• Biografie einer Fliege  

    Biografie einer Fliege  

    Jaap Robben

    Paul Faassen

    Aus dem Niederländischen von Birgit Erdmann

    Mixtvision

    Ohne Altersangabe

    Ein kleines leinengebundenes Büchlein mit goldenen Buchstaben und einem kleinen Bild von einer Fliege, die sich mit zwei Beinen am Kopf kratzt, erzählt von dem 23tägigen Leben einer männlichen Fliege. Zwischen zwei Laternen fliegt ein Vogel, von dem wir später erfahren, dass es sich um einen Bussard handelt. Aber zunächst geht es zu dem Hundehaufen, auf dem das Ei gelegt wurde.

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    Von den Eltern erfahren wir, dass der Vater durch eine zusammengerollte Zeitung starb. Die Mutter wird unser Fliege zwar treffen, aber nicht erkennen. Am dritten Tag fliegt die fertige Fliege aus der Larve und im Buch sehen wir ein zweiseitiges Portrait des Tieres. Am fünften Tag stürzt sich die Fliege ins Bussardauge und damit beginnt so etwas wie eine Freundschaft, denn die beiden tauschen sich über die Dinge des Lebens aus.

    Die Farben, in denen das Buch gedruckt wurde, beschränken sich auf blau und schwarz und damit wird die Erzählung aufs Deutlichste ergänzt.

    Ich empfinde das Buch als kleines Meisterwerk. Es hat Tiefe und Humor, schöne Illustrationen und es zeigt, dass eine lebenslange Freundschaft auch nur 23 Tage andauern kann.

    Dagmar Mägdefrau

  • Eine Schachtel voll Geheimnis   

    Eine Schachtel voll Geheimnis   

    Dita Zipfel

    Bea Davies

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

    Auf dem Cover sehen wir die beiden Geschwister sitzen, der größere hält die rote Schachtel mit dem Geheimnis in der Hand. Mir gefallen die Farben sehr gut und wie der Kleine seine Hand vertrauensvoll auf den Arm des Bruders legt.

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    Im Vorwort, das sich an die Vorlesenden wendet, wird darauf hingewiesen, dass es eine bewegliche Sprache vorzulesen gilt, denn in den Sprechblasen sind Sätze wie „Sollich ma mein größtes Geheimnis der Welt zeigen?“ zu lesen.Ich fand das Vorlesen schön, denn meiste sprechen wir so.

    Während die Kinder ihr Müsli essen, schmiert Mama Brote und Papa hat den Espressokocher in der Hand. Wir sehen die Kinder tuscheln ohne, dass wir was hören und die Eltern Frühstücken etwas bedrückt. Dann dürfen wir zusammen mit dem kleinen Bruder in die Streichholzschachtel schauen. Unter einer Decke wird versprochen das Geheimnis nicht zu verraten und während der Vater abwäscht, packt die Mutter das Essen ein. Schon sausen die Kinder die Treppe hinunter und es geht ab ins Auto. Die Eltern packen viele leeres Kartons in den Kombi. Hinten sitzen die beiden in ihren Kindersitzen und sprechen über geheimes. Ankunft in einem alten Haus, der Vater nimmt die Mutter liebevoll in den Arm, neben der Tür steht ein Rollator. Währen die Eltern aussortieren durchsuchen die Kinder die aussortierten Sachen.

    Zunächst muss ich meine Begeisterung über die stimmungsvollen Zeichnungen mitteilen. Sie wirken ein wenig skandinavisch und gehen direkt zu Herzen. Die Kinder führen ein Gespräch über den Tod, der sich augenscheinlich auf die tote Biene, die sie begraben bezieht. Aber beim Betrachten der Bilder wird klar, dass es um den Tod des Oma geht. Am Ende sitzen alle vier zusammen auf der Couch und die Wärme, die dieses Bild ausstrahlt, tröstet mich sehr.

    Wenig Text in Sprechblasen, Bilder, die viel sagen, hier ist ein wunderbares Buch entstanden.

    Dagmar Mägdefrau

  • Das große Fehlen

    Das große Fehlen

    Azam Mahdavi

    Maryam Tahmasbi

    Aus dem Persischen von Mehrdad Zaeri

    Fischer Sauerländer

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Vorneweg geht die Katze, dann kommt das Mädchen und als letztes sehen wir das „große Fehlen“, denn das Mädchen hat ihre Mama verloren. Im Haus hängt eine Foto, wo sie gemeinsam Blumen eingepflanzt haben. „Dann starb Mama – und an ihre Stelle trat das große Fehlen.“ So liegt sie ganz eng an der Wand im Bett und dick daneben dieser Geist, der nun ihr einziger Freund ist.
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    Denn er sitzt bei Frühstück zwischen ihr und Papa. Immer ist das große Fehlen dabei, sogar wenn sie mit Papa auf den Jahrmarkt geht. Doch dann fängt die Blume, die sie mit der Mama gepflanzt hat, an zu blühen und sie schenkt dem großen Fehlen eine Blüte. Zusammen retten sie eine kleine Katze, die ihre Freundin wurde.

    Die Illustrationen sind zunächst in dunklen Erdtönen gehalten und sie werden erst mit dem Erblühen der Blume farbiger. Die anfängliche Distanz zum Papa wird auch immer geringer und am Schluss sitzen die beiden am Tisch nebeneinander und das große Fehlen hat am Tischende seinen Platz. Außerdem wirkt es durch die Blühten etwas freundlicher. Danach gibt es auch ein Foto, auf dem das Kind zusammen mit dem Papa etwas pflanzt, im Hintergrund mit Schaufel das große Fehlen und natürlich ist auch die Katze dabei.

    Fehlen wird Mama immer, aber das große Fehlen gehört zum Alltag und nimmt ihn nicht mehr ganz ein. Das Mädchen hat es geschafft ihre Trauer zu durchleben und kann jetzt wieder fröhlich sein.

    Dagmar Mägdefrau

  • Wind in meinem Kopftuch

    Wind in meinem Kopftuch

    Roya Soraya

    Carlsen Comic

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Das Titelbild zeigt Roya mit einem lila Kopftuch neben vielen streng blickenden anderen Frauen mit dunklen Kopftüchern.
    Das Buch beginnt damit, dass die junge Frau, die inzwischen ihre Haare kurz trägt, die Wohnung ihres verstorbenen Vaters ausräumt. Die Fotos, die sie dort findet, erinnern sie an Treffen mit ihrer iranischen Familie.
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    Leider kann Roya nur ihre Muttersprache, die Sprache ihres Vater hat sie leider nie gelernt, was sie jetzt als Erwachsene bereut und auch später versucht nachzuholen. Besonders mit ihrer verstorbenen Oma verbindet sie mehr als Sprache. Als Roya mit ihrer Freundin über ihren Wunsch spricht das Land ihres Vaters zu besuchen und nach ihren Wurzeln zu forschen, rät die ihr, zu reisen. So macht sich Roya zusammen mit ihrem Vater auf den Weg in den Iran. Zunächst muss sie Kleidung finden, die dem Dresscode entspricht. Allerdings fällt die dann doch zu bunt aus. Als die lesbische Roya erfährt, dass im Iran auf Homosexualität die Todesstrafe steht, ersetzt sie sofort ihr Handy durch ein neues Model. 
    Diese Graphic Novel zeigt mit ihren sehr realistischen Zeichnungen auch Royas Träume und Ängste sehr genau. Auch die Unsicherheit und die Angst in einem Land in dem Frauen wegen des falschen Tragens eines Kopftuch betraft werden, zeigt sich in den Illustrationen sehr klar.
    Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, weil es mich sehr berührt hat. Ich kann mir vorstellen, dass das Aufwachsen in Deutschland für Kinder, deren einer Elternteil aus ihrer Heimat geflohen ist, nicht einfach ist. Da ist der Begriff Heimat anders zu bewerten. Mir gefällt, dass Roya sich traut in diese Diktatur zu reisen und dass sie versucht die damit verbunden Gefahren so gut wie nur möglich zu umgehen. Umso schöner ist die Szene, als sie endlich den Wind in ihr Kopftuch wehen lässt.
    Hier wird das Kopftuch als Zeichen der Unterdrückung und Unfreiheit gesehen und Roya möchte es hier in Deutschland nicht tragen. Die Religion spielt in dieser Geschichte keine Rolle, es geht nur um den Zwang zum Tragen des Kopftuches in einem totalitären Regime.

    Dagmar Mägdefrau


  • …und mir bleibt der hässliche Hund

    …und mir bleibt der hässliche Hund

    Franziska Hörner

    Thienemann

    Verlagsempfehlung ab 13 Jahre

    Auf der Rückreise vom Osterurlaub verunglücken die Eltern und die kleine Schwester von Felix. Alles, was ihm bleibt, ist Bolt – der hässliche, aber von seiner Schwester über alles geliebte Hund, mit dem er sich zuvor nie beschäftigt hat.

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    Das Buch nimmt uns auf sehr einfühlsame Weise mit auf den langen Weg, den Felix gehen muss, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und ein „neues Ich“ aufzubauen. Es erzählt von dem Sommer, in dem er in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf Mo trifft und sich in Marie verliebt. Gleichzeitig geht es um die Versuche von Felix und Mo, sich eigenständig ihren Ängsten zu stellen. Doch die sogenannten Challenges, an denen nur Marie beteiligt ist, überfordern die beiden teilweise stark.

    Ich muss sagen, dass mich dieses Buch sehr beeindruckt hat. Franziska Hörner beschreibt auf eine intensive und einfühlsame Weise die Trauer und den Verlust, den Felix erlitten hat, sowie die daraus entstandene Depression. Sie versucht, „in Worte zu fassen, wie es sich anfühlt, was es mit einem macht, wenn man einen solchen Verlust erlitten hat. Unser Wortschatz reicht dafür nicht aus.“ Diese Gedanken haben mich sehr berührt, und ich konnte mich gut in Felix – und sogar in Bolt – hineinversetzen. Besonders interessant fand ich zudem die Darstellung, wie sensibel Hunde auf die Stimmungen ihrer Besitzer reagieren und diese spiegeln können. So kommt der entscheidende Anstoß für Felix’ Besuch in der psychiatrischen Praxis letztlich aus einer Diagnose der Tierärztin: „Ihr Hund hat Depressionen.“

    Zum Glück zeigt Franziska Hörner aber auch, wie ein möglicher Weg zurück in ein „normales, altes“ Leben aussehen kann. Mit der Hilfe von Menschen, die neu in sein Leben treten und eine Art Ersatzfamilie bilden, findet Felix nach und nach wieder Anschluss.

    Ich kann dieses Buch jedem sehr ans Herz legen, der verstehen möchte, was Verlust und Trauer mit einem Menschen machen können – nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen.

    Beate Böhm
  • Du bist immer bei mir

    Du bist immer bei mir

    Laura Romanazzi

    Kate Herbert

    Aus dem Englischen von Bettina Obrecht

    Knesebeck

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Auf dem Cover sehe ich ein Tier, das ich nicht genau zuordnen kann, aber hinten auf dem Buch wird mir gesagt, dass es ein kleiner Otter ist. Auf seiner Hand sitzt eine Libelle. Die sehen wir sehr groß auf der ersten Doppelseite. „Du hast mich zum Lachen gebracht und mir immer Süßigkeiten geschenkt.“ meint der Otter.
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    Aber dann ist sie nicht mehr da und alle Otter trauern. Aber der kleine Otter kann das und die Erklärungen nicht verstehen, seine Trauer wird immer größer und er vermisst die Libelle. Doch dann hört er unter einer Tanne sitzend den vermissten Freund in der Natur „Du bist die Ruhe, die ich in mir spüre, wenn ich aufgeregt bin.“  Und er versteht, was die Großen gemeint haben und fühlt sich getröstet.
    Ich muss zugeben, dass mich dieses Bilderbuch weder mit den Illustrationen noch mit der Handlung überzeugt. Warum ist der Freund eine Libelle, wenn die Süßigkeiten verschenkt und in einem Sessel sitzt? Der kleine Otter trägt einen gelben Umhang mit Kapuze, auch die andern Otter sind im Gegensatz zur Libelle bekleidet. Warum bei dem Otter dann plötzlich die Erkenntnis aufkommt, z.B. im Regenbogen den Vermissten zu erkennen, wird nicht erklärt.

    Dagmar Mägdefrau

  • Wenn die Trauer zu dir kommt

    Wenn die Trauer zu dir kommt

    Roland Kachler

    Friederike Ablang

    Gabriel

    Verlagsempfehlung ab 7 Jahre

    In diesem Buch, dessen Cover zwei Kinder zeigt, eines, das traurig ist und eines, dass tröstet, werden konkrete Trauerfälle beschrieben. - Da Roland Kachler Theologe ist, meist aus der Sicht des christlichen Glaubens, obwohl es auch Informationen zu anderen Religionen gibt.
    Im Vorwort wird der Lesende direkt angesprochen und Hilfe in der Zeit der Trauer angeboten, mit dem Ziel auch wieder fröhlich sein zu können.
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    Mia fragt ihre Oma, wie der Opa verstorben ist, der Oma fällt es nicht zunächst nicht leicht, darüber zu sprechen und sie benutzt das Wort „Abschied“. Neben der kleinen Geschichte, die mit einigen Bildern ausgeschmückt wird, gibt einen blau unterlegten Text, der sachlich über die Trauer informiert. Unter der Überschrift „Was wir bei Abschieden machen“ gibt es viele Punkte zu dem Thema und die Kinder werden aufgefordert, noch über Weitere nachzudenken. Mateo erfährt, dass sein Opa schwer erkrankt ist und dass mit seinem Tod zu rechnen ist. Er geht mit den Eltern ins Krankenhaus, um sich zu verabschieden. Hier gibt es viele blauunterlegte Text zum Tod und zur Beerdigung. Eine Todesanzeige wird abgebildet und die unterschiedlichen Bestattungsarten werden erklärt. Danach gehen wir mit Luisa, die ihre Tante verloren hat, auf den Friedhof. Benni und Sofie müssen erfahren, dass ihr Vater einen Herzinfarkt hatte. Maxis Bruder ist mit dem Roller tödlich verunglückt und auch nach 6 Monaten trauert sie noch sehr. 
    Mir gefällt sehr gut, dass es sowohl eine Zeit für die Trauer gibt als auch für Fröhlichkeit, man darf wieder lachen. Denn oft schafft man es nur schwer, die Trauer wieder abzulegen: Sei es, weil ein anderes Familienmitglied auch traurig ist oder weil man glaubt, den Tod verschuldet zu haben wie Maxi. Es gibt viele Sachinformationen, aber auch Gedanken darüber, was mit der Verstorbenen oder dem Verstorben geschieht. Nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit der Seele.
    Das Buch ist gut strukturiert und beschreibt sehr traurige Situationen, die Bilder sind einfach gehalten. Das Kind sollte das Buch immer nur in Begleitung lesen.

    Dagmar Mägdefrau

  • Inseltage mit Rosa

    Inseltage mit Rosa

    Mareike Krügel

    Anja Schilling

    Beltz & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 9 Jahre

    Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2026, Nominiert für den deutsch-französischen Jugendliteraturpreis 2026

    Empfehlungsliste The White Ravens 2025 (Internationale Jugendbibliothek)

    Liebe-Buchtipp des Monats November 2025, Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk), August 2025

    Auf dem Cover sehen wir Lila mit ihrer Freundin Rosa auf einem Stein am Meer. Die beiden sind Freundinnen. Aber eigentlich ist Rosa nicht mehr da...
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    Im Sommer fährt Lila mit ihrer Oma, die etwas wunderlich ist und die sie nicht richtig gut kennt, auf eine kleine Schäreninsel. Eigentlich wollen sie nur zwei Tage bleiben, doch dann macht ihnen das Wetter einen Strich durch die Planung und sie müssen länger bleiben. Oma, die Lila Mu nennt, erzählt den ganzen Tag und sie spricht von ihrer Freundin Thula, mit der sie ihr Leben geteilt hat und die jetzt im Heim wohnt. Da fällt es fast gar nicht auf, das Lila nicht spricht. Doch die gemeinsamen einsamen Tage auf der kleinen Insel bringt die beiden näher.
    Lila, die ohne ihre Freundin Rosa nicht klarkommt, und Mu, die ihre Freundin ebenfalls schmerzlich vermisst, sind so unterschiedlich. Aber gemeinsame Projekte wie das Bauen einer Skulptur aus Strandgut und die herrlichen Gedichte, die Mu sich einfallen lässt, heben die Stimmung der beiden.
    Ein einfühlsames Buch über Verlust und Trauer und ihre ungewöhnliche Aufarbeitung. Und über zwei starke Persönlichkeiten, die auch mal eine Woche Zweisamkeit mit vielen Wetterproblemen und viel Haferflocken überstehen.

    Dagmar Mägdefrau
  • Ein Huhn kommt selten allein

    Ein Huhn kommt selten allein

    Jowi Schmitz

    Aus dem Niederländischen von Andrea Kluitmann

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Das Huhn, das irgendwie eine Veränderung in Romeos Leben markiert, nennt er Tock. Eines Abends sitzt es plötzlich auf seinem Balkon, genau zu dem Zeitpunkt, an dem Romeo ein wenig Trost gut gebrauchen kann. Denn sein Vater ist schwer krank, seine Mutter kocht streng riechendes „gesundes“ Essen und auch die Jungs in der Schule gehen ihm auf die Nerven.
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    Tock gehört zu den neuen Nachbarn, die ein Zentrum für Wachstum und Entwicklung betreiben. Am nächsten Tag lernt Romeo im Unterricht deren Tochter Jessi kennen. Ohne große Scheu erzählt sie von sich und sogar von ihrer verstorbenen Mutter.
    Jessi wird genau die Freundin, die Romeo in dieser Zeit braucht. Während er verzweifelt versucht, an seinem Vater festzuhalten, noch Dinge mit ihm zu erleben und gleichzeitig Schwierigkeiten hat, über seine Gefühle zu sprechen, ist Jessi da. Mit ihrer direkten und intensiven Art gibt sie Romeo genau das, was er in dieser Phase braucht – auch wenn er selbst das zunächst gar nicht erkennt.
    Ich glaube, jede und jeder braucht in schwierigen Zeiten eine Freundin wie Jessi und generell Menschen, die einfach da sind.
    Besonders berührend ist die Darstellung von Romeos Trauerprozess: sich von jemandem verabschieden zu müssen, der eigentlich noch da ist, aber nicht mehr derselbe wie früher; zu wenig Zeit zu haben; und als Kind kaum Möglichkeiten zu finden, mit dieser Situation umzugehen. Das wird in der Geschichte sehr einfühlsam und bewegend erzählt.
    Ich habe jede einzelne Figur (und jedes einzelne Huhn) ins Herz geschlossen. Für mich bietet diese Geschichte einen sehr empathischen Zugang zum Thema Tod: Sie bringt eine gewisse Leichtigkeit hinein, ohne die Schwere des Themas kleinzureden.

    Raphaela Brosseron

    Romeo, auch Ro genannt, hört eines Abends komische Geräusche auf seinem Balkon. Dort sitzt plötzlich ein Huhn. Es gehört zu den neuen Nachbarn von gegenüber mit der Tochter Jessie, die in Romeos Klasse kommt. Jessie weiß auch, wie es ist, wenn ein Elternteil stirbt. Das ist schrecklich, aber für Romeo ein guter Zufall. Denn sein Vater ist schwer krank und wird bald sterben. Er wünscht sich, noch einmal in der Wüste in Amerika zu stehen. Die beiden freunden sich an und versuchen gemeinsam, Arthurs letzten Wunsch zu erfüllen.
    Sterben und Tod sind in der Gesellschaft immer noch schwierige Themen, vor allem bei jüngeren Menschen. Umso schöner fand ich es, dass sich eine Geschichte genau damit beschäftigt. Als ich das Buch gelesen habe, habe ich gelacht und auch geweint. Es ist so liebevoll, verständnisvoll und in vielen Situationen humorvoll beschrieben, dass ich das Buch sehr empfehlen kann. Die Gedanken und Gefühle sind sehr real dargestellt, und man kann viele Dinge besser verstehen, die man – wenn möglich – lieber weit von sich wegschiebt. Um sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen, ist dieses Buch sehr gelungen!

    Katrin Hemmerich
  • Pepper  

    Pepper  

    Nils Mohl

    Rotfuchs

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Auf dem Cover sehen wir Pepper mit ihrem roten Notizbuch, in dem alle Fragen stehen, die sie ihrem Vater stellen wird, sobald sie weiß, wer er ist.
    Die Frage nach ihre Vater stellt Pepper ihrer Mutter immer wieder, doch erst als sie schon 17 ist, gibt sie ihr überraschenderweise den Namen auf einem Zettel: „Kimme“.
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    Ihre Mutter ist Politikerin und die beiden wohnen sehr feudal in der HafenCity in Hamburg. Bald erfährt sie, dass ihr Vater, der in jungen Jahren als Musiker eine gewisse Berühmtheit erlangt hatte, immer noch mit seinen Bandkollegen in einer WG wohnt. Da macht sie sich auf, um dort in ein freies Zimmer zu ziehen. Ihre Mutter und ihr Freund August raten ihr ab, doch Pepper möchte ihren Vater erstmal inkognito kennen lernen. Ihr Vater ist ein eigenwilliger Typ, dass kann sie schon an seiner Kleidung erkennen, aber auch seine schroffe Art und seine weisen Kommentare bringen wenig Nähe. Als er dann Pepper unter Druck setzt, sie müsse eine riesige Einweihungsparty organisieren, ist diese völlig überfordert. Denn sie ist ein ruhiges jungen Mädchen, das wenig Freunde hat und nie auf wilde Partys geht.
    „Kann man vermissen, was man nie hatte? – Wie würde es wohl klingen, wenn du meinen Namen sprichst?“ das sind Fragen, die Pepper in ihren Notizen stehen hat. Erst ganz am Ende wird sie Antworten bekommen, aber dann ist ihr Vater schon sterbenskrank.
    Jedes Kapitel beginnt mit einer grauen Seite, auf der wir Peppers Notizen lesen oder auf der deutsche Songtexte von der Band „Kimme & Popkorn“ stehen. Uns wird die Geschichte von Pepper erzählt, die ihren Vater immer direkt anspricht, wodurch für mich eine besondere Nähe zu spüren war. Der zunächst schroffe Kimme zeigt im letzten Teil doch noch viel Gefühl und die kurze Zeit, die den beiden bleibt, gibt Pepper sehr viel. Mir gefiel es auch sehr gut, dass das Verhalten der Mutter nicht zu einem Bruch geführt hat. Ein Buch mit vielen Facetten, neben den Jungen gibt es eine Truppe alternder Menschen und dann noch drei Senioren mit viel Witz und Lebenserfahrung. Eine hervorragende Mischung und ein Jugendroman, der gelesen werden muss.

    Dagmar Mägdefrau
  • Das wundersame Buch über den Tod

    Das wundersame Buch über den Tod

    Mariona Cabassa

    Soledad Romero Mariño

    Aus dem Spanischen von Melanie Laibl

    Leykamp:

    Leseempfehlung ab 6 Jahre

    Goldene Buchstaben und ein weißes Skelett zieren das Cover. Der Titel macht mich sehr neugierig auf den Inhalt. An der Seite des Inhaltsverzeichnisses steht „Die vielen Seiten des Todes“ und ich kann bestätigen, sie werden genau beleuchtet.
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    Zunächst geht es um die wichtigste Erkenntnis „Keine Leben ohne Sterben“, dazu gibt es kleine informative Texte und einen Spruch von Francis Bacon. Danach geht es darum, dass alles stirbt einschließlich der Himmelskörper. Wichtig ist auch, dass aus dem was stirbt Neues entsteht. Alle leben unterschiedlich lange, so lebt eine Qualle praktisch unendlich, wenn sie nicht gefressen wird. Auch Tiere haben Rituale, wie sie mit ihren verstorbenen Artgenossen umgehen. Und so kommen wir auch zu „menschlichen Totenritualen“. Wir erfahren einiges über Friedhöfe und letzte Ruhestätten, die Totengedenktage in der Welt und welche Heiligen oder Götter da zuständig sind. Zum Ende des Buches kommen wir zur Trauer und dem Tabu, das mit dem Thema Tod verbunden ist.
    Die Illustrationen des Buches sind hinreißend, bunt, lebendig und voller Kraft. Der Textanteil ist nicht sehr groß, bietet aber sehr viele interessante Informationen. Vielleicht sollte so ein wunderschönes Buch mal im Familienkreis angeschaut werden, um damit ein Tabu zu durchbrechen.

    Dagmar Mägdefrau

  • Hallo Tod, ich habe da mal ´ne Frage

    Hallo Tod, ich habe da mal ´ne Frage

    Ellen Duthe

    Anna Juan Cantavella

    Andrea Antinori

    Aus dem Spanischen von Ilse Layer

    Gabriel

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Auf dem Cover geht es schon ein wenig makaber zu und auch die Illustrationen im Buch sind manchmal schon heftig, aber immer mit einem kleinen augenzwinkernden Schuss Humor. 
    Die Autoren des Buches, die sich am Ende des Buches vorstellen, haben ganz viele Fragen von Kindern gesammelt, die in irgendeiner Weise mit dem Tod und Sterben zu tun haben.
    38 Fragen werden hier in dem Buch beantwortet.
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    Allerdings sind die Illustrationen schon nach der Frage entstanden, da wurde die Antwort nicht abgewartet. 
    Die Fragen sind sehr vielseitig das Spektrum reicht von „Werde ich sterben?“, „Wer kümmert sich um die Kinder, wenn die Eltern sterben?“, „Ist es Pech, wenn man stirbt?“ bis zu „Wenn ein Tier krank ist, warum wird es dann eingeschläfert und ein Mensch nicht?“. Gut hat mir auch die letzte Frage gefallen: „Warum heißt es „Ruhe in Frieden" und nicht „Viel Spaß beim Ausruhen?“
    Unten auf den Seiten gibt es noch zusätzliche rot gedruckte Texte, da gibt es Experimente, Dinge, über die man nachdenken kann, und viele andere Fragen, die die Autoren ihren Leser*innen stellen.
    Das Buch hat schon eine ganze Menge Text und bei manchen Sachen kann man sogar lachen, andere sind doch schon etwas traurig und ich denke, so ein Buch sollte nicht am Stück gelesen werden, besser mal nachschlagen, wenn uns eine der Fragen betrifft.
    Auch für Erwachsene ist dieses Buch sehr zu empfehlen, denn auf jeden Fall sind wir alle sterblich.

    Dagmar Mägdefrau

  • Theo, Tim, Kurkuma und ich

    Theo, Tim, Kurkuma und ich

    Margarita Kistner

    Tyrolia

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien 2025

    „In der Küche bin ich dir tausendmal näher als auf dem dämlichen Friedhof. Auch wenn ich zu den Red Hot Chili Peppers tanze [...] überall bin ich dir näher als auf diesem scheußlichen Friedhof.‟
    Amelies Stiefvater lebt seit anderthalb Jahren nicht mehr, was ihr Bedürfnis, mit ihm zu sprechen, nur noch größer macht.
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    In ihrer Erzählung spricht sie ihn weiterhin mit „Du“ an und baut dabei eine neue, ganz eigene Beziehung zu ihm auf: Sie nimmt ihn mit in ihre Klasse, tanzt zu der Musik seiner Lieblingsband, den Red Hot Chili Peppers, erzählt von Mitschüler*innen, ihrer Leidenschaft für Fotografie, ihren alten und neuen Sorgen als Teenager, der mit einem schweren Verlust leben muss und mit einer Mutter, die die Liebe ihres Lebens verloren hat.
    So bekommen wir einen sehr persönlichen und ehrlichen Einblick in Amelies Gefühlswelt. Sie musste plötzlich Verantwortung übernehmen, ihre Freundschaft zu Selina hat sich verändert, und die Fotografie wird für sie zu einem wichtigen Ventil. Und dann ist da noch Theo, ein schräger, aber irgendwie lieber Typ, bei dem sie einfach sie selbst sein kann: ein trauerndes Mädchen, das versucht, mit all dem Schmerz klarzukommen. Und bei allem, was sie tut, ist Stefan in Gedanken dabei, sie fragt sich immer wieder, was er wohl denken würde.
    Besonders interessant finde ich, dass die titelgebenden Figuren erst relativ spät alle auftauchen. Das nimmt ihnen nicht ihre Bedeutung, gibt Amelie aber den Raum, erst einmal ihre eigene Geschichte zu erzählen. Auch die Rolle von Kunst und Freundschaft im Trauerprozess wird auf sehr einfühlsame Weise gezeigt.
    Eine berührende Geschichte über Trauer, Neuanfänge und darüber, wie sehr ein einziger Mensch fehlen kann, erzählt mit viel Gefühl und von schönen und stimmungsvollen Illustrationen begleitet.

    Raphaela Brosseron
  • In meiner Welt

    In meiner Welt

    Sabine Bohlmann

    Simona Ceccarelli

    Thienemann

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Der Opa hat einen eingepackten Blumenstrauß in der Hand und der Junge hat ein kleines Windrad dabei, schon auf dem Cover sehen wir, dass die beiden ein intensives Gespräch führen. 
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    Bevor die beiden starten, ziehen sie sich warm an, der Opa trägt sogar einen Hut auf dem Kopf. „In meiner Welt werde ich alles anders machen!“ verspricht Bruno. Als Opa staunt, dass er eine eigene Welt hat, erklärt Bruno, dass er Welterfinder werden wird, und in seiner Welt wird niemand sterben. Während des Gesprächs sitzen die beiden an der Haltestelle. Im vollen Bus sitzend, wendet der Opa ein, dass die Welt von Bruno dann wohl sehr voll werden wird. Am Kiosk hat Bruno die Idee, dass niemand mehr geboren wird. Auch da hat Opa einen Einwand und im Blumenladen hält Bruno die Zeit an. Wieder hat der Opa Bedenken. So geht es weiter bis zum Friedhof. Hier an Omas Grab stellt Bruno fest, dass der Welterfinder unsere Welt doch alles sehr gut gemacht hat.
    Gerade nach einem Verlust wünschen wir uns, dass eine Möglichkeit gäbe, das zu verhindern und Bruno hat sich viele Gedanken gemacht, wie er eine besser Welt erschaffen könnte. Wie tröstlich, dass er am Ende doch bereit ist anzuerkennen, dass unserer Welt gut ist, wie sie ist. Das Wort „Welterfinder“ gefällt mir richtig gut und die Dankbarkeit des Opas „und ich bin dankbar, dass ich dich habe.“ ist so liebevoll und schön. Die Bilder sind wundervoll passend gezeichnet und sie strahlen so viel Wärme aus, dass man die Vertrautheit von Opa und Bruno fast spüren kann.

    Dagmar Mägdefrau

  • Leben, Sterben und Kaninchen

    Leben, Sterben und Kaninchen

    Dita Zipfel

    Rán Flygenring

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 5 Jahre

    Auf dem Cover ist das Kind zu sehen, das im Text direkt angesprochen wird. Neben ihm das Kaninchen Miss Marple, um dessen Tod es geht.
    Zunächst sitzt das Kind mit Miss Marple am Tisch und isst Erdbeermarmelade.
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    Danach geht es um die Einzigartigkeit des Kindes, am Beispiel seines Ellenbogens und darum, dass es schon viele andere vor ihm auf dieser Erde gab. Daraus entsteht die Aufforderung „Lern, was andere vor dir gelernt haben, und mach was Neues daraus.“ Unser Körper und die vielen Atome, aus dem er besteht, führen zu der Frage „Wo waren deine Atome, als du noch nicht da warst?“ Dunkelblauer Hintergrund, das entsetzte Kind und Miss Marple am Boden mit leeren Augen. Der kurze Text besagt „Und das Ende ist immer der Tod.“ Wir sehen, Miss Marple im Sarg liegen, danach sehen wir ein Kreuz und das Kind liegt am Boden mit der Schaufel in der Hand. Dann kehren die Buchstaben wieder ins Buch zurück und das Kind denkt über Beerdigungen nach. Dann folgt eine „Sammlung dessen, was ich weiß, was ich glaube…über den Tod zu wissen. Dann hören wir von den Verlusten der Autorin, da sind ihre Großeltern, aber auch ihre Schwester Nele. 
    „Du bist ein wichtiger Teil des Universums, es wäre ein völlig anderes ohne dich.“ So wunderschön tröstend und die Wichtigkeit des Lesenden herauskehrend endet dieses wundervolle Buch. Gerade gab es einen Todesfall im Freundeskreis und da fallen mir die Menschen ein, von denen ich mich schon verabschieden musste. Da hat mir das Lesen dieses Buches richtig gutgetan. Auch mir ist klar, ohne Tod gibt es kein neues Leben, das kann man sehr schön in der Natur beobachten. Der Text des Buches ist durch die direkte Ansprache und die persönlichen Erfahrungen des Autorin so ehrlich und klar und die Bilder sind so wunderbar passend und ansprechend gestaltet.

    Dagmar Mägdefrau
  • Komm, ich trag dich ein Stück, sagt die Schildkröte

    Komm, ich trag dich ein Stück, sagt die Schildkröte

    Lena Raubaum

    Leonie Schlager

    Tyrolia

    Verlagsempfehlung ab 5 Jahre

    Auf einem Sticker, der auf dem etwas düstern Cover klebt, steht „Das Begleitbuch zum Abschiednehmen“ Ein winziges Wesen sitzt auf einer großen Schildkröte, wir sehen nur die dunkler Umrisse vor einer hellen Sonne. 
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    Das Kind schaut zwischen den Blättern auf einen Schildkrötenpanzer. Es ahnt, „Etwas Trauriges würde passieren.“ Als das Kind Angst spürt, spricht die Schildkröte es an und zeigt Verständnis. Sie bietet an, das Kind zu tragen und will so lange bleiben, „wie es für dich notwendig ist.“ Unterwegs nach vielen Gesprächen rät die Schildkröte „Alle Fragen, alle Gefühle wollen atmen. Lass sie Luft holen.“ Zusammen kommen sie ans Meer der Tränen, die nicht nur aus Trauer, sondern auch Lachen dort hinflossen. Danach traut sich das Kind, zu fragen „Wie ist das, wenn man stirbt?“ 
    Es gibt noch viele Fragen in diesem Buch, aber das Tröstlichste ist für das Kind, dass jemand da war und die Trauer begleitet hat. Die Illustrationen sind zart gehalten und bilden die Trauer und Verzagtheit des Kindes ab. Der Text ist tröstlich und zeigt, dass der Verlust, der hier nicht klar benannt ist, Verständnis und Unterstützung braucht, damit die Trauer erträglich bleibt.

    Dagmar Mägdefrau
  • Das Loch

    Das Loch

    Lindsay Bonilla

    Brizida Magro

    Zuckersüß

    Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

    Das Kind mit dem roten Wuschelkopf hat ein schwarzes Loch auf seinem grünen Pullover. Schmetterlinge verbinden den Faden mit dem O des Titels.
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    Das Kind schaut vom oberen Stockbett hinunter und sieht dort auf der Decke das schwarze Loch, hier schlief Matti, der Bruder, der nicht mehr da ist. Im Bad erscheint das Loch im Hocker, wo Matti von Papa einen Rasierschaumbart bekommen hat. Auch auf dem Stuhl neben Mamas Schreibtisch taucht das Loch auf. Beim Abendessen sitzen die drei traurig und appetitlos um den Tisch, alle haben ein Loch in sich. „Ich hasse dieses Loch.“ ist da verständlich. Die Reaktion der Umwelt ist unterschiedlich, einige sehen das Loch nicht und andere berichten von eigenen Löchern. Irgendwann taucht das Kind in das Loch ein und wird von einer Freundin herausgezogen. Da kann es endlich von Matti erzählen und am Abend kann die Familie am Esstisch wieder lachen. So verschwindet der Hass auf das Loch, denn es wird von den Erinnerungen an Matti ausgefüllt.
    Ein Buch über die riesige Trauer, um einen Bruder und der Versuch diese Trauer durch ein schwarzes Loch abzubilden, in das man fällt, mit der Hilfe einer Freundin wieder herauskommt und dann erfährt, dass unserer Erinnerungen uns immer mit der Person verbindet, die ein so großes Loch hinterlassen hat.
    Wenn wir einen derartiger Verlust betrauern, fehlt es oft an Worten, mit denen wir Kindern, das Unbegreifliche erklären können. Diese Bilderbuch mit den liebevolle Illustrationen kann da sicher eine Hilfe sein.

    Dagmar Mägdefrau

  • Das Dorf der Steine

    Das Dorf der Steine

    Lawrence Schimel

    Lena Studer

    atlantis

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Nominiert für den Schweizer Kinder- und Jugendliteraturpreis 2025

    Liebe-Buchtipp Juni 2025

    Das Mädchen trägt eine Mütze und einen Schal und schmiegt ihr Gesicht an einen grauen Stein, ihre Augen hält sie geschlossen und ein leichtes Lächeln ist auf ihren Lippen zu erkennen. 
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    Mit geschlossenen Augen sitzt das Mädchen auf einer Bank, sie empfindet den Friedhof als einen heiteren Ort, denn hier ist sie ihrem verstorbenen Onkel nahe. Sonja erinnert sich an den Onkel und an die Dinge, die sie mit ihm unternommen hat. Und wenn sie neben seinem Grab sitzt, ist es „als könnte sie seine Stimme hören.“ Martin, der Friedhofsgärtner, recht das Laub zusammen und berichtet Sonja, dass der Grabstein am Montag kommt. Das nächste Bild zeigt Sonja aus ihrer eigenen Sicht, also den Unterkörper, die Beine und die Füße. Was wir noch sehen, ist ein weißer Stock und der Ruf „Martin wo bist du?“ macht mir klar, dass Sonja nicht sehen kann, deshalb fühlt sie die vertieften Buchstaben auf dem Stein. Und so macht sie es auch mit den andern Steinen und Martin erzählt ihr, was er über die Verstorbenen weiß. So lernt Sonja die Menschen auf dem Friedhof kennen und sie weiß, dass Onkel Fred nicht alleine ist. 
    Als ich den Stein für das Grab meiner Mutter bestellt habe, hat der Steinmetz zu mir gesagt, dass es wichtig ist, den Namen und das Geburts- und Sterbedatum auf den Stein zu schreiben. Hier sehen wir, dass die Menschen mit diesen Daten verbunden sind. Für Sonja sind die Lebensgeschichten wichtig und sie tröstet sich damit, dass die Steine um den Grabstein ihre Onkels für Menschen stehen, die auch gelebt haben.
    Der Text ist sehr kurz gehalten und die ungewöhnlichen Illustrationen zeigen uns ungewohnte Blickwinkel.

    Dagmar Mägdefrau