Verein zur Förderung der Kinder- und Jugendliteratur e.V.

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Das Buch der gestohlenen Träume

Das Buch der gestohlenen Träume
David Farr
Kristina Kister
arsEdition
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
Das Cover mit seinen glänzenden goldenen Buchstaben ist auf jeden Fall ein Hingucker. Die Geschwister Rachel und Robert leben zusammen mit ihren Eltern in Krasnia, einen Land, dass von dem Diktator Charles Malstain regiert wird. Er mag keine Kinder und deshalb haben sie auch keine Berechtigung, im Alltag aufzutauchen. 
Das Buch beginnt mit einer Warnung an den Lesenden, das Lesen des Buches geheim zu halten, denn man weiß ja nie, ob ein Spion aus Krasnia uns beobachtet
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Im ersten Kapitel reist Rachel allein mit einem Luftschifft nach Port Clement, einen Nachbarstaat. Ein eigenartiger Mann spricht sie an und wir erfahren, dass sie unter falschem Namen reist und ein Geheimnis kennt. Erst im dritten Kapitel wird uns Rachel und ihre Familie vorgestellt. Ihr Vater ist Bibliothekar in einer großen Bibliothek und er erfindet spannende Spiele, die er mit seinen Kindern zu Hause spielt. Doch an Rachels zwölften Geburtstag geht er ein großes Risiko ein und geht mit den Kindern in die Bibliothek. Hier zeigt er ihnen ein geheimes Buch - „Das Buch der gestohlenen Träume“. 
Wie sich herausstellt, soll dieses Buch vernichtet werden, aber eigentlich möchte Charles Malstain das Buch in seinem Besitz bringen, weil er hofft, dass es ihm einen großen Nutzen bringt. So erforschen die Kinder die Herkunft und den Sinn des Buches. Es beinhaltet 49 Träume, die wundervoll illustriert sind. Dann müssen sie vor der Geheimpolizei, die auch vor Folter und Mord nicht zurückschreckt, fliehen. 
Das Buch umfasst fast 400 Seiten, die allerdings in etwas größerer Schrift gedruckt sind. Einige Kapitel beginnen mit einer Seite aus dem „Buch der gestohlenen Träume“ und wir erfahren etwas über die einzelnen Träume. Es brauchte einige Zeit bis ich die Zusammenhänge der Geschichte durchschaut hatte und nicht alles schien mir immer logisch aufgebaut zu sein. 
Die Beschreibung des Tyrannenstaates hat mich oft richtig geängstigt und Vergleiche mit einigen Diktatoren boten sich an. 
Tapfere Kinder erleben spannende Abenteuer um ein Buch mit magischen Eigenschaften, aber so ganz überzeugen konnte mich die Geschichte nicht.

Dagmar Mägdefrau

So geht’s – Frieden für Kids erklärt

So geht’s - Frieden für Kids erklärt
Patrick Oelze
Patrick Oelze
DK
So geht’s
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
In diesem Buch begleiten wir erneut die Familie Strudel, eine Familie, die sich lebhaft für gesellschaftliche Themen interessiert und diese intensiv in ihren eigenen vier Wänden diskutiert. Das zentrale Thema des Buches ist der Frieden in all seinen Facetten. Besonders relevant wird dieses Thema, als die Familie beschließt, Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen: Oksana und ihren Sohn Oleg sowie ihren Hund. Die Handlung des Buches berührt jedoch nicht nur die Friedensthematik im häuslichen Umfeld, sondern streift auch viele andere Aspekte. 
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Dazu gehören Konflikte in der Schule, familiäre Auseinandersetzungen, Erzählungen von Oma und Opa aus der Vergangenheit sowie sogar ein Einbruch in der Schule. Dadurch werden verschiedene Themen angesprochen, die zum abstrakten Begriff "Frieden" gehören, wie Streit, historische Ereignisse, Religion, Recht und soziale Probleme. 
Viele Vertreter*innen des Friedens werden genannt, tatsächlich auch in normalen Gesprächen von Familie Strudel. Das war natürlich wieder weniger authentisch. Hier war zusätzlich sehr viel erklärendes Wissen platziert, sodass die ganz normale Handlung, die die Themen vielleicht aufgreift, als begleitende Geschichte gereicht hätte, anstatt in der Geschichte selbst jemanden der Familie Strudel auch noch einmal etwas erklären zu lassen, was man auch den Infotexten entnehmen kann. 
Die Kapitel sind gut strukturiert und führen von kleineren zu größeren, globalen Kontexten, um das Thema Frieden umfassend zu beleuchten. Besonders interessant ist die Frage nach dem Gegenteil von Frieden, dem Krieg, und ob die bloße Abwesenheit von Krieg bereits Frieden bedeutet. 
Gerade in der Weihnachtszeit ein schönes Thema, hier noch etwas sachlicher aufgebaut als das Buch über Demokratie, obwohl die Geschichte rund um die Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Ukraine-Krieg Potenzial gehabt hätte, weiter ausgebaut zu werden.

Raphaela Brosseron

So geht’s – Demokratie für Kids

So geht’s - Demokratie für Kids
Christine Paxmann
DK
So geht’s
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Das Buch bereitet Sachwissen rund um das Thema Demokratie kindgerecht auf. Wir begleiten Familie Strudel bei alltäglichen Dingen wie Abendessen, Einkauf oder dem Besuch von Oma und Opa. Gott sei Dank sind die drei Kinder Leon (8), Jana (11) und Anna (19) sehr neugierig und auf dem besten Weg engagierte Bürger*innen unserer Demokratie zu werden und stellen Papa Nico und Mama Laura viele Fragen. Die Themen werden dialogisch dann einmal im Familienkontext besprochen und außerdem in Infokästen nochmal erläutert. 
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Die Gespräche sind natürlich nicht immer authentisch, denn vermutlich unterhalten sich die wenigsten Familien so differenziert über Politik. Trotzdem ist es nett, eine Familie zu begleiten und es entstehen viele Situationen, die einen daran erinnern, dass man nicht Politiker*in sein muss, um sich für politische Themen zu interessieren. Denn auch eine Mutter kann mal streiken, Ungerechtigkeiten in der Schule oder in der Fußballmannschaft können widersprochen werden und der Baum von gegenüber darf eben nicht einfach so gefällt werden. 
Besonders schön fand ich, dass schon nach wenigen Seiten Handlungsmöglichkeiten von Kindern genannt werden, z.B. durch die Gründung eines Kinderrats, in dem sich Kinder verschiedener Schulen zusammentun können, um Entscheidungen der Stadt in Angriff zu nehmen. Allgemein ging der Fokus auf Kinder nicht verloren, so wurde generell auf ihre Rechte und ihre Perspektive eingegangen. Schön war auch, dass Themen, die man bei “Demokratie” zwar dazu gehören, aber sonst nicht unbedingt Eingang in die Definition finden, besprochen werden, wie z.B. Zivilcourage. Diejenigen, die das gesamte Buch lesen, erhalten einen umfassenden historischen und aktuellen Wissensstand, was ein klarer Vorteil für eine engagierte Teilhabe an der Demokratie ist. Allerdings könnte ich mir vorstellen, dass es sehr anstrengend werden könnte, das Buch wie eine Geschichte in einem Durch lesen zu wollen. Da die Kapitel unabhängig voneinander funktionieren, würde ich bei jüngeren Kindern empfehlen, immer nur ein Kapitel zu lesen und darüber zu sprechen, weil sonst viel Inhalt auf einen prasselt. Ansonsten ist dieser Inhalt nicht nur für Kinder sinnvoll gestaltet, ich glaube auch Erwachsene können nochmal was lernen. 

Raphaela Brosseron

Bo und Lars – Eine unerwartete Freundschaft

Bo und Lars – Eine unerwartete Freundschaft
Kashelle Gouley
Skylar Hogan
Loewe
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Bo ist ein kleines Mädchen, dass alleine in der Arktis wohnt. Ich muss sagen, meiner Enkeltochter brauche ich das Buch nicht vorlesen. Ein Mädchen, das dort ohne Mama und Papa wohnt, würde bei ihr nur zu Verzweiflung und Tränen führen. Mein Enkel hat diese Probleme nicht und er mag das Buch sehr.
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Lars ist ein Eisbär, der ebenfalls alleine am Nordpol wohnt. Da er ein schlechter Jäger ist und auch die Klimaerwärmung das Jagen erschwert, stürzt er sich auf Bo und zerstört dabei ihren Iglu.
Doch Bo ist stark und kann sich gegen den Eisbären wehren und sie zwingt ihn, ihr Heim wieder herzustellen. Dafür verspricht sie ihm Futter.
Mit kurzen Texten und eindrucksvollen Bildern zeigt uns dieses Bilderbuch einiges über das Schmelzen des Eises, aber auch über Freundschaft und dass das Leben zu zweit vielleichht nicht ganz so hart ist. 
Hinten im Buch gibt es noch kurze Sachtexte zum Thema „Artis und Klimawandel“ und „Eisbären“. 
Eine ungewöhnliche Art, diese Themen anzugehen, aber durchaus lesens- und anschauenswert.

Dagmar Mägdefrau

Skogendynasty

Skogendynasty
Carolin Wahl
Loewe Intense
Verlagsempfehlung ab 16 Jahre
Nach einem öffentlichen Skandal wird Aleksander Skogen, der Erbe des Skogen Keks Imperiums, gezwungen, sich in die Abgeschiedenheit der Wildnis Norwegens zurückzuziehen. Dort begegnet er Norah, einer Naturführerin, die ein Leben führt, das fernab von seinem luxuriösen Lebensstil liegt. In den unberührten Landschaften Norwegens, weit entfernt von jeglichem Überfluss, entwickelt sich eine unerwartete Anziehung zwischen den beiden.Wer sich für "Gossip" der Reichen und Schönen interessiert und Fan von "Der Denver-Clan" war, könnte sich von diesem Buch schnell angesprochen fühlen.
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Der vermeintliche Skandal ist äußerst pikant, doch Norah, die von dem Medien-Debakel nichts mitbekommen hat, gibt vor, über den Skandal hinwegzusehen. Obwohl das stimmt, fühlt sich Aleksander dennoch verunsichert, denn auf der Trekking-Tour scheint Norah die Anziehung zwischen ihnen nicht zuzulassen. Ihre Probleme sind größtenteils nachvollziehbar, jedoch werden sie, passend zum Genre, überzeichnet dargestellt und kommen immer wieder ins Spiel, besonders in Bezug auf Aleksander. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Beziehung zwischen den beiden sehr intensiv und extrem ist, wobei tiefgründige Gespräche oder Abstand anstelle von lockeren Kennenlerngesprächen dominieren. Dennoch ist die Intensität zwischen ihnen genau das, was der Roman verspricht. Die Trekking-Tour bietet ein wunderschönes Setting, und ich konnte verstehen, warum Norah dieses Leben nicht unbedingt aufgeben möchte. Nach der Trekking-Tour verlangsamt sich das Tempo zwischen den beiden, was die Liebesgeschichte zu Recht als Slow-Burn-Romance charakterisiert. Trotz des Luxus und der High Society ist die Geschichte keineswegs oberflächlich. Vielmehr bildet sie eine Grundlage für weitere gesellschaftliche Themen, wie beispielsweise die Frage nach dem Schein und Sein in der modernen Medienwelt. Norah und Aleksander sind ein gelungenes Anfangspärchen für diese Trilogie, und man kann gespannt sein, was in den kommenden Teilen passieren wird.

Raphaela Brosseron

Wer den Kürzeren zieht

Wer den Kürzeren zieht
Mel Wallis de Vries
one
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Auf einer abgelegenen Hütte plant eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Freunden eine erholsame Zeit zu verbringen. Die Schüler Maxime und Anne reisen aus Utrecht an, um sich mit Maximes alter Freundin Lizzy, deren Cousin Daniel und seinem Freund Sami zu treffen. Daniel und Sami, bereits im Studium, betrachten die Welt mit einem anderen Blick, besonders Daniel ist bekannt für seine Diskussionsfreudigkeit. Die Zeit für ein ausführliches Kennenlernen bleibt ihnen nicht, denn schon nach einem Tag geschehen merkwürdige Dinge: seltsame Nachrichten auf Instagram und ein blutüberströmter Junge taucht auf. Schnell wird klar, dass die fünf in Gefahr schweben und die Hütte möglicherweise nicht lebend verlassen werden.
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Ihre Befürchtungen werden auf Video-Tape aufgenommen, diese sind als böse Vorahnungen vor den Kapiteln verteilt. So weiß man, es wird etwas Schlimmes passieren, aber man muss auf jeden Fall weiterlesen, um zu wissen, was. Wer wirklich ganz genau liest, könnte vielleicht schnell eine Idee haben, was da vor sich geht. In meinem Kopf haben sich jedoch die Vermutungen gehäuft, weswegen ich in einem Durch lesen musste, um zu wissen, wie es ausgeht. Tatsächlich habe ich mit dem Ende nicht gerechnet, fand das dementsprechend auch spannend und gelungen. Die fünf Charaktere wurden geschickt gewählt, und trotz der begrenzten Seitenzahl erhielten sie genug Tiefe für einen psychologischen Thriller, der die Abgründe der menschlichen Natur erkundet. Ohne zu viel zu verraten, persönlich bevorzuge ich es, wenn der "Bösewicht" seinen Plan am Ende nicht unnötig erklärt, um mögliche Lücken zu schließen. Das Ende hat mich dennoch überzeugt, und das Buch liest sich schnell. Es erzeugt ohne explizite Gewaltdarstellungen eine beeindruckende Spannung.

Raphaela Brosseron

Anne, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, lässt sich von ihrer Freundin Maxime überreden, einige Tage in einer Hütte zusammen mit deren Freundin Lizzy aus Kindertagen
zu verbringen. David ist ein Cousin von Lizzy und er hat die Hütte gemietet, er studiert und reist zusammen mit seinem Freund Sami an. 
So richtig gemütlich ist die Hütte nicht und am liebsten möchte Anne wieder abreisen, aber die Hütte liegt so abgelegen, dass diese Möglichkeit nicht besteht. Im Prolog taucht noch eine Junge namens Vincent auf, der blutverschmiert vor der Tür liegt. Doch das geschieht erst eine Zeit später.
Die Kapitel beginnen mit Stunde 1 und machen auch Sprünge von einigen Stunden,
doch dazwischen werden die Protokolle von Tape-Aufzeichnungen gedruckt, die erst Stunden später aufgenommen werden. Hier befindet sich nur ein Jugendlicher in einem Raum und spricht mit der Kamera. Durch diese Vorgriffe wird die Geschichte noch einmal zusätzlich spannend. 
Das Buch ist gut zu lesen und die Spannung, die schon ganz zu Anfang meine Ängste schürt, wird immer größer. Auch der Ausgang der Geschichte hat mich beindruckt. Zudem werden die Charaktere der unterschiedlichen Protagonist*innen sehr gut beschrieben. Da Anne ihre Sicht auf die Dinge erzählt, leidet man in erster Linie mit ihr, kann aber auch ihr manchmal ungewöhnliches Verhalten begreifen. Ein echter Thriller!

Dagmar Mägdefrau

Cast in Firelight – Magie der Farben

Cast in Firelight - Magie der Farben
Dana Swift
one
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Adraa, die Thronerbin von Belwars, ist dazu bestimmt, eines Tages Jatin zu heiraten, den zukünftigen Maharadscha von Naupur. Die beiden treffen sich nur einmal als Kinder, und dieses Treffen verläuft alles andere als gut. Jatin zeigt sich arrogant mit seiner Magie, und Adraa lässt sich provozieren. Während Jatins Zeit an der Akademie setzen Adraa und Jatin ihre Beziehung in bissigen Briefen fort, anstelle von romantischen. Ein Konkurrenzkampf in magischen Leistungen entfaltet sich zwischen ihnen. In diesen Briefen verschweigt Adraa natürlich ihre Tätigkeiten im Untergrund, bei denen sie heimlich für das Volk agiert, sowie ihre Aktivitäten im Untergrund. 
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Sie hätten niemals erwartet, sich einmal verbünden zu müssen, um ihre jeweiligen Völker zu retten. Noch weniger hätten sie sich vorstellen können, dass während ihres gemeinsamen Kampfes Gefühle zwischen ihnen aufkeimen könnten – ohne dass ihnen bewusstwird, an wessen Seite sie eigentlich kämpfen.
Auf dem Cover sind zwei Figuren illustriert, vermutlich Adraa und Jatin.Ich finde es schade, wenn das Cover bereits ein so deutliches Bild der Figuren vermittelt, obwohl die Buchbeschreibungen für sich stehen könnten. Die dargestellten Figuren scheinen dem Schönheitsideal zu entsprechen und wirken wie aus einer Traumwelt gegriffen, mit unnatürlich großen Augen, die eher an Zeichentrickfiguren erinnern. Inhaltlich fand ich den Anfang vielversprechend, besonders weil wir Adraa und Jatin schon als Kinder kennenlernen. Doch im Verlauf der Geschichte habe ich irgendwann den Überblick über die magischen Kräfte verloren, und der Fantasy-Teil, besonders im Zusammenhang mit den Göttern, erschien mir recht überladen.
Letztendlich stehen die weiße und rote Magie im Fokus und es ist nicht zwingend erforderlich, alles zu verstehen, um den Kern der Geschichte zu erfassen. Die Liebesgeschichte hat mir gut gefallen, und trotz des bekannten Themas Enemies-toLovers fühlte es sich irgendwie neu an. In der Mitte der Handlung gab es eine gewisse Längen, vielleicht gerade wegen der Vielzahl von Ereignissen. Der Perspektivenwechsel zwischen Araa und Jatin in jedem Kapitel wurde wirksam umgesetzt, sodass man sich sehr gut einfühlen konnte. Die Aufteilung der Königreiche Belwar und Naupur sowie ihre Verflechtung dienten sinnvoll als treibende Kraft für die Handlung. Insgesamt ist es eine romantische und fantastische Geschichte, die sowohl Fantasy- als auch Romance-Fans ansprechen dürfte, vorausgesetzt, man lässt sich nicht vom Cover abschrecken.

Raphaela Brosseron

Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle

Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle
Anne Freytag
One
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Man könnte annehmen, dass ein Roman, der die Geschichte von Flüchtlingen erzählt, mit ihrer Flucht beginnt und das "Happy End" darin besteht, sicher auf festem Boden anzukommen. Die jugendliche Madina erzählt in diesem Tagebuch jedoch von ihrer Zeit der anhaltenden Fremdheit, selbst nach über einem Jahr an einem Ort, der nun mal nicht ihre Heimat ist.
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Ihre Heimat ist untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden, aber auch mit den Erinnerungen an die duftenden Rosen bei ihrer Oma. Diese kostbaren Erinnerungen kann ihr niemand nehmen, jedoch genauso wenig die traumatischen Erfahrungen des Krieges.
Mit ihrem Tagebuch versucht Madina, die Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen. Sie stellt Fragen zur Schule, zu den täglichen Anfeindungen, zu den vielen Problemen, die ihre Familie auf sie abwälzt, und zu den noch ungelösten Geheimnissen.
Obwohl Madina nicht mehr im Kriegsgebiet ist, hat sie Grenzen überschritten, die ihr ein normales Leben verwehren, besonders im Vergleich zu ihrer neuen Freundin Laura wird ihr das immer wieder bewusst. Dabei bleibt unklar, aus welchem Land Madina geflüchtet ist, es wird immer nur von "meinem Land" und "meiner Sprache" gesprochen. Das stört beim Lesen absolut nicht, vielmehr wird klar, dass es so wie Madina, schrecklich vielen Menschen geht. 
Die Sprache ist wunderschön, bildlich und ein Kunstwerk an sich. Trotzdem lässt der Roman einen universellen Zugang zu, sodass sich niemand davor drücken kann, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. 
Ein beeindruckender und zeitnaher Roman über Flucht und das Leben danach erzählt aus der Perspektive einer starken jungen Frau. Man kann diesen Teil der Geschichte gut lesen, ohne - wie ich - die anderen Teile über Madina zu kennen, trotzdem werde ich diese auf jeden Fall nun auch noch lesen. 

Raphaela Brosseron

Momo – Ein Bilderbuch

Momo – Ein Bilderbuch
Michael Ende
Simona Ceccarelli
Thienemann
Verlagsempfehlung ab 6 Jahre
Zum 50. Jubiläum bringt der Thienmann-Verlag dieses wundervoll bebilderte Bilderbuch über das Mädchen Momo heraus. Es erzählt ganz ruhig mit wenigen Worten, wie das in einem Amphitheater wohnende Mädchen eines ganz besonders kann. Sie kann zuhören. So hört sie Gigi, dem lebendigen Reiseführer, der immer neue Geschichten erzählt, zu, aber auch dem alten Straßenkehrer Beppo, der lange überlegt, bis er spricht.
Sie bringt einen Kanarienvogel wieder zum Singen und die Leute werden zu ihr geschickt, wenn sie Probleme haben. 
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Das Buch beschränkt sich auf die Szenen am Rande der Stadt und hebt in den Vordergrund, dass Momo eine besondere Begabung hat, den Menschen zuzuhören und ihnen damit zu helfen. 
Heute, wo alle reden, posten und ihre Meinung kundtun, egal ob sie jemand hören will, ist eine Zuhörerin sicher etwas Besonderes. Wir sollten vielleicht alle in diesem Punkt von Momo lernen. 
Liebhaber des Original-Momo-Buches werden möglicherweise von dieser Kurzfassung enttäuscht sein. Mich begeistern besonders die Bilder, die einfach nur wundervoll sind und eine Atmosphäre zeigen, die mich bewegt. Da wird man doch neugierig auf die ganze Geschichte und auch da gibt es ein schöne neue Ausgabe.

Das Nordlichtwunder

Das Nordlichtwunder
Yuval Zommer
arsEdition
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Auf dem Cover sehen wir Samen in ihrer klassischen Kleidung, die zum Himmel schauen. Neben ihnen stehen Rentiere und aus dem Wasser schauen Wale, daneben sind Papageientaucher zu sehen. Hinter dem Titel erstrahlt das Nordlicht. 
„Wir sind die Lichter, die im Dunkeln wie Feuerwerke am Himmel funkeln.“ Dieser Satz erklärt einfach und doch genau dieses Phänomen. Die ganze Bandbreite der nordischen Tierwelt wird auf den Seiten diese Buches wunderschön abgebildet
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Vor ihrer Jurte schauen die Menschen zum Himmel. „Jung und Alt, Groß und Klein sind vereint im Glitzerschein.“ 
Über beide Seiten geht das Bild, neben den fröhlichen Tieren singen die Menschen vor Freude und Begeisterung. Man möchte mitsingen und freut sich über diese wundervollen Bilder, die die Atmosphäre so schön darstellen.
Ein Naturphänomen, das wir nur ganz weit im Norden bestaunen können, wird hier in kurzen Reimen beschrieben und beeindruckend illustriert. 

Dagmar Mägdefrau 

Der kleine Kopfweh

Der kleine Kopfweh
Corinna Leibig
Charly Gaul
Mabuse-Verlag
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Schon auf dem Cover sehen wir ihn, den kleinen Kopfweh und wie sein Kopf schmerzt können wir auch erkennen.
Er hält seinen Kopf und wimmert, weil er „schlimme Kopfschmerzen“ hat. Er überlegt, ob seine Lebensweise schuld sein kann. Zu viel Fernsehen, der laute Zirkus, kein Essen oder Trinken, zu wenig Ruhe - könnte das der Grund sein?
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Aber er weiß, daran liegt es nicht. Es liegt am Stress, um ihn herum ist zu viel davon, „keiner hat richtig Zeit und ich habe so viel zu tun!“ Das große Kopfweh kann ihn trösten, „Du bist nicht schuld.“ 
Neben den kurzen einfachen Texten gefallen mir die eindrucksvollen Bilder, die den Schmerz hervorragend darstellen. Es wäre schön, wenn das große und der kleine Kopfweh eine Lösung fänden, aber zusammen kuscheln tut immer gut. 
Migräne wird bei Kinder oft nicht ernst genommen oder vielleicht auch nicht erkannt. Dieses Buch hilft sicher, dass Kinder ihren Schmerzen einen Namen geben können.

Dagmar Mägdefrau

Afrika – Kreuz und quer durch einen bunten Kontinent

Afrika - Kreuz und quer durch einen bunten Kontinent
Kim Chakanetsa
Mayowa Alabi
Gerstenberg
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Allein das Cover ist so wunderschön gestaltet, da ist man einfach neugierig auf dieses Buch.
Zunächst wird der Aufbau des Buches erklärt. Zeitgeist, Menschen und Kulturen, Natur und Landschaften, Schlüsselfiguren und Vorbilder und Schnappschüsse sind die jeweiligen Kapitel, die sich in den einzelnen Teilen wiederholen. 
Der Kontinent Afrika besteht aus 55 unterschiedlich großen Ländern, Lesotho liegt sogar vollständig in Südafrika. Die Karte ist unterschiedlich farblich unterlegt und die nächsten Seiten befassen sich mit diesen Teilen. 
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Es beginnt mit Nordafrika, dort ist sicher Ägypten das Land, über dessen Geschichte wir am meisten wissen. Über die Bewohner der Wüste wissen wir da schon weniger. Ostafrika, hier wurde der 1,8 Millionen Jahre alter Schädel des Homo habilis entdeckt. In Kenia siedelten sich IT-Unternehmen in der Stadt der Zukunft an. In Nigeria in Westafrika gibt es mit Nollywood eine riesige Filmindustrie. In Botswana im Südlichen Afrika ist der größte Diamantenlieferant. Den Koloniealmächten hätte vielleicht etwas mehr Platz eingeräumt werden sollen.Das Buch bietet einen bunten Querschnitt dieses Kontinents, von dem ich leider nicht sehr viel weiß, so kenne ich kaum eines der beschriebenen Vorbilder. Ein spannendes Sachbuch, gut aufgebaut mit kurzen Texten und vielen Bildern.

Dagmar Mägdefrau

Mein superschlaues Vorschulbuch

Mein superschlaues Vorschulbuch
Anna Lisa Kiesel
Heidi Förster
Kaufmann-Verlag
Verlagsempfehlung ab 5 Jahre
70 Bilder laden dazu ein, sie auszumalen, Dinge zu suchen, Umrisse zuzuordnen, Dinge
zu bestimmen, Puzzle zu ergänzen, zu zählen, Fehler zu finden, durch Irrgärten
zu gehen und Punkte zu Bildern zu verbinden. Am Ende des Buches kann man sich
anschauen, ob man die Aufgaben richtig gelöst hat.
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Mit dem Buch können sich Kinder einige Zeit selbst beschäftigen, einige Aufgaben sind selbsterklärend und müssen nicht mal vorgelesen werden. Kinder, die gerne mit dem Stift umgehen, logisch denken und vergleichen können, werden mit diesem Buch viel Spaß haben. Aber auch wenn es einigen noch ein bisschen schwerer fällt, so sind diese Übungen eine gute Vorbereitung auf die Schule. 

Dagmar Mägdefrau

Quergestreift – Alles über LGBTIQA+

Quergestreift - Alles über LGBTIQA+
Kathrin Köller
Irmela Schautz
Hanser
Verlagsempfehlung ab 11 Jahre
Jugendliteraturpreis 2023
Schon äußerlich ist diese Buch etwas Besonderes, nicht nur das Cover in den Regenbogenfarben der queeren Menschen, sondern auch der Buchschnitt ist so gefärbt. 
LGBTIQA+, diese Buchstaben bilden eine Gruppe Menschen ab, die nicht hetero oder cis sind. In diesem Buch werden die einzelnen Buchstaben und ihre Bedeutung genau erklärt.
L= Lesbisch und G für Gay oder schwul, sind Begriffe, die den meisten bekannt und vertraut sind. Aber auch in diesen Kapiteln kann man noch Neues finden. 
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Das B für Bi oder Pan ist da schon vielschichtiger und innerhalb dieses Kapitels gibt es viele Worte, die unterschiedliches oder gleiches bedeuten, mir aber bisher nicht bekannt waren. Die Aussage „Verlebt in Menschen. Punkt.“ war für mich eine einfache und klare Erklärung. T für Trans oder Non-Binary zeigt auf, dass Menschen sich nicht mit dem Geschlecht, das in ihren Ausweis steht, identifizieren können. Ich wusste nicht, dass es da ein zusätzliches Ausweispapier, den Ergänzungsausweis gibt, der dem gefühlten Geschlecht entspricht. Das I steht für inter, bei diesen Menschen ist das Geschlecht ihres Körpers nicht eindeutig weiblich oder männlich. Das Q für queer wurde zunächst von BIPoC genutzt, dieser Wort wurde aber auch übergreifend für alle anderen zum Begriff. Das A+ steht für a_sexual, also Menschen, denen einfach ausgedrückt, Sex nicht so wichtig ist.
Zu jedem Kapitel gibt es viele Informationen, Interviews, Orte, an denen man sich persönlich oder im Netz treffen kann. Mich haben besonders die Erfahrungsberichte fasziniert, wie schwierig es für viele war, sich zu outen und so zu leben, wie es für diese Person richtig ist. 
Ich hoffe, dass dieses Buch für junge Menschen Hilfe bringt, die hier viel von anderen erfahren und wo sie Adressen finden, wo sie Unterstützung erhalten können.

Dagmar Mägdefrau



Geheim – Die Tintenjäger

Geheim - Die Tintenjäger
Lucy K. Walker
Zapf
Baumhaus
Geheim
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Tintenjäger sind Menschen, in diesem Fall Jugendliche, die entwischte Figuren in ihre Bücher zurückbringen. Hier dient ein Füller dazu, die Figuren, deren Schwachstelle man finden muss, in die leere Patrone einzusaugen. 
Aber zum Anfang des Buches: Olivia Bones bekommt einen Brief, den wir zu Beginn des Buches finden. Der führt sie zu einer Adresse, wo sie Frederick Skull kennenlernt. Er zeigt Ivy die magische Bibliothek. Dort befinden sich die Originale vieler Bücher. 
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Als Tintenjägerin begibt sich Ivy häufig in Gefahr, aber dank ihrer guten Kombinationsgabe kann sie viele schwierige Rätsel lösen und so die Figuren aus den Büchern fangen.
Ein spannendes Buch für Rätselfans, denn am Ende eines Kapitels gibt es immer eine Aufgabe zu lösen. Am Ende des Buches findet man Tipps, wenn man nicht weiterkommt. Aber für die, die ihren Kopf nicht anstrengen wollen, besteht auch die Möglichkeit, einfach im nächsten Kapitel zu lesen, wie die Aufgabe gelöst wurde. Aber das fände ich einfach schade, denn die Rätsel machen ja den besonderen Reiz dieses Buches aus.
Als besonders Hilfsmittel ist dem Buch eine Lesezeichen beigelegt, dessen Füllerabbildungen benötigen wir um die Patronen aus Ivys Forschungsbuch zu bestimmen. 
Aber was erkläre ich hier so viel, lest das Buch und habt Spaß am Abenteuer und an den Rätseln.

Dagmar Mägdefrau

Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse

Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse
Zoë Beck
Insel
Verlagsempfehlung ab 12 Jahre
Es ist sicher nicht einfach, wenn man nach Grieg und Munch benannt wurde. Aber Edvard Vater ist Musikdirektor und die Mutter leitet eine Galerie. 
Edvard liebt seine Klassenkameradin Constanze, die ihn aber in den sozialen Medien gesperrt hat, ob der Grund die fehlende Brustbehaarung Edvards ist, stelle ich in Frage. Edvard kommt auf die Idee, einen amerikanischen Austauschschüler namens Jason zu erfinden. Dieses Faceprofil baut er mit Familie und Freuden aus und Constanze ist begeistert von Jason und liked alle seine Posts. 
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Das Verhältnis zum realen Nachbarn ist nicht besonders gut, da Edvard mehrfach in die Hinterlassenschaften des Pudels getreten ist. Um so mehr ist er erstaunt, als der Nachbar ihm ein paar neue Sneakers bringt. Die Edvard sofort anzieht und die er am liebsten anlassen möchte. Doch der Nachbar bietet noch eine andere Überraschung. Doch da will ich nicht zu viel verraten. 
Ein sehr turbulentes Buch mit erstaunlichen Wendungen, das einfach Spaß macht zu lesen. Die Kapitel sind immer mit Datum und Uhrzeit überschrieben und teilweise sehr kurz. Deshalb ist das Buch mit seinen fast 200 Seiten schnell gelesen. Die Charaktere der einzelne Figuren sind sehr vielschichtig und sie werden nicht bewertet, was mir sehr gut gefällt.

Dagmar Mägdefrau

Edvard hat verschiedenste Gründe, nicht mehr in die Schule zu gehen. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, doch seine Stimme ist immer noch zu hoch, die Brust haarlos, und die Aussicht auf Ferien auf einem Bauernhof mit seinen engagierten, vegetarisch essenden Eltern bereitet ihm wenig Freude. In der virtuellen Welt hat er sich als Jason ein alternatives Leben geschaffen, mit einem durchdachten Fake-Profil, das ihn mit Constanze verbindet. Doch sein Nachbar Herr Tannenbaum könnte ihm eine Chance bieten, sich im echten Leben zu beweisen.
Edvard teilt seine Ängste und Sorgen in Blogposts, verbringt viel Zeit online und hat sogar künstliche Intelligenz genutzt, um seinen Fake-Account zu perfektionieren - unteranderem mit künstlicher Intelligenz. Dadurch bekommt die Geschichte natürlich einiges an Aktualität, denn er fälscht mal eben sogar ganze Videos. Dieses Lügennetz, was er da aufbaut, ist aber insgesamt ziemlich lustig und hat selbst ständig Sorge, wie sich das entwickeln soll.  Seine Pubertätsprobleme sind nicht geringer und natürlich ist er ausgerechnet in das beliebteste Mädchen der Klasse verliebt. Da ist uns als Leser*innen die neue Mitschülerin Karli lieber, aber ich finde es ziemlich authentisch, dass Edvard da nicht genauso vernünftig denkt wie wir. Neben Humor und ziemlich vielen Problemen der Pubertät, ist das Thema Engagement gefragt und Edvard kann für die Rettung von Herrn Tannenbaums Haus endlich seine Energie mal richtig einsetzen. 
Auf jeden Fall sehr unterhaltsam und nachvollziehbar, wie Edvard uns seine kleinen und großen Sorgen ganz modern mitteilt. Gäbe es den Blog wirklich, würde ich ihm bestimmt folgen.

Raphaela Brosseron

Vorsicht, frisch geschieden! – Ein Survival-Buch für Trennungskinder

Vorsicht, frisch geschieden! Ein Survival-Buch für Trennungskinder
Frauke Angel
Meike Töpperwien
Klett Kinderbuch
Verlagsempfehlung ab 9 Jahre
Beste 7 im Juli 2023

Kurz vor meiner Goldhochzeit kam das Buch bei mir an und ich war doch erschrocken, wie viel Ehen geschieden werden, aber unter der Überschrift „Echt jetzt? Echt!“ konnte ich an einigen Stellen diese Fakten nachlesen. 

Aber zunächst geht es um das Heiraten, denn das kommt ja vor der Scheidung, obwohl das Buch auch von Kindern berichtet, deren Eltern nicht verheiratet waren, also in der früher „Wilden Ehe“ genannten Verbindung Kinder bekamen und sich dann wieder trennten. Da geht es mit dem Trennen zwar leichter, aber die Kinder leiden genauso unter der Trennung.




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Die Autorin, die zwar selbst zwei Elternscheidungen als Kind erlebt hat, hat sich vom „Club der geschiedenen Leute“, also Kindern aus geschiedenen Ehen, beraten lassen. Diese Kinder kommen im Buch häufig zu Wort und berichten von ihren Erfahrungen.
Daneben geht es aber auch um rechtliche Dinge, die sehr einfach erklärt werden, um die Top 10 der Scheidungsgründe (Wichtig: nie sind die Kinder der Grund!!!) Danach geht es um die unterschiedlichen Betreuungsmodelle, Hilfen für die Beteiligten, um den Kindesunterhalt und das Sorge- und Umgangsrecht. 
Wie und wo wird geschieden? Eine Frage, die dringend einer Antwort bedarf, denn die Erwachsenen sprechen wohl nie darüber. Hier ist sie aber zu finden. Die Gefühle nach der Scheidung sind auch ein wichtiges Thema. 
Tipps für die Eltern und Kinder, die stehen hinten auf Seiten, die man heraustrennen darf. 
Ich glaube, in diesem Buch wurde an alles gedacht. 
Im Nachwort kommt Ava noch mal zu Worte und sie berichtet von der Zusammenarbeit mit der Autorin. Da macht sie genauso ehrlich, wie ich es in den Kindertexten schon bewundert habe. 
Ein Ratgeber, den Kinder, aber auch ihre Eltern lesen sollten und der leicht zu lesen ist. Ein tolle Mischung aus Erfahrungsberichten, Daten, Informationen und Hilfsangeboten. Sehr gelungen!

Dagmar Mägdefrau

Nächte im Tunnel

Nächte im Tunnel
Anna Woltz
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 14 Jahre
Gewinnerin des Gustav-Heinemann-Friedenspreises 2023
Ausgezeichnet mit dem LUCHS-Preis
Leselotse November/Dezember 2022
Dieses Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und ich kann nur sagen, zu Recht! Ein Buch, das zutiefst berührt und bewegt.
Die vierzehnjährige Ella lebt mit ihrer Familie in London, die Mutter hilft anderen Menschen, die alles durch die Luftangriffe der Deutschen Armee verloren haben. Der Vater räumt während und nach den Angriffen auf. Ella und ihr kleiner Bruder Robbie müssen jeden Tag an der U-Bahn-Station anstehen, um dort einen Platz für die Nacht zu sichern. Jay, der sich alleine durchschlafen muss, „verkauft“ gute Plätze in einem Tunnel, dort ist es nicht so laut und eng wie auf dem Bahnsteig.
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Erst als die fünfzehnjährige Quinn auftaucht, die vom Landsitz ihrer Familie geflohen ist, um Verletzen zu helfen, können die vier gemeinsam ihre Nächte im Tunnel verbringen. Sie erfahren einiges von den anderen und geraten einige Male aneinander. 
Das Buch beginnt damit, dass einer der Vier sterben wird und dieses Wissen belastet das Lesen, alle vier wachsen uns Lesenden ans Herz und der Gedanke, dass eines dieser Kinder die Tage, in denen das Buch spielt, nicht überleben wird, macht von Anfang an traurig. Aber trotzdem ist es auch ein Buch das Hoffnung gibt, denn alle stehen am Anfang ihres Lebens und wir erfahren ihre Wünsche und Träume, die hoffentlich wahr werden.
Gerade in diesen Zeiten, in denen wir die Menschen in Kiew ebenfalls in den U-Bahnhöfen sitzen sehen, ist uns die Situation der Menschen in London während des 2. Weltkriegs näher. 
Ein Buch, dass uns aufwühlt und hoffen lässt.

Dagmar Mägdefrau

Der war´s

Der war´s
Juli Zeh
Elisa Hoven
Lena Hesse
Carlsen
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Maries Mama macht immer die ausgefallensten Sandwiches, z.B. mit Auberginen-Couscous-Petersilien-Aufstrich auf Vollkornbrot. Eingepackt wird es in ein Papier mit der Aufschrift „Super essen – super leben!“ Marie ist Klassensprecherin der 6a und scharrt drei Mädchen, genannt die Supergirls, um sich und jeden Abend wird festgelegt, was die vier am nächsten Tag tragen werden. 
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Doch dann ist Maries Sandwich weg, nur das zerrissene Papier liegt auf dem Boden. Torben meint, weil sein Vater Polizist ist, könne er die Ermittlungen aufnehmen und gleich wird Konrad verdächtigt. Er ist noch nicht so lange in der Klasse und außerdem isst er gerne, was man ihm auch ansieht. Konrad hält sich von der Klasse fern und verbringt seine Pausen lieber mit der Beobachtung der Natur. 
Schnell schießen sich alle, nachdem Torben ein „Beweisfoto“ gemacht hat, auf Konrad ein und es kommt sogar zu Handgreiflichkeiten gegen ihn. Doch überraschenderweise melden sich Kinder zu Wort, die sonst wenig sagen, und gemeinsam planen sie eine Gerichtsverhandlung.
Ein Buch, dass mich sofort überzeugt hat, wie schnell sind Urteile gefasst und die vermeintlich Schuldigen werden gemoppt und ausgegrenzt. Die Situation in der Klasse wird sehr lebhaft und glaubwürdig beschrieben. Toll, dass einige den Mut haben, ihre Meinung zu sagen und die Gruppe zu überzeugen, dass Konrad eine faire Be- und Verhandlung verdient hat. Die Kinder informieren sich sehr gut und im Anhang des Buches können das auch die Leserinnen und Leser machen. Eine sehr empfehlenswerte (Schul-) Lektüre!
Die Geschichte wird auf 120 Seiten in 12 Kapiteln erzählt und durch viele sehr schöne, die Situation darstellende Bilder ergänzt.

Dagmar Mägdefrau

In der 6a steht ein Rätsel an: Jemand klaut regelmäßig Maries einzigartige Superbrote. Das sind keine gewöhnlichen Brote, sondern von ihrer Mutter kunstvoll zubereitete Kreationen mit Kürbis, Vollkorn, Dinkel, Tofuwurstbrot und wahlweise 3-5 Superfoods on Top. Marie, als beliebteste Schülerin, Klassensprecherin und Anführerin der Super Girls, sieht sich mit einem delikaten Problem konfrontiert. Klar, dass da alle schnell in den Fall involviert sind. Schnell gerät Konrad, der neue Schüler, ins Visier. Er ist oft allein im Klassenraum und wird verdächtigt, ein leidenschaftlicher Esser zu sein.  Als die Kinder glauben, der Fall wäre klar, geht das Mobbing über die Grenzen des Klassenraums hinaus in die Social Media Welt und selbst Marie kriegt da langsam ein schlechtes Gewissen und fragt sich: Ist das gerecht? 
Mika, der sonst nicht so Lust auf seine Klassenkameraden hat, fragt sich das gleiche und möchte ein geregeltes Verfahren. Die Kinder geben ihr Bestes und bereiten ein durchdachtes Verfahren vor, das uns Lesende in die Feinheiten des Rechtssystems einführt. Dabei lernen wir viel über die Unschuldsvermutung und die Rechte des Angeklagten. Die Ernsthaftigkeit des Verfahrens und die komischen Umstände schließen sich nicht aus, und so fliegt man trotz allem mit einem Schmunzeln durch die Seiten, wobei die bezaubernden Illustrationen von Lena Hesse das Leseerlebnis bereichern. Besonders amüsant sind die subtilen Hinweise auf notwendige Schulreformen, denn die Kinder handeln völlig eigenständig, ohne Hilfe von Lehrkräften. Denn der Vertreter der Vertretung musste in zwei Klassen sein und während das Mobbing im vollen Gang war, erklärten zwei Lehrerinnen dem Referendar Inklusion und Integration. Wirklich schön aufbereitetes Wissen trifft auf eine niedliche Geschichte, die zeigt, dass Kinder die Welt vielleicht doch manchmal besser verstehen als Erwachsene. Am Ende des Buchs werden die Details zum Rechtssystem noch einmal erklärt, für diejenigen, die sich vertieft mit dem Thema auseinandersetzen möchten.

Raphaela Brosseron



Geheim  – Die geheime Drachenschule                     

Geheim Die geheime Drachenschule
Emily Skye
Pascal Nöldner
Pascal Nöldner
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

Das ist der erste Teil der „Drachenschule“ inzwischen gibt es noch einige mehr dieser spannenden Bücher zum Raten. Anhand der Anzahl der Flammen kann man erkennen, wie schwierig die Aufgabe wird, hinten im Buch gibt es noch einige Lösungstipps und wenn es doch zu schwer ist, und ich kann versichern, einige Rätsel sind nicht so einfach zu lösen, kann man im Folgetext die Lösung lesen.




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Arthur isst gerne und hat ein fotografisches Gedächtnis, er weiß deshalb sehr viel. Henry liest lieber Comics, hat aber auch immer wieder gute Einfälle und Lucy, die sehr sportlich ist und sich im Wasser wohlfühlt, hilft oft mit ihren Schlüssen und kann die beiden Jungs, wenn sie aneinandergeraten, zusammenbringen. Die Geschlechterverteilung ist wie so oft wieder 2:1. 
Die Kinder besuchen die geheime Drachenschule „Sieben Feuer“, dort werden sie zu Drachenreitern ausgebildet. 
Eine ehemalige Drachenreiterin bittet sie um Hilfe, bei einem Zwillingspärchen sind dunkele Male auf den Handflächen zu erkennen. Zusammen mit einem Lehrer machen sich die drei auf, das Geheimnis zu erforschen. Sie müssen einige Abenteuer bestehen und natürlich viele Rätsel lösen. 
Ein fantasievolles, spannendes Buch mit einer großen Anzahl an Aufgaben, die sehr unterschiedlich sind und deshalb nicht langweilig werden.

Dagmar Mägdefrau

Der Verwechsling

Der Verwechsling
Kai Lüftner
Emilia Dziubak
arsEdition
Verlagsempfehlung ab 8 Jahre
Auf dem Cover ist eine wunderschöne Winterlandschaft zu sehen, aus der Mitte schaut uns ein kleiner Junge mit wuscheligen Haaren mit großen Augen an. Ein kleines buckeliges Häuschen steht am Ende des Murmelpfades, dort wohnt ein altes Paar - Per und Tove. Sie haben vor einiger Zeit auf dem Weg zu ihrem Haus einen kleinen Jungen gefunden. Da er nicht spricht und es unklar ist, wo er herkommt, haben sie ihn Vilmar genannt. Dieser Junge ist ein ruhiges Kind, das nicht mit anderen Kindern spielt. Vilmar sitzt in seinem Zimmer und schaut alle Bücher an, die er finden kann. Er kann lesen und gibt dabei Geräusche von sich, die manchmal einer Melodie ähneln.
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Nachdem der Junge fünf Jahre bei dem alten Paar wohnte und sie vertraute gemütlichen Tage und Abende verbracht haben, treffen sie auf einen alten schweigsamen Freund, der Vilmar ein Buch schenkt.
Ein altes skandinavisches Märchen, von einem Jungen, der in die Welt der Unterirdischen gehört und der eine Zeit bei den Menschen wohnte, aber wieder in seine Welt heimkehrt. Die Bilder dieses Buches strahlen eine Wärme aus, die tief in das Innere des Lesenden geht. Trotz der Trauer über den Weggang, freut man sich, dass der Kleine wieder Heim findet und er lässt dem alten Paar auch einen schönen Gruß zurück. 

Dagmar Mägdefrau

Dürfen Zwerge Riesenrad fahren? – Große Fragen für kleine Denker

Dürfen Zwerge Riesenrad fahren? Große Fragen für kleine Denker
Moni Port
Philip Waechter
Klett Kinderbuch
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

Lauter lustige Fragen werden in diesem Buch gestellt. Das Cover zeigt die Zwerge, wie sie im Riesenrad sitzen und in die Welt schauen. Auf der ersten Buch-Seite, die sich mit ihrer Frage beschäftigt, haben sie sich für den Kartenkauf zu einem großen Menschen zusammengesetzt.




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Danach sehen wir die Besucher des Weinkellers weinend an den Tischen sitzen. „Darf man im Weinkeller auch mal lachen?“ eine schöne paradoxe Frage, die bei den Kindern ein Grinsen hervorruft. Etwas trauriger stimmt die Frage nach dem Tagebuch für Eintagsfliegen. 
Tanzende Spülmaschinen beim Spülmaschinenfest bedürfen schon einer Erklärung. Denn die Kinder lesen den Aufdruck auf der Brotdose meist nicht. 
Mein Enkel wollte das Buch gleich noch mal lesen, weil ihm die Fragen viel Spaß gemacht haben. Aber ich denke, auch Erwachsene können sich mit diesem Buch amüsieren und vielleicht noch andere Fragen stellen.
Eine Menge Fragen und lustige Bilder dazu gibt es in diesem kleinen humorvollen Büchlein.

Dagmar Mägdefrau

Als Mama einmal unsichtbar war

Als Mama einmal unsichtbar war
Julia Rosenkranz
Nele Palmtag
Klett Kinderbuch
Verlagsempfehlung ab 4 Jahre
Dieses Bilderbuch behandelt ein trauriges Thema mit liebevollem Ernst. Auf dem Cover kann man die Liebe, die Mutter und Kind verbindet, sehr deutlich erkennen. Dieses süße Lächeln zeigt, wir gehören zusammen. 
„Mama ist krank.“ Mit diesem Satz beginnt Mamas Erklärung, sie hat Krebs und es wird lange dauern. Die kleine Hennie erkennt außer der Müdigkeit keine Krankheit an Mama, deshalb ist die Krankheit anders, unsichtbar, aber trotzdem da. Hennie stellt sich eine "Krebs-Maschine“ vor mit Scherenarmen, die alles beschneidet, bis es weg ist. „Krebs macht, dass irgendwie alles verschwindet.“ 
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So verschwinden die Wörter, die Menschen aus der Umgebung wissen nicht, was sie sagen sollen. Hennie glaubt, es ist ein „Wörterstau“ entstanden. Dann geht Mama nicht mehr zur Arbeit und muss zur Chemo. Dann verschwindet Mamas Kraft und sie kann nicht mehr mit Hennie toben. Nach Mamas Appetit verschwinden ihre Haare. Dann verschwindet auch Mama und die Nachbarin holt Hennie von der Kita ab. 
Das Buch erzählt sehr kindgerecht, aus Sicht der kleinen Hennie und doch sehr realistisch, wie der Krebs Mama unsichtbar macht. Trotzdem bleibt das Band zwischen den beiden bestehen, denn „Hennie weiß, dass Mama Mama ist.“ Zum Glück endet das Buch mit Mamas Heilung und die beiden sitzen zusammen auf der Hollywood-Schaukel, Mama mit ganz kurzen Haaren. 
Es ist nicht einfach, wenn der Krebs zu einer Mama mit kleinen Kindern kommt. Dieses Buch kann helfen, einiges besser zu verstehen, denn wir wissen ja, auch die Wörter gehen verloren. Die Illustrationen des Buches sind sehr schön gestaltet und zeigen auch die Mama ohne Haare, die so dem Opa ähnlich sieht. 

Dagmar Mägdefrau 

Eine Familie wie unserer

Eine Familie wie unserer
Frank Murphy
Alive Lee
Kaya Harren
Zuckersüß
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre
Das Cover zeigt einen riesigen Baum, auf dem und vor dem viele Menschen zu sehen sind. Das Titelbild im Buch zeigt ein Elternpaar mit drei Kindern am Esstisch. Auf der Wiese ist eine bunte Mischung der verschiedensten Menschen zu sehen. „Jede Familie ist einzigartig.“ Dieser Satz gefällt mir gut. Die nächste Seite zeigt harmonische Bilder in warmen Farben und dann geht es um verschieden Familienstrukturen. Eine riesige Familie wird fotografiert und die Frage ist „Kennst du eine Familie mit Uroma?“ die ich klar mit ja beantworten kann, meine Enkel haben neunzigjährige Urgroßeltern. 
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Von Ähnlichkeit innerhalb der Familie, aber auch von Adoptivfamilien ist die Rede, eine Regenbogenfamilie wird gezeigt und dann geht es um Familien, die man sich aussucht. Das finde ich verwirrend, denn das sind für mich Freunde. Familie bedeutet für mich verwandt zu sein, wenn auch nur rechtlich. „Wir wachsen in unsere Persönlichkeit hinein.“ ist auch eine sehr schöne Vorstellung. „Denn zusammen sind wir sicher.“ - darauf ist leider nicht immer Verlass. 
Im Nachwort richtet der Autor noch einmal sein Wort an uns und fordert auf, sich von älteren Verwandten Geschichten erzählen zu lassen. Es gibt ja dazu vorgefertigte Bücher, die wir Großeltern für unsere Enkelkinder ausfüllen können.
Ein wundervolles Buch über den Wert unserer Familie, die Illustrationen sind sehr ansprechend und warm gezeichnet. Die Personen sind sehr vielfältig gestaltet und bilden unsere bunte Gesellschaft ab.

Dagmar Mägdefrau

Verborgen – Was man nur mit dem Herzen sieht

Verborgen Was man nur mit dem Herzen sieht
Cori Doerrfeld
Zuckersüß
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

Der Untertitel lässt mich sofort an den kleinen Prinzen denken: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar."
Der kleine Finn ist bedrückt und versteckt sich unter einer bunten Decke. Er meint Opa kann ihn nicht verstehen und will nicht über sein Problem reden. Opa möchte mit Finn spazieren gehen und in der Natur gibt es vieles, auf das Opa ihn aufmerksam macht. Die Bäume, von denen wir nur das sehen, was oben wächst, das, was unter der Erde geschieht, bleibt verborgen. Das Gewässer, auf dem das Boot schwimmt, wirkt regungslos, doch im Wasser ist eine Menge los. 
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Ein brütender Vogel, ein grabender Fuchs und Tiere in einem hohlen Baumstamm, vieles ist nicht immer sofort sichtbar. So können wir auf einem Bild im Bauch einer jungen Frau ein Baby sehen. Finn erfährt, dass es auch hier Verborgenes gibt. Finn hat im Laufe des Spaziergangs seine Decke immer mehr gelüftet, inzwischen sehen wir seinen lockigen Haarschopf. Opa sagt zu seinem Enkel: „Manchmal verbirgt sich hinter einem Menschen, der etwas nicht zu verstehen scheint, jemand der genau weiß, wie du dich fühlst.“ Und wir sehen bei beiden ein gebrochenes Herz. 
Und herzerwärmend ist diese schöne Opa-Enkel-Geschichte. Oft denken wir, dass andere unsere Situation nicht versehen können, aber leider wiederholt sich so vieles in unseren Leben, da gibt es oft dieselben Erfahrungen. Neben den kurzen Texten tragen die schönen Illustrationen zum Verstehen der Geschichte bei.

Dagmar Mägdefrau

Ich bin zart ich bin stark – Ein Handbuch für mehr Sensibilität und Feingefühl

Ich bin zart ich bin stark Ein Handbuch für mehr Sensibilität und Feingefühl
Jess Sanders
Jorge Garcia Redondo
Zuckersüß
Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

Das Kind auf dem Cover hat einen Schmetterling auf seinem Finger sitzen, ein Zeichen dafür, dass es Zartheit vermittelt. Mit der Frage „Wusstest du, dass du eine einzigartige Zartheit in deinem Herzen trägst?“ beginnt das Buch und um diese Zartheit geht es. 
Zartheit bedeutet, dass man weinen darf und sich anderen anvertraut, dass man inmitten des Lärms leise und ruhig dasitzen kann, aber auch die Natur und ihre Schönheit zu bestaunen oder mit seiner Kreativität anders zu erfreuen. 
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Leider wird diese Zartheit nicht immer anerkannt und verstanden und man hält sie für Schwäche. Dieses Buch rät, stolz auf seine Zartheit zu sein und sie zu pflegen. 
„Deine Zartheit ist deine größte Stärke und dein schönstes Geschenk.“
Ich muss zugeben, dass ich etwas Schwierigkeiten mit dem Begriff Zartheit habe. Aber meine kleine Enkelin lässt sich das Buch gerne vorlesen und ich hoffe, dass es sie in ihren Gefühlen stärkt. Denn es ist sicher schön, wenn die Kinder ihre Sensibilität bewahren und anderen damit Freude machen.

Dagmar Mägdefrau

Unheimlich, unheimlich – Urlaubschaos mit Ruby Black

Unheimlich, unheimlich - Urlaubschaos mit Ruby Black
Cally Stronk
Constanze von Kitzing
DTV
Unheimlich, unheimlich
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Unheimlich, unheimlich ist der vierte Band der Ruby Black-Reihe, jedoch stört es nicht, wenn man die anderen nicht gelesen hat: Die elfjährige Ruby ist als Ich-Erzählerin so mitteilsam, dass man bereits nach ein paar Seiten einen guten Eindruck von ihr und ihrem chaotischen Leben bekommt. 



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Ruby kennt die Welt außerhalb des Friedhofs kaum, und obwohl sie gerne mal in den Urlaub fahren würde, möchte sie keinesfalls den Geburtstag ihres Freundes Ben verpassen. Doch ausgerechnet an diesem Tag plant ihre Familie ihren ersten gemeinsamen Ausflug. Es gibt jedoch einen Haken: Sie fahren zu einer Sargmesse, bei der Ruby ihren Eltern bei der Vermarktung von Särgen helfen soll. Doch Ruby wäre nicht Ruby, wenn sie nicht bereits wilde Pläne und noch wildere Wege gefunden hätte, um ihren eigenen Willen durchzusetzen. Besonders, weil das Hotel, in dem sie übernachten, selbst für sie ziemlich gruselig ist.
Nicht nur die Bilder neben dem Text sind lebendig illustriert, auch die geschriebenen Wörter, wodurch sie leicht lesbar werden und wirklich alle Emotionen unterstrichen. 
Mit Hashtags und mehr oder weniger modernen Abkürzungen soll es jugendlich gehalten werden - wie authentisch das ist, könnten vielleicht Elfjährige besser beurteilen, aber mir war es persönlich manchmal zu viel.
Schade fand ich auch, dass so etwas wie Social Media und Influencer sehr überspitzt und herablassend dargestellt wurden. Schließlich handelt es sich um Themen, die tatsächlich das Interesse von Jugendlichen wecken, und in dieser Hinsicht scheint die Perspektive irgendwie veraltet und belehrend zu sein, obwohl Ruby die Geschichte eigentlich aus der Ich-Perspektive erzählt.
Insgesamt bleibt die Geschichte auf eine amüsante Weise chaotisch, und die Illustrationen ergänzen den Text auf ansprechende Weise.

Raphaela Brosseron

Auch der vierte Band über Ruby Black zeichnet ein besonderer Humor aus. Ruby wird in der Schule gemobbt und von ihrem erfolgreichen Bruder gequält, Urlaub findet normalerweise im Zelt auf dem Friedhof statt und irgendwie schafft Ruby es immer wieder ins Fettnäpfchen zu treten. 
Doch es gibt auch positives zu entdecken, Ruby hat mit Selma eine Freundin gefunden und jetzt kommt der Knaller: Ben ist ihr Freund. 
Aber natürlich gibt es wieder Schwierigkeiten, denn die Familie fährt Richtung Ostsee in die Ferien, dabei hat Ruby Ben versprochen mit ihm seinen Geburtstag zu feiern. Als dann das Hotel eine Bruchbude ist und Papa Rubys Hilfe auf der Sterbo 3000 einer Beerdigungsmesse erwartet, sucht Ruby nach einer Lösung.
Viele werden sich in Ruby wiederfinden, wenn ihr Leben auch etwas überzeichnet dargestellt wird, aber Ruby macht Hoffnung, dass am Ende alles gut wird und sie stärker ist, als sie oft denkt.

Dagmar Mägdefrau 



Das Geheimnis von Darkmoor Hall – Das Amulett der Winde

Das Geheimnis von Darkmoor Hall Das Amulett der Winde
Nina Scheweling
Rotfuchs
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Das aufregende Abenteuer von Kate, Gus und Billy geht weiter, und wir werden endlich herausfinden, ob sie das jahrhundertealte Rätsel der Familie Greenville knacken können.
Selbst wer den ersten Teil der Geschichte nicht kennt, wird leicht in die Geschichte der Freunde eintauchen können, ohne dass zu viel von dem, was bereits passiert ist, wiederholt wird.
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Wer dachte, dass die drei sich im ersten Teil in Lebensgefahr begeben, wird sehen: Eingeschüchtert sind sie dadurch nicht. Es scheint fast, als hätten sie noch größere Herausforderungen zu bewältigen. Billys Familie hat Geldsorgen, Kates Eltern streiten sich, und Gus hat immer noch nur seine gemeine Tante, nachdem er seine Eltern verloren hat. Dank den Briefen des Rätselverfassers, der auch Gus' Urgroßvater ist, erfahren wir, dass auch er als Jugendlicher vor schwierigen Entscheidungen stand und warum er sich damals gegen seine Familie gestellt hat.
Die drei Freunde müssen sich auch fragen, was so ein Schatz eigentlich bedeutet und wie sie ihre anderen Probleme bewältigen können. Neben der spannenden Suche nach dem mysteriösen Amulett machen sie viele weitere Erfahrungen, die ihre Freundschaft noch enger und stärker machen. „Sie waren alle drei so unterschiedlich, kannten sich erst seit ein paar Wochen, und dennoch sind sie zu engen Freunden geworden."
Neben der Suche nach dem Amulett machen sie also viele weitere Erfahrungen, die sie noch enger zusammenbringen. “Sie waren alle drei so verschieden, kannten sich erst seit ein paar Wochen und doch waren sie zu Freunden geworden.” 
Die Fortsetzung der Geschichte von Kate, Gus und Billy enttäuscht nicht. Eine fesselnde Lektüre für Kinder und Jugendliche, die Abenteuer und Freundschaft lieben. Die Illustrationen sind erneut hervorragend und fangen die Stimmung des Buches perfekt ein.

Raphaela Brosseron

Das Geheimnis von Darkmoor Hall

Das Geheimnis von Darkmoor Hall
Nina Scheweling
Rotfuchs
Das Geheimnis von Darkmoor Hall
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Das Buchcover zeigt ein imposantes Anwesen, das eher unheimlich wirkt und das man vielleicht lieber nicht alleine betreten möchte, möglicherweise nicht einmal bei Tageslicht. So ein Anwesen befindet sich in der südenglischen Stadt Darkmoor-on-sea, ein Ort mit einem Namen, der bereits auf gruselige Abenteuer hindeutet.
Zu Beginn erscheint für Kate alles in diesem Ort einfach nur alt und langweilig. Doch dann findet sie einen Grund, Gustav Greenville zu besuchen, den verwaisten Neffen der gefürchteten Lady Greenville, der in dem beängstigenden Anwesen Darkmoor Hall lebt. Zusammen mit dem Dorfjungen Billy stürzen sich Gus und Kate in eine aufregende Schatzsuche. Denn nicht nur das Anwesen selbst ist mysteriös und geheimnisvoll: Gustavs Erbstück von seinem Urgroßvater enthält Rätsel und verspricht einen wertvollen Schatz, von dem sich alle Beteiligten aus unterschiedlichen Gründen viel erhoffen.
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Von Anfang an konnte ich mich in die neblige und geheimnisvolle Umgebung hineinversetzen. Die Autorin hat das südenglische Dorf und seine Atmosphäre mit ihrer packenden Erzählweise auf meine heimelige Couch gebracht. Obwohl ich Kates anfängliche Langeweile verstehen kann, hätte ich gerne mit ihr getauscht. Als Kind wäre es mein Traum gewesen, ein solches Rätsel in dieser Umgebung präsentiert zu bekommen, auch wenn ich wahrscheinlich viel länger gebraucht hätte, um es zu lösen. Mir gefiel auch, wie die Freunde zufällig zusammentreffen, da sie alle individuelle und authentische Probleme haben, die der Geschichte eine besondere Einzigartigkeit verleihen.
Während ihrer selbstgewählten Mission werden die fünf Freunde tatsächlich mit gefährlichen Situationen konfrontiert, und ich war froh, aus der Ferne mitzufiebern. Dennoch hatte ich ein aufregendes und abenteuerliches Leseerlebnis, das perfekt in den Oktober passt. Ich würde die Geschichte jedoch auch zu jeder anderen Jahreszeit empfehlen.

Raphaela Brosseron

Adam und die Jagd nach der zerbrochenen Zeit

Adam und die Jagd nach der zerbrochenen Zeit
G.Z. Schmidt
Hanser
Verlagsempfehlung ab 10 Jahre
Der zwölfjährige Adam wohnt seit dem Unfalltod seiner Eltern bei seinem Onkel Henry in New York. Die beiden leben von ihrer kleinen Bäckerei „Biscuit Basket“, denn der Onkel kann wundervolle Sachen backen. Leider gibt es viel Konkurrenz und manchmal ist es nicht einfach, die Miete zusammen zu bekommen. Trotzdem geht Adam jeden Abend ins „Loch“, so nennen sie das Obdachlosenheim und bringt die Reste dort hin.
Im ersten Kapitel erscheint eine Gestalt, die Adam auf eine Schneekugel aufmerksam macht. Mit dieser Schneekugel gelingt es ihm, in die Vergangenheit zu reisen. Allerdings kann er sie nicht beeinflussen und weiß deshalb nicht, wie und wann er ankommen wird. Auf diese Weise lernt er, der keine Freunde hat, neue Kinder kennen. 
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Parallel zu Adams Geschichte erfahren wir einiges über Elbert, der Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts sein Glück als Zauberer versuchte, doch erst die Bekanntschaft mit einem Uhrmacher machte ihn zum Star. 
Das Buch ist voller Magie und unerwarteten Wendungen, doch es gibt auch viel Böses, so wurde Elbert schon früh von einem Fabrikbesitzer betrogen und auch im Jetzt versucht jemand, die Schneekugel an sich zu bringen.
Die Geschichte liest sich so spannend, dass man das Buch schnell auslesen möchte. Das Thema Zeitreise wird dabei auch aus wissenschaftlicher Sicht angesprochen und auch das ist gut verständlich.

Dagmar Mägdefrau

Adam lebt im Jahr 1999 als zwölfjähriger Junge in New York. Nachdem seine Eltern vor einigen Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen sind, lebt er nun bei seinem Onkel Henry, der eine Bäckerei betreibt. Eines Tages taucht ein älterer Mann in der Bäckerei auf und prophezeit Adam, dass ihm noch große Abenteuer bevorstehen. Nach einigen Zeitsprüngen stellt sich heraus, dass der Mann Recht hatte. 
Adam reist mit einer Schneekugel durch die Zeit, jedoch ohne die Kontrolle darüber zu haben, wann oder wie dies geschieht. Dennoch ergibt alles einen Sinn, als er das Geheimnis der Schneekugel, des Pendels und einer alten Spielschachtel entdeckt, von der behauptet wird, sie würde Musik spielen, wenn jemand stirbt.
Wie Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammenhängen, was ein großes Unglück in einer Kerzenfabrik 1967 damit zu tun hat und warum es in jeder Zeit einen hinterhältigen Robert Baron gibt, möchte ich nicht vorwegnehmen. Ich kann aber versprechen, dass die Verknüpfung klug und spannend erzählt wird. 
Zeitreisen werden sehr logisch in ihrer Wirkung aufgearbeitet, trotzdem bleibt es eine kindgerechte Geschichte. Ich würde den Roman jedem Kind (und vermutlich auch Erwachsenen) geben, der fragt: Was passiert eigentlich, wenn man doch durch die Zeit reisen kann? Meine Antwort wird ab jetzt, ähnlich wie Victors in der Geschichte, ab jetzt immer was mit Permutation und Orangenschalen beinhalten.
Eine wirklich ehrliche, kluge und spannende Geschichte zum Thema Zeitreisen und Magie und über Freundschaft, die durch alle Zeit geht.

Raphaela Brosseron