• Des Kaisers neue Kleider

    Des Kaisers neue Kleider

    Volker Banik

    Almud Kunert

    Nach Hans Christian Andersen

    Kindermann Verlag

    Verlagsempfehlung ab 5 Jahre

    Das bekannte Märchen von Hans Christian Andersen wird hier ganz neu erzählt. Wir erfahren viel mehr über den Kaiser und sein einsames Leben im Palast. Seine Sehnsucht nach einem Freund und eine vage Erinnerung an sein Freunde aus der Kindheit beschäftigen ihn. Er lebt allein in seinem großen Palast, weil er 27 Ankleidezimmer für sein Garderobe benötigt und kein Platz für Dienstpersonal ist. Sein Palast ist wunderschön ausgestattet und alle um ihn herum sagen nur Dinge, die dem Kaiser gefallen. Keiner sagt ihm die Wahrheit, so erhebt auch keiner Einspruch, wenn der Kaiser am Morgen 27 Pfannkuchen mit Sirup isst.
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    Der Kaiser liebt zwar die Natur, aber er bewegt sich nicht in ihr. Als er erfährt, das ein Paar in der Stadt angekommen ist, das sich rühmt, die schönsten Kleider herzustellen, lädt er sie gleich in den Palast ein. Die Kleidung ist sehr besonders und kann nur von Menschen gesehen werden, die nicht lügen. Wie in der Vorlage zeigt sich der Kaiser mit seinen unsichtbaren Kleidern dem Volk und erst ein Kind stellt fest, dass er ein Nackedei sei. Dann stellt sich aber heraus, dass die beiden „Betrüger“ die alten Freunde aus der Kindheit sind, die keine andere Wahl hatten, um den Kaiser aus seiner Einsamkeit zu holen.

    Der Text ist sehr schön zu lesen, obwohl er doch schon etwas länger ist. Es gibt viele witzige Szenen, an denen ich viel Spaß hatte. Die Bilder sind ebenfalls sehr humorvoll gehalten und die teilweise kugelrunden Figuren finde ich sehr passend. Eine wunderschöne Neuerzählung des Märchens. 

    Dagmar Mägdefrau

  • Die Cobra Bande und die Prankster-Gang

    Die Cobra Bande und die Prankster-Gang

    Folko Streese

    EMF

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Im zweiten Band der Cobra-Bande reisen Bea und ihr Bruder Otto wieder nach Berlin zu ihrem Opa. Der Zug muss ganz plötzlich bremsen, weil Jugendliche auf den Schienen waren. Sie ließen bemalte Pappen zurück, die als erste Aufgabe zusammenzusetzen sind. Mit einem QR-Code kann man sich die Seite nochmal ausdrucken lassen und diese dann zerschneiden und neu zusammensetzen. Eine schöne Lösung, wie ich finde. Cem, ihr technikaffine Berliner Freund, holt sie vom Bahnhof ab und lädt sie gleich zu einem Konzert in seiner Schule ein. Als Eintritt muss ein Rebus-Rätsel gelöst werden. 
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    Das Konzert läuft ganz toll, als plötzlich die Anlage ausfällt. Sie wurde, wie sich herausstellt, während des Konzerts gestohlen. Da die Anlage von Cems großen Bruder Murat geliehen war und er sie auch von andren, nicht so netten Leuten geliehen hatte, hat die Cobra-Bande einen neuen Fall zu lösen. Verdächtig sind die Mitglieder der Prankster-Gang, aber wie kommen die Freunde an die ran?
    
    Ich muss zugeben, dass ich das Wort Prankster erstmal googlen musste. Es bedeuten Witzbold und ist wohl Pokémon-Fans ein Begriff. Diese Prankster haben einige „Scherze“ auf Lager, die wirklich nicht sehr lustig sind und anderen schaden. Aber unsere Drei von der Cobra-Bands sind clever genug, es mit ihnen aufzunehmen und dann steht ihnen auch noch der Rabe Rabbit zur Seite. Cem nutzt alle technischen Möglichkeiten aus und ist damit auf der Höhe der Zeit. 
    
    Neben der spannenden Geschichte muss man in dem Buch noch viele mehr oder weniger schwierige Rätsel lösen, einige habe ich ja schon genannt. Im Anhang des Buches sind die Lösungen zu finden. 
    Die gut 140 Seiten lassen sich dank der großen Schrift gut lesen und neben den Rätseln gibt es auch viele Bilder. Ein tolles Buch für Detektive und Tüfftler.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Kann ich alleine!

    Kann ich alleine!

    Kathrin Schärer

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

    Kennen wir nicht alle den Titel-Satz, meist hören wir ihn zum ersten Mal, wenn die Kinder zwei sind. Da wollen sie alles alleine machen und wir brauchen starke Nerven, denn nicht immer gelingt es auf Anhieb.
    Der kleine Siebenschläfer auf dem Cover malt den Boden mit seinem Pinsel blau an und das Eichhörnchen kann schon alleine „aufstehen“ und „frühstücken“. Die bezaubernden Tierbilder zeigen eine kleine Szene, die häufig nur mit dem einen Wort überschrieben ist. Das Schweinchen zieht sich an und geht in den Kindergarten, dort malen einige Tiere Bilder, der Fuchs trommelt und das Eichhörnchen pflanzt eine Blume.
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    Da wird Purzelbaum geschlagen, Roller gefahren, das Knie aufgeschlagen und geschwommen. Der Biber steht auf einem Bein und das Nilpferd klettert. Da wird auf die Toilette gegangen, gekocht und der Tisch gedeckt. Danach wird viel gespielt, sich bettfertig gemacht und Bilderbücher angeschaut. Am Ende liest die Igelmama dem kleinen Igelkind gemütlich im Schein einer Lampe vor und nach dem Einschlafen geht alles wieder von vorne los.
    
    Die wundervollen Tierbilder begeistern mich immer wieder auf neue und dieses Buch kann man den Kleinen schon früh vorlesen, sie werden sich in den Tierkindern wiederfinden. Wahrscheinlich schauen sie sich das Buch schon bald alleine an. 
    Leider tue mich etwas schwer immer alle Tiere zu benennen, ich würde mich freuen, wenn es da eine Hilfe geben würde. 
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Wo ist der Hund namens Hund?

    Wo ist der Hund namens Hund?

    Przemystaw Wechterowicz

    Bartosz Minkiewicz

    Mixtvision

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    So eine total witzige Geschichte, ich befürchte nur, dass ich mich bei Vorlesen sehr oft verhaspeln werde. Die Tiere in der Geschichte heißen immer nach anderen oder sogar dem gleichen Tier, so wird der Hund namens Hund gesucht. Gesucht wird er von dem Hund Kater, der Hilfe vom Kater Hund erhält. Die beiden treffen immer neue Tiere, wie den Kater Hase, der Hase Kater, den Hund Kaninchen, das Kaninchen Hase und den Hund Hase. Danach „mussten alle pieseln“ und der Hund Kater muss alleine weitersuchen.
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    Am Ende findet er seinen Freund und seine sechs Brüder, die alle gleich aussehen und gleich heißen.
    
    Die Bilder jeder Seite sind voller lustiger Ideen und es gibt viel anzuschauen. Da bei der Suche die Tiere mit ihren ungewöhnlichen Namen immer wieder genannt werden, muss man sich beim Vorlesen gut konzentrieren. Aber es macht auch riesigen Spaß , diese Aufreihung immer wieder aufzuzählen. Ein Buch mit viel Witz im Text und in den Bildern.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Koller

    Koller

    Annika Büsing

    Steidl

    Leseempfehlung junge Erwachsene

    Chris lernt Koller kennen und noch bevor er sich sicher ist, ob Koller sein richtiger Name ist, erleben die beiden innerhalb einer Woche mehr zusammen als andere in jahrelangen Beziehungen. Ursprünglich war der Plan, an die Ostsee zu fahren, Koller erwähnt beiläufig seine Verbindung zu dem Ort. Dass der Ausflug einen Einblick in seine Kindheit bietet und noch weitere private Details enthüllen wird, ahnen beide nicht. Schnell wird Chris klar, warum Koller so ist, wie er eben ist. Während Chris aufgrund seiner distanzierten Mutter eher rational handelt, macht Koller seinem Namen alle Ehre und zeigt offen seine Emotionen. Obwohl zwei verschiedene Welten aufeinandertreffen, passt es irgendwie, wenn auch vielleicht nicht für immer, zumindest für diesen ausgedehnten Roadtrip. 
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    Als Leser*in kann man sich genauso wenig der mitreißenden Art von Koller entziehen wie Chris. Obwohl man spürt, dass ein Leben mit ihm alles andere als stressfrei sein kann, bleibt man gefesselt. Was als unscheinbare Begegnung beginnt, entfaltet sich wie der Schmetterlingseffekt zu etwas Großem und wirft viele Fragen über das Leben auf. Besonders gelungen ist, dass diese Fragen nicht nur aus der Perspektive einer einzelnen Generation gestellt werden, sondern auch andere Altersgruppen einbezogen werden. Ungewöhnlicherweise wird der Fokus an einer Stelle auf die Geschichte von Kollers verstorbener Großmutter gelegt, obwohl sie in der erzählten Gegenwart nicht mehr lebt. Auch Chris eigene Vergangenheit kommt nicht zu kurz und wir erfahren, wie seine wissenschaftlich engagierte Mutter überhaupt zu einem Kind gekommen ist. Während wir als Leser viele Einblicke erhalten, scheinen Koller und Chris kaum ernsthafte Gespräche zu führen, die nicht ausarten. Das macht ihre Beziehung, sofern man sie als solche bezeichnen kann, nicht unbedingt plausibel. Dennoch ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren für den Roadtrip entscheidend und treibt einen zum Weiterlesen. Spannend ist auch die Einbeziehung der Hochwasserkatastrophe von 2021, die sich zu den vielen persönlichen Katastrophen im Leben der beiden dazu gesellt. Der direkte Stil passt wunderbar zu den beiden und man schließt diese Gegenpole doch sehr ins Herz.
    
    Raphaela Brosseron
  • Schneelöwe

    Schneelöwe

    Heinz Janisch

    Michael Roher

    Tyrolia

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Österreichischer Kinder- und Jugendliteraturpreis 2023

    Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2023

    Auf dem Cover ist der Junge zu sehen, der sich in seinem Inneren als Schneelöwe fühlt. Er schleicht förmlich durch das Bild und sein Schatten ist ein weißer Löwe. Der Junge, den wir fast immer nur als dunkle Silhouette sehen, erzählt uns, er sei ein weißer Schneelöwe. „Ein Schneelöwe ist man innen.“ Deshalb können wir ihn nicht sehen. Er bewegt sich lautlos schleichend und hofft, dass er sich dadurch nicht verrät. Auch sein Gehör ist besonders scharf. „Ich kann auch gefährlich knurren, wenn jemand glaubt, andere ärgern zu müssen.“
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    Auf dem Bild sieht man, wie der Junge andere Kinder vor zwei Jungen beschützt. Er verrät uns auch, dass viele Menschen unterwegs sind, die im Inneren Tiere sind. So sehen wir eine Menge unterschiedlicher Menschen, deren Schatten ein Tier ist. Faszinierend sind die Bilder, bei denen ein Tier auf den Körper projiziert ist. Der Junge meint, dass uns das seltsam vorkommt. „Habt ihr euch schon mal über etwas gewundert, das ihr euch nicht erklären konntet?“ seine Frage können sicher alle bejahen. Eine Doppelseite kann man aufklappen und dahinter verbirgt sich das Bild des Schneelöwen, der uns ansieht. Auf der anderen Seite ist der schlafende Cousin, ein schwarzer Schneelöwe, weil er ein paar Flecken hat, zu sehen. 
    Nachdem er verspricht, unsere Geheimnisse zu wahren, verabschiedet sich der Junge mit einem Winken.

    Wie in dem Buch zu lesen ist, hat der Illustrator Michael Roher die Bilder mit Kugelschreiber gezeichnet, weil er die Farben blau und weiß passend für die Geschichte empfand. Ich bin begeistert von diesen wundervollen Tierbildern, die die poetisch und zart geschriebene Geschichte genau abbilden. Ich werde also in mich hinein fühlen und hoffe, tief in mir auch ein Tier zu entdecken. Auch wenn es nicht so ist, werde ich diese Geschichte sicher noch oft anschauen und mich an den Bildern und den schönen Worten erfreuen.

    Dagmar Mägdefrau
  • Memora Castle – Oder Das Rätsel der vertauschten Zeit

    Memora Castle – Oder Das Rätsel der vertauschten Zeit

    Marikka Pfeiffer

    Annabelle von Sperber

    Rotfuchs

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Mit großen Augen schaut und Holly vom Cover entgegen, im Hintergrund sehen wir einige Gegenstände, die im Buch von Bedeutung sind und das Treppenhaus von Memora Castle. 
    Holly wurde dort geboren, aber nach dem frühen Tod ihrer Mutter war sie mit ihrem Vater einem Naturfilmer unterwegs. Ruhelos suchte er immer wieder neue exotische Drehorte und nahm keine Rücksicht auf seine kleine Tochter. Tante Clair, die in Memora Castle wohnt, hat Holly regelmäßig besucht und jetzt ist Holly auf dem Weg zu ihr, um ihren 12. Geburtstag zu feiern. 
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    Doch Tante Clair ist nicht in Memora Castle und keiner der Bewohner weiß genau, wo sie sich aufhält. Sie glauben, sie würde Schmuck, den sie fertigt, ausliefern. 
    Dann Tauchen Hollys Cousine Illana und ihr Bruder Janko auf, die beiden wurden eingeladen Hollys Geburtstag zu feiern. 
    Auf Memora Castle gibt es eine Standuhr mit einem Vogel, der jetzt nach Hollys Ankunft wieder erscheint. Hat Holly die magischen Kräfte einer Urahnin geerbt und wie kann sie damit umgehen und vor allem, wie kann sie ihrer verschwundenen Tante helfen?
    Es geht sehr spannend weiter und die Kinder müssen einige Tricks anwenden, damit am Ende der Geburtstag gefeiert werden kann.
    
    Mir hat das Spiel mit den vertauschten Zeiten sehr gut gefallen, man muss allerdings sehr genau aufpassen und genau lesen. Der Wechsel zwischen Gegenwert und Vergangenheit ist sehr spannend beschrieben. 
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Was ist Liebe Minimia?

    Was ist Liebe Minimia?

    Rocio Bonilla

    Jumbo

    Baby Mia

    Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

    Aus der Babymia der Pappbilderbücher ist eine Minimia, ein Kitakind, geworden. Sie trägt immer noch graugestreift, aber jetzt ein Kleid mit Leggins.  Sie fährt mit einem Roller und hat ihren Hund Max dabei. Sie stellt sich vor und berichtet einiges über sich. Dann stellt sie fest, „Die Erwachsenen sind manchmal schwer zu verstehen.“ Besonders, wenn es um Liebe geht. Mia malt eine Seite bunt an und fragt sich „Wie können wir wissen, was Liebe ist?“ Berge soll sie versetzen können, aber Mia schafft nicht mal einen Stein. In kleinen Dingen soll sie stecken und Minimia schaut sich kleine Insekten an. Einem Lied zufolge soll sie in der Luft liegen und Mia benötigt die Seite hochkant, um zu fliegen.
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    Überall soll die Liebe sein und Minimia sucht nach ihr in der Wohnung. Vielleicht hat es damit zu tun, dass sie sich beim Umarmen gut fühlt? Oder beim Küsse geben? In einem Regen von Herzchen jubelt Minimia über „Millionen von Küssen!“ So hat sie noch viele schöne Ideen und am Ende fragt sie „Max, kannst du dir vorstellen, dass die ganze Welt voller Liebe ist?“ 
    
    Was für ein wunderschöner Gedanke, so würde mir die Welt auch besser gefallen. Aber schön, wenn ein kleines Mädchen die Welt so sieht. Auf jeden Fall ist sie ein geliebtes Kind, denn nur so ein Kind kann sich über so viel Liebe Gedanken machen.
    Ein fröhliches Buch mit viel Schwung und Liebe, und natürlich mit wunderbaren Bildern.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Einfach mehr Luft

    Einfach mehr Luft

    Alexandra Holmes

    Jungbrunnen

    Leseempfehlung ab 13 Jahre

    Ben ist Teil einer großen Familie, genauso weitreichend wie sein Stammbaum ist die familiäre Vergangenheit. Um seine Führerschein zu machen, sammelt er auf den Wegen zu seiner Urgroßmutter einige Kilometer an Übungsstrecke. Sie ist seit dem Tod seines Urgroßvaters die Repräsentantin der Familie und dient als lebendige Verbindung zur Vergangenheit. In maßvollen Dosen offenbart sie Ben Geschichten, in denen jedes Familienmitglied auftauchen kann und die die Auswirkungen der nationalsozialistischen Vergangenheit deutlich werden lassen. 
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    Als Ben an einem Abendessen anlässlich ihres 100. Geburtstags mit dem gegenwärtigen Teil der Familie konfrontiert wird, erkennt er, dass die Spuren der Vergangenheit immer noch da sind und ihr Einfluss überall zu spüren ist.Inmitten dieser familiären und geschichtsträchtigen Anspannung macht er sich auch noch Sorgen um sein Pferd, sodass es ihm manchmal an Luft zum Atmen fehlt. Er sehnt sich nach etwas mehr Freiraum in dieser Situation und fängt an, seine eigene Position in der Konstellation der Generationen zu finden. 

    Der Jugendroman greift geschickt die Themen Familie, Generationen und weitergegebene Erinnerungen auf, während er den Bezug zur Gegenwart nicht vernachlässigt. Angesichts des Verlusts der Zeitzeugen des Nationalsozialismus ist es von großer Bedeutung, respektvoll und angemessen mit diesem Thema umzugehen. Es ist umso erfreulicher, dass dies in einem Jugendroman stattfindet. Die Urgroßmutter wählt bewusst ihre Worte sorgfältig aus und gibt den Erinnerungen Überschriften, ohne jemals aus der Ich-Perspektive zu erzählen. Ben, der sympathische Protagonist, besitzt ein feines Gespür für Vergangenheit und Gegenwart und zeigt, dass man nicht nur die Vergangenheit seiner Vorfahren ist, sondern viel mehr sein kann. Die Aufteilung der Kapitel nach den Gängen des Geburtstagsessens verstärkt die Spannung und erzeugt eine theaterähnliche Atmosphäre. Ein lesenswertes Buch, das sowohl die junge Generation als auch die ältere anspricht.

    Raphaela Brosseron
  • Angstbiene Tobi – Heldenhaft mutig

    Angstbiene Tobi – Heldenhaft mutig

    Jaqueline und Daniel Kauer

    KaleaBook

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Auf dem Cover stellt sich Tobi, die kleine Angstbiene vor, sie versteckt sich im Bienenkorb und schaut panisch in die Welt. Auf den ersten beiden Seiten werden uns die Protagonisten vorgestellt. Die Ameise Eloy ist Tobis bester Freund, er ist abenteuerlustig und immer darauf aus, was Ausgeflipptes zu machen. Als er eines Abends Tobi einlädt, mit ihm zu kommen, zieht dieser ein Honigbad vor. Und da können wir gleich das Besondere an diesem Buch entdecken, denn wenn man leicht an dem Honig auf dem Bild reibt, entfaltet sich der Honigduft. Auch eine weitere Aufforderung an Tobi, mitzukommen und nicht so ängstlich zu sein, kann ihn nicht überzeugen. 
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    Er bleibt drin und legt sich in sein Blumenbett (mit blumigen Duft).
    Doch als Eloy am nächsten Tag nicht auftaucht, überwindet sich Tobi und sucht nach seinem Freund. Durch eine Öffnung schaut er nach draußen und die Beeren duften fein. Draußen begegnen ihm viele unbekannte Dinge und er rettet einen Marienkäfer aus einer Plätzchendose (leckerer Plätzchenduft). Nach vielen Abenteuern mit den unterschiedlichsten Gerüchen, von Ananas, über Kaffee bis hin zum Jasmintee, kann Tobi Eloy endlich aus einer Coladose befreien. Weil so vieles Gefährliches herum liegt, räumen die Freund erst einmal die Wiese auf. So wurde aus Tobi eine „Trautsichbiene“ und aus Eloy eine „Genussameise“, die sich mit Kirschen (ein toller Duft) den Bauch vollschlägt. Auf den letzten zwei Seiten gibt es noch Informationen zu Bienen und Umwelt.
    
    Die Idee, dass ein Buch auch duften kann, finde ich einfach phänomenal. Ich liebe Düfte und mag es, mit Kinder zu entdecken, wie unterschiedlich Dinge riechen. Ein ganz besonderes Leseerlebnis und ich kann es mit Überzeugung empfehlen!
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Geister gibt es nicht oder Meine total verrückte Reise mit Sir Parzival von Schreckenfels

    Geister gibt es nicht oder Meine total verrückte Reise mit Sir Parzival von Schreckenfels

    Andrea Schomburg

    Andrea Stegmaier

    Rotfuchs

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Lina, das Mädchen im roten Kleid, das wir auf dem Cover sehen, wohnt mit ihrer Mama und der kleinen Schwester Hedi zusammen, da ihr Vater vor einiger Zeit nach Düsseldorf gezogen ist.
    Lina ist ein vorsichtiges Mädchen, sie wäscht sich gerne und oft die Hände, weil sie sich vor Viren und Bakterien fürchtet. Da Hedi Asthma hat, sorgt sie sich, dass sie sie mit einer neuen Krankheit anstecken könnte. Auf einem Schulausflug findet Hedi einen besonderen Stein und überlegt, ob sie den Hedi mitbringen sollte.
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    Doch aus dem Stein steigt ein Geist auf und stellt sich als Sir Parzival von Schreckenfels vor. Um wieder in seine Zeit zurückkehren zu können, benötigt er Linas Hilfe. Sie soll in nach Anderweit begleiten. Dies alles steht in der Prophezeiung, die Lina ihm vorlesen muss. Zum Glück kennt Lina Karstadt und weiß, dass das kein Ort, sondern ein Kaufhaus ist. Denn hier in der dritten Kabine beginnt das Abenteuer der beiden.
    
    Es ist einfach herrlich zu lesen, was dort alles geschieht, immer wieder schleichen sich wunderschöne Reime in den Text und es ist einfach zu skurril, was alles passiert. Ich will auch nicht zu viel verraten, denn das Buch zu lesen macht einfach so viel Spaß, dass man gar nicht aufhören möchte.
    Die kurzen Kapitel sind in großen Buchstaben gedruckt und es gibt viele schöne bunte Bilder, die die Geschichte gut ergänzen. Dazu kommen noch die schon erwähnten Reime und dann noch die fantasievoll ersonnenen Charaktere, wie den fliegenden Pinguin Polonuis Ping oder Delft Ziegelstein auf seinem Bobbycar.
    
    Lest es einfach selbst und erfreut auch an der fantastischen Geschichte. 
    
    Dagmar Mägdefrau 
  • Seltsam

    Seltsam

    Canizales

    Kindermann Verlag

    Verlagsempfehlung ab 3 Jahre

    Das Pferd Clemens ist ein ganz normaler Kerl und darauf bildet er sich sehr viel ein. Dann wird für eine neue Villa Personal gesucht und Clemens geht davon aus, dass er auf jeden Fall eingestellt wird, weil er ja als einziger normal ist. So sehen wir ihn im Sessel sitzend fernsehen. 
    Als er zur Villa kommt , stehen da schon einige Tiere. Gustav, die Giraffe, geht ins Haus und Clemens findet ihn „seltsam mit dem langen Hals.“ Aber er wird als Schornsteinfeger eingestellt, weil er mit dem langen Hals so gut in den Kamin kommt. Ella, die Elefantendame mit ihrem langen Rüssel, hat laut Clemens keine Chance, doch sie wird als Gärtnerin eingestellt.
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    Herr Bruno stellt auch den Eulenmann Enno ein, der „seltsame Augen, so groß wie Teller hat.“ Denn er kann sehen, wie die Fertigstellung des Kuchens in der Bäckerei voran geht. Auch Klara, das Krokodil, hat Angst, sich vorzustellen und Clemens findet das „riesige Maul mit den spitzen Zähnen“ seltsam. Doch Klara ist ein „Naturtalent“,  wenn darum geht,  die Bäume zu stutzen. 
    Dann ist endlich Clemens an der Reihe.  Er ist sicher, dass Herr Bruno ihn, den Normalen, einstellen wird. Doch er irrt sich und muss traurig nach Hause gehen. Dort verrät er uns sein Geheimnis, denn auch er ist seltsam. Was ihn aber so seltsam macht, verrate ich noch nicht. Aber ich kann sagen, dass auch er eine Stelle in der Villa bekommt.
    
    Ein schönes Buch über das sich nachzudenken lohnt, denn auch wenn wir etwas seltsam finden, sehen andere doch den Wert. Und etwas seltsam sind wird doch alle, oder?
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Unten

    Unten

    Maja Ilsch

    Dressler

    Verlagsempfehlung 10 Jahre

    Wer auf Netflix den zur Coronazeit populären Film “Der Schacht” geguckt hat, erinnert sich: Denen in den oberen Etagen geht es gut, je weiter unten man ist, desto tiefer ist man auch in der Nahrungskette. Wesentlich besser und tiefgründiger hat Maja Ilisch dieses dystopische Konzept umgesetzt. 
    In einem Moment spielt Nevo noch mit ihrer Freundin Juma fangen, im nächsten müssen sie sich aufteilen, denn solche Spiele sieht die Hausverwaltung gar nicht gerne. Da das Etagenhaus die einzige Welt ist, die die Bewohner kennen, hat die Hausverwaltung eine beträchtliche Macht, der die Kinder nicht ausgesetzt sein wollen. Juma versteckt sich im Wäscheschacht, aber als die Wachen weg sind, kann Nevo sie nicht mehr finden.
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    Juma versteckt sich im Wäscheschacht, doch als die Wachen weg sind, findet Nevo sie nicht mehr. Der einzige Weg zu Juma und zur Wahrheit führt nach unten, und Nevo beginnt, das System zu hinterfragen, über das sie zuvor nie nachgedacht hat. 
    
    Dieses Buch öffnet eine Welt, die in sich sehr geschlossen ist und eine Gesellschaftskritik verbindet. 
    Nevo ist ein mutiges 11-jähriges Mädchen und nach der Beschreibung des Hochhauses zu urteilen, hätten sich nur die wenigsten nach unten getraut. 
    
    An sich ging das Konzept immer auf und war gut durchdacht. Nur am Anfang blieb unklar, warum ein so kontrollierendes System überhaupt so etwas wie einen gemeinsamen Wäscheschacht zulässt, der mal eben nach unten führt. Zudem wird eine etwas banale Frage nicht geklärt: Wie wird die Wäsche der vielen Bewohner richtig zugeordnet? Da das Buch einen zum Hinterfragen anregt, bleiben diese Fragen bei der Genauigkeit der Geschichte nicht aus, diese wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Am Ende hätte mir noch etwas mehr Aufklärung des Systems gefallen, so bleibt jedoch zumindest die Fantasie angeregt. Eine kreative und spannende Geschichte.
    
    Raphaela Brosseron
  • Die beste Oma der Welt

    Die beste Oma der Welt

    Bea Taboada

    Viv Campbell

    Jumbo

    Verlagsempfehlung ab 4 Jahre

    Leider passt der Titel nicht so ganz zur Geschichte, denn das kleine Mädchen hat das Glück, dass sie gleich zwei Großmütter hat. Oma Luise, die flotte Oma mit dem grauen Bob, und Omi Juliane, die Oma mit dem Dutt, die gerne kocht und backt. Oma hilft bei de Hausaufgaben, weil sie schon als Kind dicke Lexika gelesen hat, sie kann aber auch „ganz tolle Zöpfe“ machen. Das Mädchen darf in ihrem Kleiderschrank stöbern und ihre Pumps anprobieren. Omi näht an der Maschine und es gibt Knöpfe zu sortieren. Während das Mädchen mit Oma in Cafés geht, erlebt sie mit Omi das Dorfleben und geht auf den Markt.
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    Oma schminkt sich gerne, weil sie das mag. Aber manchmal benehmt sich die eine Oma wie die andere Omi. Da wird mit Omi und Opi wild getanzt und Oma erzählt von früheren Zeiten. 
    So beschließt das Mädchen, sie möchte später mal „so mutig sein wie meine Oma und so entschlossen wie meine Omi.“ So wird sie für ihre Enkel zur Omami, und zwar zur besten auf der ganzen Welt!“
    
    Das ganze Buch zeigt die Liebe zwischen Oma und Kind, die ich jedem Kind nur wünschen kann, denn jede Oma versucht, die beste Oma der Welt zu sein. Ohne Wettstreit mit der anderen Oma, denn jede ist anders und jede wird so geliebt, wie sie ist. Das zeigt dieses Buch mit all seinen schönen bunten Bildern.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Holly Holunder und der magische Garten

    Holly Holunder und der magische Garten

    Judith Merchant

    EMF

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Arwid von Mühldorf ist mit seiner ständig mit dem Handy telefonierenden Mutter in ein kleines Dorf gezogen. Es riecht nach Landluft, wie seine Mutter behauptet und alles ist klein und sicher langweilig. Doch als Arwid in den Garten geht und etwas vor sich hinmurmelt, taucht plötzlich ein Mädchen auf. Das Besondere an ihr ist, dass „alles an ihr blass ist“ und ohne Farbe. Sie wohnt im Holunderbusch und stellt sich als Holly Holunder vor. Als die Mutter auftaucht, ist sie ganz plötzlich verschwunden. Zum Glück meldet sie sich aber bei Arwid und nennt ihm das Zauberwort, mit dem er sie rufen kann. 
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    Leider ist der Garten in Gefahr, denn die beiden Gärtner haben der Mutter eingeredet, dass ein japanischer Garten mit Steinen und Azaleen einfach toll aussehen würde. Dazu müssten aber alle Bäume und Sträucher und auch der kleine Teich entfernt werden.
    Da müssen Arwid, Holly und die anderen Geister schnell handeln, nur wie schaffen sie es die Mutter davon zu überzeugen, dass der Garten so wunderschön ist?
    
    Mir gefällt das Cover mit der durchscheinenden Holly und dem neugierigen Arwid sehr gut, auch im Buch sind noch einige schöne Bilder zu finden, die den Text, der in großen Buchstaben gedruckt ist, auflockern.
    Das Buch ist spannend und fantasievoll geschrieben und Holly ist ein wunderbares (Geister-)Mädchen.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Baby Mia – Ich bin wütend

    Baby Mia – Ich bin wütend

    Rocio Bonilla

    Jumbo

    Baby Mia

    Verlagsempfehlung ab 1 Jahr

    Babymia, die Kleine mit dem grau gestreiften Strampler, ist sehr wütend, das kann man auf dem Cover schon ganz genau erkennen. Auf die Frage „Was hast du, Babymai?“ kommt auch prompt diese Antwort, mit verschränkten Armen und Rauch um den Kopf, weiß jeder Bescheid. Weil sie doch die Banane selber schälen, noch eine Geschichte hören oder noch einen Keks wollte. Und erst recht, weil sie nicht ins Bett wollte. Der riesige Mund ist zum Schreien geöffnet und die Tränen spritzen nur so. Jetzt liegt sie trampelnd auf dem Boden, da kommt Papas tröstende Hand.
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    Er nimmt sie lieb in den Arm und als Mama sie dann noch an sich drückt, macht Mia die Augen zu.
    Auf den letzten beiden Seiten werden noch Dinge benannt, die man im Buch suchen kann.
    
    Es ist einfach toll, wie die Bilder ganz genau die Gefühle der kleinen Mia ausdrücken können und die Gründe, die Mia wütend machten, kennen sicher alle Kinder und auch Eltern.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Baby Mia – Ich bin glücklich

    Baby Mia – Ich bin glücklich

    Rocio Bonilla

    Jumbo

    Verlagsempfehlung ab 1 Jahr

    Wie schön, die kleine Mia im gestreiften Strampler ist glücklich. Mit großen Augen und einem wundervollen Lächeln ist sie abgebildet. Wie kann sie auch nicht glücklich sein, sie ist im Park gerutscht, hat sich als Saurier verkleidet und es gab ihr Lieblingsessen - Spaghetti!  
    Sie hat ihre Spielsachen geteilt und im Spiegel gesehen, wie ihr Mund immer breiter wurde und sie lachte. Aber wenn Papa sie kitzelt, lacht sie am meisten.
    Auch in diesem Pappbilderbuch gibt es auf den letzten beiden Seiten wieder Sachen, die man im Buch wiederfindet.
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    Man muss sie einfach lieben, die kleine Mia und wenn sie glücklich ist, macht es besonders viel Freude, sie anzuschauen. Ein wundervolles Bilderbuch über ein schönes Gefühl mit Bilder, die mich auch ein wenig glücklich machen.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Be my first

    Be my first

    Jay McLean

    Ravensburger

    Verlagsempfehlung ab 16 Jahre

    Connor muss für seine Basketballkarriere in seinem letzten Jahr die High School wechseln. Anfangs ist er wenig begeistert von der plötzlichen Umstellung. Doch als er in seiner ersten Unterrichtsstunde neben Ava sitzt, ändert sich alles. Obwohl sie von den anderen kaum beachtet wird und sich von der Welt abzuschotten scheint, übt Ava eine unerklärliche Anziehungskraft auf Connor aus. Ava ist nicht ohne Grund so isoliert. Ein stadtbekannter Vorfall mit ihrer Mutter hat sie dazu gebracht, den Kontakt zu anderen Menschen zu vermeiden. Doch auch sie spürt eine unerklärliche Verbindung zu Connor. Langsam beginnen die beiden sich einander anzunähern. 
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    Das Buch verspricht auf dem Rücken „Intensiv. Bittersüß. Sexy.” zu sein.
    Der Anfang war aufgrund des angenehmen Schreibstils noch vielversprechend. Allerdings erwies sich die Geschichte als alles andere als romantisch. Die Triggerwarnung am Anfang wies auf Gewaltdarstellungen hin, was darauf schließen lässt, dass das Buch auf seine Sensibilität geprüft wurde. Leider wurden dabei zahlreiche kritische Punkte übersehen. Es wäre vertretbar gewesen, wenn diese Punkte einen ästhetischen Nutzen gehabt hätten oder eine gewisse Mehrdeutigkeit oder einen anderen Sinn und Zweck erfüllt hätten. Doch stattdessen wurden Dinge wie Bodyshaming, Sexting mit Bildern und schädliches Verhalten innerhalb der Beziehung von Conor und Ava unkommentiert dargestellt und sogar romantisiert. Wenn Connor der Auffassung ist, dass Ava ihren kurzen Schulrock (in der Schule) trägt, um ihn zu provozieren, frage ich mich, um welchen Preis der Roman “intensiv” sein soll. 
    
    Das Trauma der Mutter und die damit verbundene Belastung hätten der Geschichte eine Tiefe verleihen können, die ich nicht einmal von einem Romance-Roman erwartet hätte. Dadurch hätte Conor die Möglichkeit gehabt, subtil sein wahres Ich zu zeigen. Ich glaube jedoch nicht, dass die Autorin ihn tatsächlich als besitzergreifenden und egoistischen Partner darstellen wollte. Vielmehr scheint sie gedacht zu haben, dass dies der Zielgruppe junger Mädchen gefallen würde. Der gewählte Perspektivwechsel hätte ebenfalls viel Potenzial gehabt, aber leider wurde er falsch genutzt. Als Ava sich trotz ihrer sozialen Ängste dazu entscheidet, sich aufgrund ihrer “Liebe” zu Conor einer High-School-Veranstaltung anzuschließen, wird dies von Conor auf eine unempathische Weise erzählt. Trotz seiner innigen Liebesschwüre zeigt er gegen Ende wenig Verständnis, wenn Ava andere Sorgen hat, die nichts mit seiner Basketballkarriere zu tun haben. 
    Auch Avas Verhalten ist an vielen Stellen sehr fragwürdig und es entwickelt sich das, was man heute als toxische On-Off-Beziehung bezeichnen würde. 
    
    Mehr belastend als bittersüß kann ich dieses Buch eigentlich niemandem empfehlen, da ich es sehr bedenklich finde, was hier als romantische und erotische Unterhaltung verkauft wird.
    
    Raphaela Brosseron