Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

Jugendbücher

Das Mädchen, das in den Wellen verschwand

Das Mädchen, das in den Wellen verschwand
Um den Meeresgott zu besänftigen, wird jedes Jahr ein Mädchen in den Wellen geopfert, um seine neue Braut zu werden. Dadurch nehmen die Stürme zumindest für ein Jahr ein Ende, doch es war anscheinend noch keine Braut dabei, die ihn für die Ewigkeit beruhigt, und so bleibt es bei der jährlichen Opfergabe. 
Mina wurde eigentlich nicht ausgewählt, doch sie opfert sich, damit ihr Bruder mit seiner großen Liebe zusammen bleiben kann…
Endlich erfährt sie, wie es den Bräuten in der Götterwelt ergangen ist erkundet diese. Das ist aber eine gefährliche Reise, in der sie sich den großen Göttern stellen muss, von denen ihre Großmutter schon immer so viele Geschichten erzählt hat. 
Es war superspannend, wie sich hier die koreanische Mythologie und Fantasy vermischt haben. Die Sage um Shim Cheong, die sich, um ihren Vater zu retten, ebenfalls dem Meeresdrachen geopfert haben soll, wurde hier aufgegriffen und zu einer modernen Erzählung verarbeitet. 
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Vor allem durch Minas Abgleich mit den Geschichten, die sie über die Götter kannte und dem, was sie dann tatsächlich erlebt, wird klar, wie stark sie all diese Sagen und Mythen schon ihr ganzes Leben lang geprägt haben und wie enorm ihr kultureller Einfluss ist.
Da Fantasy und Mythologie hier verschmelzen, ist es manchmal gar nicht so leicht, hinterherzukommen. Der klare Schreibstil, der bestimmt auch einer gelungenen Übersetzung zu verdanken ist, hilft da. 
Der romantische Teil wird auch wunderbar in diese mythische Erzählung hineingearbeitet, denn Mina ist durch ein rotes Band des Schicksals mit jemandem zunächst eher unfreiwillig verbunden. 
Mit ein wenig Konzentration und Offenheit kann man sich mit dem Roman in eine wirklich liebevoll ausgestaltete Welt hineinführen lassen, die so anders ist, als alles, was man vielleicht sonst so liest.

Rapaela Brosseron

Und die Welt sie fliegt hoch

Und die Welt sie fliegt hoch
Sarah Jäger
Sarah Maus
Rotfuchs
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

Das ist einfach ein sehr ungewöhnliches Buch, zunächst zum Äußeren, die festen Pappseiten, in die das Buch gebunden ist, sind einfach glatt abgeteilt worden, dadurch wirkt es eckig. Auf dem Cover eine Milchstraße mit zart eingeritzten Motiven. Die Kapitel zählen von 10 herunter und sie tragen Namen wie Geburt, Freund, Endgegner, Liebe und Tod. Eine Seitenzahl gibt es nicht. 
Eine uns noch unbekannt Person schreibt eine andere per Sprachnachricht an. Die zweite Person ist verwundert und fragt mehrfach „Woher hast du meine Handynummer?“ Die Antworten sind kurz, während die Sprachnachrichten mehr plaudern. Die Seiten sind mit Zeichnungen unterlegt. Nach der Bemerkung „Komischer Vogel“ wird Person 1 als Vogel dargestellt, während der Antwortende zum Astronauten wird. 


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Es dauert eine ganze Zeit bis der immer wieder Angesprochene sich auch am Gespräch beteiligt. Person 1 hat Hausarrest und alle Freund hängen die letzten beiden Wochen im Freibad ab. Vor Langeweile wird das Zimmer aufgeräumt und dabei der Zettel mit der Handynummer aus der Grundschule gefunden. Da findet unsere mitteilsame Person ein Opfer, um die öde Zeit zu überbrücken.
Am Anfang stellte sich mir manchmal die Frage, wohin soll dieses erzwungene Gespräch führen, aber im Laufe der Geschichte wurde es immer spannender und meine Neugier wuchs immer mehr. Ein ungewöhnliches, ein besonderes Buch, das nur über das Medium WhatsApp läuft und das mit den fantasievollen Illustrationen noch mehr meine Fantasie anregte. 

Dagmar Mägdefrau

Am schönsten ist es in Sommerby

Am schönsten ist es in Sommerby
Kirsten Boie
Oetinger
Sommerby
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Nach der schönen gemeinsamen Feier zu Weihnachten scheint die Stimmung zwischen Mama und Oma jetzt wieder nicht mehr so gut zu sein. Deshalb soll es in den Osterferien nach Gomera gehen, Sonne tanken. Doch als Mikkel das hört, will er natürlich lieber wieder nach Sommerby. So überreden sie die Eltern zu einem Liebesurlaub und fahren zur Oma. Bei der gibt es wie immer Bauernfrühstück, doch Martha isst nur noch die Bratkartoffeln, weil sie jetzt vegan lebt. Für Oma wieder etwas Neues, aber erstaunlicherweise lernt sie schnell damit zurecht zu kommen, auch wenn sie immer ein paar entsprechende Bemerkungen macht.
Martha macht es sich aber auch sonst nicht leicht mit ihrer Eifersucht, ihr Freund ist zurzeit in Amerika und da gibt es einige Missverständnisse. 
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Mikkel macht sich wieder ganz viele Gedanken um die Tiere, zum Glück sind noch alle Hühner da und die Gänse haben sogar ganz viel Nachwuchs. Der kleine Mats und seine naive Kindergläubigkeit ist so liebenswert, dass man ihm alles verzeiht, denn immer meint er es nur gut. 
Einen neuen Teil Sommerby zu beginnen, fühlt sich an, wie mal wieder an den bekannten beliebten Urlaubsort zurückzukehren, liebe gute Freunde wieder zut reffen. Oma, die mit ihrer schroffen, aber doch liebevollen Art ihre Enkel oft sehr gut versteht. Martha, die schon so viel verstehen und begreifen kann und die sich für ihre Brüder verantwortlich fühlt, die mit ihrer Hilfsbereitschaft das ganze Dorf motiviert. Und natürlich die beiden Jungs, deren Gedanken immer wieder ein Lächeln bei mir erzeugen.
Eine wundervolle Erzählung, von einem Ort, der einfach nur perfekt ist. So perfekt, dass er nur erdacht sein kann? Von Freundschaft, Hilfsbereitschaft, junger und alter Liebe, Tierliebe und einer schönen Landschaft. Ich hoffe, ich darf bald wieder hin.

Dagmar Mägdefrau

Pixton Love II – Always by my side

Pixton Love II – Always by my side
Mimi Heeger
Moon Notes
Pixton Love
Verlagsempfehlung ab 16 Jahre
Es ist eine Woche her, dass Scarletts Leben aus den Fugen geraten ist: Ihre religiösen Eltern fanden heraus, dass Scarlett neben dem Literaturstudium in Yale erotische Bücher schreibt und Scarlett steht ohne ihre Unterstützung vor dem Nichts. In dem Versuch, vor ihren Sorgen wegzurennen, landet sie auf einer Studentenparty unwissentlich in Theos Zimmer. Theo ist ein sehr empathischer Psychologiestudent, der Scarlett vorher nur durch sein auffälliges Äußeres aufgefallen ist. Theo merkt, dass Scarlett tiefgehende Probleme hat, denn damit hat er nicht nur im Studium Erfahrungen gemacht. Von diesem Moment an sind die beiden füreinander da.
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Das Buch behandelt ernsthafte Themen, die auf der letzten Seite mit einer Triggerwarnung versehen sind. Es ist voller Emotionen, Herausforderungen, psychologischer Tiefe und Intimität. Die zahlreichen expliziten Szenen sind detailliert beschrieben. Ich empfand die Darstellung sehr idealisiert, obwohl sie bei weitem nicht so problematisch ist, wie in vielen anderen Büchern. Das Einzige, was ich da allgemeingültig kritisieren kann, ist, dass Kondome ohne weiteres als unnötig betrachtet werden.
Die Geschichte geht nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch tief. Sowohl Theo als auch Scarlett kämpfen mit ernsthaften Problemen und versuchen, einander zu verstehen. Der Untertitel "always by your side" trifft hier zu 100% zu. Theo als Charakter ist faszinierend; er kleidet sich unkonventionell, um die Reaktionen seiner Mitmenschen zu testen, und bringt gerne sein psychologisches Fachwissen ein.
Ich bin etwas unschlüssig zurückgeblieben; das letzte Drittel des Buches hat mich stark mitgerissen, erotische Szenen in Büchern treffen generell nicht meinen Geschmack. Für Leser*innen dieses Genres könnte die Reihe jedoch empfehlenswert sein, aber eher ab 18. Fans der Reihe werden sich darüber freuen, dass Abigail und Quinn in diesem Teil nicht aus dem Fokus geraten.

Raphaela Brosseron

Brennendes Wasser

Brennendes Wasser
Lukas Erler
Arena
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
In Kantheim entfacht nach jugendlichem Leichtsinn ein flammendes Drama, als das Haus, in dem der ulkige Alte eben noch getanzt hat, in Brand gerät. Caro, Josh und Speedy hatten ihn dabei beobachtet und gefilmt, sie landen nach schweren Verletzungen im Krankenhaus. Caro ist sich sicher: Das, was sie gesehen hat, war nicht normal, doch das Video ist vorerst verschwunden. In Colorado zwingt Gary die hohen Tiere einer Öl- und Gasfirma, ihr eigenes verschmutztes Wasser zu trinken – eine Konsequenz des Frackings.
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Auch wenn man grob weiß, dass die Öl- und Gaskonzerne Umwelt nicht zu ihrer höheren Priorität zählen, wird das Problem des Fracking hier sehr deutlich und die Folgen wie “brennendes Wasser” erreichen hier sogar Deutschland. Die brisante Verbindung zwischen beiden Vorfällen wird schnell enthüllt und die Bedrohung für die deutschen Jugendlichen steigt. Der Thriller verwebt geschickt Amerika und Deutschland, macht das brisante Fracking-Thema greifbar und verleiht der Geschichte eine fesselnde Realität. Bis zuletzt bleibt es spannend, wobei die Verknüpfung von Fiktion und realen Umweltproblemen gekonnt für Spannung und Wissensvermittlung sorgt. Ich kann mir das Buch gut als Schullektüre vorstellen, die Handlung ist natürlich manchmal einfach gestrickt, aber das darf das Genre, das Thema erscheint mir gut recherchiert und aufgearbeitet.

Raphaela Brosseron


Alles im Grünen oder Wie ich die Kette der Beschissenheit durchbrach 

Alles im Grünen oder Wie ich die Kette der Beschissenheit durchbrach
Filiz Penzkofer
Rotfuchs
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Ein herrlich verrücktes Buch, ich hatte solch einen Spaß beim Lesen. 
Dank ihrer Therapeutin Maya bekommt Rabea einen Platz in einer WG.
Hier lebt sie zusammen mit Queen Tigers, einer Voodoo-Zauberin mit geschwärztem Augenweiß und Musti, einem Syrer, den sie aufgrund seinen Bartes für einen Terroristen hält.
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Da wird es im Alltag für eine junge Frau, die voller Ängste ist, schwer. Auf keinen Fall will sie den beiden in der Wohnung begegnen, auch den gemeinsamen Kühlschrank kann Rabea unmöglich benutzen. Statt einzukaufen, nutzt sie die Lieferdienste, U-Bahn oder Taxi kann sie auf keinen Fall nutzen und an Friedhöfen geht sie nicht einmal vorbei.
Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes, die Vermieterin liegt tot in ihrer Wohnung und Musti hat sie dort gefunden. Doch statt die Polizei zu informieren, versucht Queen Tigers die alte Frau mit ihren Zauberkünsten zurückzuholen. Die Situation wird immer chaotischer und ich konnte mir oft ein Lachen nicht verkneifen.
Im Laufe der Geschichte erklärt sich auch der ungewöhnliche und etwas unhandliche Titel auf witzige Weise. Zu Anfang fand ich das Buch einfach nur durchgeknallt, aber je weiter ich las umso mehr konnte ich die Denkweise der Protagonisten verstehen und die drei ungleichen Menschen wurden zu einer tollen Gemeinschaft, Geheimisse wurden preisgegeben und Rabea entwickelte sich zu einer etwas weniger ängstlichen jungen Frau.
Es lohnt sich auf jeden Fall, sich den Titel zu merken und das Buch zu lesen. 

Dagmar Mägdefrau

Antigone

Antigone
Ali Smith
Atlantis
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Der dünne lila Band zeigt das Mädchen Antigone und die Krähe. Die alte Tragödie von Sophokles wird hier aus Sicht der Krähe erzählt. Sie sitzt an der Stadtmauer von Theben und schaut auf das Schlachtfeld. Hier haben die Söhne des verstorbenen König Ödipus miteinander gekämpft und sich gegenseitig getötet. Nun ist König Kreon der Herrscher. 
Kreon hält Polyneikes für einen Verräter und deshalb soll er nicht in Ehren bestattet werden. Dagegen lehnt sich Antigone auf und sie macht sich auf den Weg, ihren toten Bruder zu suchen. 
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All dies berichtet uns die Krähe aus ihrer Sicht. Sie spricht von den Menschen als „Noch-Lebende“, denn Tote bedeuten  auch Nahrung für sie und ihre Nachkommen, die wir im Epilog als Zuhörende kennenlernen.
Die Geschichte wird in neun Kapiteln erzählt und ist in großer Schrift gedruckt und mit einigen stilgerechten Bildern ergänzt worden. Dadurch ist sie gut lesbar und sehr gut verständlich. So können die alten Mythen auch jungen Leser*innen nähergebracht werden. 

Dagmar Mägdefrau

Wie Melodien im Wind – Liebe ist Band 2  

Wie Melodien im Wind – Liebe ist Band 2
Alicia Zett
one
YA-Trilogie
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Toni führt ein Doppelleben auf dem Internat Schloss Mare, umgeben von wohlhabenden Mitschüler*innen und sogar einem Prinzen, ohne dass jemand von ihrem eigentlichen familiären Hintergrund weiß. Lukas, der dänische Prinz, hat ihr Herz erobert, aber aufgrund der unüberbrückbaren Kluft zwischen ihren Welten gehen sie sich irgendwann aus dem Weg, was für ihre Mitschüler*innen schwer nachvollziehbar ist.
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In dieser Geschichte wird Tonis langjährige Freundschaft mit Lukas aufgegriffen, was ihre Beziehung besonders authentisch macht. Beide tragen Ängste und Sorgen mit sich, wobei wir Tonis Perspektive folgen. Neben aktuellen Herausforderungen plagt sie auch die Zukunftsangst. Musik, ihre große Leidenschaft neben dem Fußball, wird zu einem Ventil für ihre Gefühle. Sowohl ihr als auch Lukas fällt es manchmal leichter, mit Melodien ihren Gefühlen ihren Raum zu geben. Ich finde es manchmal schwierig, über Musik nur zu lesen, aber da hier vor allem die Texte bedeutend sind und Toni in allen Bereichen ihres Lebens versucht, „nicht aus dem Takt zu kommen”, passt Musik hier wunderbar, um auch über ihren mentalen Einfluss zu sprechen. Generell wird das Thema mentale Gesundheit in der Geschichte sehr ernst genommen, ohne dabei die Liebesgeschichte in den Hintergrund zu drängen und umgekehrt. Die Spannung entsteht aus der Gegensätzlichkeit von Toni und Lukas sowie aus ihren gut gehüteten Geheimnissen. 
Maximal neidisch bin ich auf das Internatsleben, gerade wegen der Freundesclique um die beiden herum, die uns hoffentlich nochmal in einem nächsten Teil begegnen wird. 
Die Autorin nimmt die Gefühle von Jugendlichen ernst und verpackt ernste Themen in einen Wohlfühlroman, der sicher mitfiebern lässt.

Raphaela Brosseron

Heartstopper

Heartstopper
Alice Oseman
Graphix Loewe
Heartstopper
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre
Im bereits 5. Teil von Heartstopper ist es bereits ein Jahr her, dass mit Nick und Charlie alles angefangen hat. Die beiden sind immer noch sehr verliebt und wollen miteinander schlafen, nur sind sie da noch sehr unsicher im Umgang miteinander. Für Charlie ist das alles auch wegen seiner mentalen Vergangenheit gar nicht so einfach. 
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Aber auch Nick hat Sorgen, denn bei ihm steht die Zukunftsplanung an, immerhin ist er ein Schuljahr weiter als Charlie und kurz vor dem Abschluss. 
Nach dem Lesen überrascht es mich nicht mehr, dass die Geschichte von Charlie und Nick ihren Weg zu Netflix gefunden hat.  Die beiden sind trotz ihrer Unterschiede sehr sympathisch und die Verliebtheit ist mit wenigen Bildern spürbar, außerdem sind die kleinen Bilder schon so szenenartig und perspektivisch dargestellt, dass man als Serienmacher*in eigentlich gar nicht mehr so viel zu tun hätte. Die Illustrationen haben mir sehr gut gefallen, die Größe und Anordnung führen die Augen mühelos durch die Geschichte und ermöglichen ein entspanntes Lesen.
Es ist schön zu sehen, wie trotz des Fokus auf die Liebesgeschichte, die Freundesgruppe eine wichtige Rolle spielt, und wie Charlie sich nach und nach bei seinen neuen Freunden öffnen kann. Sensible Themen wie Nicks Essstörung und seine Narben werden angesprochen, und vorne im Buch findet sich eine Triggerwarnung. 
Auch ohne die vorherigen Teile gelesen zu haben, fühlt man sich gut von der Handlung abgeholt. Am Ende gibt es eine Übersicht des "Osemanversums", die eine Zeiteinordnung der Geschichte bietet. Alice Oseman hat mit der fortlaufenden LGBTQ+-Graphic-Novel "Heartstopper" wirklich eine fesselnde Welt geschaffen, die glücklicherweise viele Leser*innen erreicht und berührt.

Raphaela Brosseron

The waves we catch – Emerald Bay

The waves we catch – Emerald Bay Band 2
Lorena Schäfer
one
Emerald Bay
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

Band 2

Im zweiten Teil der Emerald-Bay-Trilogie enthüllen sich endlich die Hintergründe von Nathan, dem besten Freund von Taylor, der bereits im ersten Teil eingeführt wurde, sowie von Billie, die dort nur namentlich erwähnt wird. Zuvor war Billie einfach verschwunden und hatte Nathans Herz gebrochen. Als ihre "Pflegemutter" Phoebe stürzt und ins Krankenhaus kommt, kehrt Billy zurück, obwohl sie geschworen hatte, dies nie wieder zu tun. Ein Treffen mit Nathan lässt sich dabei nicht vermeiden…
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Noch viel mehr als im ersten Teil besteht hier die Dramatik in der fehlenden Kommunikation der beiden Hauptfiguren, Billie und Nathan. Bei Ivy und Taylor war die fehlende Kommunikation aber ein wenig verständlicher, denn die beiden kannten sich nun mal noch nicht. Billie und Ivy kennen sich seitdem sie Kinder sind und waren sogar ein Paar. 
Billies Beweggründe sind schon nachvollziehbar, vor allem bleibt es spannend, da man diese nicht direkt erfährt. Allerdings habe ich bei sowas immer das Gefühl, es wird eine Tragik konstruiert, die mit einem einfachen Gespräch zu einem Happy End werden kann, ohne dass eine der Figuren dabei an Sympathiepunkten verliert. Was genau dahintersteckt, kann jede*r selbst nachlesen, je nach Erwartungshaltung wird man eventuell enttäuscht. Dennoch sind romantische Elemente und die malerische Kulisse Australiens auch im zweiten Teil präsent. Fans von Ivy und Taylor dürfen sich freuen, da sie in dieser Fortsetzung nicht gänzlich fehlen und man zudem mehr über den Verlauf der anderen Figuren erfahren wird.
Den Titel finde ich für den Surfprofi Nathan passend, ich dachte mir sofort, dass es in dem Teil um ihn geht.
Für den dritten Teil hätte ich andere Hauptprotagonist*innen erwartet, trotzdem bin ich gespannt, wen wir da aus Emerald-Bay wieder treffen. 

Raphaela Brosseron



Die Farbe von Schneeflocken

Die Farbe von Schneeflocken
Larissa Schira
one
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Die 16-Jährige Letti und der 17-Jährige Matteo sind weihnachtliche Gegensätze. Letti ist nicht wirklich ein Fan des Festes, während Matteo sich als richtiger Weihnachtsenthusiast bezeichnet. Doch trotz ihrer gegensätzlichen Meinungen arbeiten sie gemeinsam an einem besonderen Projekt in der Kinderklinik – dem Wunschbaum, um den kranken Kindern dort ein zauberhaftes Weihnachten zu bereiten. Letti kommt die Zusammenarbeit gerade recht, da sie so nicht alleine mit Weihnachten konfrontiert wird. Matteo ist trotz Lettis Abneigung gegen Weihnachten auch begeistert, denn Letti gefällt ihm. Während Letti allerdings ehrenamtlich in der Klinik arbeitet, hat Matteo andere Beweggründe…
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Die Abneigung von Letti gegenüber Weihnachten mag zunächst übertrieben wirken, aber es ist erfrischend, dass der Weihnachtsroman die Vielfalt von Weihnachtserfahrungen berücksichtigt, denn die Festtage sind nicht für jeden eine fröhliche Zeit. Das Kinderklinik-Setting ermöglicht zudem Einblicke in die Arbeit vor Ort.
Die Magie von Weihnachten findet dennoch ihren Platz, vor allem dank Matteos engagierten Bemühungen, ohne Letti etwas aufzudrängen. Trotz ihrer Fehler erscheinen sie reflektiert im Umgang miteinander – für mich immer ein Zeichen tatsächlicher Zuneigung.
Obwohl Letti mit dem Leistungsdruck ihrer Eltern in Sachen Eislaufen zurecht überfordert ist, sind Matteos Probleme nochmal eine ganz andere Hausnummer und recht ernst. Diese werden meiner Meinung nach aber gut aufgearbeitet und nicht einfach links liegen gelassen. Letti und Matteo erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive und ich kann beide an vielen Stellen in ihrem Handeln verstehen, bin aber umso beeindruckter von Lettis Entwicklung gegen Ende. 
Dabei bleibt es nicht nur ernst, die Schlagabtäusche der beiden zum Thema Weihnachten sind ziemlich witzig, außerdem gibt es natürlich auch ein paar romantische Momente, die wirklich herzerwärmend und niedlich sind. Meine Lieblingsstelle ist die, an der der Titel des Romans “erklärt” wird, da wird die Geschichte schön abgerundet und irgendwie passt auch da alles zusammen.
Wirklich eine süße Geschichte, die man mit oder ohne Weihnachtsstimmung lesen kann, denn es ist für jeden was dabei. 

Raphaela Brosseron

Nenn keine Namen

Nenn keine Namen
Astrid Sy
Gerstenberg
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Leselotse-Gewinner September 23
Die sieben besten Bücher für junge Leser 9/23
„Ab jetzt nicht mehr deinen Namen sagen. Oder den deiner Eltern. Nenn keinen Namen. Vergiss, wer du bist.”

Kaat wird auf der Straße Amsterdams zum ersten Mal mit der Verzweiflung von Eltern, die deportiert werden sollen, konfrontiert, denn eine Frau will ihr ohne weiteres ihren Säugling in die Arme geben und fleht sie an, sich um diesen zu kümmern. Kaat, die eigentlich nur ihr unbeschwertes Studentenleben führen wollte, wird jäh aus ihrer naiven Hoffnung gerissen, dass der Krieg schnell vorübergehen würde. Ihr guter Freund Pim öffnet ihr die Augen und zeigt ihr, wie sie Kinder tatsächlich retten kann. 
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Währenddessen weigert sich Rosie beharrlich, die Augen vor der düsteren Realität zu verschließen. Entschlossen weigert sie sich, den Judenstern zu tragen, und drängt darauf, dass ihre Familie sofort untertaucht. Rosie, die in einer Kinderkrippe im Zentrum Amsterdams arbeitet, wird unmittelbar mit den Auswirkungen der Deportation konfrontiert. Hier verschmelzen ihre Lebensgeschichten, denn es sind genau diese Kinder in der Krippe, die durch den mutigen Widerstand gerettet werden.
Sowohl Kaat als auch Rosie und ihre Mitstreiter riskieren ihr eigenes Leben, um Kinder vor dem sicheren Tod zu bewahren.
Ein starker historischer Roman, der seine Wurzeln in zahlreichen wahren Geschichten findet. Die Figuren des Romans sind authentischen Vorbildern nachempfunden, und so liegt der Roman mit seiner ungeschönten Darstellung eng an der Realität vergangener Zeiten. Durch diese Darstellung wird der Schrecken des Krieges ebenso eindrücklich vermittelt wie die Heldentaten des Widerstands. Die Erzählstränge reichen über das Kriegsende hinaus, denn das Leben der Menschen setzt sich fort, ohne dass ein einfaches Happy End möglich wäre. Der Roman ehrt auf wunderbare Weise die realen Held*innen des Widerstands, die trotz ihres beispiellosen Einsatzes zur Rettung vieler Kinder stets das Gefühl hatten, nicht genug getan zu haben.
Besonders schön ist, dass sowohl Rosie als auch Kaat nicht nur als repräsentativ für alle Helfer*innen stehen, sondern gerade in ihrer Unterschiedlichkeit den Seiten Leben geben. Dadurch treffen manche Ereignisse die Lesenden noch tiefer als ohnehin.
Die Auseinandersetzung mit dem historischen und sensiblen Material erfolgt äußerst transparent. Begriffe, die einer Erklärung bedürfen, sind mit einem Asterisk gekennzeichnet und finden sich im Glossar am Ende des Buches wieder. Die Lesenden haben somit die Möglichkeit, sich bei Bedarf näher mit spezifischen Begriffen vertraut zu machen. Zusätzlich ist die umfassende Recherchearbeit der Autorin dokumentiert und kann nachgelesen werden. 

Raphaela Brosseron



Das Buch der gestohlenen Träume

Das Buch der gestohlenen Träume
David Farr
Kristina Kister
arsEdition
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
Das Cover mit seinen glänzenden goldenen Buchstaben ist auf jeden Fall ein Hingucker. Die Geschwister Rachel und Robert leben zusammen mit ihren Eltern in Krasnia, einen Land, dass von dem Diktator Charles Malstain regiert wird. Er mag keine Kinder und deshalb haben sie auch keine Berechtigung, im Alltag aufzutauchen. 
Das Buch beginnt mit einer Warnung an den Lesenden, das Lesen des Buches geheim zu halten, denn man weiß ja nie, ob ein Spion aus Krasnia uns beobachtet
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Im ersten Kapitel reist Rachel allein mit einem Luftschifft nach Port Clement, einen Nachbarstaat. Ein eigenartiger Mann spricht sie an und wir erfahren, dass sie unter falschem Namen reist und ein Geheimnis kennt. Erst im dritten Kapitel wird uns Rachel und ihre Familie vorgestellt. Ihr Vater ist Bibliothekar in einer großen Bibliothek und er erfindet spannende Spiele, die er mit seinen Kindern zu Hause spielt. Doch an Rachels zwölften Geburtstag geht er ein großes Risiko ein und geht mit den Kindern in die Bibliothek. Hier zeigt er ihnen ein geheimes Buch - „Das Buch der gestohlenen Träume“. 
Wie sich herausstellt, soll dieses Buch vernichtet werden, aber eigentlich möchte Charles Malstain das Buch in seinem Besitz bringen, weil er hofft, dass es ihm einen großen Nutzen bringt. So erforschen die Kinder die Herkunft und den Sinn des Buches. Es beinhaltet 49 Träume, die wundervoll illustriert sind. Dann müssen sie vor der Geheimpolizei, die auch vor Folter und Mord nicht zurückschreckt, fliehen. 
Das Buch umfasst fast 400 Seiten, die allerdings in etwas größerer Schrift gedruckt sind. Einige Kapitel beginnen mit einer Seite aus dem „Buch der gestohlenen Träume“ und wir erfahren etwas über die einzelnen Träume. Es brauchte einige Zeit bis ich die Zusammenhänge der Geschichte durchschaut hatte und nicht alles schien mir immer logisch aufgebaut zu sein. 
Die Beschreibung des Tyrannenstaates hat mich oft richtig geängstigt und Vergleiche mit einigen Diktatoren boten sich an. 
Tapfere Kinder erleben spannende Abenteuer um ein Buch mit magischen Eigenschaften, aber so ganz überzeugen konnte mich die Geschichte nicht.

Dagmar Mägdefrau

Skogendynasty

Skogendynasty
Carolin Wahl
Loewe Intense
Verlagsempfehlung ab 16 Jahre
Nach einem öffentlichen Skandal wird Aleksander Skogen, der Erbe des Skogen Keks Imperiums, gezwungen, sich in die Abgeschiedenheit der Wildnis Norwegens zurückzuziehen. Dort begegnet er Norah, einer Naturführerin, die ein Leben führt, das fernab von seinem luxuriösen Lebensstil liegt. In den unberührten Landschaften Norwegens, weit entfernt von jeglichem Überfluss, entwickelt sich eine unerwartete Anziehung zwischen den beiden.Wer sich für "Gossip" der Reichen und Schönen interessiert und Fan von "Der Denver-Clan" war, könnte sich von diesem Buch schnell angesprochen fühlen.
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Der vermeintliche Skandal ist äußerst pikant, doch Norah, die von dem Medien-Debakel nichts mitbekommen hat, gibt vor, über den Skandal hinwegzusehen. Obwohl das stimmt, fühlt sich Aleksander dennoch verunsichert, denn auf der Trekking-Tour scheint Norah die Anziehung zwischen ihnen nicht zuzulassen. Ihre Probleme sind größtenteils nachvollziehbar, jedoch werden sie, passend zum Genre, überzeichnet dargestellt und kommen immer wieder ins Spiel, besonders in Bezug auf Aleksander. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Beziehung zwischen den beiden sehr intensiv und extrem ist, wobei tiefgründige Gespräche oder Abstand anstelle von lockeren Kennenlerngesprächen dominieren. Dennoch ist die Intensität zwischen ihnen genau das, was der Roman verspricht. Die Trekking-Tour bietet ein wunderschönes Setting, und ich konnte verstehen, warum Norah dieses Leben nicht unbedingt aufgeben möchte. Nach der Trekking-Tour verlangsamt sich das Tempo zwischen den beiden, was die Liebesgeschichte zu Recht als Slow-Burn-Romance charakterisiert. Trotz des Luxus und der High Society ist die Geschichte keineswegs oberflächlich. Vielmehr bildet sie eine Grundlage für weitere gesellschaftliche Themen, wie beispielsweise die Frage nach dem Schein und Sein in der modernen Medienwelt. Norah und Aleksander sind ein gelungenes Anfangspärchen für diese Trilogie, und man kann gespannt sein, was in den kommenden Teilen passieren wird.

Raphaela Brosseron

Wer den Kürzeren zieht

Wer den Kürzeren zieht
Mel Wallis de Vries
one
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Auf einer abgelegenen Hütte plant eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Freunden eine erholsame Zeit zu verbringen. Die Schüler Maxime und Anne reisen aus Utrecht an, um sich mit Maximes alter Freundin Lizzy, deren Cousin Daniel und seinem Freund Sami zu treffen. Daniel und Sami, bereits im Studium, betrachten die Welt mit einem anderen Blick, besonders Daniel ist bekannt für seine Diskussionsfreudigkeit. Die Zeit für ein ausführliches Kennenlernen bleibt ihnen nicht, denn schon nach einem Tag geschehen merkwürdige Dinge: seltsame Nachrichten auf Instagram und ein blutüberströmter Junge taucht auf. Schnell wird klar, dass die fünf in Gefahr schweben und die Hütte möglicherweise nicht lebend verlassen werden.
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Ihre Befürchtungen werden auf Video-Tape aufgenommen, diese sind als böse Vorahnungen vor den Kapiteln verteilt. So weiß man, es wird etwas Schlimmes passieren, aber man muss auf jeden Fall weiterlesen, um zu wissen, was. Wer wirklich ganz genau liest, könnte vielleicht schnell eine Idee haben, was da vor sich geht. In meinem Kopf haben sich jedoch die Vermutungen gehäuft, weswegen ich in einem Durch lesen musste, um zu wissen, wie es ausgeht. Tatsächlich habe ich mit dem Ende nicht gerechnet, fand das dementsprechend auch spannend und gelungen. Die fünf Charaktere wurden geschickt gewählt, und trotz der begrenzten Seitenzahl erhielten sie genug Tiefe für einen psychologischen Thriller, der die Abgründe der menschlichen Natur erkundet. Ohne zu viel zu verraten, persönlich bevorzuge ich es, wenn der "Bösewicht" seinen Plan am Ende nicht unnötig erklärt, um mögliche Lücken zu schließen. Das Ende hat mich dennoch überzeugt, und das Buch liest sich schnell. Es erzeugt ohne explizite Gewaltdarstellungen eine beeindruckende Spannung.

Raphaela Brosseron

Anne, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, lässt sich von ihrer Freundin Maxime überreden, einige Tage in einer Hütte zusammen mit deren Freundin Lizzy aus Kindertagen
zu verbringen. David ist ein Cousin von Lizzy und er hat die Hütte gemietet, er studiert und reist zusammen mit seinem Freund Sami an. 
So richtig gemütlich ist die Hütte nicht und am liebsten möchte Anne wieder abreisen, aber die Hütte liegt so abgelegen, dass diese Möglichkeit nicht besteht. Im Prolog taucht noch eine Junge namens Vincent auf, der blutverschmiert vor der Tür liegt. Doch das geschieht erst eine Zeit später.
Die Kapitel beginnen mit Stunde 1 und machen auch Sprünge von einigen Stunden,
doch dazwischen werden die Protokolle von Tape-Aufzeichnungen gedruckt, die erst Stunden später aufgenommen werden. Hier befindet sich nur ein Jugendlicher in einem Raum und spricht mit der Kamera. Durch diese Vorgriffe wird die Geschichte noch einmal zusätzlich spannend. 
Das Buch ist gut zu lesen und die Spannung, die schon ganz zu Anfang meine Ängste schürt, wird immer größer. Auch der Ausgang der Geschichte hat mich beindruckt. Zudem werden die Charaktere der unterschiedlichen Protagonist*innen sehr gut beschrieben. Da Anne ihre Sicht auf die Dinge erzählt, leidet man in erster Linie mit ihr, kann aber auch ihr manchmal ungewöhnliches Verhalten begreifen. Ein echter Thriller!

Dagmar Mägdefrau

Cast in Firelight – Magie der Farben

Cast in Firelight - Magie der Farben
Dana Swift
one
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Adraa, die Thronerbin von Belwars, ist dazu bestimmt, eines Tages Jatin zu heiraten, den zukünftigen Maharadscha von Naupur. Die beiden treffen sich nur einmal als Kinder, und dieses Treffen verläuft alles andere als gut. Jatin zeigt sich arrogant mit seiner Magie, und Adraa lässt sich provozieren. Während Jatins Zeit an der Akademie setzen Adraa und Jatin ihre Beziehung in bissigen Briefen fort, anstelle von romantischen. Ein Konkurrenzkampf in magischen Leistungen entfaltet sich zwischen ihnen. In diesen Briefen verschweigt Adraa natürlich ihre Tätigkeiten im Untergrund, bei denen sie heimlich für das Volk agiert, sowie ihre Aktivitäten im Untergrund. 
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Sie hätten niemals erwartet, sich einmal verbünden zu müssen, um ihre jeweiligen Völker zu retten. Noch weniger hätten sie sich vorstellen können, dass während ihres gemeinsamen Kampfes Gefühle zwischen ihnen aufkeimen könnten – ohne dass ihnen bewusstwird, an wessen Seite sie eigentlich kämpfen.
Auf dem Cover sind zwei Figuren illustriert, vermutlich Adraa und Jatin.Ich finde es schade, wenn das Cover bereits ein so deutliches Bild der Figuren vermittelt, obwohl die Buchbeschreibungen für sich stehen könnten. Die dargestellten Figuren scheinen dem Schönheitsideal zu entsprechen und wirken wie aus einer Traumwelt gegriffen, mit unnatürlich großen Augen, die eher an Zeichentrickfiguren erinnern. Inhaltlich fand ich den Anfang vielversprechend, besonders weil wir Adraa und Jatin schon als Kinder kennenlernen. Doch im Verlauf der Geschichte habe ich irgendwann den Überblick über die magischen Kräfte verloren, und der Fantasy-Teil, besonders im Zusammenhang mit den Göttern, erschien mir recht überladen.
Letztendlich stehen die weiße und rote Magie im Fokus und es ist nicht zwingend erforderlich, alles zu verstehen, um den Kern der Geschichte zu erfassen. Die Liebesgeschichte hat mir gut gefallen, und trotz des bekannten Themas Enemies-toLovers fühlte es sich irgendwie neu an. In der Mitte der Handlung gab es eine gewisse Längen, vielleicht gerade wegen der Vielzahl von Ereignissen. Der Perspektivenwechsel zwischen Araa und Jatin in jedem Kapitel wurde wirksam umgesetzt, sodass man sich sehr gut einfühlen konnte. Die Aufteilung der Königreiche Belwar und Naupur sowie ihre Verflechtung dienten sinnvoll als treibende Kraft für die Handlung. Insgesamt ist es eine romantische und fantastische Geschichte, die sowohl Fantasy- als auch Romance-Fans ansprechen dürfte, vorausgesetzt, man lässt sich nicht vom Cover abschrecken.

Raphaela Brosseron

Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle

Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle
Anne Freytag
One
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Man könnte annehmen, dass ein Roman, der die Geschichte von Flüchtlingen erzählt, mit ihrer Flucht beginnt und das "Happy End" darin besteht, sicher auf festem Boden anzukommen. Die jugendliche Madina erzählt in diesem Tagebuch jedoch von ihrer Zeit der anhaltenden Fremdheit, selbst nach über einem Jahr an einem Ort, der nun mal nicht ihre Heimat ist.
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Ihre Heimat ist untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden, aber auch mit den Erinnerungen an die duftenden Rosen bei ihrer Oma. Diese kostbaren Erinnerungen kann ihr niemand nehmen, jedoch genauso wenig die traumatischen Erfahrungen des Krieges.
Mit ihrem Tagebuch versucht Madina, die Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen. Sie stellt Fragen zur Schule, zu den täglichen Anfeindungen, zu den vielen Problemen, die ihre Familie auf sie abwälzt, und zu den noch ungelösten Geheimnissen.
Obwohl Madina nicht mehr im Kriegsgebiet ist, hat sie Grenzen überschritten, die ihr ein normales Leben verwehren, besonders im Vergleich zu ihrer neuen Freundin Laura wird ihr das immer wieder bewusst. Dabei bleibt unklar, aus welchem Land Madina geflüchtet ist, es wird immer nur von "meinem Land" und "meiner Sprache" gesprochen. Das stört beim Lesen absolut nicht, vielmehr wird klar, dass es so wie Madina, schrecklich vielen Menschen geht. 
Die Sprache ist wunderschön, bildlich und ein Kunstwerk an sich. Trotzdem lässt der Roman einen universellen Zugang zu, sodass sich niemand davor drücken kann, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. 
Ein beeindruckender und zeitnaher Roman über Flucht und das Leben danach erzählt aus der Perspektive einer starken jungen Frau. Man kann diesen Teil der Geschichte gut lesen, ohne - wie ich - die anderen Teile über Madina zu kennen, trotzdem werde ich diese auf jeden Fall nun auch noch lesen. 

Raphaela Brosseron

Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse

Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse
Zoë Beck
Insel
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre
Es ist sicher nicht einfach, wenn man nach Grieg und Munch benannt wurde. Aber Edvard Vater ist Musikdirektor und die Mutter leitet eine Galerie. 
Edvard liebt seine Klassenkameradin Constanze, die ihn aber in den sozialen Medien gesperrt hat, ob der Grund die fehlende Brustbehaarung Edvards ist, stelle ich in Frage. Edvard kommt auf die Idee, einen amerikanischen Austauschschüler namens Jason zu erfinden. Dieses Faceprofil baut er mit Familie und Freuden aus und Constanze ist begeistert von Jason und liked alle seine Posts. 
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Das Verhältnis zum realen Nachbarn ist nicht besonders gut, da Edvard mehrfach in die Hinterlassenschaften des Pudels getreten ist. Um so mehr ist er erstaunt, als der Nachbar ihm ein paar neue Sneakers bringt. Die Edvard sofort anzieht und die er am liebsten anlassen möchte. Doch der Nachbar bietet noch eine andere Überraschung. Doch da will ich nicht zu viel verraten. 
Ein sehr turbulentes Buch mit erstaunlichen Wendungen, das einfach Spaß macht zu lesen. Die Kapitel sind immer mit Datum und Uhrzeit überschrieben und teilweise sehr kurz. Deshalb ist das Buch mit seinen fast 200 Seiten schnell gelesen. Die Charaktere der einzelne Figuren sind sehr vielschichtig und sie werden nicht bewertet, was mir sehr gut gefällt.

Dagmar Mägdefrau

Edvard hat verschiedenste Gründe, nicht mehr in die Schule zu gehen. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, doch seine Stimme ist immer noch zu hoch, die Brust haarlos, und die Aussicht auf Ferien auf einem Bauernhof mit seinen engagierten, vegetarisch essenden Eltern bereitet ihm wenig Freude. In der virtuellen Welt hat er sich als Jason ein alternatives Leben geschaffen, mit einem durchdachten Fake-Profil, das ihn mit Constanze verbindet. Doch sein Nachbar Herr Tannenbaum könnte ihm eine Chance bieten, sich im echten Leben zu beweisen.
Edvard teilt seine Ängste und Sorgen in Blogposts, verbringt viel Zeit online und hat sogar künstliche Intelligenz genutzt, um seinen Fake-Account zu perfektionieren - unteranderem mit künstlicher Intelligenz. Dadurch bekommt die Geschichte natürlich einiges an Aktualität, denn er fälscht mal eben sogar ganze Videos. Dieses Lügennetz, was er da aufbaut, ist aber insgesamt ziemlich lustig und hat selbst ständig Sorge, wie sich das entwickeln soll.  Seine Pubertätsprobleme sind nicht geringer und natürlich ist er ausgerechnet in das beliebteste Mädchen der Klasse verliebt. Da ist uns als Leser*innen die neue Mitschülerin Karli lieber, aber ich finde es ziemlich authentisch, dass Edvard da nicht genauso vernünftig denkt wie wir. Neben Humor und ziemlich vielen Problemen der Pubertät, ist das Thema Engagement gefragt und Edvard kann für die Rettung von Herrn Tannenbaums Haus endlich seine Energie mal richtig einsetzen. 
Auf jeden Fall sehr unterhaltsam und nachvollziehbar, wie Edvard uns seine kleinen und großen Sorgen ganz modern mitteilt. Gäbe es den Blog wirklich, würde ich ihm bestimmt folgen.

Raphaela Brosseron

Nächte im Tunnel

Nächte im Tunnel
Anna Woltz
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Gewinnerin des Gustav-Heinemann-Friedenspreises 2023
Ausgezeichnet mit dem LUCHS-Preis
Leselotse November/Dezember 2022
Dieses Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und ich kann nur sagen, zu Recht! Ein Buch, das zutiefst berührt und bewegt.
Die vierzehnjährige Ella lebt mit ihrer Familie in London, die Mutter hilft anderen Menschen, die alles durch die Luftangriffe der Deutschen Armee verloren haben. Der Vater räumt während und nach den Angriffen auf. Ella und ihr kleiner Bruder Robbie müssen jeden Tag an der U-Bahn-Station anstehen, um dort einen Platz für die Nacht zu sichern. Jay, der sich alleine durchschlafen muss, „verkauft“ gute Plätze in einem Tunnel, dort ist es nicht so laut und eng wie auf dem Bahnsteig.
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Erst als die fünfzehnjährige Quinn auftaucht, die vom Landsitz ihrer Familie geflohen ist, um Verletzen zu helfen, können die vier gemeinsam ihre Nächte im Tunnel verbringen. Sie erfahren einiges von den anderen und geraten einige Male aneinander. 
Das Buch beginnt damit, dass einer der Vier sterben wird und dieses Wissen belastet das Lesen, alle vier wachsen uns Lesenden ans Herz und der Gedanke, dass eines dieser Kinder die Tage, in denen das Buch spielt, nicht überleben wird, macht von Anfang an traurig. Aber trotzdem ist es auch ein Buch das Hoffnung gibt, denn alle stehen am Anfang ihres Lebens und wir erfahren ihre Wünsche und Träume, die hoffentlich wahr werden.
Gerade in diesen Zeiten, in denen wir die Menschen in Kiew ebenfalls in den U-Bahnhöfen sitzen sehen, ist uns die Situation der Menschen in London während des 2. Weltkriegs näher. 
Ein Buch, dass uns aufwühlt und hoffen lässt.

Dagmar Mägdefrau

Unheimlich, unheimlich – Urlaubschaos mit Ruby Black

Unheimlich, unheimlich - Urlaubschaos mit Ruby Black
Cally Stronk
Constanze von Kitzing
DTV
Unheimlich, unheimlich
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Unheimlich, unheimlich ist der vierte Band der Ruby Black-Reihe, jedoch stört es nicht, wenn man die anderen nicht gelesen hat: Die elfjährige Ruby ist als Ich-Erzählerin so mitteilsam, dass man bereits nach ein paar Seiten einen guten Eindruck von ihr und ihrem chaotischen Leben bekommt. 



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Ruby kennt die Welt außerhalb des Friedhofs kaum, und obwohl sie gerne mal in den Urlaub fahren würde, möchte sie keinesfalls den Geburtstag ihres Freundes Ben verpassen. Doch ausgerechnet an diesem Tag plant ihre Familie ihren ersten gemeinsamen Ausflug. Es gibt jedoch einen Haken: Sie fahren zu einer Sargmesse, bei der Ruby ihren Eltern bei der Vermarktung von Särgen helfen soll. Doch Ruby wäre nicht Ruby, wenn sie nicht bereits wilde Pläne und noch wildere Wege gefunden hätte, um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Besonders, weil das Hotel, in dem sie übernachten, selbst für sie ziemlich gruselig ist.
Nicht nur die Bilder neben dem Text sind lebendig illustriert, auch die geschriebenen Wörter, wodurch sie leicht lesbar werden und wirklich alle Emotionen unterstrichen. 
Mit Hashtags und mehr oder weniger modernen Abkürzungen soll es jugendlich gehalten werden - wie authentisch das ist, könnten vielleicht Elfjährige besser beurteilen, aber mir war es persönlich manchmal zu viel.
Schade fand ich auch, dass so etwas wie Social Media und Influencer sehr überspitzt und herablassend dargestellt wurden. Schließlich handelt es sich um Themen, die tatsächlich das Interesse von Jugendlichen wecken, und in dieser Hinsicht scheint die Perspektive irgendwie veraltet und belehrend zu sein, obwohl Ruby die Geschichte eigentlich aus der Ich-Perspektive erzählt.
Insgesamt bleibt die Geschichte auf eine amüsante Weise chaotisch, und die Illustrationen ergänzen den Text auf ansprechende Weise.

Raphaela Brosseron

Auch der vierte Band über Ruby Black zeichnet ein besonderer Humor aus. Ruby wird in der Schule gemobbt und von ihrem erfolgreichen Bruder gequält, Urlaub findet normalerweise im Zelt auf dem Friedhof statt und irgendwie schafft Ruby es immer wieder ins Fettnäpfchen zu treten. 
Doch es gibt auch positives zu entdecken, Ruby hat mit Selma eine Freundin gefunden und jetzt kommt der Knaller: Ben ist ihr Freund. 
Aber natürlich gibt es wieder Schwierigkeiten, denn die Familie fährt Richtung Ostsee in die Ferien, dabei hat Ruby Ben versprochen mit ihm seinen Geburtstag zu feiern. Als dann das Hotel eine Bruchbude ist und Papa Rubys Hilfe auf der Sterbo 3000 einer Beerdigungsmesse erwartet, sucht Ruby nach einer Lösung.
Viele werden sich in Ruby wiederfinden, wenn ihr Leben auch etwas überzeichnet dargestellt wird, aber Ruby macht Hoffnung, dass am Ende alles gut wird und sie stärker ist, als sie oft denkt.

Dagmar Mägdefrau 



Das Geheimnis von Darkmoor Hall – Das Amulett der Winde

Das Geheimnis von Darkmoor Hall Das Amulett der Winde
Nina Scheweling
Rotfuchs
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Das aufregende Abenteuer von Kate, Gus und Billy geht weiter, und wir werden endlich herausfinden, ob sie das jahrhundertealte Rätsel der Familie Greenville knacken können.
Selbst wer den ersten Teil der Geschichte nicht kennt, wird leicht in die Geschichte der Freunde eintauchen können, ohne dass zu viel von dem, was bereits passiert ist, wiederholt wird.
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Wer dachte, dass die drei sich im ersten Teil in Lebensgefahr begeben, wird sehen: Eingeschüchtert sind sie dadurch nicht. Es scheint fast, als hätten sie noch größere Herausforderungen zu bewältigen. Billys Familie hat Geldsorgen, Kates Eltern streiten sich, und Gus hat immer noch nur seine gemeine Tante, nachdem er seine Eltern verloren hat. Dank den Briefen des Rätselverfassers, der auch Gus' Urgroßvater ist, erfahren wir, dass auch er als Jugendlicher vor schwierigen Entscheidungen stand und warum er sich damals gegen seine Familie gestellt hat.
Die drei Freunde müssen sich auch fragen, was so ein Schatz eigentlich bedeutet und wie sie ihre anderen Probleme bewältigen können. Neben der spannenden Suche nach dem mysteriösen Amulett machen sie viele weitere Erfahrungen, die ihre Freundschaft noch enger und stärker machen. „Sie waren alle drei so unterschiedlich, kannten sich erst seit ein paar Wochen, und dennoch sind sie zu engen Freunden geworden."
Neben der Suche nach dem Amulett machen sie also viele weitere Erfahrungen, die sie noch enger zusammenbringen. “Sie waren alle drei so verschieden, kannten sich erst seit ein paar Wochen und doch waren sie zu Freunden geworden.” 
Die Fortsetzung der Geschichte von Kate, Gus und Billy enttäuscht nicht. Eine fesselnde Lektüre für Kinder und Jugendliche, die Abenteuer und Freundschaft lieben. Die Illustrationen sind erneut hervorragend und fangen die Stimmung des Buches perfekt ein.

Raphaela Brosseron

Das Geheimnis von Darkmoor Hall

Das Geheimnis von Darkmoor Hall
Nina Scheweling
Rotfuchs
Das Geheimnis von Darkmoor Hall
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Das Buchcover zeigt ein imposantes Anwesen, das eher unheimlich wirkt und das man vielleicht lieber nicht alleine betreten möchte, möglicherweise nicht einmal bei Tageslicht. So ein Anwesen befindet sich in der südenglischen Stadt Darkmoor-on-sea, ein Ort mit einem Namen, der bereits auf gruselige Abenteuer hindeutet.
Zu Beginn erscheint für Kate alles in diesem Ort einfach nur alt und langweilig. Doch dann findet sie einen Grund, Gustav Greenville zu besuchen, den verwaisten Neffen der gefürchteten Lady Greenville, der in dem beängstigenden Anwesen Darkmoor Hall lebt. Zusammen mit dem Dorfjungen Billy stürzen sich Gus und Kate in eine aufregende Schatzsuche. Denn nicht nur das Anwesen selbst ist mysteriös und geheimnisvoll: Gustavs Erbstück von seinem Urgroßvater enthält Rätsel und verspricht einen wertvollen Schatz, von dem sich alle Beteiligten aus unterschiedlichen Gründen viel erhoffen.
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Von Anfang an konnte ich mich in die neblige und geheimnisvolle Umgebung hineinversetzen. Die Autorin hat das südenglische Dorf und seine Atmosphäre mit ihrer packenden Erzählweise auf meine heimelige Couch gebracht. Obwohl ich Kates anfängliche Langeweile verstehen kann, hätte ich gerne mit ihr getauscht. Als Kind wäre es mein Traum gewesen, ein solches Rätsel in dieser Umgebung präsentiert zu bekommen, auch wenn ich wahrscheinlich viel länger gebraucht hätte, um es zu lösen. Mir gefiel auch, wie die Freunde zufällig zusammentreffen, da sie alle individuelle und authentische Probleme haben, die der Geschichte eine besondere Einzigartigkeit verleihen.
Während ihrer selbstgewählten Mission werden die fünf Freunde tatsächlich mit gefährlichen Situationen konfrontiert, und ich war froh, aus der Ferne mitzufiebern. Dennoch hatte ich ein aufregendes und abenteuerliches Leseerlebnis, das perfekt in den Oktober passt. Ich würde die Geschichte jedoch auch zu jeder anderen Jahreszeit empfehlen.

Raphaela Brosseron

Adam und die Jagd nach der zerbrochenen Zeit

Adam und die Jagd nach der zerbrochenen Zeit
G.Z. Schmidt
Hanser
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Der zwölfjährige Adam wohnt seit dem Unfalltod seiner Eltern bei seinem Onkel Henry in New York. Die beiden leben von ihrer kleinen Bäckerei „Biscuit Basket“, denn der Onkel kann wundervolle Sachen backen. Leider gibt es viel Konkurrenz und manchmal ist es nicht einfach, die Miete zusammen zu bekommen. Trotzdem geht Adam jeden Abend ins „Loch“, so nennen sie das Obdachlosenheim und bringt die Reste dort hin.
Im ersten Kapitel erscheint eine Gestalt, die Adam auf eine Schneekugel aufmerksam macht. Mit dieser Schneekugel gelingt es ihm, in die Vergangenheit zu reisen. Allerdings kann er sie nicht beeinflussen und weiß deshalb nicht, wie und wann er ankommen wird. Auf diese Weise lernt er, der keine Freunde hat, neue Kinder kennen. 
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Parallel zu Adams Geschichte erfahren wir einiges über Elbert, der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sein Glück als Zauberer versuchte, doch erst die Bekanntschaft mit einem Uhrmacher machte ihn zum Star. 
Das Buch ist voller Magie und unerwarteten Wendungen, doch es gibt auch viel Böses, so wurde Elbert schon früh von einem Fabrikbesitzer betrogen und auch im Jetzt versucht jemand, die Schneekugel an sich zu bringen.
Die Geschichte liest sich so spannend, dass man das Buch schnell auslesen möchte. Das Thema Zeitreise wird dabei auch aus wissenschaftlicher Sicht angesprochen und auch das ist gut verständlich.

Dagmar Mägdefrau

Adam lebt im Jahr 1999 als zwölfjähriger Junge in New York. Nachdem seine Eltern vor einigen Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind, lebt er nun bei seinem Onkel Henry, der eine Bäckerei betreibt. Eines Tages taucht ein älterer Mann in der Bäckerei auf und prophezeit Adam, dass ihm noch große Abenteuer bevorstehen. Nach einigen Zeitsprüngen stellt sich heraus, dass der Mann Recht hatte. 
Adam reist mit einer Schneekugel durch die Zeit, jedoch ohne die Kontrolle darüber zu haben, wann oder wie dies geschieht. Dennoch ergibt alles einen Sinn, als er das Geheimnis der Schneekugel, des Pendels und einer alten Spielschachtel entdeckt, von der behauptet wird, sie würde Musik spielen, wenn jemand stirbt.
Wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenhängen, was ein großes Unglück in einer Kerzenfabrik 1967 damit zu tun hat und warum es in jeder Zeit einen hinterhältigen Robert Baron gibt, möchte ich nicht vorwegnehmen. Ich kann aber versprechen, dass die Verknüpfung klug und spannend erzählt wird. 
Zeitreisen werden sehr logisch in ihrer Wirkung aufgearbeitet, trotzdem bleibt es eine kindgerechte Geschichte. Ich würde den Roman jedem Kind (und vermutlich auch Erwachsenen) geben, der fragt: Was passiert eigentlich, wenn man doch durch die Zeit reisen kann? Meine Antwort wird ab jetzt, ähnlich wie Victors in der Geschichte, ab jetzt immer was mit Permutation und Orangenschalen beinhalten.
Eine wirklich ehrliche, kluge und spannende Geschichte zum Thema Zeitreisen und Magie und über Freundschaft, die durch alle Zeit geht.

Raphaela Brosseron

Lucky Loser extra light  

Lucky Loser extra light  
Heidemarie Brosche
Hase und Igel light
Verlagsempfehlung Klasse 6-8
Es ist sicher nicht einfach, wenn der Nachname Loser lautet, aber Lukas, der Lucky genannt wird, muss damit zurechtkommen. Leider ist er einige Male beim Schwarzfahren erwischt worden und muss nun Sozialstunden in einem Altersheim ableisten. Als er sein Handy dem Heimleiter abgeben muss, sieht er, dass Kim, seine Freundin, den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Schwester Mariana, die auf Station 5 für Lucky zuständig ist, stellt ihm Willy Winning vor. Der alte Mann verweigert das Essen und liegt wie tot in seinem Bett. Allerdings bekommt er doch mehr mit, als Lukas denkt und am nächsten Tag spricht er den Jungen sogar an. So entsteht eine Freundschaft zwischen Lukas und dem alten Mann, der einige Jahre im Gefängnis gesessen hat und Lucky gute Tipps geben kann.
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44 Kapitel auf 144 Seite berichten in großer Schrift von Lucky Loser. Die Geschichte bietet Spannung und viel Gefühl, dabei ist sie einfach zu lesen. Dazu tragen auch die Emojis über jedem Kapitel und die Illustrationen, die die Gefühle sehr gut abbilden, bei. Schon das Cover zeigt das Entsetzen des Jungen, als er „Kontaktsperre“ liest. 
Dieses Buch entspricht dem Buch gleichen Titels ist allerdings verkürzt gedruckt worden. So wurde aus dem Text „So schnell ich kann, biege ich in die Martinstraße und fingere ich den zerknitterten Brief aus meiner Hosentasche“ der kurze Text „Schnell biege ich in der Martinstraße und fingere den Brief …“ 
Ich denke durch diese zusätzliche Kürzung wird das Buch auch für Jugendliche, die nicht gerne lesen, lesbar und interessant.

Dagmar Mägdefrau

Lucky Loser

Lucky Loser
Heidemarie Brosche
Hase und Igel light
Verlagsempfehlung Klasse 6-8
Es ist sicher nicht einfach, wenn der Nachname Loser lautet, aber Lukas, der Lucky genannt wird muss damit zurechtkommen. Leider ist er einige Male beim Schwarzfahren erwischt worden und muss nun Sozialstunden in einem Altersheim ableisten. Als er sein Handy dem Heimleiter abgeben muss, sieht er, dass Kim, seine Freundin, den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Schwester Mariana, die auf Station 5 für Lucky zuständig ist, stellt ihm Willy Winning vor. Der alte Mann verweigert das Essen und liegt wie tot in seinem Bett. Allerdings bekommt er doch mehr mit, als Lukas denkt und am nächsten Tag spricht er den Jungen sogar an. So entsteht eine Freundschaft zwischen Lukas und dem alten Mann, der einige Jahre im Gefängnis gesessen hat und Lucky gute Tipps geben kann.
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44 Kapitel auf 144 Seite berichten in großer Schrift von Lucky Loser. Die Geschichte bietet Spannung und viel Gefühl, dabei ist sie einfach zu lesen. Dazu tragen auch die Emojis über jedem Kapitel und die Illustrationen, die die Gefühle sehr gut abbilden, bei. Schon das Cover zeigt das Entsetzen des Jungen als er „Kontaktsperre“ liest. 
Ein Buch gleichen Titels wird als „Extra-Light-Version“ angeboten und ist um einige Worte verkürzt gedruckt. 

Dagmar Mägdefrau

Lukas, den alle nur "Lucky" nennen, findet sich im Altersheim wieder, wo er Sozialstunden ableisten muss, nachdem er mehrmals beim Schwarzfahren erwischt wurde. Der ironische Name "Lucky" im Sinne von Glück passt so gar nicht zu seinem derzeitigen Lebensgefühl. Vielmehr spiegelt sein Nachname "Loser" besser wider, was er gerade durchmacht. Besonders belastend ist die plötzliche Nachricht seiner Freundin, die ihm während seiner nur “Kontaktabbruch” schreibt. Nicht nur das – er betrachtet auch seinen eigenen Vater als einen Verlierer, und auch sein bester Freund verhält sich merkwürdig. In dieser schwierigen Phase seines Lebens ist es jedoch überraschenderweise ein alter Mann namens Willy Winning aus dem Altersheim, der ihm hilft, sich zurechtzufinden.

Die Geschichte ist authentisch und modern gehalten, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit Social Media und dessen Einfluss auf das Leben heutiger Jugendlicher. Eine bemerkenswerte Stärke ist die Verfügbarkeit von zwei Versionen des Romans: Die "Light Version" bietet eine etwas einfachere Sprache mit weniger verschachtelten Sätzen und reduzierten Adjektiven, ohne dabei den Erzählstil zu beeinträchtigen. Diese Flexibilität macht das Buch nicht nur für den schulischen Einsatz im Rahmen der Binnendifferenzierung interessant, sondern ermöglicht auch eine individuelle Anpassung des Leseerlebnisses.
Die Bilder waren auch eine schöne Begleitung beim Lesen, nicht zu kindlich gehalten und immer passend zum Text, als visuelle Unterstützung. Diese Geschichte dürfte vielen gefallen, egal welche Variante!

Raphaela Brosseron

Boy from Mars – Auf der Jagd nach der Wahrheit

Boy from Mars - Auf der Jagd nach der Wahrheit
Christian Linker
dtv
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

Wir schreiben das Jahr 2099. So wie wir heute selbstverständlich auf der Erde leben, Fußballspielen und im Meer schwimmen, lebt Jonto auf dem Mars, spielt Gravity Dunk und geht zum Schwimmen in ein Ozeanbecken. Er lebt auf dem Mars, wo echte Spaghetti ein Luxusgut sind, das Leben ansonsten aber für ihn perfekt erscheint. Bis sein Opa Ben, stirbt und er einfach so zu seiner Mutter auf die Erde geschickt werden soll. Mit seinen letzten Worten erzählt sein Opa ihm von seiner Erfindung und Jonto hofft, durch diese reich zu werden und eines Tages zum Mars zurückkehren zu können. Dafür lässt er sich auf der Erde ausgerechnet auf die jugendlichen Rumtreiber ein, vor denen seine Mutter ihn eindringlich warnt und begibt sich in große Gefahr. 




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Der Roman bietet eine detaillierte Darstellung gängiger Zukunftsvisionen, darunter Hologramme und das Leben auf dem Mars mit seinen ungewöhnlichen Bedingungen. Doch was den Roman zu einer echten Dystopie macht, ist die Beschreibung der Erde nach den Klimakriegen ab Mitte des 21. Jahrhunderts. Die Kriege um Ressourcen und der Umgang mit Klimaflüchtlingen werden erschreckend realistisch dargestellt, und man hofft, dass die Zukunftsvision von Christian Linker, so fesselnd sie für die Handlung auch ist, eine Dystopie bleibt. Trotz des faszinierenden Themas empfand ich das Lesen persönlich oft als zäh.Dies könnte unter anderem daran liegen, dass einige Informationen über die Zukunft meiner Meinung nach sehr erzwungen in die Handlung eingefügt wurden, unabhängig davon, ob sie zur Geschichte passten oder nicht.
Der Roman bleibt trotzdem eine empfehlenswerte Dystopie, die sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene durch die ausführliche Darstellung der Zukunft, die facettenreiche Charakterentwicklung von Jonto und die gesellschaftlichen Anregungen lesenswert ist.

Raphaela Brosseron


Jonto lebt im Jahr 2099 mit seinem Opa auf dem Mars. Dort gibt es Kolonien, deren Bewohner friedlich und reich zusammenleben. Als aber der Opa plötzlich verstirbt, muss Jonto zu seiner Mutter auf die Erde zurück. Dort hat der dreizehnjährige Junge einige Probleme. Seine Mutter ist ihm fremd, aber auch die Kultur und die Entwicklung der Erde kennt er nur aus dem Unterricht. Er weiß, dass Amsterdam überflutet wurde und es Flüchtlinge, wie Wilhelms Oma, gab. 
So kämpft er mit der Schwerkraft, mit der sein Körper erst umzugehen lernen muss, freut sich aber darüber, dass er keinen Raumanzug tragen muss. 
Das Tagebuch seines Opas berichtet davon, dass sein Opa eine Wunderwaffe gegen den Klimawandel konstruiert hat, aber es ist lange unklar, ob es sich um Wunschdenken oder eine reale Maschine handelt. Jonto findet Verbündete, die ihn bei der Suche unterstützen. 
Erstaunlich mit wie viel Fantasie da eine Zukunft erdacht wurde, die leider an vielen Stellen erschreckend real ist. Ich kann mir vorstellen, dass sich die Erde aufgrund des Klimawandels so entwickeln wird. Untergegangene Städte, missglückte Versuche, die Auswirkungen aufzuhalten und neue Städte mit neuen Konzepten.
Das Buch ist spannend zu lesen, aber es geht auch um Freundschaft und Zuneigung. Jonto und seine Mutter müssen zueinander finden und es gefällt mir sehr gut, dass die Mutter schnell einsieht, dass Vertrauen nötig ist, um zueinander zu finden.

Dagmar Mägdefraue

Der Geruch von Ruß und Rosen

Der Geruch von Ruß und Rosen
Julya Rabinowich
Hanser
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Man könnte annehmen, dass ein Roman, der die Geschichte von Flüchtlingen erzählt, mit ihrer Flucht beginnt und das "Happy End" darin besteht, sicher auf festem Boden anzukommen. Die jugendliche Madina erzählt in diesem Tagebuch jedoch von ihrer Zeit der anhaltenden Fremdheit, selbst nach über einem Jahr an einem Ort, der nun mal nicht ihre Heimat ist.
Ihre Heimat ist untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden, aber auch mit den Erinnerungen an die duftenden Rosen bei ihrer Oma. Diese kostbaren Erinnerungen kann ihr niemand nehmen, jedoch genauso wenig die traumatischen Erfahrungen des Krieges.
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Mit ihrem Tagebuch versucht Madina, die Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen. Sie stellt Fragen zur Schule, zu den täglichen Anfeindungen, zu den vielen Problemen, die ihre Familie auf sie abwälzt, und zu den noch ungelösten Geheimnissen.
Obwohl Madina nicht mehr im Kriegsgebiet ist, hat sie Grenzen überschritten, die ihr ein normales Leben verwehren, besonders im Vergleich zu ihrer neuen Freundin Laura wird ihr das immer wieder bewusst. Dabei bleibt unklar, aus welchem Land Madina geflüchtet ist, es wird immer nur von "meinem Land" und "meiner Sprache" gesprochen. Das stört beim Lesen absolut nicht, vielmehr wird klar, dass es so wie Madina, schrecklich vielen Menschen geht. 
Die Sprache ist wunderschön, bildlich und ein Kunstwerk an sich. Trotzdem lässt der Roman einen universellen Zugang zu, sodass sich niemand davor drücken kann, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. 
Ein beeindruckender und zeitnaher Roman über Flucht und das Leben danach erzählt aus der Perspektive einer starken jungen Frau. Man kann diesen Teil der Geschichte gut lesen, ohne - wie ich - die anderen Teile über Madina zu kennen, trotzdem werde ich diese auf jeden Fall nun auch noch lesen. 

Raphaela Brosseron

Madina, die aus einem Land in dem Krieg herrschte geflohen ist, fühlt sich inzwischen in der geräumigen schönen Wohnung wohl. Sie hat mit Laura, der Tochter der Vermieterin eine gute Freundin gefunden, die sie sehr unterstützt. Madina empfindet nach den Strapazen der Flucht und der Ablehnung der Nachbarn, endlich sowas wie frei-sein. Ein Therapeutin und ihre frühere Klassenlehrerin machen ihr immer wieder Mut. 
Doch dann ist der Krieg aus und ihre Tante möchte zurück in das Land, in dem Madinas Vater vermisst wird. Madina macht sich mit der Tante auf den Weg in das Land ihrer Vorfahren, indem ihnen Misstrauen und Ablehnung entgegengebracht wird.
Der Leser erfährt nicht um welches Land es sich da handelt, aber es hat noch sehr altmodische Strukturen und auch damit tut sich die inzwischen Jeans tragende Madina schwer. Ein wenig erinnert mich das an meine Jugend in den 1960er Jahren. Auch da war der Mann noch „der Herr im Haus“ und hatte das Sagen. Aber viele Mütter hatten sich im Krieg emanzipiert und wollten nicht wieder gehorchen. Auch hier wurden die Gesetzte erst in den 1970er Jahren geändert. 
Madina erinnert sich an die Gerüche, ich habe da auch oft Verbindungen, auch meine Erinnerungen werden häufig durch einen Geruch hervorgerufen.
Madina muss ich entscheiden, bleibt sie hier oder geht sie in ihr altes Land zurück? Würde sie damit nicht auch ihre Freiheit aufgeben? 
Die Erzählung resultiert aus Madinas Tagebuch, aber es gibt keine Daten, nur 3 Teile und 24 Kapitel. Madina erzählt uns diesen Teil ihres Lebens in wunderschönen Worten und poetischen Vergleichen. Mir gefiel es sehr gut diese schönen Sätze zu lesen.
Ein Buch über Flucht, Ankommen, Fremdsein und Zurückblicken, dass vieles nur anreißt und doch wissen wir, worum es geht.

Dagmar Mägdefrau

Weiße Tränen

Weiße Tränen
Kathrin Schrocke
Mixtvision
Verlagsempfehlung ab 13 Jahre
„Wenn weiße Menschen mit Rassismus und ihrem Weißsein konfrontiert werden, fühlen sie sich oft ungerecht behandelt und lenken mit den eigenen Emotionen von den Betroffenen ab. Dieses Verhalten wird als White Tears beschrieben.“ 
Auch ich empfinde es oft als schwierig, wenn ich merke, dass ich doch wieder einen rassistischen Gedanken habe oder ihn sogar ausspreche. Neben der Scham spüre ich dann auch, dass ich mich gerne rechtfertigen möchte, dass ich irgendwas finden möchte, dass von mir als Täterin ablenkt.
Lenni und Serkan sind seit der Kita Freunde und die Familien waren damals Nachbarn. Lennis Eltern führen jetzt ein Beerdigungsunternehmen und leben deshalb jetzt in einem anderen, besseren Stadtteil als Serkans Familie. Beide Jungen sind viele Jahre in der Theater-AG und deren Leiter ist Lennis Lieblingslehrer.
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Doch als der dunkelhäutige Benjamin auftaucht, stellt er gleich zu Recht die „Schule ohne Rassismus“ in Frage. Viele alltägliche Kleinigkeiten verdienen diese Bezeichnung nicht. 
So muss sich Serkan als Osama ansprechen lassen und das Musical „King Kong“ ist auch nicht frei von rassistischen Elementen, die keiner wahrhaben möchte. Elifs Kopftuch bietet ebenfalls viel Stoff, zumal die Vorbehalte als Schutz für die Trägerin dargestellt werden. 
Lenni tut sich sehr schwer, Stellung zu beziehen und braucht einige Zeit, bis er versteht, dass Herr Prasch nicht von allen Schülerinnen und Schülern so gemocht wird wie von ihm. Und dass das seine Gründe hat.
An einigen Stellen des Buches war ich erstaunt, dass vieles anders aussieht, als es scheint und dass ich mir mal wieder an meine Nase fassen musste, weil ich auch in Stereotypen denke. 

Ein wichtiges Buch, dass klar macht, mit welchen Problemen Deutsche mit internationaler Geschichte zu kämpfen haben und dass wir immer wieder versuchen müssen, diesen Rassismus zu erkennen und zu benennen. 

Dagmar Mägdefrau

Lenni kehrt an seinem ersten Tag nach den Ferien zum Kant-Gymnasium zurück und trifft auf seinen neuen und schwarzen Mitschüler Benjamin. Lenni fokussiert sich auf dessen Afro und spekuliert, ob Benjamin gut tanzen kann, und ob er vielleicht nur aus PR-Gründen da ist. Immerhin bemüht sich die Schule um ihren Ruf als eine "Schule ohne Rassismus". Doch Benjamin erkennt sofort, dass dieser Titel eine Täuschung ist und hat kein Problem damit, dies zu benennen. Sobald Benjamin das Thema anspricht, begegnet ihm eher Entrüstung statt Entschuldigung und eine Flut von "Weißen Tränen".
Benjamin verschont niemanden, sei es der sonst beliebte Geschichtslehrer oder die Mitglieder der Theater AG. Interessanterweise erleben wir diese Entwicklung aus der Perspektive von Lenni. Obwohl sein bester Freund Serkan und Benjamin ihm Denkanstöße liefern, setzt auch bei ihm der Prozess des Verstehens nur langsam ein. Lenni muss nicht nur von anderen lernen, sondern sich auch selbst mit dem Thema Rassismus und seiner historischen Dimension auseinandersetzen. Die Perspektive ist gut gewählt, da so nicht nur die Betroffenen zum Handeln gebracht werden.

Die Figuren, die zuvor in positivem Licht erscheinen, sind nicht frei von rassistischen Denkmustern. Dies unterstreicht, dass nicht nur offensichtliche Extremisten rassistische Tendenzen aufweisen, sondern auch die nette Nachbarin mit ihrer Abneigung gegen Kopftücher oder der engagierte Geschichtslehrer, der bei der Frage nach Deutschlands Kolonialgeschichte auf einmal doch kein offenes Unterrichtsgespräch mehr zulässt. 

Die Geschichte zeigt geschickt Alltagsrassismus und seine Verankerung im System. Statt oberflächliche Lösungen für ein tiefgreifendes Problem zu liefern, werden Fragen aufgemacht, die zum Nachdenken einladen. Ein äußerst reflektiertes Buch, wie auch das gelungene Nachwort der Autorin zeigt.

Raphaela Brosseron

Fürs Leben zu lang

Fürs Leben zu lang
Nikola Huppertz
Tulipan
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre
Es ist nicht einfach für die dreizehnjährige Magali mit ihrer Größe von 1,82 m klarzukommen. Dazu hat sie noch eine achtzehnjährige Schwester, die Abi macht und die bei „normaler“ Größe sehr hübsch ist. 
So beginnt Magali dann doch in den Oster-Ferien in das Tagebuch mit Goldschnitt und Lesebändchen zu schreiben. Zunächst über andere, wie die Bewohner des Hauses. Zu denen gehört die Familie Siemerdings mit ihren vielen Kindern und dem Husky Snow, den Magali täglich ausführt, und der 98-jährige Albert Krekeler. Herr Krekeler war bisher immer noch sehr fit und ist täglich in seinem schicken Jogginganzug eine Runde gejoggt, doch jetzt hat er beschlossen zu sterben und das hat seinen „verlorenen“ Sohn auf den Plan gerufen, der mit dem Enkel Kieran anreist.
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Da Kieran wenig Berührungsängste hat, taucht er jeden Tag ungefragt bei Magali auf und die beiden unterschiedlichen Jugendlichen verbringen die Ferien zusammen. Sie erleben das leise Sterben von Herrn Krekeler und stellen die Frage „Wie geht das überhaupt, ein richtiges Leben?“

Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt und wirft die unterschiedlichsten Probleme auf. Zum einen ist das die Körpergröße von Magali, dann das Verhältnis der volljährigen Schwester zur Mutter, das Schweigen des übergewichtigen Vaters, die Familienverhältnisse von Kieran und natürlich das Sterben des alten Mannes. Am Ende ist das Tagebuch von Magali gefüllt und wir haben an ihren Gedanken teilnehmen dürfen und warten mit Spannung, ob sie weiterhin ungeküsst bleibt.

Dagmar Mägdefrau

Luftmaschentage

Luftmaschentage
Anne Becker
BELTZ & Gelberg
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
Schon das Cover mit den herabbaumelnden Beinen und dem umhäkelten Baumstamm macht mich total neugierig auf das Buch. 
Das Buch beginnt mit Sprachnachrichten von Matea, genannt Mats, an Riccarda, die Ricci gerufen wird. Am Nachmittag eine Entschuldigung und der Frage „was da eigentlich genau los war“ und endet spät abends mit der Bemerkung „Kann nicht einschlafen“ Danach musste ich sofort los lesen, denn das wollte ich genau wissen.
Das erste Kapitel handelt vom ersten Tag mit Ricci. Da kommen sich die beiden unterschiedlichen Mädchen näher. Mats spricht nämlich nicht gerne und nur mit der Familie, ihrer Freundin Charlotte und er Bäckereiverkäuferin. Deshalb ist so auch selbst erstaunt, als sie Ricci so bereitwillig antwortet. 
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Nach dem Tod von der alten Frau Losse, von der Mats häkeln und stricken gelernt hat, „erbst“ sie einen Karton mit Wolle und so behäkelt sie den Baum an der Kirche. Da Ricci keine Scheu hat mit allen zu Reden und dazu noch schnell Geschichten erfinden kann, kann sie verhindern, dass der Küster Mats entdeckt. So beginnt die Freundschaft der beiden und das Buch führt uns chronologisch durch die nächsten Tage. Die kleinen Kapitel mit den Sprachnachrichten spielen aber in den Tagen danach, an den Tagen „ohne Ricci“. 

Das hört sich vielleicht jetzt etwas verwirrend an, ist aber sehr gut zu lesen und erhöht ungemein die Spannung. Ich könnte das Buch nicht aus der Hand legen, weil ich erfahren musste, was mit Ricci passiert ist und wo sie abgeblieben ist und ob sie wieder auftaucht.
Ihr seht, das Buch muss man selbst lesen, um auf all diese Fragen eine Antwort zu bekommen. 

Dagmar Mägdefrau

Mats schüchtern zu nennen wäre fast schon untertrieben. Als Ich-Erzählerin schafft sie es trotzdem, uns von Madame Schüchtern zu erzählen, der dicken Krake in ihrem Bauch, die in ihrer Vorstellung für ihre Schüchternheit verantwortlich ist. Trotz ihrer offensichtlichen Unterschiede – die ruhige Mats, aufgewachsen in einem liebevollen Zuhause, und die laute Ricci, die kein richtiges Zuhause hat, geschweige denn ein sicheres – finden die beiden einen Weg, sich anzufreunden.

Für Mats setzt mit Ricci und der neuen Freundschaft quasi eine neue Zeitrechnung ein. Die Erzählung beginnt mit dem ersten Tag mit Ricci ein und wird durch Sprachnachrichten ab dem ersten Tag ohne sie unterbrochen.

Genauso locker wie die Luftmaschen, die Ricci dank Mats Häkelanleitung irgendwann gelingen, begeistert die Geschichte. Von Beginn an gelingt es der Autorin, selbst in den härtesten Realitäten, beeindruckende und treffende Bilder zu schaffen, wodurch ihr Buch zu einem einfühlsamen Jugendroman wird.

Raphaela Brosseron