• So leicht kommen wir nicht davon    

    So leicht kommen wir nicht davon    

    Dorit Linke

    Arena

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Im August 1989 ist die gute Schwimmerin Hanna mit ihrem Freund Andreas über die Ostsee geflohen. Leider kam nur Hanna völlig ausgelaugt auf Fehrmann an und könnte bei ihrer Tante Brigitte in Bremen einziehen. Als die Grenze unerwartet geöffnet wird, kehrt sie zusammen mit der Tante nach Rostock zurück. Dort wird ihr vorgeworfen einfach gegangen zu sein und ein wenig wird sie auch als „Westdeutsche“ für die Probleme, die die Wende mit sich bringt, verantwortlich gemacht. 
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    In Hamburg trifft sie auf den ausgebürgerten Jensi, doch das erste Treffen gestaltet sich schwierig. Weil auch er Hanna für den Tod des gemeinsamen Freundes verantwortlich macht. Beide leiden unter dem Verlust und Hanna redet im Text immer wieder mit Andreas, der so vieles mit ihr erlebt hat. Dadurch wurde mir immer klarer, wie schrecklich das Leben in der DDR besonders für den unangepassten Jugendlichen gewesen sein musste. Hanna fühlt sich in Rostock nicht mehr zu Hause und nachdem sie die Angriffe auf die Ausländer in Lichtenhagen erlebte, kann sie die ehemalige Landsleute nicht mehr verstehen. Als sie den Opa und Jensi nach Schottland begleitet, kann sie dort finden, was sie gesucht hat. 
    Die Geschichte wird ein wenig sprunghaft erzählt, trotzdem konnte ich sehr gut verfolgen, wie Hanna die 1990er Jahre erlebt hat. Da sind die Vorwürfe und die Trauer über den Tod von Andreas, das neue Leben in Bremen und Berlin, die Ablehnung und Kälte der Mutter, das Verstehen der Tante und das Kennenlernen ihrer Freundin Susan.
    Ich habe das Buch mit viel Neugier gelesen und vieles erfahren, was mit vorher nicht so klar war. Dorrit Linke hat vieles, dass inzwischen verklärt gesehen wir, geradegerückt. Ich kann allen, die die Zeit nicht erlebt haben, dieses Buch ans Herz legen, aber auch für Menschen, wie mich, die alles von Weitem aus dem Weste erlebt haben, erfahren hier viel Interessantes. Unbedingt auch das Nachwort lesen und die Erklärungen zu vielen Begriffen. Sicher lohnt es sich auch die Playlist anzuhören, denn auch Musik ist Zeitgeschichte.
    Ein sehr ehrliches Buch mit einer klaren politischen Aussage.

    Dagmar Mägdefrau
  • Fritzi war dabei

    Fritzi war dabei

    Hanna Schott

    Gerda Raidt

    Klett Kinderbuchverlag

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Der hellblaue Trabant wird gewaschen und Fritzi kommt mit ihrem Tornister des Wegs, so ein ähnliches Bild haben wir von der ehemaligen DDR in unseren Köpfen.
    Am 1. September beginnt nach den Sommerferien wieder die Schule und Fritzi ist auch irgendwie froh, dass der Schulalltag wiederkehrt.
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    Allerdings ist der Tag auch der Beginn eines ganz besonderen Herbstes, denn wir schreiben das Jahr 1989. Der erste Schultag beginn mit dem Fahnenappell und Fritzi ist stolz, dass sie jetzt ein rotes Tuch auf ihrer weißen Bluse tragen darf. Das dazugehörende Bild zeigt die Kinder mit ihrer strengen und linientreuen Lehrerin unter der Fahne. In der Klasse stellt sich heraus, dass Sophie fehlt und die Lehrerin macht eine Bemerkung, die Fritzi nicht verstehen kann. Doch in der nächsten Zeit ist immer wieder von Ungarn die Rede und sowohl Mama als auch Papa beklagen, dass Kolleg*innen nicht mehr zur Arbeit kommen. Mama entschließt sich, in die Nikolaikirche zu gehen und nimmt ihre Tochter mit. Beim Verlassen der Kirche werden die beiden gefilmt und die Reportage wird im Westfernsehen ausgestrahlt. 
    Durch das Buch wurde mir wieder klar, was für ein Wunder wir doch 1989 erleben durften und mit welcher Freude wir uns auf ein Zusammenleben mit „den Brüdern und Schwestern im Osten“ gefreut haben. Hier erleben wir die Ereignisse aus Sicht der neunjährigen Fritzi, die eine Oma in München hat, die sie von Zeit zu Zeit in Leipzig besucht. Die uns aber die Sichtweise eines im Sozialismus lebenden Mädchens aufzeigt. Gerade für mich, die ich immer im Westen gelebt habe und die auch keinen Bezug zur DDR hatte, ist das eine interessante Erfahrung.
    Mit seinen 87 Seiten und vielen erklärenden Illustrationen ist das Buch sehr gut zu lesen und zu verstehen. Ich denke, es ist wichtig, dass die Kinder auf diesem Weg von der jungen deutschen Geschichte erfahren und die Form, dass ein Mädchen aus Ihrem Alltag berichtet, ist hervorragend gewählt.

    Dagmar Mägdefrau