• Eine Kugel Schoko bitte

    Eine Kugel Schoko bitte

    Aniko Lerch

    Daniel Fernández

    Edition riedenburg

    Leseempfehlung ab 4 Jahre

    Stolz hält uns Emmo sein Schokoladeneis entgegen, dass er selbst am Eiswagen gekauft hat. Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg, den Emmo zusammen mit Frau Dr. Sperling und seiner Familie gehen muss. 
    Denn Emmo spricht ausschließlich zu Hause mit seiner Familie, da plappert er problemlos drauf los, aber wenn er in der Kita ist, hängen die Worte in seinem Hals fest.
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    Da Emmo uns selbst seine Geschichte erzählt, erfahre wir genau, wie es ihm geht, wenn erwartet wird, dass er spricht. Mit seinem Schweigen macht er aber auch die anderen aggressiv, sie verstehen nicht, warum er nichts sagt. So übernimmt sein kleiner Bruder das Sprechen für ihn und seine Mutter umgibt ihn nur mit Menschen, die Verständnis mit Emmo haben. So lernt Emmo Geige und sein Lehrer hat keine Probleme damit, dass Emmo nicht mit ihm spricht, ihre Sprache ist die Musik. Erst als Emmo zu Frau Dr. Sperling kommt, hat seine „Nichtsprechen“ ein Diagnose „Selektiver Mutismus“, und obwohl ich das Buch „Luftmaschentage“ kenne, war mir der Begriff fremd. Er beschreibt Menschen, die zeitweilig nicht sprechen, obwohl sie es können. Frau Dr. Sperling begleitet Emmo einige Jahre und gemeinsam schaffen sie es, dass Emmo, als er in die Schule kommt, mit seinen Mitschülern und mit der Lehrerin spricht. Sie geht da sehr langsam und mit viel Gefühl vor, aber sie ist sehr erfahren und weiß, wie sie Emmo dazu bringt, zunächst Buchstaben lautlos zu sprechen. 
    Im ersten Teil des Buches berichtet Emmo und im zweiten Teil gibt es Tipps, wie man mit Ritualen und ganz viel Lob etwas bewirken kann. Ein Buch, das Hoffnung macht und uns anderen zeigt, dass wir mehr Verständnis aufbringen müssen, wenn uns ein Kind nicht antwortet.
    Neben dem gut verständlichen Text gibt es viele bunte Bilder und Anregungen für Rituale im zweiten Teil.

    Dagmar Mägdefrau

  • Ein Liekesch für Jascha

    Ein Liekesch für Jascha

    Mehrnousch Zaeri-Esfahani

    Frauke Angel

    Barbara Jung

    Gerstenberg

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Nominiert für den Vielfalterpreis 2025

    Wenn man diesen Titel liest, kommt sofort die Frage auf: „Was ist ein Liekesch?“ und ich habe überlegt, ob ich es hier verraten soll? Aber ich denke, ich lasse euch die Spannung, es selbst zu erlesen. 
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    Das Titelbild zeigt Jascha, der sich Jaša schreibt und aus Bosna i Hercegovina kommt, wie er seinen dünnen Arm nach oben streckt. Hinter ihm der blaue Schatten hat richtige Muskelpakete. Und um diese dünnen Arme geht es zunächst. Die Turnlehrerin hat Jaša gesagt, er solle kräftigere Arme bekommen und da kommt der Liekesch ins Spiel. Jaša sucht danach und kommt so zum Sportwarengeschäft von Frank, der seiner Mutter in Briefen erzählt, was um ihn herum passiert. Zwischen den beiden entwickelt sich im Laufe der Geschichte eine ungewöhnliche Freundschaft. Nicht nur durch die fehlenden Sprachkenntnisse von Jaša kommt es zu einigen Verwicklungen und trotzdem gibt es am Ende eine wunderschöne Lösung aller Probleme.
    Neben dem tollen Cover gibt es im Buch noch einige sehr schöne bunte Illustrationen und handgeschriebene Briefe. Jaša ist so ein liebenswerter Junge und der erwachsene Frank ist ebenfalls rührend beschrieben, denn trotz seiner Boxerstatur und seiner Selbständigkeit ist er im Herzen ein kleiner Junge. Da ist es schön zu erleben, wie die beiden sich immer wichtiger werden. Ein dünnes Buch über eine dicke Freundschaft und der Jagd nach dem geheimnisvollen Liekesch. Eine gute Idee wurde hier hervorragend umgesetzt.

    Dagmar Mägdefrau