• Dann bin ich eben weg – Geschichte einer Magersucht

    Dann bin ich eben weg – Geschichte einer Magersucht

    Christine Fehér

    cbt Taschenbuchverlag

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Die 14-jährige Sina hat es verständlicherweise in diesem Alter nicht leicht mit ihrer Mutter und ihrem 12-jährigen Bruder. Leicht findet sie jedoch auch nicht ihren Körper, der anderen nicht dick erscheint, aber plötzlich nicht mehr hineinpasst in eine ihrer Lieblingsjeans – ein Geschenk ihrer Freundin Mellis! Als sie dann auch noch Tage später die Butter aus einem üppig belegten Käsebrötchen ihrer Mutter hervorquellen sieht, überkommt sie der totale Ekel!

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    Durch Zufall liest sie den Zeitschrift-Artikel  „In 21 Tagen zur Traumfigur!“  – genau, das ist es: sie muß abnehmen – dann ist sie nicht nur die Musterschülerin mit den bisher besten Noten, sondern auch noch schlank, begehrenswert und beliebter!!

    Durch die Einleitung der einzelnen Kapitel mit ihrem derzeitigem Gewicht und einer rezeptartig detaillierten Auflistung der Speisen und Getränke des jeweiligen Tages wird deutlich, wie Sina schleichend immer weiter hinein gerät in die Erkrankung Magersucht. In ihr wüten teilweise ungeheurer Hunger und Widerwillen gegen alles Essbare und Essensgerüche. Sie läßt Nahrung, die ihre Mutter ihr fürsorglich behutsam zum Abendbrot reicht, z.B. im Ärmel ihres Nachthemds verschwinden, um es später im Badezimmer zu vernichten.

    Hier einige Beispiel ihres körperlichen Befindens:
    bei einem Familienbesuch:  „In meinen Ohren beginnt es zu summen und mein Kopf fühlt sich an wie Watte. Ich spüre den Boden unter meinen Füßen nicht mehr und stehe trotzdem wie angewurzelt da.“

    Beim Besuch einer Freundin: „ Vor meinen Augen tanzen Sterne, während ich die letzten Stufen zu ihr hochsteige. Warum müssen die auch im dritten Stock wohnen?“

    Im Verlauf der Geschichte verändert sich Sina nicht nur körperlich, sondern auch ihr Verhalten, ihre Gefühle, ihre Freundschaften und ihre Vorlieben verändern sich, z.B. durchlebt sie einen starken Leistungsabfall in der Schule, wogegen Schwimmen ganz extrem an erster Stelle ihrer Freizeitbeschäftigungen steht – ganz klar: hierbei kann sie immer zusätzlich noch immer mehr abnehmen! Als sie eines Tages im Schwimmbad zusammenbricht wird deutlich, dass auch Familie und Freunde mit ihren Hilfsangeboten nichts verändern konnten. Durch fachliche Hilfe kann Sina aus der Tiefe ihres Lebens allmählich wieder an die Oberfläche gelangen.

    Eine zum Teil verstörende Geschichte über die Gefahr der Magersucht und über die enorme Kraftanstrengung, die benötigt wird. Um den Fängen der Sucht zu entkommen. Doch wie Sina auch am Ende des Buches merkt: Der Kampf dagegen hört nie auf! Nicht nur gefährdeten jungen Menschen kann man dieses Buch empfehlen; auch ihr Umfeld sollte es lesen, da es zeigt, wie man nach Möglichkeit nicht mit Magersüchtigen umgehen sollte!

    Im Anhang sind einige Adressen von Beratungsstellen aufgelistet.

    Annette Heine

  • Schlaft gut ihr fiesen Gedanken

    Schlaft gut ihr fiesen Gedanken

    John Green

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    In „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ aus dem Hanser Verlag geht es um das 16-jährige Mädchen Aza, das neben den normalen Schwierigkeiten der Pubertät mit seinen Zwangsgedanken zu kämpfen hat und in einer Art Parallelwelt lebt.

    John Green beschäftigt sich immer mit Themen, die anderen unangenehm sind. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ rund um die beiden krebskranken Jugendlichen Hazel und Gus hat mir beispielsweise mehr als einen Kloß im Hals verpasst.

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    Und auch Azas Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind authentisch und einfühlsam in die Geschichte eingewoben, in der es auch um Freundschaft, zaghafte Liebe und einen verschwundenen Millionär geht. Beklemmend und so nachvollziehbar beschreibt Green die Gedankenwelt und die Ängste des Mädchens vor Bakterien und tödlichen Krankheiten, dass man als Leser plötzlich selbst meint, einen bepflasterten Mittelfinger mit pochender Wunde darunter zu spüren.

    Trotzdem war ich nicht sofort gefesselt. Ich hatte bestimmt schon hundert der zweihundert Seiten gelesen, bis es mich so richtig packte. Im zweiten Teil steht Azas Mädchenfreundschaft zur Fan-Fiction-Autorin Daisy mit dem Star-Wars-Fimmel und die zarte Beziehung zu Davis im Fokus. Aza reflektiert ihr Verhalten, erkennt langsam ihr Problem und weiß immer mehr, dass sie etwas ändern muss.

    Ich habe den Roman gern gelesen und finde auch hier Greens Fähigkeit, das „Innenleben“ eines Mädchens so behutsam und echt in Worte zu fassen unglaublich. Das Buch ist gut komponiert, die Sprache wie immer besonders und wunderbar. Trotzdem hat das Buch mich leider nicht vom Hocker gehauen.

    Katia Simon