Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

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Holger & Stein machen Ferien

Holger & Stein machen Ferien
Jule Wellendiek
Knesebeck
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Der Fuchs Holger und sein Freund Stein machen zusammen Urlaub in den Bergen, dort besuchen sie Steins kleine Schwester Kiesel. Nach der Zugfahrt meint Stein, „Ferien sind die schönste Zeit des Jahres.“ Er liebt die Berge und findet alles, was da zugehört, wundervoll. Doch Holger findet es zu Hause viel gemütlicher, er hat lieber den Wald vor dem Fenster. 
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Das erinnert mich total an meine Mutter, die auch nicht gerne verreiste. Als dann Stein und Kiesel noch viele Sachen gemeinsam machen, die ihnen viel Spaß machen und die Holger gar nicht gefallen, ist die Stimmung sehr schlecht. So fängt Holger an, Blumen zu pflücken und Kränze daraus zu machen. Daran hat Kiesel auch Spaß und so bleibt Stein allein im Wasser zurück. Nun ist Holger wieder besser gelaunt, aber sein Freund Stein fühlt sich ganz allein. Doch dann denken alle über eine Gemeinsamkeit nach und finden die in einem Lagerfeuer. 
Es ist nicht immer einfach, sich auf eine neue Umgebung einzustellen und diese schön zu finden. Ein wenig Heimweh ist ja immer mit dabei, wenn man in den Urlaub fährt. Doch hier kommt noch hinzu, dass Stein Spaß mit Kiesel hat und sein Freund außen vor bleibt. Wie schön, wenn man dann in der Lage ist, dieses Problem zu erkennen und eine Lösung zu finden.
Der Text ist schon etwas lang und schwierig für ganz Kleine, ich würde die Leseempfehlung etwas älter einschätzen. Die Bilder, auch wenn mir der schwanzlose Fuchs immer noch nicht so gut gefällt, sind wieder sehr schön gestaltet, die Gefühle kommen sehr gut heraus und am Ende ist ganz klar „Freunde sein.“ Dass wollen alle drei gerne.

Dagmar Mägdefrau

Hier kommt Mila!

Hier kommt Mila!
Kristina Vogel
Lily Baron
Knesebeck
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Auf dem Cover sehen wir Mila in ihrem bunten Rollstuhl mit den glitzernden Sternen am Rad. Zunächst werden uns einige Kinder vorgestellt, die Mila kennenlernen wird. Mila ist heute zum ersten Mal in der neuen Kita und während Papa mit der Erzieherin Karin redet, hilft Mila einem Jungen, an seinen Schmuse-Elefanten zu kommen, denn sie hat einen Greifarm, der auch ganz oben an das Fach kommt. 
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Karin gibt Mila den Harken mit dem Hund, das ist ihr Lieblingstier und die Bank wurde auch schon verschoben, damit Mila an den Haken kommt. Beim Spiel, „Mein liebster, liebster Platz ist frei“ ist schnell klar, dass Mila nicht auf dem Stuhl sitzen kann, aber die Lösung ist ganz einfach, sie spielen im Stehen weiter. Beim Ausflug in den Zoo ist der Fahrstuhl am Bahnhof defekt und der Erzieher bietet Mila an, sie zu tragen, doch Mila möchte das nicht und macht sich Sorgen, dass die Kinder böse auf sie sind, wenn sie den Ausflug dadurch verhindert, doch ein Junge weiß einen Rat. Lou und Mila freunden sich an und so gehen sie zusammen mit den Eltern und dem Vater auf den Spielplatz. Doch Mila kann sich hier nicht frei bewegen, der Sand stoppt sie. Da sammeln die Eltern Geld, um einen neuen barrierefreien Spielplatz zu bauen.
Das Buch zeigt auf eine angenehme, kindgerechte Art, was es bedeutet, in einem Rollstuhl zu sitzen. Es ist toll zu sehen, wie einfach die Lösungen oft sind und was man erreichen kann, wenn sich die Menschen zusammenschließen, um ein Projekt zu verwirklichen.
Die Autorin, die selbst nach einem Sportunfall im Rollstuhl sitzt, zeigt uns, unterstützt durch realistische Illustrationen, den normalen Kita-Alltag eines selbstbewussten kleinen Mädchens, deren Freunde sie ohne Mitleid unterstützen.
Meine vierjährige Enkelin liebt diese Buch und will es, nachdem ich es schon mehrfach vorgelesen habe, unbedingt selbst besitzen und ein größeres Lob kann ein Buch kaum bekommen, finde ich.

Dagmar Mägdefrau

Der Gesang des Wals

Der Gesang des Wals - Padmacandra
Karen Swan
Padmacandra
Insel
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Auf dem Cover reitet ein Kind auf dem Rücken des Wals. Auf der ersten Seite erblickt es durch eine Fernrohr den singenden Wal, er fordert es auf, „Ich will dir was zeigen – komm mit mir mein Kind!“ So schwimmen die beiden gemeinsam durchs Meer, geschlafen wird auf dem Walrücken, mit Delfinen wird gespielt und nach einmal Luftholen tauchen sie zu einem Schiff.
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Die folgende Doppelseite zeigt wunderschön die Tiefe des Meeres, nur wenn man genau hinschaut, liegen auf dem Grund alte Flaschen und anderer Müll. „Verzauberte Farben, die sahen wir hier, ich mit dem Wal und der Wal mit mir.“ Es gibt einige unterschiedliche Wiederholungen des letzten Satzes, was mir und sicher auch den kleinen Zuhörenden sehr gut gefällt. Als der Wal Hunger bekommt und sein Maul öffnet, sehen wir viel Müll dort verschwinden. Danach folgt wieder ein beeindruckendes Bild, eine Doppelseite zeigt nur ein Auge des Wals, aus dem eine Träne läuft, das Kind breitet tröstend seine Arme aus. Dann sehen Wal und Kind auf dem Rückweg in die Ferne und einige Tiere, die unter dem Müll leiden. Wieder zurück handelt das Kind und fordert auf, den Müll zu beseitigen „Helft mit, macht ihn weg!“
Wundervolle Illustrationen und ein poetischer Text von Jörg Hilbert mit schön klingenden Wiederholungen.

Dagmar Mägdefrau

Jetzt gehe ich in die Kita

Jetzt gehe ich in die Kita
Conzanze von Kitzing
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 2 Jahre
Auf dem Cover hängt Juna ihren Rucksack an den Harken, denn heute ist ihr erster Tag in der Kita. Dann folgt eine Blick in eine ganz normale Küche, die Kita-Kinder frühstücken, Papa macht das Pausenbrot, das Schulkind Emil packt seinen Ranzen und Mama setzt schon ihren Fahrradhelm auf. Dann geht Papa mit den Kindern in die Kita, erst geht Oskar in seine Pinguingruppe und dann lernt Juna ihre Mäusegruppe kennen.
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Hier spielen schon viele Kinder, doch dann ruft die Erzieherin Kaya zum Morgenkreis. Danach spielt Juna mit der Eisenbahn und wäscht sich in dem kleinen Waschbecken ihre Hände. Dann verabschiedet sich Papa, der bisher immer dabei war, für eine kurze Zeit und als Jana nach dem Mittagessen nach ihm fragt, nimmt Kaya sie auf den Schoß, bis Papa wieder da ist. 
In dem Buch werden an einigen Stellen Gesten wie z.B. die für Schuhe oder Tschüss erklärt. Die Geschichte und die Illustrationen zeigen realistisch den Alltag in der Kita, so könnte ein erster Tag ablaufen und ich glaube, dieses Buch kann Neuanfängern in der Kita ein wenig die Angst nehmen. Bekanntes, auch wenn es Situationen in einem Pappbilderbuch sind, können etwas die Angst vor Neuem nehmen.
Ein nützliches und empfehlenswertes Buch für den Start in die Kita. Meine Enkel, die alle schon in der Kita sind haben ihre Einrichtung ganz klar darin wiedergefunden.

Dagmar Mägdefrau

Die Mutprobe

Die Mutprobe
Carolin Philipps
Petra Dorkenwald
Hase und Igel
Verlagsempfehlung Klasse 5, 6 und 7
Die zwölfjährige Kristina lebt mit ihrer Mutter in einer nicht sehr guten Wohngegend, hier gibt es kleine Hochhäuser, die immer wieder besprayt werden. Aufgrund der Berichterstattung in der Zeitung hat Kristinas Mutter Angst, wenn ihre Tochter hier alleine unterwegs ist. Da sie schon nach Schulschluss und dann bis in den später Abend arbeitet, muss Kristina allein in der Wohnung bleiben. 
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Das ist natürlich sehr langweilig, auch wenn sie genügend Videospiele zur Verfügung hat. Doch dann klopft Tobias, der Chef einer Sprayerbande, an ihre Wohnungstür und weil sie seine Angst spürt, lässt sie ihn in die Wohnung. So wird die Wohnung zum Hauptquartier der Jungen, obwohl sie im Gebiet einer anderen Bande liegt und deren Chef Kristina unter Druck setzt.
Zusammen mit den Jungen erlebt Kristina gefährliche Abenteuer, aber erst als sie um zur Bande zu gehören, eine Mutprobe ablegen soll, muss Kristina eine Entscheidung treffen.
Im Buch geht es ums Sprayen, um U-Bahn-Surfen und Steine auf die Autobahn werfen. Nicht alle Aktionen bleiben ohne Folgen und da denke ich, werden die Leser*innen sich Gedanken machen müssen und Position beziehen. Kristinas Leben bekommt durch die Jungen viel Spannung, aber sie entfernt sich auch immer weiter von ihrer Mutter, ihre Noten leiden und letztlich nutzen die Jungen sie auch aus. Am Rande geht es auch um zerbrochene Biografien und häusliche Gewalt, alles Themen, die sicher jugendlichen Leser*innen nicht fremd sein dürften.
Das Buch wird in elf Kapiteln erzählt, es gibt einige farbige erläuternde Bilder dazu. Die Identifikation mit den Protagonisten wird den Leser‘*innen wohl nicht allzu schwerfallen.

Dagmar Mägdefrau

Die 12-jährige Kristina verbringt ihre Nachmittage alleine in der Wohnung und fühlt sich wie eingesperrt, denn ihre alleinerziehende Mutter ist bis zum späten Abend arbeiten und traut Kristina nicht zu, sich in der Zeit außerhalb der vier Wände zu bewegen. Faktisch ist das Leben auf den Straßen vor dem Wohnungskomplex, in dem die beiden leben, gar nicht mal so sicher, dafür recht lebendig: Zwei Banden treffen dort aufeinander, die sich als Gegner verstehen. Dieser kleine Krieg macht nicht vor Kristinas Haustür halt, und Tobias flüchtet zufällig zu ihr. Da die Mutter nie da ist, scheint die Wohnung das perfekte Bandenquartier zu sein…
Kristina wird schnell ein Teil der Bande aus 14-jährigen Jungen und lernt die anderen Extremen des Lebens kennen: Nervenkitzel und Gefahr. Vom Sprayen bis hin zu gefährlichem S-Bahn-Surfen, die Langeweile treibt die Truppe zum Äußersten. Für mich war am eindrucksvollsten, wie die Beweggründe der Jugendlichen zu solchem Leichtsinn deutlich wurden: zum einen die Langeweile, zum anderen der Mangel an Alternativen. Klar, die anderen aus der Klasse können sich mit Geld ein Surfbrett holen und in den Urlaub fahren, Kristina halt nicht. Da ist das S-Bahn-Surfen für sie und die anderen eine logische Alternative.
Gott sei Dank zeigt der Roman deutlich die Konsequenzen dieses Trends auf, der tödlich sein kann. Auch die letztliche Mutprobe ist gefährlich und Kristina muss sich überlegen, was Mut eigentlich wirklich ist.
Nach dem Lesen ist mir klar, warum das Buch eine beliebte Schullektüre ist, wohl auch schon seit langem. Es ist halt alles sehr kompakt geschrieben, viele Aspekte würde man normalerweise mehr ausarbeiten. Das aktuelle Cover ist recht modern gestaltet, weswegen mir fast gar nicht aufgefallen wäre, dass die Geschichte schon 2011 veröffentlicht wurde. Eine wichtige Lektion über Mut.

Raphaela Brosseron

Beat vor der Eins

Beat vor der Eins
Alexandra Helmig
Mixtversion
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Ina hat mitten in der Pubertät viel zu verarbeiten: Eine durch und durch ungesunde Beziehung der Eltern, Unverständnis der Eltern ihr gegenüber, ihr Körper und auch das Thema Liebe und Jungs. In ihrem Tagebuch schreibt sie all das auf, was sie ihrem Umfeld nicht mitteilen kann.
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Diese Einträge offenbaren das, was anderen fehlt, um Ina wirklich zu verstehen. 
Die Sätze sind kurz und trotzdem mit viel Inhalt gefüllt, aus dem sich eine Geschichte ergibt, in der sehr deutlich wird, wie stark das Fehlverhalten der Erwachsenen eigentlicher Motor für so manch als pubertär abgestempeltes Verhalten ist. Der Gastvater in Frankreich, der ihr viel zu nahekommt, der 22-Jährig Yann und die Mutter, die ihre Erwachsenen-Probleme im Plural (“Wir”) formuliert und damit tatsächlich Ina meint.
Der Titel hat sich mir noch nicht ganz erschlossen, eventuell habe ich da was überlesen.
Wer aber einen kurzen, aber erkenntnisreichen Einblick in den Kopf eines Teenagers haben möchte oder sich in einem kurzen Roman wiederfinden will, ist mit diesem Roman wunderbar versorgt!

Raphaela Brosseron

Paulas Plan – Paula’nın Planı

Paulas Plan - Paula’nın Planı
Arzu Gürz Abay
Nalan Alaca
Fizzy Lemon Publishing
Verlagsempfehlung ab 6 Jahre

Paula geht davon aus, dass sie heute von der Lehrerin die Aufgabe bekommt, in der nächsten Zeit den Sitzplan für ihre Klasse zu erstellen, sie freut sich schon sehr darauf und sitzt ganz angespannt auf ihrem Stuhl. Doch dann wird ein neues Mädchen in die Klasse gebracht und die Lehrerin bestimmt, dass Münevver den Plan erstellen soll.
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Als dann das Mädchen noch neben Paula gesetzt wird, kann Paula nicht anders und muss ihren Unmut an ihr auslassen. So findet sie zunächst den Namen der Neuen komisch, dann findet sie ihr Pausenbrot, das aus einen Fladenbrot mit Käse und Oliven besteht, eklig und später ärgert sie sie noch beim Seilchen-Springen. 
Das Buch hat einen deutschen und einen türkischen Text und es ist sehr spannend, zu beobachten, wie Kinder die fremde Sprache erleben. Einige Worte können sie heraushören und die Melodie des Vorlesens ist eine völlig andere. Kinder, die türkisch verstehen, erleben auch mal ihre eigene Sprache bei einer Lesung in der Schule.
Ein Buch über Fremdsein, Sich kennenlernen und Freundschaften schließen. Die Illustrationen zeigen sehr gut die Gefühle der Mädchen.

Dagmar Mägdefrau

Hannas Regen

Hannas Regen
Susan Kreller
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre
Jugendbuch des Monats 1/2023
Das Cover zeigt ein rotes Buch, dass wie ein Haus aufgestellt ist und auf das es regnet. Hanna, das Mädchen, das in Josefins Klasse kommt, hat immer ein Buch dabei - „Gotische Kirchen bei Licht besehen“ - in der Schulstunde legt sie ihren Kopf darauf ab. Josefin, die Verlässliche, die, die nicht gesehen wird und die zu Haues noch einen Festnetzanschluss hat, hofft, dass Hanna vielleicht eine Freundin für sie werden könnte.
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Doch Hanna spricht nicht mit ihr und scheint Josefin auch meist nicht zu sehen. Trotzdem gehen die beiden jeden Tag zusammen zur Schule und auch gemeinsam wieder zurück bis an die Ecke, an der Hanna abbiegen muss. Aufgrund ihres eigenartigen Verhaltens findet Josefin, die uns die Geschichte in der Ich-Form erzählt, dass etwas mit Hanna nicht stimmt. Als ihre Mutter dann noch ihre detektivischen Fähigkeiten nutzt und eine Theorie zur Hannas Familie aufstellt, beobachtet Josefin Hanna und erwägt, dass ihre Mutter recht haben könnte.
Josefins Familie ist eigentlich ganz normal, aber der Vater liebt das Festnetz und wenn er sich dort meldet, gibt es oft viel Verwirrung, ihre Mutter ist berufstätig und kocht „international“, die Wochen in denen es entsprechende Gerichte eines Landes zu essen gibt, sind nicht immer ganz einfach für die Familie und deshalb hat Carlo, der jüngere Bruder, immer den Flyer der Pizzeria zur Hand.
„Ich glaube, Geschichten verändern sich, sobald sie ein schlagendes Herz bekommen.“ Ein beeindruckender Satz, an dem ich hängen geblieben bin, wie bei vielen anderen Sätzen. Denn diese Buch kann man nicht einfach schnell herunterlesen, bei diesem Buch muss man genüsslich von Seite zu Seite blättern und sich der schön gestalteten Sätze erfreuen. „Ich bin höchstens eine Mitahnerin. Ich ahne mit meiner Mutter mit.“
Hannas ungewöhnliches Verhalten hat durchaus einen Sinn und ihr Schicksal ist auf ungewöhnliche Art tragisch. Ein leises Buch, das trotzdem einschlägt.

Dagmar Mägdefrau

Albert und Ella – über Missgeschicke, kleine Schätze und darüber, wie aus Grau Grün wird

Albert und Ella – über Missgeschicke, kleine Schätze und darüber wie aus grau grün wird
Anna Laura Jacobi
Alibri
Leseempfehlung ab 3 Jahre
Auf dem Cover sehen wir Albert und Ella inmitten von grauen Wolken, über ihnen wachsen schöne rote Erdbeeren. Dann folgt ein Blick auf eine graue Stadt ohne jede Pflanze. Zunächst wird uns Albert vorgestellt, er ist „ein kleines bisschen anders als andere Erwachsenen“. Er schaut mit einer Art kindlicher Neugier auf seine Umgebung und wird so zum „Schätzefinder“. 
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Eine ganze Seite seiner Schätze können wir uns auf einer Seite anschauen, da gibt es viel zu entdecken. Er arbeitet in einer Erdbeerfabrik, was mich zunächst sehr erstaunt hat. Aber in der Welt, in der Albert lebt, gibt es keinerlei Pflanzen oder Tiere, so werden die Erdbeeren in einer Fabrik gefertigt. Albert ist dafür zuständig, die kleinen Samen als kleine gelbe Perlen auf die Früchte zu nähen. Das macht er sehr schnell und deshalb arbeitet er immer noch dort, obwohl er täglich zu spät kommt. An jedem Morgen beobachtet er Ella, die in einer Kirschmarmeladenfabrik arbeitet, wie sie zur Tram geht. Er ist nämlich in Ella verliebt, aber zu schüchtern, um sie anzusprechen.
Ein wirklich sehr schöne Liebesgeschichte wird in diesem Bilderbuch erzählt, die Bilder sind sehr schön gestaltet und aussagekräftig.
Der Text ist ziemlich lang und die erwachsenen Protagonisten sprechen kleine Kinder wohl nicht so sehr an. Deshalb würde ich das Lesealter frühestens bei fünf Jahren festlegen, fast möchte ich sagen, es ist ein Buch für Erwachsene.
Am Ende erntet das Paar Erdbeeren, aber wenn man es realistisch betrachtet, werden keine Erdbeeren ohne die Bestäubung von Insekten wachsen und eine Bestäubung von Hand wird nicht erwähnt.
Ein Buch, das Hoffnung macht, dass auch aus grauen Städten wieder grüne Städte werden können. Aber auch in dieser Geschichte bedarf es dazu so etwas wie ein Wunder.

Dagmar Mägdefrau

Der Schlüssel zu dir – Entdecke, wer du bist und was in dir steckt

Der Schlüssel zu dir – Entdecke, wer du bist und was in dir steckt
Tzu-Chun Chang
Knesebeck
Knesebeck
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Wenn unser Ich ein Haus wäre mit vielen Zimmern, dann versucht dieses Buch, uns einen Schlüssel zu bieten, mit dem wir die Zimmer öffnen können. So finden wir unsere Identität, die sich aber auch im Laufe des Lebens wieder verändern kann. Der Grundriss unseres Ichs besteht aus vielen Räumen und hier im Buch sind es auch die Kapitel, in die das Buch eingeteilt ist. Begleitet werden wir in dem Buch durch ein Mädchen, das genau so neugierig ist wie wir.
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Es beginnt mit der Frage „Wie bin ich auf die Welt gekommen?“ und zeigt die Entwicklung eines Embryos. Etwas schwieriger ist die nächste Doppelseite, auf der es um die Spezies geht, zu der wir gehören. Um die Einteilung in Geschlechter geht es im weiteren Verlauf, danach um das Aussehen und den Namen. Die Frage nach der Position in der Gesellschaft hört sich schwierig an, ist aber leicht zu beantworten. Danach folgt die Aufforderung, sich selbst zu beschreiben und dann zu überlegen, wie andere mich sehen. Sprache und Sternzeichen sind die nächsten Überschriften. „Wie sieht meine digitale Identität aus?“ eine Frage, die in unsere Zeit gehört. Persönlichkeit, wie man sich fühlt, eigene Erfahrungen, was Fantasie mir bringt und wie mein Geist funktioniert. Alles Fragen und Anregungen, die dazu führen werden, dass ich mich besser kennenlerne. „Ich bin die Gärtnerin meines Geistes“ sagt das Mädchen zu Ende des Buches. Die letzten Seiten sind mit „Und jetzt bist du dran!“ überschrieben, hier gibt es Vorlagen, in die man seine Daten eintragen kann.
Kinder im dritten Schuljahr erleben sich und ihre Umwelt und machen sich Gedanken darüber. Dieses Buch kann ihnen einiges erklären, aber sie auch zu Gedanken und Ideen anregen. Ein Buch, das man nicht einfach lesen kann, sondern als eine Art Schlüssel zum eigenen Ich nutzen kann. Wie man die Türen öffnet, muss jede(r) selbst entscheiden.
Neben den erklärenden und anregenden Textes sind die Illustrationen sehr schön gelungen und erklärend.

Dagmar Mägdefrau

Die Cobra Bande und der miese Müllmafioso – Band 3

Die Cobra Bande und der miese Müllmafioso – Band 3
Folko Streese
EMF
Die Cobra Bande
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Diesmal spielt die Geschichte in Hamburg, denn Cem, der Freund aus Berlin, fährt mit Bea und Ottos Opa dort hin. Der Opa soll Kühlschränke an die Firma Green-Clean liefern, die sich auf die saubere Entsorgung von Müll spezialisiert hat. Bei der Übergabe soll es auch noch eine Spende für ein Jugendzentrum geben
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Leider stellt sich der Firmen-Chef als ein sehr unangenehmer Mensch heraus und als dann noch mit dem Sand eines Beachvolleyballfeldes etwas nicht stimmt, wittern unsere Detektive wieder einen Grund zu ermitteln. Hilfe bekommen sie von Freya, die ebenfalls den Besitzer von Green-Clean dunkler Geschäfte verdächtigt. Zunächst beobachten die Kinder Frank Klienmann, doch dazu müssen sie einige Tricks anwenden und da sind sie sehr einfallsreich. Eine große Hilfe ist ihnen, wie schon den in letzten Fällen, der zahme Rabe Rabbit. Am Ende kommt es noch zu einer wilden Verfolgungsjagd, die nicht ganz ungefährlich für die Cobra-Band ist.
Die zwölf spannende Kapitel sind sehr gut zu lesen, zumal sie durch viele Bilder ergänzt werden. Besonders gut gefällt mir eine Art Borde unten auf den Seiten, die Gebäude abbilden. Und dann sind da noch die Aufgaben, mit denen wir Lesenden die Band unterstützen. Vielfältige Rätsel mit unterschiedlichem Schweregrad (die Lösungen findet man hinten im Buch) machen das Buch zu einer ganz besonderen Lektüre. Ich kann deshalb auch Band 3 empfehlen.

Dagmar Mägdefrau

Meine Träume fliegen hoch

Meine Träume fliegen hoch
Cori Doerrfeld
Cori Doerrfeld
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Auf dem Cover sehen wir Toni mit Fliegermütze, er hat einen Papierflieger in der Hand. Er will etwas „Neues ausprobieren“ und faltet das Blatt zu einem Flieger, auf dem Flügel steht sein Name und daneben malt er ein rotes Herz. Doch als er ihn fliegen lassen will, taucht ein Adler auf und schreit laut „Halt“, er behauptet der Flieger müsse größer sein, damit der fliegen kann und Toni baut einen größeren. 
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Diesmal hält ihn ein Papagei auf, der mehr Farbe verlangt. Toni malt ihn also bunt an. Als der Falke meint er müsse schneller sein, beginnt Toni zu rennen. Es kommen immer mehr Vögel mit anderen Vorschlägen und Toni läuft weit weg. Als auf einem Eisplateau ein Pinguin Toni anspricht, erwarten wir und Toni einen neuen Tipp, doch der kleine Pinguin will Toni unterstützen, so malt Toni noch einen Pinguin und ein zweites Herz auf seinen Flieger und hebt er endlich ab. 
Zu viele Ratschläge machen Toni ganz verrückt und auch wenn es die Vögel vielleicht gut meinen, ist die Unterstützung des Pinguins doch viel mehr wert.
Das Buch hat mich mit einem sehr guten Gefühl versehen und auch die Kinder, denen ich es vorgelesen habe, zeigten ein fröhliches Gesicht. Ich glaube dieses Buch kann glücklich machen.

Dagmar Mägdefrau

Für immer in meinem Herzen

Für immer in meinem Herzen
Kelly Wu
Zuckersüß
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Ein kleines Mädchen muss Abschied von ihrem kleinen weißen Hund nehmen. Beide sitzen auf der Couch, der Hund mit geschlossenen Augen unter einer Decke. Er schläft viel und frisst kaum noch. „Ich weiß, dass du bald irgendwo weit, weit weg sein wirst.“ überlegt das Mädchen und natürlich wünscht sie sich, dass der Hund immer bei ihr sein würde. So geht sie durchs Haus und verabschiedet sich zusammen mit dem Tier z.B. von der Kuhle im Sofa. 
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Sie lässt Spaziergänge im Sommer und im Winter an sich vorbeiziehen. Alles wird von fröhlichen Bildern begleitet. Mit dem Hund auf dem Arm steht sie im Park und sie verabschieden sich von den Schmetterlingen. Die Familie steht traurig zusammen, den toten Hund in ihrer Mitte. Am Ende sitzt das Mädchen im Garten und der Text ist wunderbar tröstend. Sie weiß ihre „große Liebe“ wird immer in ihrem Herzen sein.
Es ist so schön mitzuerleben, wie das Mädchen gemeinsam mit dem Hund von allem Abschied nimmt, was sie gemeinsam erlebt haben und doch Trost darin findet, sich erinnern zu können.
Aufgrund des Themas ein trauriges Buch, es wird aber mit wundervollen Bildern und schönen Texten zu einem Schatz, der uns den Abschied erleichtert.

Dagmar Mägdefrau

Groß – Eine Geschichte über Selbstliebe

Groß – Eine Geschichte über Selbstliebe
Vashti Harrison
Zuckersüß
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Auf dem Cover sehen wir eine kleines etwas pummeliges Mädchen in einem lila Tütü, sie streckt die Arme in die Luft und hält das Wort „Groß“ in die Höhe. 
Mit „Es war einmal ein Mädchen“ beginnt der Text und „Träum groß!“ steht auf dem Body des Babys, das wir auf der ersten Seite sehen. Das Mädchen wird im Hochstuhl gefüttert und scheint sehr zufrieden.
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Der Text berichtet davon, dass das Mädchen immer „Danke“ und „Bitte“ sagt und schon viel kann. Mit tanzenden Bewegungen wird das Mädchen größer. Bisher war alles gut, doch dann ist sie in der zweiten Klasse und sie bleibt auf dem Schul-Spielplatz in der Babyschaukel hängen. Da machen sich viele Kinder über sie lustig und die Lehrerin fragt, „Bist du nicht zu dick dafür?“ Diese Worte kann sie nicht abschütteln und sie leidet sehr. Als ihr dann noch geraten wird, statt des schönen rosa Ballettkleids ein graues Kleid zu tragen und sie einen Berg spielen muss, bricht sie zusammen und kann nur noch weinen. In den Bildern wird das sehr schön dargestellt, zunächst wird ihr Kleid grau angemalt und dann wird sie in unterschiedlichen Posen immer größer gezeichnet. Zuletzt passt sie kaum noch auf die Doppelseite. Die bösen Worte, die sie hören musste, gehen ihr immer wieder durch den Kopf. Doch dann kann man die Seiten aufklappen und nachdem sie entschieden hatte, „mehr Platz für sich selbst zu schaffen“, wurde ihre Kleidung wieder etwas mehr rosa. Sie gab allen ihre bösen Bemerkungen zurück, weil sie ihr weh tun, und tanzt am Ende wieder im rosa Ballettkleid durchs Bild. 
Natürlich unterstützt das Buch dicke Kinder darin, stark zu werden und Selbstvertrauen aufzubauen, aber ich verstehe das auch so, dass sie das selbst schaffen müssen, und das finde ich sehr schwierig. Das Mädchen erhält keine Hilfe von anderen und muss allein mit den Anfeindungen fertig werden.
Der Text benötigt nicht viele Worte und die Bilder sind wundervoll anzuschauen und voller Emotionen.

Dagmar Mägdefrau

Tierisch krank

Tierisch krank
Kathrin Lena Orso
Jens Ohrenblicker
Sonja Bougaeva
Ravensburger
Leseempfehlung ab 2 Jahre
Auf dem Cover sehen wir den Löwen mit einem Fieberthermometer im Mund und einem Verband um den Körper, um ihn herum steht die Flamingo-Krankenschwester, der Pinguin- und der Hundedoktor und ein Frosch, der den Verband wickelt. 
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Los geht es mit dem Reh, dass sich gepikst hat, und dem der Hase mit einem Pflaster zur Hilfe kommt. Die Ohrenschmerzen des Robbenkinds behandelt der Pinguin mit Kräutermedizin. Und dem Pony mit Halsweh wird vom Alpaka ein Schal gestrickt. So geht es noch vielen Tieren, bis auf der letzten Seite alle fröhlich tanzen und es heißt, „Wir trösten dich, sind für dich da, dann wirst du schnell gesund, hurra!“
Dieses Pappbilderbuch beschreibt, wie kranke Tiere schnell wieder gesund werden, auf jeder Seite gibt es einen Vierzeiler, der sich gut vorlesen lässt und der die handelnden Tiere benennt. Die Bilder sind einfache Darstellungen der Tiere, die meist auf zwei Beinen stehen, das medizinische Personal ist durch einen weißen Kittel oder ein Häubchen als solches zu erkennen.
Ein hübsches Bilderbuch nicht nur für kranke Kinder.

Dagmar Mägdefrau


Was mag die Maus?

Was mag die Maus?
Helga Bansch
Tyrolia
Leseempfehlung ab 2 Jahre
Auf dem Cover dieses Pappbilderbuches liegt die Maus ganz entspannt auf einer großen Orange. Die Doppelseiten zeigen immer Paare, zunächst mit der Frage „Was mag…?“ sehen wir eine Biene auf einem großen Eis sitzen, einen Jungen, der die Maus umarmt, und andere Tiere. „Wohin fliegt…?“ zeigt z.B. eine Eule, die auf einen Baum zufliegt und eine Biene, die zurück zum Stock fliegt. 
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Danach wird geschwommen, diesmal sind die Figuren, wie das Kind mit den Schwimmhilfen, zu benennen. Dann geht es ums Verstecken und die Katze sitzen hinter dem Buch, das wir gerade anschauen. Für einen Schuh muss ein Fuß gefunden werden, verschiedene Fahrzeuge erkannt werden, bis auf der letzten Seite gefragt wird, „Wo schläft...“, und wir die Maus auf dem Käse liegen sehen. 
Wunderschöne einfache Bilder und viele Möglichkeiten, die Kinder zuerst zum Zeigen und später zum Erzählen zu bewegen. Ein empfehlenswertes Buch zum Spracherwerb und vor allem um Spaß an den Bildern und den Gesprächen zu haben.

Dagmar Mägdefrau

Ida, Chris und Emil im Zug

Ida, Chris und Emil im Zug
Sarah Michaela Orlovsky
Michael Roher
Tyrolia
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Schon das Cover zeigt, wie wimmelig es in dem Buch zugeht. Zuerst gibt es eine Seite mit bunten Reisezielen und Zeiten, echte (Wilhelmshöhe-Kassel) und erfundene (Esstisch-Couch).
Unsere drei Kinder aus dem Titel machen sich mit Rucksack und Koffer auf den Weg und schon sehen wir die vielen Menschen am Bahnhof.
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Ein echtes Gewimmel und einige der Gestalten kennen wir auch, da läuft Pipi Langstrumpf, Spongebob, Batman, ein Vampir mit Sarg und Batman zum Zug. Daneben noch viele andere eigenartige Gestalten. Als ich das Buch mit einigen größeren Kindern anschaute, kannten sie doch einige. Ob Dreijährige da schon viel zuordnen können, bezweifle ich, aber anschauen kann man es sich trotzdem. Nach der Abschiedsszene geht es los. Unsere Kinder beobachten den Schaffner, der eine Durchsage macht und bitten dann selbst über diese Anlage alle, die lesen möchten, ins Bordrestaurant. Dort sieht man dann viele Passagiere, die gemütlich in ein Buch schauen. Der Räuber Hotzenplotz liest sein Buch einem kleinen Mädchen vor. In Wagen 22 treffen sich alle, die Bewegung brauchen, hier gibt es eine Polonaise, andere machen Yoga. In Wagen 23 versammeln sich alle, die Musikinstrumente spielen. Schwarzgekleidete sehen wir in Wagon 24 und in 25 werden dann Kleider getauscht. Im nächsten Wagon liegen massig Schuhe herum, die wieder ihren Partner suchen. Dann geht die Reise zu Ende und die Großeltern schließen Ida, Chris und Emil in die Arme.
Eine sehr kurzweilige Reise, die bunten Bilder zeigen sehr kleine Figuren, aber ich denke noch beim 100. Anschauen wird man etwas entdecken können. Das Buch ist fröhlich gestaltet, hat viel Humor und kann nicht nur eine Bahnreise verkürzen.

Dagmar Mägdefrau

White Bird

White Bird
R.J. Palacio
Hanser
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
„Dabei [...] haben wir in Wirklichkeit lange genug gelebt, um zu wissen: Alles, was eure Generation für etwas Neues hält, ist bloß eine aufgewärmte Version von etwas, das wir schon oft gesehen haben.”, ein Satz, den Sara ihrem Enkel Julian mehr als einmal gesagt hat. Als sie ihm für ein Schulprojekt wirklich ihre ganze Geschichte erzählen soll, erhält dieser Satz noch mehr Relevanz, denn Sarah ist im Frankreich der 30er Jahre ein junges jüdisches Mädchen, das den Krieg in voller Härte erlebt. 
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Ausgerechnet Julien, der wegen Kinderlähmung Opfer gemeinschaftlichen Mobbings ist, ist ihre größte Stütze. 
Natürlich hatte Sara ein Leben vor dem Krieg, nach und nach zeigt sich, wie sich die Gefahr und die Ablehnung in die Gesellschaft schleicht. Als junges Mädchen ist ihre größte Sorge eigentlich im Matheunterricht beim Zeichnen, ihrer wahren Leidenschaft, erwischt zu werden. Bald bleibt ihr nicht mehr das, außer in ihrem Gedanken frei wie ein Vogel, white bird, zu sein und natürlich noch Julien, der ihr immer mehr ans Herz wächst. Die Geschichte ist in das Gespräch zwischen Sara und ihrem Enkel eingebettet, sie erzählt die Vergangenheit aus der Ich-Perspektive, was ich als richtig empfinde. Denn es handelt sich um eine Perspektive, die nach sehr aktuellen Nachrichten, Daten und Fakten dringend unter Jugendliche gebracht werden muss. Saras Geschichte hat mich wirklich berührt und ich bin mir sicher, dass auch dieser Roman seinen Eingang in den Schulkanon findet.
Die Verbindung zu dem anderen Roman der Autorin “Wunder” ist mir sehr spät aufgefallen, dafür war ich umso begeisterter.
Zwischen den Kapiteln sind noch Illustrationen zu finden, irgendwo hatte ich die Bezeichnung “Graphic Novel” gelesen, das würde zu weit gehen, so viele Bilder sind es nicht. Aber als Jugendroman absolut empfehlenswert.

Raphaela Brosseron

Jule und der Sorgentopf

Jule und der Sorgentopf
Miriam Knappe
Inge Micheaelis
Kids in Balance
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
Das erste Kinderbuch zur Generalisierten Angststörung (GAS) mit begleitendem Downloadmaterial, so wird das Buch angeboten.
Jetzt bin ich da keine Fachfrau, im Gegensatz zur Autorin des Buches. Aber ich habe das Buch meiner Enkelin vorgelesen und obwohl ihr spontan keine Ängste einfielen, haben wir eine "Gas" herausgesucht, weil ihr die Idee gut gefiel.
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Jule, die wir fast immer gemeinsam mit ihrer Katze Mausi abgebildet sehen, hat bald Geburtstag und darauf und auf den Kuchen, den Mama backen wird, freut sie sich schon. Sie kann nicht schlafen, weil sie sich sorgt, dass der Kuchen verbrennen könnte und obwohl Mausi neben ihr schläft, rollt sich Jule stundenlang von einer auf die andere Seite. Vom vielen Grübeln bekommt sie dann auch noch Bauchschmerzen, obwohl die Ärztin gesagt hat, dass ihr Bauch gesund sei. Sie erklärt Jule sehr anschaulich, wie es trotzdem zu den Schmerzen kommt. Ihre Freundin Ronja geht ganz anders mit ihren Sorgen um, bei ihr sind sie schnell wieder vergessen. Im Gespräch mit ihrer Familie zeigt sich diese sehr verständnisvoll. Doch erst als Mama wieder Erdbeermarmelade, die Jule so liebt einkocht, fällt Jule „ihre“ Lösung ein und so landen Jules Sorgen in einem Einmachglas.
Wie gesagt, ich bin da nur Laie, aber ich kann mir diese Lösung durchaus als eine gut Machbare vorstellen. Aber das Wichtigste an diesem Bilderbuch ist, dass sich ein Buch mit dem Problem eines Kindes beschäftigt, es ernst nimmt und versucht, eine Lösung anzubieten. Aber auch andere für diese Angststörung zu sensibilisieren und sie verstehen lassen, dass „stell dich nicht so an“ kein guter Rat ist.

Dagmar Mägdefrau

Die Einstein-Detektive – Das Rätsel der krummen Bohne

Die Einstein-Detektive - Das Rätsel der krummen Bohne
Karolin Küntzel
Hase und Igel
Die Einstein-Detektive
Verlagsempfehlung Klasse 3 und 4
„Mit spannenden Experimenten rund um Pflanzen“ steht auch noch auf dem Cover und hier sehen wir auch die beiden Detektive mit ihren Lupen eine Pflanze untersuchen. Sara und Cosmo werden und am Anfang des Buches vorgestellt, sie gehen gemeinsam in eine Klasse und haben mit einem Lehrer die unterschiedlichsten Pflanzen gezogen. Alle stehen auf der Fensterbank, damit sie gut gedeihen. 
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Doch an einem Montagmorgen liegen Töpfe auf dem Boden, einige am Freitag gegossene Keimlinge sind vertrocknet, andere wachsen unerwartet um die Ecke, so wie die krumme Bohne aus dem Titel. Natürlich ermittelt das Detektiv-Duo sofort und muss das einige Pflanzen neu anschaffen und beobachten, dadurch finden sie einiges heraus, doch das bringt sie zunächst dem Täter nicht näher. Aber sie wären ja keine guten Detektive, wenn sie den Fall nicht doch durch ihre Kombinations- und Beobachtungsgabe lösen würden.
In sieben Kapiteln ist das Buch gegliedert, manche enden mit einer Aufgabe, wie zum Beispiel mit der Beobachtung zweier Pflanzen, bei der eine gut mit Wasser versorgt wird und die andere trocken stehen bleibt. Der Ausgang mancher dieser Experimente ist allerdings so klar, dass sie eigentlich nicht nachgemacht werden müssten. Für mich nimmt das einigen Aufgaben den Reiz. Die große Schrift ist gut zu lesen und die eingefügten bunten Bilder machen das Lesen noch einmal einfacher.

Dagmar Mägdefrau

Ich wär so gern auch abends groß – Alleine schlafen lernen

Ich wär so gern auch abends groß – Alleine schlafen lernen
Anja Freudiger
Kids in Balance
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
Auch bei meinen Enkeln ist es so, dass sie immer noch bei ihren Eltern im Bett schlafen, das ist sicher sehr schön für die Kinder, so fühlen sie sich beschützt und geborgen. Allerdings wenn sie, wie Lauri schon in die Schule gehen und dann noch bei Mama schlafen, ist es oft für beide schwierig, am Morgen fit zu sein. Lauris Mama hat da auf jeden Fall große Schwierigkeiten, wenn ihre Tochter die Nacht in ihrem Bett verbringt. 
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Aber auch wenn sie dann auf das Bett der Tochter ausweicht, kommt die ihr dahin nach. Wenn sie alleine im Bett liegt, merkt Lauri, „wie ihr Hals eng wird“ und „die Füße vor Angst kribbeln“, um einige Symptome zu nennen. Doch dann hat Mama eine Idee und da Lauri die am liebsten nicht hören möchte, schlägt Mama ihr einen Kompromiss vor. Sie bietet an, im beleuchteten Flur und bei offener Zimmertür ein Buch zu lesen. So wäre sie im Notfall ganz schnell bei Lauri. So schafft es Lauri, allein einzuschlafen. Ein erster Schritt ist gemacht und nach und nach wird sie immer mutiger und zum Schluss ist sie stolz, weil sie bei geschlossener Tür alleine im Zimmer schlafen kann. 
Auf mich wirkt diese Art, sich langsam an die neue Situation zu gewöhnen, überzeugend. Die Mutter zwingt oder überredet das Kind nicht, sondern nimmt die Ängste ernst und sie versuchen gemeinsam, eine Lösung zu finden, bei der Lauri am Ende selbstbewusster und mutiger wird.
Am Anfang und am Ende des Buches gibt es die Überschrift „Das ist Lauri“ und daran erkennen wir ihre Entwicklung. Der Text des Buches ist durchaus etwas länger, entspricht aber der Altersangabe, dazu gibt es Bilder, die mir sehr gut gefallen.

Dagmar Mägdefrau

Die Turnschuhprinzessin

Die Turnschuhprinzessin
Barbara Peters
Fides Friedeberg
Hase und Igel
Verlagsempfehlung Klasse 1 und 2
Schon auf dem Cover schaut uns die ungewöhnliche Prinzessin grinsend an, zu gestreiften Socken schnürt sie ihre roten Turnschuhe zu. Die kleine Krone sitzt etwas schief und trotz einiger Volants wirkt ihre Kleidung wenig prinzessinnenhaft.  
Lara heißt diese Prinzessin und mit ihrer Freundin, der Bauerntochter Rosa, und ihrem Freund, dem Grafen Roland, spielt sie gerne Fußball auf dem Platz im Schlosspark.
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Die drei gehen auch gerne im See schwimmen und klettern auf die Kirschbäume. Allerdings findet die Hofdame Adelgunde, dass sich das alles für eine Prinzessin nicht gehört und gibt ihr den Namen „Turnschuhprinzessin“. Da sich Lara davon nichts annimmt, muss Adelgunde sich etwas einfallen lassen und so stehen bald auf dem Fußballplatz, am See und an den Bäumen Verbotsschilder. Doch die drei cleveren Kinder wissen sich zu helfen. 
Viele schöne bunte Bilder und ein kurzer Text, der mit großen Buchstaben gedruckt ist, machen dieses Buch zu einer wirklich tollen Erstleser-Lektüre. Eine Prinzessin, der die Freundschaft wichtig ist und die selbstbewusst genug ist, um sich gegen die Bevormundung der Hofdame zu wehren, da möchte man doch am liebsten seine Turnschuhe anziehen und mitspielen.

Dagmar Mägdefrau


Die große Reise

Die große Reise
Kathrin Frank
Bohem
Leseempfehlung ab 3 Jahre
Schon das Cover fällt durch seine ungewöhnliche Maltechnik auf. Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, wie die Bilder entstehen, aber ich finde sie sehr beeindruckend. 
Der Löwe Lui sitzt dort auf dem kleinen Boot und hinter ihm sehen wir Oscar, das Borstenhörnchen.
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Zu Beginn des Buches sehen wir Lui in der Savanne liegend überlegen, dass er keinen echten Freunde habe. So macht er sich in dem kleinen Boot auf, um einen Freund auf einer Reise zu finden. Oscar bemerkt er allerdings nicht. Sehr schön gefällt mir auch ein Bild, dass das Boot mit den beiden Passagieren von oben auf dem blauen Meer zeigt. Danach sehen wir auf einem Band am oberen Rand des Buches viele unterschiedliche Tiere, davor wieder das kleine Boot. Aber auch an Land findet Lui keine Freunde, so kehrt er betrübt auf das Boot zurück und jetzt macht sich endlich Oscar bemerkbar. Die beiden erleben viel gemeinsam und kehren am Ende als Freunde in die Savanne zurück.
Wenn es mir auch fast unmöglich erscheint, dass der Löwe das Borstenhörnchen auf dem kleinen Boot nicht entdeckt, es muss ja schließlich auch Essen und Trinken bei der langen Reise, so gefällt mir doch die Aussage der Geschichte sehr gut. Freunde kann man nicht suchen, man begegnet ihnen zufällig und macht etwas gemeinsam und weiß, dass man noch viel zusammen erleben möchte.
Der Text des Buches ist kurz, auf manchen Seiten ist nur ein Satz zu lesen, und die Bilder machen das Buch zu einem Kunstwerk.

Dagmar Mägdefrau

Die Augen und das Unmögliche

Die Augen und das Unmögliche
Dave Eggers
atlantis
Leseempfehlung ab 12 Jahre
Johannes ist ein Hund, der die Freiheit liebt, in einem Baumstamm mitten im Naturpark zu wohnen, wo alles seine eigene Infrastruktur hat. Die Enten sind eher unbeliebt, die Waschbären werden wegen ihren flinken FIngern gerne um Hilfe gebeten, sogar die Möwen spielen eine eigene Rolle. Das Sagen haben irgendwie die Bisons, obwohl sie in ihrer Bewegung eigentlich limitiert sind, sie sind trotz des vielen Platzes immer noch von Zäunen umgeben.
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Anders als Johannes, der ist zusätzlich auch noch sehr schnell, was ihn als Ich-Erzähler zu gar nicht wenigen leicht überheblichen Kommentaren zu seiner Geschwindigkeit verleitet. 
Auch die Bisons sehen sein Potenzial und wollen ihn als ihr “Auge”. So berichtet er über alles, was er sieht, und das ist einiges. Vor allem die Rechtecke der Menschen faszinieren ihn. Allgemein sind die Menschen im Park die größte Gefahr: Einige sind in Ordnung, andere bringen eine immense Unruhe rein, wovon sich der Park lange Zeit erholen muss. Doch was Johannes alles erlebt und erfährt, hätte niemand der tierischen Bewohner geahnt.
Das Vorwort betont, dass es sich zwar um eine Parabel handelt, wir aber als Leser*innen nicht anfangen sollten, die Tiere als Platzhalter für Menschen zu sehen, viel zu oft denkt der Mensch, es ginge um ihn.
Die Tiere stehen trotzdem eindeutig für einiges: Gemeinschaft, Sorgen, Freundschaft …. Eigentlich ist es egal, ob Mensch oder Tier - wir funktionieren nicht losgelöst voneinander, das wurde mir persönlich im Setting des Naturparks deutlich.
Die Ich-Perspektive von Johannes war ungewohnt, aber wertvoll für die Geschichte. Ich weiß nicht, ob er in einer anderen Form von Hundejahre denkt, wenn er sagt, dass manche Sachen schon 300 Jahre her sind, an die er sich erinnert, oder ob es in dieser Welt tatsächlich so ist, aber ich fand das ganz niedlich.
Wenn in jüngeren Klassen im Philosophieunterricht über Tiere gesprochen wird, würde ich glatt Teile des Textes lesen lassen.

Raphaela Brosseron

Die Nordseedetektive – Brandgefährlich – Teil 12

Die Nordseedetektive – Brandgefährlich – Teil 12
Bettina Göschl
Klaus-Peter Wolf
Franziska Harvey
Jumbo
Die Nordseedetektive
Leseempfehlung ab 8 Jahre
Die Nordseedetektive ermitteln nun schon zum 12. Mal in Norddeich und auf dem Cover sehen wir, dass es diesmal um einen Feuerteufel geht. Es hat schon einige Male in der Umgebung an unterschiedlichen Stellen gebrannt, aber zum Glück ist weder Mensch noch Tier etwas geschehen.
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Die uns schon bekannten etwas dümmlichen Gauner Lang und Finger geraten, weil sie Käse stehlen wollten, in Verdacht, das Feuer gelegt zu haben. Deshalb werden sie von Kommissar Stone festgenommen und statt an einen Anwalt wenden sie sich an die Zwillinge, damit sie ihre Unschuld beweisen können. Obwohl ihre Eltern nicht möchten, dass sie ermitteln, machen sich die Nordseedetektive sofort daran zu ermitteln.
Ihr erster Weg führt zur Feuerwehr, doch dort hat der eigentliche Täter Spuren gelegt, die dazu führen, dass auch der Feuerwehrmann in Verdacht gerät.
Neben den Ermittlungen der Kinder, die immer wieder Tipps ihres verstorbenen Großonkels nutzen, der ein Handbuch für Detektive geschrieben hat, lernen wir auch den Täter und seine Motivation, Feuer zu legen, kennen. Durchdurch erhöht sich noch einmal zusätzlich die Spannung und die bleibt bis auf die letzten Seiten erhalten.
Neben der gut erzählten Geschichte, natürlich typischerweise immer mit den aus den Ostfrieslandkrimis bekannten Größen aus Norden, ist das Buch sehr ansprechend illustriert.
Beginnend mit dem schon erwähnten Cover geht es weiter mit einer schönen Strandszene und der Vorstellung der Familie Janssen. Da darf auch die Ostfrieslandkarte am Ende des Buches nicht unerwähnt bleiben. Aber auch im Buch gibt es sehr genau gezeichnete Bilder, die das Geschehen zusätzlich veranschaulichen. Da kann ich mich doch auf Band 13 freuen.

Dagmar Mägdefrau

Mutmurmeln für den ersten Schultag

Mutmurmeln für den ersten Schultag
Sarah Welk
Caroline Opheys
arsEdition
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
Lolle und Linus kommen bald in die Schule und Lolle spricht, während sie kopfüber an einer Turnstange hängt, davon, dass ihr ganz „mur-me-lig“ ist. Das fühlt sich so an, als wenn Murmeln in ihrem Bauch herumsausen. Mit anderen Worten, sie fühlt so etwas wie Angst vor dem Ungewissen, vor der Schule. 
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Auch Linus fällt eine Menge ein, dass dazu führt, dass er sich unwohl fühlt beim dem Gedanken an die Schule. Obwohl Lolle alle diese Bedenken auszuräumen versucht, macht sie den Vorschlag „Mutmurmeln“ zu machen. 
Dazu nehmen sie ganz normale Murmeln aus Linus Eimer mit seinen Murmeln. Dann bestehen sie eine Mutprobe, wie in den Kirschbaum zu klettern, und dann ist der „Kirschbaum-Mut“ schon in der Murmel drin. Später können sie durch Drücken der Murmel den Mut wieder abrufen. Doch leider hat Linus Papa am Morgen der Einschulung aufgeräumt und die Mutmurmel, die mit einigen Mutproben aufgeladen wurde, liegt wieder zwischen den anderen Murmeln im Eimer. Aber Linus weiß sich zu helfen.
Das Cover zeigt die beiden Freunde mit ihren Schultüten und über die Seite verteilt bunte Murmeln. Besonders schön finde ich die ersten Seiten, die ineinander verwobene Murmel zeigen. Der Text ist nicht zu lang und gut vorzulesen, die Bilder sind fröhlich, bunt und großformatig.
Ich werde meinen Enkel mit dem Buch und einer Tüte schöner bunter Murmel zum Abschluss des Kindergartens beschenken und hoffe, dass die Mutmurmeln auch ihm den Start in die Schule erleichtern werden. Eine ganz tolle Idee, die sich vielleicht als Ritual durchsetzen wird. Mutmurmeln für jedes neue Schulkind!

Dagmar Mägdefrau

Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)

Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)
Tess Sharpe
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
„Manche Mädchen kriegen manche Sachen nicht.”

Ein süßes, buntes Cover und ein relativ eindeutiger Titel (Man kann sich vielleicht ein wenig denken, was beim 7. Mal geschieht) lassen eine Art RomCom vermuten, eine niedliche Lovestory, die nach ein paar Turbulenzen ihren Ausgang findet.
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Die Geschichte von Penny und Tate ist so viel mehr als das und hat mich wahnsinnig traurig und gleichzeitig genauso glücklich gemacht. 
Penny und Tate kennen sich ihr ganzes Leben lang, denn ihre Mütter sind beste Freundinnen. Bestimmt hatten letztere mal gehofft, dass ihre Töchter eine ähnliche Verbindung haben. Eine Verbindung haben sie - jedoch weigern sie sich, diese friedlich zu halten, die Spannungen könnte man definitiv als Ungereimtheiten auffassen, wenn da nicht noch irgendwas anderes wäre. Das zwischen den beiden ist jedoch schwierig zu deuten, denn wirklich beide Ich-Erzählerinnen sprechen es partout nicht aus, dabei erinnern sie mich stark an eine Freundin, die nicht zugeben kann, wenn sie jemanden mag. Gott sei Dank haben wir Meghan, Pennys beste Freundin, die sieht, was zwischen den beiden ist.
Falscher Stolz/ Schüchternheit usw. sind jedoch nicht das Einzige, was irgendwie zwischen den beiden steht (oder sie sogar verbindet?), denn beide haben wirklich harte Schicksale, die sie verarbeiten müssen, ab jetzt sogar unter einem Dach, denn ihre Mütter haben entschlossen, zusammenzuziehen.
Wie traumatisch vor allem Pennys Verlust ist, bekommt wirklich viel Platz, das ist einem am Anfang der Geschichte nicht unbedingt klar. Da musste ich manchmal schlucken, aber ich fand es toll, dass alles vernünftig aufgearbeitet wurde und die Liebesgeschichte nicht die Lösung aller Probleme sein sollte. Es blieb nicht ohne Grund bei 6 Malen “almost kissed”: Es sollte einfach ein sicherer Moment sein.
Das Knistern zwischen den beiden und diese tiefe Verbindung war bei jeder Beinahe-Situation und auch dazwischen so spürbar, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension am liebsten noch einmal den Roman in die Hand nehmen würde. Dieses „Mein-Gott-jetzt-findet-endlich-zusammen”-Gefühl macht einen wahnsinnig, aber ich habe es genauso geliebt, ein ganz besonderes Gefühl, das nur wenige Bücher auslösen können.
Ich beneide alle, die es noch zum ersten Mal lesen dürfen, weil das Lesegefühl wirklich toll war!

Raphaela Brosseron

Niemand so wie ich?

Niemand so wie ich?
Rachel van Kooij
Jungbrunnen
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
Was im Titel als Frage formuliert ist, steht auf Seite 9 als Aussagesatz: „Niemand so wie ich.“ Eine Feststellung, mit der Niki sich mal mehr, mal weniger gut arrangiert, auch wenn sie im Freibad komische Blicke für die blauen Badeshorts mit gelbem Glitzer-Bikinioberteil erhält. Ihr Vater beharrt darauf, dass Niki irgendwann „normal“ werden kann und spart Geld für eine Operation. Auch wenn es von Niki lange nicht direkt ausgesprochen wird, weiß man, dass Niki anscheinend männliche und weibliche Geschlechtsorgane hat. 
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Das hat Niki schon beim Fußballtraining tangiert, als es darum ging, eine reine Mädchenmannschaft zu gründen und sich tatsächlich eine Fußball-Mutti noch aufregen wird, warum man „so ein Kind“ mitspielen lasse.
Diese Probleme rücken ein wenig in den Hintergrund, als ihr unbekannter Onkel eines Tages nach zehn Jahren auftaucht. Nikis Vater ist über den Besuch mehr als bestürzt und will ihn sofort wieder aus seinem Leben verbannen. Doch Niki ist neugierig, außerdem kann Niki diesen Onkel, der nur mit einem alten Koffer durch die Gegend geht, doch nicht einfach der Straße überlassen.
Niki steht auf mehreren Ebenen immer in einer Zwickmühle. Die Zwickmühle, sich für eine Existenz als Junge oder als Mädchen entscheiden zu müssen und jetzt auch noch die Sache mit Onkel Raimund. Um daraus zu kommen, greift Niki auf einige Notlügen zurück, und alles wird irgendwie verzwickter.
Aber vielleicht ist ja gar nicht Niki „das Problem“, sondern die Erwachsenen, die nur in Kategorien denken können: Gut und Böse, Junge und Mädchen. Ich finde, das hat der Roman wirklich toll herausgestellt, ohne mit dem Finger auf die Erwachsenen zu zeigen. Nikis Geschichte ist natürlich schon ohne Onkel Raimund interessant: das tägliche Erklären, die Suche nach den richtigen Pronomen… Süß fand ich die Freundschaft zu Kati, die sich einfach jeden Tag mit den Pronomen „er“ und „sie“ abwechselt.
Wer bis zum Ende liest, erfährt, ob Niki vielleicht eine bessere Lösung findet, was Onkel Raimund eigentlich so Schlimmes gemacht hat und ob es dafür nicht auch einen Ausweg aus der Zwickmühle gibt. Spannend, witzig und ein wenig ernst – eine gelungene Mischung.

Raphaela Brosseron


Koboldkroniken

Koboldkroniken
Daniel Bleckmann
Thomas Hussung
Oetinger
Verlagsempfehlung ab 9 Jahre

So ein gut gemachtes ansprechendes Cover, ich bin total begeistert. Der Titel „Sie sind unter uns“ ist durchaus wörtlich zu verstehen, denn diese frechen Kobolde wohnen bei uns unter der Erde und es gibt geheime Türen, durch die wir zu ihnen kommen können. In dieser Geschichte ist diese Tür in einer alten Toilettenanlage der Schule zu finden.
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Aber da greife ich etwas vor, zunächst muss Dario Leone, der dieses Skizzenbuch, das wir gerade lesen, angefertigt hat und der sich am Anfang ganz ordentlich vorstellt, feststellen, dass sein bester Freund Lennard völlig verändert aus den Ferien bei seinen Großeltern zurückkommt. Nicht nur, dass er schlanker ist, er liebt es auch, Sport zu machen und ist dabei richtig gut. Er hat auch Probleme, Rituale zwischen den Freunden anzuwenden. Die beiden Jungen haben gemeinsam eine App entwickelt und mit „CritterSwitch“ kann man, wenn man Personen fotografiert, etwas von deren Charakter auf dem Bild sehen. Mehr will ich jetzt nicht verraten, denn dieses Buch soll ja spannend bleiben.
Neben den Erzähltexten gibt es, wie bei Comics, wörtliche Rede in Blasen, Fotos und massenhaft Skizzen auf etwas gammeligen Seiten. Besonders fasziniert haben mich die Gehirne, die aufzeichneten, was das Gehirn der Lebewesen bevorzugt denkt. Ich fand es nicht einfach, das Buch mit den vielen Kobold-Begriffen zu lesen, aber es braucht sehr viel Fantasie, ein solches Buch zu schreiben. Ich bin wirklich beeindruckt, wie alles logisch zusammenpasst und welche Entwicklung die Geschichte nimmt.

Dagmar Mägdefrau



Ein Fall für Jaromir – Lichter um Mitternacht

Ein Fall für Jaromir - Lichter um Mitternacht
Heinz Janisch
Obelisk
Ein Fall für Jaromir
Leseempfehlung ab 6 Jahre

Jaromir ist kein gewöhnlicher Dackel, schon deshalb spricht ihn sein Mitbewohner (ich möchte hier das Wort Herrchen nicht erwähne) Lord Huber auch mit Herrn Jaromir an.
Herrn Jaromir kann sprechen, was niemanden in seiner Umgebung erstaunt, er liest gerne englische Zeitungen und kombiniert hervorragend.
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Lord Huber und Herrn Jaromir machen Urlaub am schönen Attersee. Im Laufe der Jahre haben an diesem österreichischen See viele berühmte Persönlichkeiten Urlaub gemacht, einer davon war der Maler Gustav Klimt. Ferdinand, der wie Lord Huber und Herrn Jaromir für Scotland Yard arbeitet, hat sich bei Dreharbeiten über den Maler Klimt eingeschmuggelt. Auf diese Art versucht er, einiges über die gefälschten Gemälde von Klimt herauszufinden. 
Lord Huber und Herrn Jaromir beobachten um Mitternacht Lichter, die auf dem See zu sehen sind. Was haben diese tanzenden Lichter wohl zu bedeuten?
Das Cover zeigt einen älteren Herrn mit Schnurrbart und einem Stock neben Herrn Jaromir am See sitzend. Diesen Stock nutzt Lord Huber sehr vielseitig sowohl als Telefon als auch als Kamera. Allerdings haben wir heute, im Zeitalter des Smartphons, solche 007-Dinge nicht mehr nötig. Überhaupt hat dieser Krimi etwas sehr Altmodisches und er wird auch sehr behäbig erzählt. Die Lösung des Falles ist durchdacht und logisch, aber ob die Protagonisten die Kinder ansprechen, wage ich zu bezweifeln, die wollen selbst ermitteln, selbst zeigen, was sie können. Alte Männer und ein sprechender Hund sind da nicht sehr cool.
Man lernt bei der Lektüre einiges über Klimt und seine Werke und ganz viel über den Attersee und seine Besonderheiten. Und so werden nach dem 17. Kapitel Lord Huber und Herrn Jaromir noch einige Urlaubstage hier verbringen.

Dagmar Mägdefrau