• Kein Bock auf Knuddeln       

    Kein Bock auf Knuddeln       

    Anette Thumser

    Corinna Jegelka

    magellan

    Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

    Alle Tiere auf dem Cover knuddeln unseren süßen kleinen Titelhelden, der sich dabei gar nicht wohlfühlt. 
    Knuddel ist ein kleiner, sehr flauschiger und total knuffiger Hase, der total goldig aussieht, egal, wie der sich gerade fühlt.
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    Obwohl er „Will nicht!“ ruft, setzen ihm alle nach, denn sein „Mag nicht!“ ist leider wegen dem „leisen, fluffigen Piepse-Stimmchen“ nicht zu hören. Doch Knuddel hat einen Plan, er zieht die Stirn in Falten wie Opa Heribert und guckt mürrisch wie Frau Strauß, die Nachbarin. Zusätzlich schmiert er sich mit Masch und Modder ein und übt das Knurren. Leider steckt Mama ihn in eine „Glitter-Flitter-extra-ganzdoll-Badeschaum-Bad“ und danach ruft Papa glücklich „Mein Knuddelchen!“. Unser süßer Knudel muss sich also etwas anders einfallen lassen, um den anderen klarzumachen, dass er nicht geknuddelt werden möchte.
    Die meisten Kinder sind so niedlich wie unser Knuddel und auch sie wollen nicht ungefragt, geknuddelt, geküsst oder über den Kopf gestreichelt werden. Da muss man schon ganz schön laut protestieren und das Buch endet mit einem Demonstrationszug mit Schildern wie „Knuddelverbot jetzt!“ und „Frag, was ich mag“.
    Unsere Kinder müssen schon früh klar machen, wie wichtig ihr „Nein“ ist und dass sie es laut aussprechen sollen. Niedliche Bilder und ein gut erklärender Text zu einem wichtigen Thema.

    Dagmar Mägdefrau

  • Catch your Death – Traue niemandem

    Catch your Death – Traue niemandem

    Ravena Guron

    Aus dem Englischen von Katja Hildebrandt

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Emily Vanforte, die wohlhabende Hausdame des Bramble Estate, wird ermordet. In der Mordnacht befinden sich zahlreiche Mitglieder der Familie im Anwesen sowie drei Mädchen, die später den Ermittlern erzählen sollen, was passiert ist.
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    Devi ist eigentlich nur auf dem Weg zu ihrer Großmutter, doch ein Schneesturm und ihr klappriges Auto machen ihr einen Strich durch die Rechnung. Als sie am Bramble Estate vorbeikommt, lädt Emily sie ein, die Nacht dort zu verbringen. Lizzie wollte eigentlich nur Schmuck abliefern, kann aber wegen des Wetters ebenfalls nicht mehr weg. Jayne arbeitet in der Küche des Anwesens und kümmert sich um die beiden, da sie ungefähr im gleichen Alter sind. Gemeinsam müssen sie eine unheimliche Nacht inmitten einer zutiefst zerstrittenen Familie überstehen. Und fragen sich ziemlich schnell, in welchen Horrorfilm sie da eigentlich geraten sind.
    Die Geschichte wird über Vernehmungsprotokolle und die Perspektiven der drei Mädchen erzählt. Devi, Lizzie und Jayne könnten unterschiedlicher kaum sein. Anfangs rechnet man fast damit, dass sie sich an die Gurgel gehen, doch das gemeinsame Erlebnis schweißt sie zusammen. Neben dem Kriminalfall entwickelt sich so auch eine glaubwürdige Geschichte über Freundschaft. Gerade die Unterschiede zwischen den Figuren sorgen für eine spannende Dynamik. Besonders interessant (und anfangs etwas irritierend) ist, wie unterschiedlich dieselbe Person je nach Perspektive wahrgenommen wird: Devi wirkt in Lizzies Erzählung völlig anders als in ihrer eigenen. Das unterstreicht sehr gut die vorhandenen Antipathien.
    Großes Plus ist die Atmosphäre: keine Handys, kein Empfang, keine Fluchtmöglichkeit, eingeschneit in einem riesigen Anwesen: Das schreit geradezu nach Horror. Schon früh fragt man sich, was auf Bramble Estate eigentlich vor sich geht, und als Leser*in bekommt man an genau den richtigen Stellen neue Hinweise serviert.
    Ein spannender, düsterer Mystery-Thriller mit klassischem „Locked-Room“-Feeling ,starken Figuren und spannender Wendung.

    Raphaela Brosseron

    Das Szenario erinnert an Agatha Christie: Eine einsame Villa, ein Familienessen, Geheimnisse, die offen gelegt werden sollen, keinen Kontakt zur Außenwelt und drei junge Frauen, die zufällig dort hingelangen und erleben müssen, dass die Hausherrin ermordet wird.Devi ist auf dem Weg zu ihrer Großmutter, als ihr Auto Probleme macht und sie so auf Bramble Estate landet. Lizzie liefert für ihre Mutter eine Halskette aus, als der Schneesturm sie überrascht und Jayne arbeitet aushilfsweise in der Küche und bleibt ebenfalls über Nacht im Herrenhaus. Die Hausherrin Emily Vanforte ist eine sehr reiche Frau, die mit einem Politiker verheiratet ist. Ihre Tochter Lottie ist 17, genau wie die drei anderen Mädchen.
    Es geht um Lügen und Intrigen, alles ist undurchsichtig und als ich glaubte ,so langsam zu verstehen, war alles ganz anders.
    Vor allem der erste Teil war sehr spannend geschrieben, da lag der Mord in der Luft und es war unklar, wer von den Anwesenden das Gift verabreicht haben könnte. Anhand der Polizeiprotokolle und den Berichten der drei jungen Frauen konnte ich mir ein Bild von der Situation in der Mordnacht machen. Geheime Gänge wurden beschrieben und es wurden Gespräche belauscht. Im zweiten Teil des Buches wurden die Beweggründe klarer, aber erst zum Schluss, nachdem alles ganz anders gelaufen war, als ich erwartet hatte, wurden alle Verwicklungen klar. Das zog sich allerdings doch ein wenig in die Länge.
    Ich bin mir nicht sicher, dass alles so ganz logisch ablief, zumindest wurden zwei Tassen Tee getrunken, obwohl es keine Energiequelle gab, um ihn zuzubereiten.
    Eine sehr spannende Konstruktion, die so nicht zu erwarten war.

    Dagmar Mägdefrau

  • Der Prinz der Zwerge – Orens Reise

    Der Prinz der Zwerge – Orens Reise

    Kian Talyn

    Independently published

    Autorenempfehlung junge Erwachsene

    Die Geschichte beginnt in einer englischen Industriestadt zum Ende des Ersten Weltkriegs. Orens Mutter arbeitet in einer Munitionsfabrik und verschwindet bei einer Explosion. Der Zwölfjährige sucht verzweifelt nach ihr und gerät zusammen mit seinem besten Freund Finch in eine andere Welt. 
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    Hier erfährt Oren, dass er ein Zwergenprinz ist, da aber seine Mutter keine Zwergin ist, hat sein Vater den Anspruch auf den Thron verwirkt. Seine Tante Sigrid hat dafür gesorgt, dass Oren von seinem Anspruch erfährt und sie hofft, dass er ihn sich erkämpfen wird. Allerdings muss er zunächst seinen Vater finden und die Reise dorthin birgt viele Gefahren. 
    Eine fantastische Welt aus Zwergen, Zauber*innen, Drachen und Pixies hat sich der Autor da ausgedacht. Ich bin keine erfahrene Fantasyleserin und fand mich zunächst sehr gut zurecht, aber im Laufe der Handlung kamen sehr viele Charaktere dazu, so hatte ich manchmal Probleme, mich zurecht zu finden. Es gab sehr traurige Ereignisse, fröhliche Szenen und wilde Kämpfe, sowohl in der Vergangenheit als auch während der Geschichte. Oren, der uns die Handlung aus seiner Sicht beschrieb, erlebte Wut, Trauer und sein Mut wuchs mit der immer größeren Bindung zu seinem Zwergvolk. Die Beschreibung der Orte war sehr anschaulich und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. In der Fantasywelt wurde auf die nordische Götterwelt zurückgegriffen und auch die Namen entsprechen denen der Menschen auf Island.
    Ein spannendes Buch mit vielen Wendungen, vielen emotionalen Momenten, aber auch sehr humorvollen Ideen. Eine schöne Mischung, die sich gut lesen lässt.

    Dagmar Mägdefrau


  • Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben – Band 1

    Mika Mysteries – Der Ruf des Nachtraben – Band 1

    Johan Rundberg

    Übersetzt von: Franziska Hüther

    magellan

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Stockholm 1880, durch einen schweren Winter ist die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten. Mika lebt im städtischen Waisenhaus, wo die Kinder alles dafür tun, den harten Winter nur irgendwie zu überstehen. In der Nacht, in der ein kleines Neugeborenes dort abgegeben wird, passiert gleichzeitig ein Mord in der Stadt. 
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    Ziemlich schnell steht der Verdacht im Raum, dass der Mord vom „Nachtraben“, einen totgeglaubten Mörder, begangen wurde. Der Kommissar Hoff und Mika arbeiten zusammen, um den Fall aufzuklären.
    Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt. Johan Rundberg versteht es sehr bildlich zu erzählen, so dass man in Gedanken schnell in der Stadt ist und sie vor Augen hat. Der Spannungsbogen ist hervorragend aufgebaut und bleibt bis zum Ende konstant hoch. Das Buch eignet sich sehr gut für Kinder ab etwa 10 Jahren zu lesen. Der Cliffhanger am Ende macht große Lust auf die Fortsetzung – am liebsten würde man sofort zum zweiten Band greifen.

    Katrin Hemmerich
  • Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen

    Wir alle – Eine Reise zurück zu unseren Anfängen

    Heike Faller

    Valerio Vidali

    Kein & Aber

    Ohne Altersangabe

    Das Cover ziert unzählige Menschen, bunt gekleidet in Gewänder aus allen Epochen. 
    „Hast du dich schon einmal gefragt…wo wir herkommen?“ so beginnt das Buch und diese Frage stellen uns schon Kitakinder.
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    Auf dem ersten Bild sehen wir einen Marienkäfer in zwei geöffneten Händen sitzen. Ein sehr schönes friedliches Bild. Danach liegen zwei Kinderhände in den großen Händen und der Marienkäfer hat seine Flügel geöffnet. 
    Dann kommen wir zu ersten Antwort, denn zunächst stammen alle Kinder von ihren Eltern ab. „Was, wenn sie sich nicht getroffen hätten?“ Eine Frage, die sich auch bei den Generationen davor ebenfalls stellt. Ist es da nicht wunderbar, dass wir am Ende entstanden sind? Schon tauchen die Großeltern auf und wir werden gefragt, was wir über sie wissen. Und schon sind wir im Jahr 1940, die Urgroßeltern erleben den Krieg. 1920 steht der Opa mit dem Kind im Zoo und beim Blick auf die Affen sagt er „Vor 280.000 Generationen hatten wir einen gemeinsamen Vorfahren.“ So weit geht dieses Buch in immer größeren Schritten zurück, bis vor vier bis sechs Millionen Jahren. Da sehen wir einen der erste Menschen an der Hand seiner Mutter. Ganz am Ende des Buches tauchen noch einmal die Hände in der gleichen Haltung auf, nur diesmal sind sie behaart und etwas anders geformt. Ein kleiner Informationsteil erklärt uns zusätzlich den Ablauf der Geschichte.
    Rückblickend schauen wir in diesem Buch auf all die Menschen, die vor uns waren. Die Texte sind kurz, informativ und regen zum Nachdenken an. Die Illustrationen sind meist auf weißen Hintergrund und manchmal auch doppelseitig gezeichnet. Sie zeigen uns die Menschheitsgeschichte in klaren Formen.
    Ein hervorragendes Buch, das mit Gefühl zeigt, wie toll es ist, dass wir als Menschen hier leben und was alles passieren musste, damit es so ist. Auch kleine Kinder werden an diesem Buch schon Freunde haben, aber Erwachsene werden es lieben.

    Dagmar Mägdefrau