungen Syrer, der oft mit seinen Freuden unterwegs ist. Mir ihrer Hilfe zieht er nach Münster und trifft dort auf eine sehr nette Nachbarin, die ihn zum Geburtstag einlädt. So lernt Feras das Fettgebäck Berliner kennen.
    Roksana und ihre Tochter Karen kommen aus der Ukrainer und obwohl Roskana einige deutsche Helfer*innen hat, sehnt sie sich nach Kontakten. Sie traut sich aber oft nicht, ein Gespräch anzufangen, weil sie befürchtet, dass ihr Deutsch nicht genügt und die anderen zu schnell sprechen werden. Aber dann muss sie doch handeln, weil die Nachbarn zu laut sind und sie und ihre Tochter nicht schlafen können und bei den Nachbarn schellen. Doch die reagieren sehr freundlich und so ist das Problem schnell gelöst.
    Zu den sieben Kapiteln gibt es jeweils zwei kurze gut verständliche Geschichten, die sich mit dem Alltag hier in Deutschland befassen. Da geht es um Nebenkosten, Versicherungen und die Möglichkeit einer Ausbildung. Da werden Kontakte geknüpft und am 3. Oktober zwei Feste gefeiert. Ein gut zu lesendes Buch, das ich für das Erlernen der deutschen Sprache sehr empfehlen kann.

    Dagmar Mägdefrau
  • Wir kommen zurecht

    Wir kommen zurecht

    Annika Büsing

    Steidl

    Ohne Altersangabe / junge Erwachsene

    Nominiert für den Literaturpreis Ruhr 2025

    „Wir kommen zurecht“, könnte Philipp zu seinen Lehrkräften sagen, die seine phasenweise geistige Abwesenheit im Unterricht bemerken und nach seiner Situation zu Hause fragen. Oder zu seiner älteren Freundin, wenn es um sein Verhältnis zur Stiefmutter geht. 
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    Oder zu dem Mann, der eines Tages an der Tür klingelt und vieles verändert. Oder auch zu seiner Mutter, die versucht, wieder einen Platz in seinem Leben zu finden.
    „Manchmal dachte er, dass das sein ganzes Leben war: merken: ja, anmerken lassen: nein.“
    Doch die, die Philipp wirklich kennen, würden ihm diesen Satz nicht abnehmen. Zum Beispiel Lorenz, sein bester Freund. Einfach macht Philipp es auch ihm nicht. Obwohl Philipp ein feines Gespür für seine Umgebung hat, bleibt er oft undurchdringlich. Vielleicht ist das seine Art, die psychische Erkrankung seiner Mutter zu verarbeiten, zu absorbieren, zu kompensieren. Selbst als Lesende war ich mir nicht immer sicher: Was geht wirklich in ihm vor? Und wenn er nicht gerade in Imaginationen und surreale Szenarien abdriftet (vielleicht auch befeuert durch den Konsum einer bestimmten Pflanze) bleibt vieles in ihm verschlossen.
    Die gewählte Erzählperspektive passt hervorragend. Philipp aus der Ich-Perspektive sprechen zu lassen, hätte seiner Figur nicht entsprochen, zu direkt, zu offen. Trotzdem ist die Perspektive sehr wertschätzend ihm gegenüber, geht radikal (aber auch fair) mit den Erwachsenen in seinem Leben um.
    Ein Erwachsener, der auch Philipp werden musste, wird er jetzt doch 18.
    Ein besonderer Familienroman, der fordert, ohne zu überfordern, und der in seiner Vielschichtigkeit beeindruckt.

    Raphaela Brosseron

    Ich musste schon das halbe Buch lesen, bis Philipp seinen 18. Geburtstag feiern konnte. Sein Vater, Chefarzt der Chirurgie, lebt seit einigen Jahren mit Stella, einer jungen Frau, zusammen. Philipps Verhältnis zu ihr, die er seine Stiefmutter nennt, ist alltäglich und ohne große Probleme. Mit Lorenz ist er schon lange befreundet und die beiden verbringen die meiste Zeit zusammen. Philipp hatte bisher immer gute Noten und jetzt, wo es auf das Abitur zugeht, schwänzt er häufig den Unterricht und kifft lieber mit Lorenz auf dem Friedhof.
    Mit einer Mitschülerin, mit der er zusammen war, hat Philipp wegen Mascha Schluss gemacht. Dass Mascha die ältere Schwester ist, macht die Sache besonders schwierig. Aber Mascha ist ganz anders als die Mädchen, mit denen er bisher zusammen war.
    Philipp hat immer wieder kleine Flashbacks, so erinnert er sich an einen Hund oder an einen italienischen Jungen mit einem Fußballtrikot, das Philipp sich auch gewünscht hätte. Philipp geht noch in den Kindergarten, als seine Mutter die Familie nach einem Sizilienurlaub verlässt. Seine Erinnerungen an die Mutter sind trübe, vielleicht auch, weil er sie lieber vergessen will. Doch dann wird seine Mutter von der Polizei gesucht und damit bringt sie wieder Chaos in das Leben von Philipp.
    Philipp, der uns seine Geschichte selbst erzählt, ist schonungslos offen und seine bzw. die Sprache von Annika Büsing ist klar und offen. Manchmal werden Worte benutzt, die mir nichts sagen, was aber wohl an meinem Alter liegt. Ich fand es sehr interessant, auf diese Weise zu erleben, was eine psychische Erkrankung mit den Menschen in deren Umfeld macht. Erst mit seiner Volljährigkeit findet Phillip die Kraft, selbstbewusst seinen Weg zu beginnen.

    Dagmar Mägdefrau
  • Engel der Nacht

    Engel der Nacht

    Nils Mohl

    Rotfuchs

    Leseempfehlung ab 14 Jahre

    Buch des Monats Mai 2025

    Kester träumt aus unterschiedlichen Gründen von der Nacht der Nächte. Für ihn fühlt sich das Ende der Schulzeit nicht wie ein Neuanfang an, sondern wie ein letzter Höhepunkt. Erwachsenwerden? Klingt nach Enttäuschung. Und als beim Feiern des Abiturs eine Situation eskaliert, ist für Kester klar: Diese Nacht soll die letzte sein, ganz oder gar nicht.
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    Mit dieser radikalen Haltung stürzt er sich in das nächtliche Hamburg, begegnet Menschen, denen er im Alltag nie begegnet wäre, schillernden, verletzlichen, rätselhaften Figuren, die alle ihre eigene Geschichte mit sich tragen. Doch keine Begegnung, keine Version dieser Nacht erfüllt seinen Traum. Kester sucht weiter, fragt sich, wie sein Leben und sogar sein Tod aussehen soll. Vielleicht denkt er zu viel, vielleicht ist es Blanka, die ihn nicht loslässt. Klar ist: Eine Erzählweise reicht nicht. Die Nacht der Nächte braucht mehr.
    Gerade darin liegt der Reiz dieses Romans: Er ist offen, vieldeutig, widersprüchlich und genau deshalb so nah dran an der Wirklichkeit junger Menschen im Umbruch. Der Roman fordert definitiv seine Leser*innen heraus. Er spricht wichtige Fragen an: Was kommt nach der Schule? Was macht das Leben lebenswert? Und wer rettet eigentlich wen? Der Freund, der Engel, oder eine fremde Gestalt in einer Sommernacht?
    Der Roman ist nicht die leichteste Kost, aber ein intensives, atmosphärisches Leseerlebnis. Ein Buch für Jugendliche eher ab etwa 16, die Lust auf Tiefe, ehrliche Gefühle und ein bisschen Magie inmitten der Realität haben.

    Raphaela Brosseron

    Auf dem fast weißen Cover (es hat zarte kleine graue Sprenkel) sehen wir den 17-jährigen Kester, der gerade sein Abiturzeugnis bekommen hat, mit einem brennenden Bengalo in der Hand.
    Kester ist der Junge, dem immer alles gelang in der Schule, der ohne große Schwierigkeiten alle Aufgaben lösen konnte und der nun die Nacht nach der Zeugnisvergabe zu einer besonderen machen möchte. Weil seine Freundin Blanka ihn gedrängt hat, ist er mit den Jugendlichen aus seiner Klasse am Strand unterwegs. Es wird getrunken und herumgeschwafelt. Doch Kester hängt sich immer wieder daran auf, dass die Nacht eine besondere, einzigartige werden soll. Muss sie dann auch zwangsläufig die letzte sein? Die anderen wollen feiern und die Nacht genießen, vielleicht später bei Klassentreffen davon schwärmen, doch Kester ist es Ernst. So fährt er mit Blankas Auto nach Hamburg, dort will er erleben, wie es ist, im legendären Bunker zu feiern und zu tanzen. Denn bisher hat er davon nicht viel gehalten, seine Freizeit so zu verbringen. In Hamburg begegnet er Bruno, der behauptet, ein Engel zu sein.
    Wie in Sarah Jägers Buch „Die Nacht so groß wie wir“ geht es um die Nacht nach der Abiturzeugnisvergabe, die ja wohl für die jungen Menschen, für die nun ein ganz neuer Lebensabschnitt beginnt, eine ganz besondere ist.
    Aber Kester weiß nichts, mit seiner Zukunft anzufangen, er hat keine Pläne und ob er auch weiter „Kester, mein Bester“, der alles kann und weiß, sein wird, ist für ihn fraglich. Die Party der anderen macht ihm keinen Spaß und deshalb will er das ausprobieren, wovon Blanka immer schwärmt, im Bunker tanzen und alles um sich herum vergessen. Er mag nicht tanzen und kann es auch nicht, trotzdem will auch er dieses Gefühl spüren.
    Das Buch hat mehrere Abschnitte, die immer durch graue Seiten abgeteilt sind. Während Kester auf den weißen Seiten erzählt, ist der Text der grauen Seiten neutral geschrieben. Die nächste Geschichte fängt früher an als die vorhergehende und das macht das Lesen noch einmal spannender.
    Kester ist ein Jugendlicher, der sucht und der seiner Sehnsucht nach dem Tod Ausdruck verleiht, der Gefühle nicht zulassen will und er dadurch noch verletzlicher ist. Keine einfache Lektüre, mit der man sensible Leserinnen und Leser nicht allein lassen sollte.

    Dagmar Mägdefrau