• Suddenly a Murder – Mord auf Ashwood Manor

    Suddenly a Murder – Mord auf Ashwood Manor

    Lauren Munoz

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    „5 von euch sind unschuldig. ‟

    Sieben junge Menschen feiern ihren Abschluss auf eine ausgefallene Weise: Auf einer abgelegenen Insel, ganz im Stil der 1920er Jahre, ohne Handys, in dem alten Anwesen Ashwood Manor mit seinen Geheimgängen und Bediensteten. Es sollte die schönste Zeit ihres Lebens werden – doch es wird auch die schlimmste. Einer von ihnen stirbt, und der Mörder muss unter ihnen sein.
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    Als klassischer Locked-Room-Krimi inszeniert, erinnert die Handlung an eine packende Version von Cluedo. Für Kassidy, Izzy, Chloe, Ellison, Fergus und Malowe wird diese Nacht zur Realität des Schreckens, als Blaine, der Anführer ihrer Gruppe, erstochen aufgefunden wird. Jeder von ihnen hat ein Motiv, denn Blaine war nicht immer ein guter Freund. Das dichte Netz aus Dramen und Geheimnissen zu entwirren, war ein großes Lesevergnügen, da man als Leser*in bis zum Schluss alles und nichts für möglich hält.
    Die Rückblenden gewähren uns einen tiefen Einblick in das Leben der Schüler*innen der Marian Academy. Geschickt werden die Figuren intensiv vorgestellt, bevor die ersten Hinweise auf die Tat enthüllt werden. Einerseits traute ich es jedem der sechs zu, andererseits hoffte ich, dass keiner der Täter war – so sehr war ich in die Dynamik der Gruppe involviert.
    Manches bleibt unausgesprochen und dadurch tatsächlich bis zum Schluss unklar, wie zum Beispiel Izzys Geheimnis. Der geschickte Wechsel zwischen ihrer Ich-Perspektive und einem personalen Erzähler verstärkt dieses Gefühl: Immer, wenn man denkt, man sei dem Geheimnis auf der Spur, wird man wieder zurückgeworfen.
    Besonders gelungen fand ich die Gestaltung der beiden Ermittler, deren Persönlichkeiten den Kriminalfall zusätzlich bereichern.
    Wer diesen Jugendkrimi beginnt, sollte Zeit einplanen, denn die Detektivarbeit lässt sich auch für die Leser*innen nur schwer pausieren.

    Raphaela Brosseron

  • Alles im Grünen oder Wie ich die Kette der Beschissenheit durchbrach 

    Alles im Grünen oder Wie ich die Kette der Beschissenheit durchbrach 

    Filiz Penzkofer

    Rotfuchs

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Für diejenigen, die das Buch gelesen haben, ergibt folgende Zusammenfassung Sinn: Die Ketten der Beschissenheit (vornehmer ausgedrückt: chaînes de merde) von Rabea, Queen Tiger und Musti wurden in der Wohngemeinschaft des betreuten Wohnens absolut unordentlich nebeneinandergelegt. 
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    Für alle anderen: Rabea hat eine schwere Angststörung, Queen Tiger ist viel beschäftigt mit Voodoo-Hexerei und Musti versucht, das Trauma aus dem Krieg in Syrien zu verarbeiten und Deutsch zu lernen. Alle drei haben wenig miteinander zu tun, obwohl sie (unfreiwillig) unter einem Dach leben. Als die Vermieterin ihnen mit Rauswurf droht, denken die drei, dass es gar nicht schlimmer werden kann. Die gemeinsame Kette der Beschissenheit beginnt da jedoch gerade erst … 
    Bei den vielen Problemen, die die drei haben, habe ich ein wenig gebraucht, um reinzukommen, da es gleichzeitig äußerst ungewöhnliche Probleme sind. Als die drei dann angefangen haben, sich anzunähern und sich gegenseitig zu verstehen, fand ich die Dynamik der Figuren spitze. Wer sich das alles ausgedacht hat, muss absolut viel Fantasie und einen Sinn für das Merkwürdige haben. Anders kommt man alleine auf die vielen Details zum Voodoo-Zauber nie im Leben! Die Metapher der Kette der Beschissenheit merke ich mir; die Stelle, als der Titel endlich Sinn ergibt, war großartig.
    Ansonsten ist mir das Ganze einen Tick zu chaotisch, aber wie sagt man so schön: Das Genie beherrscht das Chaos.
    Musti hat sich für mich schnell zum Liebling entwickelt. Wie er die deutschen Sprichwörter durcheinanderbringt, ist wirklich ulkig. Die Stellen kann ich mir auch gut als Auszüge für den Deutschunterricht vorstellen, wenn man über Sprichwörter und ihre Bedeutung für die alltägliche Kommunikation spricht. Nicht nur inhaltlich, sondern auch sprachlich ein starker Roman!

    Raphaela Brosseron


    Ein herrlich verrücktes Buch, ich hatte solch einen Spaß beim Lesen.
    Dank ihrer Therapeutin Maya bekommt Rabea einen Platz in einer WG.
    Hier lebt sie zusammen mit Queen Tiger, einer Voodoo-Zauberin mit geschwärztem Augenweiß, und Musti, einem Syrer, den sie aufgrund seinen Bartes für einen Terroristen hält.
    Da wird es im Alltag für eine junge Frau, die voller Ängste ist, schwer. Auf keinen Fall will sie den beiden in der Wohnung begegnen, auch den gemeinsamen Kühlschrank kann Rabea unmöglich benutzen. Statt einzukaufen, nutzt sie die Lieferdienste, U-Bahn oder Taxi kann sie auf keinen Fall nutzen und an Friedhöfen geht sie nicht einmal vorbei.
    Doch dann geschieht etwas völlig Unerwartetes, die Vermieterin liegt tot in ihrer Wohnung und Musti hat sie dort gefunden. Doch statt die Polizei zu informieren, versucht Queen Tiger, die alte Frau mit ihren Zauberkünsten zurückzuholen. Die Situation wird immer chaotischer und ich konnte mir oft ein Lachen nicht verkneifen.
    Im Laufe der Geschichte erklärt sich auch der ungewöhnliche und etwas unhandliche Titel auf witzige Weise. Zu Anfang fand ich das Buch einfach nur durchgeknallt, aber je weiter ich las, umso mehr konnte ich die Denkweise der Protagonisten verstehen und die drei ungleichen Menschen wurden zu einer tollen Gemeinschaft, Geheimnisse wurden preisgegeben und Rabea entwickelte sich zu einer etwas weniger ängstlichen jungen Frau.
    Es lohnt sich auf jeden Fall, den Titel zu merken und das Buch zu lesen.

    Dagmar Mägdefrau

  • Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)

    Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)

    Tess Sharpe

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    „Manche Mädchen kriegen manche Sachen nicht.”

    Ein süßes, buntes Cover und ein relativ eindeutiger Titel (Man kann sich vielleicht ein wenig denken, was beim 7. Mal geschieht) lassen eine Art RomCom vermuten, eine niedliche Lovestory, die nach ein paar Turbulenzen ihren Ausgang findet.
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    Die Geschichte von Penny und Tate ist so viel mehr als das und hat mich wahnsinnig traurig und gleichzeitig genauso glücklich gemacht. 
    Penny und Tate kennen sich ihr ganzes Leben lang, denn ihre Mütter sind beste Freundinnen. Bestimmt hatten letztere mal gehofft, dass ihre Töchter eine ähnliche Verbindung haben. Eine Verbindung haben sie - jedoch weigern sie sich, diese friedlich zu halten, die Spannungen könnte man definitiv als Ungereimtheiten auffassen, wenn da nicht noch irgendwas anderes wäre. Das zwischen den beiden ist jedoch schwierig zu deuten, denn wirklich beide Ich-Erzählerinnen sprechen es partout nicht aus, dabei erinnern sie mich stark an eine Freundin, die nicht zugeben kann, wenn sie jemanden mag. Gott sei Dank haben wir Meghan, Pennys beste Freundin, die sieht, was zwischen den beiden ist.
    Falscher Stolz/ Schüchternheit usw. sind jedoch nicht das Einzige, was irgendwie zwischen den beiden steht (oder sie sogar verbindet?), denn beide haben wirklich harte Schicksale, die sie verarbeiten müssen, ab jetzt sogar unter einem Dach, denn ihre Mütter haben entschlossen, zusammenzuziehen.
    Wie traumatisch vor allem Pennys Verlust ist, bekommt wirklich viel Platz, das ist einem am Anfang der Geschichte nicht unbedingt klar. Da musste ich manchmal schlucken, aber ich fand es toll, dass alles vernünftig aufgearbeitet wurde und die Liebesgeschichte nicht die Lösung aller Probleme sein sollte. Es blieb nicht ohne Grund bei 6 Malen “almost kissed”: Es sollte einfach ein sicherer Moment sein.
    Das Knistern zwischen den beiden und diese tiefe Verbindung war bei jeder Beinahe-Situation und auch dazwischen so spürbar, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension am liebsten noch einmal den Roman in die Hand nehmen würde. Dieses „Mein-Gott-jetzt-findet-endlich-zusammen”-Gefühl macht einen wahnsinnig, aber ich habe es genauso geliebt, ein ganz besonderes Gefühl, das nur wenige Bücher auslösen können.
    Ich beneide alle, die es noch zum ersten Mal lesen dürfen, weil das Lesegefühl wirklich toll war!

    Raphaela Brosseron

  • Mute – Wer bist du ohne Erinnerung?

    Mute – Wer bist du ohne Erinnerung?

    Tobias Elsässer

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    „Jedes Mal, wenn ich diese Bilder anschaue, denke ich daran, wie zufällig dieses Leben ist. An welchem Ort man geboren wird, in welchem Haus, bei welchen Eltern. Alles Zufall.”

    Espe lebt als eines von drei Adoptivkindern mit einer leiblichen Tochter zusammen bei ihren liebevollen Eltern, die beide wissenschaftlich engagiert sind und sich stets bemühen, ihren Kindern ein gutes Leben zu bieten.
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    Dieses Streben führt dazu, dass die Familie häufig umzieht, zuletzt in ein Haus in St. Engberts. Dort ereignet sich ein Unfall, der glücklicherweise glimpflich endet. Seitdem jedoch wird Espe regelmäßig von unerklärlichen Bildern heimgesucht, die besonders durch unangenehme Gerüche ausgelöst werden. Ihre jüngere Schwester Yuma zeigt sich seit dem Unfall ebenfalls verändert, zieht sich von der Familie zurück und beginnt, allem zu misstrauen. 
    Die Situation eskaliert weiter, als die Eltern verhaftet werden und die Familie ins Kreuzfeuer der Medien gerät. Die genauen Vorwürfe gegen die Eltern werden erst allmählich enthüllt und scheinen mit der Vergangenheit der adoptierten Kinder verknüpft zu sein. Dieses schrittweise Zusammensetzen der Ereignisse verdeutlicht das Leid der Geschwister, die als Adoptivkinder ohne Erinnerungen an ihre eigene Herkunft kämpfen. Ihre Identität ist durch diese Lücken geprägt.
    Die Handlung wird durch die chronologische Erzählweise sowie Einschübe von Interviews einer Investigativreporterin und Notizen aus einem Tagebuch, das von einem Klinikaufenthalt berichtet, reichhaltig gestaltet. Themen wie Erinnerungen, Trauma und Epigenetik bilden ein komplexes wissenschaftliches Geflecht, das von Tobias Elsässer fesselnd in die Geschichte integriert wird. Im Nachwort betont Elsässer, dass diese Themen primär der Erzählung dienen und nicht vollständig sachlich aufgearbeitet sind. Das heißt. dass man nicht alle wissenschaftlichen Erklärungen zur Epigenetik vollständig verstehen muss, es reicht, sie als spannenden Motor der Geschichte zu sehen.
    Absolut kein alltäglicher Thriller, durchweg fesselnd und bis zum Schluss voller Innovationen!

    Raphaela Brosseron
  • The dreams we chase

    The dreams we chase

    Lorena Schäfer

    One

    Emerald Bay

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Im dritten Teil der Reihe verschlägt es Lexi für ein Meeresbiologie Studium vom Outback nach Emerald Bay. Mit diesem Studium erfüllt sie sich einen Traum, den sie schon strebsam verfolgen will. An der Uni trifft sie auf Hazel, die wir schon aus dem zweiten Teil kennen und die beiden freunden sich an. 
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    Jake kennen wir ebenfalls aus dem zweiten Teil, genauso ist Lexi ihm in der Vergangenheit bereits begegnet, doch hat sie daran keine gute Erinnerung, denn sie hält Jake für einen privilegierten Sohn bekannter Meeresforscher. Jake ist genauso wenig begeistert, als die beiden dann ausgerechnet zu einem gemeinsamen Projekt verdonnert werden … 

    Der Teil ist mein Lieblingsteil der Reihe, erst mal ist es natürlich irgendwie, wie an einen bekannten Ort zurückzukehren und es war auch schön, zumindest einige Figuren wiederzutreffen. Aber ich hatte dieses Mal nochmal mehr das Gefühl, dass die Autorin sich von gängigen Romance-Klischees versucht abzuheben, ohne den Faktor “Romance” zu streichen. Der Konflikt der beiden spitzt sich nicht künstlich zu und sie schaffen es öfter mal, tatsächlich zu kommunizieren und Sachen aus der Vergangenheit zu klären.
    Außerdem verlieren beide ihre persönlichen Ziele nicht aus den Augen, sofern sie sich derer sicher sind. Ganz sicher ist, dass beide das Meer lieben und sehr viel Ahnung davon haben, das hat mir am Buch auch super gefallen. Da wurde Emerald Bay als Umgebung richtig ausgeschöpft und nochmal anders beschrieben.
    Einfach eine richtige Wohlfühlgeschichte und ich bin traurig, erst mal nicht mehr in Emerald Bay zu sein!

    Raphaela Brosseron
  • Wild is the Witch – Verfluchte Nähe

    Wild is the Witch – Verfluchte Nähe

    Rachel Griffin

    Oetinger

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    In einer Welt, in der Hexen und Magie Teil der Realität sind und Menschen von ihnen wissen, verbreiten sich auch Skandale der Hexenwelt: Iris Freundin Amy versuchte ihren Freund Alex in einen Magier zu verwandeln, mit furchtbaren Folgen. Das ging schief und landete sogar vor einem richtigen Hexengericht. Zwei Jahre später hat Iris ihr Leben wieder im Griff, aber dann bringt eine Nachricht im Radio die ganze Sache wieder hoch. 
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    . Gerade da macht Pike, der Super-Praktikant im Wildtiergehege von Iris Mutter, eine blöde Bemerkung über Hexen. Iris, die eigentlich gelernt hat, mit ihrer Magie vorsichtig umzugehen, passiert ein dummer Fehler: Sie verflucht Pike in einem wütenden Moment.
    Das Seltsame ist, dass gerade Pike ihr hilft, als sie versucht, den Fluch wieder rückgängig zu machen. Sie gehen zusammen in den Wald, wo Pike eigentlich nichts von der Magie mitkriegen soll. Aber irgendwie lernen sie sich besser kennen und Iris bereut den Fluch immer mehr.
    Die Magie in dieser Welt wird wie physische Energie verstanden, die nicht erschaffen, sondern transformiert wird, und ist somit tief mit der Natur verwoben. Diese Auffassung von Magie passt wunderbar zum Setting des Wildtiergeheges und des Waldes, welches bereits eine mystische Atmosphäre bietet. Es fühlt sich alles magisch und irgendwie richtig an.
    
    Genauso energiereich ist die Beziehung von Iris und Pike, zunächst als “Konkurrenten”, die eher wenig rücksichtsvoll miteinander umgehen, nach dem Kennenlernen, verwandelt sich auch hier die Energie. Das macht sowohl die Handlung als auch das Zwischenmenschliche stimmig, trotzdem sind noch genug Reibungspunkte für äußerst spannende Momente da, denn die Konsequenzen, denen Iris ausgesetzt ist, sind enorm. 
    "Verfluchte Nähe" trifft es genau: Die Geschichte von Iris und Pike ist spannend, ein bisschen romantisch und zeigt, wie Magie und Natur zusammengehören. Es ist ein tolles Buch für alle, die gerne in eine magische Welt eintauchen und dabei was über Freundschaft und das Überwinden von Vorurteilen lernen wollen.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Stolen Crown – Magie des dunklen Zwillings

    Stolen Crown – Magie des dunklen Zwillings

    Valentina Fast

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Valentina Fasts Buch entführt uns auf 624 Seiten in eine vielschichtige und fesselnde Welt, die nach dem fiktiven vierten Weltkrieg von einer Atombombe verwüstet wurde.
    Eine Atombombe zerstörte die Welt, wie wir sie kennen, einige Menschen konnten sich in Bunkern verstecken und überleben, andere wurden durch die Radioaktivität zu Fabelwesen, zu Faes. Die Faes spalten sich in Tag-Faes, Wesen voller Licht und positiver Energie, und Nacht-Faes, die in Dunkelheit gehüllt, als gefährlich gelten.

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    Avi und Ana sind Zwillinge, was nicht sein darf, da einer automatisch ein Nacht-Fae ist. Deswegen müssen sie sich ein Leben teilen, als Aviana. Doch als Ana erkrankt, setzt Avi alles daran, sie zu retten, und kreuzt dabei den Weg von Ren, einem Soldaten von Fürst Nevan, der Avi in den Kampf für eine gerechtere Welt einweiht, in der Nacht- und Tag-Faes gleichberechtigt sind.
    Valentina Fast bietet eine komplexe Mischung aus Dystopie und Fantasy, die durch den Kontext des vierten Weltkriegs plausibel und faszinierend wirkt. Die Erzählung ist nicht auf einen einzigen Spannungsbogen beschränkt, sondern entfaltet sich in einer Reihe kleinerer, die die Geschichte authentisch und vielschichtig machen. Die "Sinnesspiele", obwohl sie an "Die Tribute von Panem" erinnern, vor allem mit dem überdrehten Spielleiter Spencer, tragen eine eigene Note und lassen Menschen und Dunkel-Faes gegeneinander antreten. Die Spiele gehen in dem vielen Geschehen fast ein wenig unter, aber vielleicht wäre durch einen stärkeren Fokus dort die Parallele zu den Tributen von Panem tatsächlich zu groß geworden. 
    Avi als Hauptfigur hat viele Probleme und als Zwilling, der immer im Schatten stand und ihre wahren Kräfte nicht zeigen durfte, einige Komplexe. Zwischendurch schien es so, als fände sie jeden Mann, der ihr begegnet unendlich attraktiv, jeder löst “Hitze” in ihr aus,  eine Beschreibung, die man häufig in Romance-Büchern findet und man hat den Eindruck, sie ist da sehr willkürlich. Erst später wird klar, dass es nun mal auch mit ihrem versteckten Leben zusammenhängt, in dem sie keinen Umgang mit Männern pflegte, die tatsächlich an ihr als individuelle Person interessiert waren, daher finde ich, dass sogar das irgendwann ein logischer Teil der Geschichte ist.
    Insgesamt muss man sich auf viele verschiedene Ereignisse einlassen, mehr wie eine Serie mit verschiedenen Folgen, statt ein kontinuierlicher Film, erstreckt sich die Geschichte auf über 600 Seiten. Jedoch kann man der Geschichte gut folgen und es bleibt stets spannend. Dabei ist nicht nur Liebe Schlüssel zum Glück, sondern auch das Finden des Selbst als Dunkel-Fae, Freundschaft und Geschwisterliebe.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Wie Melodien im Wind – Liebe ist Band 2  

    Wie Melodien im Wind – Liebe ist Band 2  

    Alicia Zett

    one

    YA-Trilogie

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Toni führt ein Doppelleben auf dem Internat Schloss Mare, umgeben von wohlhabenden Mitschüler*innen und sogar einem Prinzen, ohne dass jemand von ihrem eigentlichen familiären Hintergrund weiß. Lukas, der dänische Prinz, hat ihr Herz erobert, aber aufgrund der unüberbrückbaren Kluft zwischen ihren Welten gehen sie sich irgendwann aus dem Weg, was für ihre Mitschüler*innen schwer nachvollziehbar ist.
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    In dieser Geschichte wird Tonis langjährige Freundschaft mit Lukas aufgegriffen, was ihre Beziehung besonders authentisch macht. Beide tragen Ängste und Sorgen mit sich, wobei wir Tonis Perspektive folgen. Neben aktuellen Herausforderungen plagt sie auch die Zukunftsangst. Musik, ihre große Leidenschaft neben dem Fußball, wird zu einem Ventil für ihre Gefühle. Sowohl ihr als auch Lukas fällt es manchmal leichter, mit Melodien ihren Gefühlen ihren Raum zu geben. Ich finde es manchmal schwierig, über Musik nur zu lesen, aber da hier vor allem die Texte bedeutend sind und Toni in allen Bereichen ihres Lebens versucht, „nicht aus dem Takt zu kommen”, passt Musik hier wunderbar, um auch über ihren mentalen Einfluss zu sprechen. Generell wird das Thema mentale Gesundheit in der Geschichte sehr ernst genommen, ohne dabei die Liebesgeschichte in den Hintergrund zu drängen und umgekehrt. Die Spannung entsteht aus der Gegensätzlichkeit von Toni und Lukas sowie aus ihren gut gehüteten Geheimnissen. 
    Maximal neidisch bin ich auf das Internatsleben, gerade wegen der Freundesclique um die beiden herum, die uns hoffentlich nochmal in einem nächsten Teil begegnen wird. 
    Die Autorin nimmt die Gefühle von Jugendlichen ernst und verpackt ernste Themen in einen Wohlfühlroman, der sicher mitfiebern lässt.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • The waves we catch – Emerald Bay

    The waves we catch – Emerald Bay

    Lorena Schäfer

    one

    Emerald Bay

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Band 2

    Im zweiten Teil der Emerald-Bay-Trilogie enthüllen sich endlich die Hintergründe von Nathan, dem besten Freund von Taylor, der bereits im ersten Teil eingeführt wurde, sowie von Billie, die dort nur namentlich erwähnt wird. Zuvor war Billie einfach verschwunden und hatte Nathans Herz gebrochen. Als ihre "Pflegemutter" Phoebe stürzt und ins Krankenhaus kommt, kehrt Billy zurück, obwohl sie geschworen hatte, dies nie wieder zu tun. Ein Treffen mit Nathan lässt sich dabei nicht vermeiden…
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    Noch viel mehr als im ersten Teil besteht hier die Dramatik in der fehlenden Kommunikation der beiden Hauptfiguren, Billie und Nathan. Bei Ivy und Taylor war die fehlende Kommunikation aber ein wenig verständlicher, denn die beiden kannten sich nun mal noch nicht. Billie und Ivy kennen sich seitdem sie Kinder sind und waren sogar ein Paar. 
    Billies Beweggründe sind schon nachvollziehbar, vor allem bleibt es spannend, da man diese nicht direkt erfährt. Allerdings habe ich bei sowas immer das Gefühl, es wird eine Tragik konstruiert, die mit einem einfachen Gespräch zu einem Happy End werden kann, ohne dass eine der Figuren dabei an Sympathiepunkten verliert. Was genau dahintersteckt, kann jede*r selbst nachlesen, je nach Erwartungshaltung wird man eventuell enttäuscht. Dennoch sind romantische Elemente und die malerische Kulisse Australiens auch im zweiten Teil präsent. Fans von Ivy und Taylor dürfen sich freuen, da sie in dieser Fortsetzung nicht gänzlich fehlen und man zudem mehr über den Verlauf der anderen Figuren erfahren wird.
    Den Titel finde ich für den Surfprofi Nathan passend, ich dachte mir sofort, dass es in dem Teil um ihn geht.
    Für den dritten Teil hätte ich andere Hauptprotagonist*innen erwartet, trotzdem bin ich gespannt, wen wir da aus Emerald-Bay wieder treffen. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    
    
    
  • Die Farbe von Schneeflocken

    Die Farbe von Schneeflocken

    Larissa Schira

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Die 16-Jährige Letti und der 17-Jährige Matteo sind weihnachtliche Gegensätze. Letti ist nicht wirklich ein Fan des Festes, während Matteo sich als richtiger Weihnachtsenthusiast bezeichnet. Doch trotz ihrer gegensätzlichen Meinungen arbeiten sie gemeinsam an einem besonderen Projekt in der Kinderklinik – dem Wunschbaum, um den kranken Kindern dort ein zauberhaftes Weihnachten zu bereiten. Letti kommt die Zusammenarbeit gerade recht, da sie so nicht alleine mit Weihnachten konfrontiert wird. Matteo ist trotz Lettis Abneigung gegen Weihnachten auch begeistert, denn Letti gefällt ihm. Während Letti allerdings ehrenamtlich in der Klinik arbeitet, hat Matteo andere Beweggründe…
    mehr oder weniger lesen
    Die Abneigung von Letti gegenüber Weihnachten mag zunächst übertrieben wirken, aber es ist erfrischend, dass der Weihnachtsroman die Vielfalt von Weihnachtserfahrungen berücksichtigt, denn die Festtage sind nicht für jeden eine fröhliche Zeit. Das Kinderklinik-Setting ermöglicht zudem Einblicke in die Arbeit vor Ort.
    Die Magie von Weihnachten findet dennoch ihren Platz, vor allem dank Matteos engagierten Bemühungen, ohne Letti etwas aufzudrängen. Trotz ihrer Fehler erscheinen sie reflektiert im Umgang miteinander – für mich immer ein Zeichen tatsächlicher Zuneigung.
    Obwohl Letti mit dem Leistungsdruck ihrer Eltern in Sachen Eislaufen zurecht überfordert ist, sind Matteos Probleme nochmal eine ganz andere Hausnummer und recht ernst. Diese werden meiner Meinung nach aber gut aufgearbeitet und nicht einfach links liegen gelassen. Letti und Matteo erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive und ich kann beide an vielen Stellen in ihrem Handeln verstehen, bin aber umso beeindruckter von Lettis Entwicklung gegen Ende. 
    Dabei bleibt es nicht nur ernst, die Schlagabtäusche der beiden zum Thema Weihnachten sind ziemlich witzig, außerdem gibt es natürlich auch ein paar romantische Momente, die wirklich herzerwärmend und niedlich sind. Meine Lieblingsstelle ist die, an der der Titel des Romans “erklärt” wird, da wird die Geschichte schön abgerundet und irgendwie passt auch da alles zusammen.
    Wirklich eine süße Geschichte, die man mit oder ohne Weihnachtsstimmung lesen kann, denn es ist für jeden was dabei. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    
  • Nenn keine Namen

    Nenn keine Namen

    Astrid Sy

    Gerstenberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Leselotse-Gewinner September 23

    Die sieben besten Bücher für junge Leser 9/23

    „Ab jetzt nicht mehr deinen Namen sagen. Oder den deiner Eltern. Nenn keinen Namen. Vergiss, wer du bist.”
    
    Kaat wird auf der Straße Amsterdams zum ersten Mal mit der Verzweiflung von Eltern, die deportiert werden sollen, konfrontiert, denn eine Frau will ihr ohne weiteres ihren Säugling in die Arme geben und fleht sie an, sich um diesen zu kümmern. Kaat, die eigentlich nur ihr unbeschwertes Studentenleben führen wollte, wird jäh aus ihrer naiven Hoffnung gerissen, dass der Krieg schnell vorübergehen würde. Ihr guter Freund Pim öffnet ihr die Augen und zeigt ihr, wie sie Kinder tatsächlich retten kann. 
    
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    Währenddessen weigert sich Rosie beharrlich, die Augen vor der düsteren Realität zu verschließen. Entschlossen weigert sie sich, den Judenstern zu tragen, und drängt darauf, dass ihre Familie sofort untertaucht. Rosie, die in einer Kinderkrippe im Zentrum Amsterdams arbeitet, wird unmittelbar mit den Auswirkungen der Deportation konfrontiert. Hier verschmelzen ihre Lebensgeschichten, denn es sind genau diese Kinder in der Krippe, die durch den mutigen Widerstand gerettet werden.
    Sowohl Kaat als auch Rosie und ihre Mitstreiter riskieren ihr eigenes Leben, um Kinder vor dem sicheren Tod zu bewahren.
    Ein starker historischer Roman, der seine Wurzeln in zahlreichen wahren Geschichten findet. Die Figuren des Romans sind authentischen Vorbildern nachempfunden, und so liegt der Roman mit seiner ungeschönten Darstellung eng an der Realität vergangener Zeiten. Durch diese Darstellung wird der Schrecken des Krieges ebenso eindrücklich vermittelt wie die Heldentaten des Widerstands. Die Erzählstränge reichen über das Kriegsende hinaus, denn das Leben der Menschen setzt sich fort, ohne dass ein einfaches Happy End möglich wäre. Der Roman ehrt auf wunderbare Weise die realen Held*innen des Widerstands, die trotz ihres beispiellosen Einsatzes zur Rettung vieler Kinder stets das Gefühl hatten, nicht genug getan zu haben.
    Besonders schön ist, dass sowohl Rosie als auch Kaat nicht nur als repräsentativ für alle Helfer*innen stehen, sondern gerade in ihrer Unterschiedlichkeit den Seiten Leben geben. Dadurch treffen manche Ereignisse die Lesenden noch tiefer als ohnehin.
    Die Auseinandersetzung mit dem historischen und sensiblen Material erfolgt äußerst transparent. Begriffe, die einer Erklärung bedürfen, sind mit einem Asterisk gekennzeichnet und finden sich im Glossar am Ende des Buches wieder. Die Lesenden haben somit die Möglichkeit, sich bei Bedarf näher mit spezifischen Begriffen vertraut zu machen. Zusätzlich ist die umfassende Recherchearbeit der Autorin dokumentiert und kann nachgelesen werden. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    
    
    
  • Wer den Kürzeren zieht

    Wer den Kürzeren zieht

    Mel Wallis de Vries

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Auf einer abgelegenen Hütte plant eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Freunden eine erholsame Zeit zu verbringen. Die Schüler Maxime und Anne reisen aus Utrecht an, um sich mit Maximes alter Freundin Lizzy, deren Cousin Daniel und seinem Freund Sami zu treffen. Daniel und Sami, bereits im Studium, betrachten die Welt mit einem anderen Blick, besonders Daniel ist bekannt für seine Diskussionsfreudigkeit. Die Zeit für ein ausführliches Kennenlernen bleibt ihnen nicht, denn schon nach einem Tag geschehen merkwürdige Dinge: seltsame Nachrichten auf Instagram und ein blutüberströmter Junge taucht auf. Schnell wird klar, dass die fünf in Gefahr schweben und die Hütte möglicherweise nicht lebend verlassen werden.
    
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    Ihre Befürchtungen werden auf Video-Tape aufgenommen, diese sind als böse Vorahnungen vor den Kapiteln verteilt. So weiß man, es wird etwas Schlimmes passieren, aber man muss auf jeden Fall weiterlesen, um zu wissen, was. Wer wirklich ganz genau liest, könnte vielleicht schnell eine Idee haben, was da vor sich geht. In meinem Kopf haben sich jedoch die Vermutungen gehäuft, weswegen ich in einem Durch lesen musste, um zu wissen, wie es ausgeht. Tatsächlich habe ich mit dem Ende nicht gerechnet, fand das dementsprechend auch spannend und gelungen. Die fünf Charaktere wurden geschickt gewählt, und trotz der begrenzten Seitenzahl erhielten sie genug Tiefe für einen psychologischen Thriller, der die Abgründe der menschlichen Natur erkundet. Ohne zu viel zu verraten, persönlich bevorzuge ich es, wenn der "Bösewicht" seinen Plan am Ende nicht unnötig erklärt, um mögliche Lücken zu schließen. Das Ende hat mich dennoch überzeugt, und das Buch liest sich schnell. Es erzeugt ohne explizite Gewaltdarstellungen eine beeindruckende Spannung.
    
    Raphaela Brosseron
    
    Anne, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, lässt sich von ihrer Freundin Maxime überreden, einige Tage in einer Hütte zusammen mit deren Freundin Lizzy aus Kindertagen
    zu verbringen. David ist ein Cousin von Lizzy und er hat die Hütte gemietet, er studiert und reist zusammen mit seinem Freund Sami an. 
    So richtig gemütlich ist die Hütte nicht und am liebsten möchte Anne wieder abreisen, aber die Hütte liegt so abgelegen, dass diese Möglichkeit nicht besteht. Im Prolog taucht noch eine Junge namens Vincent auf, der blutverschmiert vor der Tür liegt. Doch das geschieht erst eine Zeit später.
    Die Kapitel beginnen mit Stunde 1 und machen auch Sprünge von einigen Stunden,
    doch dazwischen werden die Protokolle von Tape-Aufzeichnungen gedruckt, die erst Stunden später aufgenommen werden. Hier befindet sich nur ein Jugendlicher in einem Raum und spricht mit der Kamera. Durch diese Vorgriffe wird die Geschichte noch einmal zusätzlich spannend. 
    Das Buch ist gut zu lesen und die Spannung, die schon ganz zu Anfang meine Ängste schürt, wird immer größer. Auch der Ausgang der Geschichte hat mich beindruckt. Zudem werden die Charaktere der unterschiedlichen Protagonist*innen sehr gut beschrieben. Da Anne ihre Sicht auf die Dinge erzählt, leidet man in erster Linie mit ihr, kann aber auch ihr manchmal ungewöhnliches Verhalten begreifen. Ein echter Thriller!
    
    Dagmar Mägdefrau
    
  • Cast in Firelight – Magie der Farben

    Cast in Firelight – Magie der Farben

    Dana Swift

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Adraa, die Thronerbin von Belwars, ist dazu bestimmt, eines Tages Jatin zu heiraten, den zukünftigen Maharadscha von Naupur. Die beiden treffen sich nur einmal als Kinder, und dieses Treffen verläuft alles andere als gut. Jatin zeigt sich arrogant mit seiner Magie, und Adraa lässt sich provozieren. Während Jatins Zeit an der Akademie setzen Adraa und Jatin ihre Beziehung in bissigen Briefen fort, anstelle von romantischen. Ein Konkurrenzkampf in magischen Leistungen entfaltet sich zwischen ihnen. In diesen Briefen verschweigt Adraa natürlich ihre Tätigkeiten im Untergrund, bei denen sie heimlich für das Volk agiert, sowie ihre Aktivitäten im Untergrund. 
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    Sie hätten niemals erwartet, sich einmal verbünden zu müssen, um ihre jeweiligen Völker zu retten. Noch weniger hätten sie sich vorstellen können, dass während ihres gemeinsamen Kampfes Gefühle zwischen ihnen aufkeimen könnten – ohne dass ihnen bewusstwird, an wessen Seite sie eigentlich kämpfen.
    Auf dem Cover sind zwei Figuren illustriert, vermutlich Adraa und Jatin.Ich finde es schade, wenn das Cover bereits ein so deutliches Bild der Figuren vermittelt, obwohl die Buchbeschreibungen für sich stehen könnten. Die dargestellten Figuren scheinen dem Schönheitsideal zu entsprechen und wirken wie aus einer Traumwelt gegriffen, mit unnatürlich großen Augen, die eher an Zeichentrickfiguren erinnern. Inhaltlich fand ich den Anfang vielversprechend, besonders weil wir Adraa und Jatin schon als Kinder kennenlernen. Doch im Verlauf der Geschichte habe ich irgendwann den Überblick über die magischen Kräfte verloren, und der Fantasy-Teil, besonders im Zusammenhang mit den Göttern, erschien mir recht überladen.
    Letztendlich stehen die weiße und rote Magie im Fokus und es ist nicht zwingend erforderlich, alles zu verstehen, um den Kern der Geschichte zu erfassen. Die Liebesgeschichte hat mir gut gefallen, und trotz des bekannten Themas Enemies-toLovers fühlte es sich irgendwie neu an. In der Mitte der Handlung gab es eine gewisse Längen, vielleicht gerade wegen der Vielzahl von Ereignissen. Der Perspektivenwechsel zwischen Araa und Jatin in jedem Kapitel wurde wirksam umgesetzt, sodass man sich sehr gut einfühlen konnte. Die Aufteilung der Königreiche Belwar und Naupur sowie ihre Verflechtung dienten sinnvoll als treibende Kraft für die Handlung. Insgesamt ist es eine romantische und fantastische Geschichte, die sowohl Fantasy- als auch Romance-Fans ansprechen dürfte, vorausgesetzt, man lässt sich nicht vom Cover abschrecken.
    
    Raphaela Brosseron
    
    
  • Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle

    Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle

    Anne Freytag

    One

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Der Roman spielt in der Zeit des harten Lockdowns während der Corona-Pandemie. Selbst das Spazierengehen gestaltet sich schwierig, weshalb die Handlung wie in einem Kammerspiel vorwiegend im Haus von Sallys Familie stattfindet. 
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    Sally ist in dieser Zeit alles andere als alleine, denn ihre drei Geschwister und ihre Mutter Marianne füllen das Haus mit Leben. Dies umfasst laute Diskussionen und ebenso lautes Schweigen.
    Sally ist gerade fertig mit der Schule, weiß nicht wohin mit sich und kann wegen Corona eigentlich auch nirgends hin und wurde zudem vor zwei Monaten von Felix verlassen.
    Als ihre Mutter beschließt, Leni, die Volontärin ihres Verlages, aufzunehmen – diese wurde nach einer Trennung aus ihrer Wohnung verdrängt –, ist Sally wenig begeistert über diese fremde Person in ihrem Haus und lässt es Leni auch spüren. Inmitten des ohnehin chaotischen Alltags im Haus kehrt Felix zurück und versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen. Sally spürt endlich eine Anziehung und bekommt einen Einblick in die wahre Bedeutung von Liebe – allerdings nicht durch Felix.
    Durch zahlreiche Mikromomente entwickelt sich die Beziehung zwischen Sally und Leni auf sanfte Weise. Obwohl das Haus kaum verlassen wird, geschieht so viel, insbesondere in den Erzählungen von Sally und Leni. Ihre Perspektiven sind so einprägsam und charakteristisch, dass man ohne Hinweis am Anfang des Kapitels wüsste, wer gerade erzählt. Das Knistern in der Luft ist wunderschön zwischen den Zeilen gefasst und so viel greifbarer und authentischer als in so manch heterosexueller Figurenkonstellation anderer Romane, was ja eigentlich nur zeigt, dass das Wichtigste die Echtheit von Gefühlen ist. Das gilt sowohl im wahren Leben als auch im Gelingen einer Geschichte, und diese Geschichte ist Anne Freytag mit einem sehr gefühlvollen Ton gelungen.
    Ich hätte nicht gedacht, dass Corona-Romane mich so begeistern, aber hier ist der begrenzte Raum und der Verzicht auf äußere Ereignisse genau richtig. Ich habe Sally und ihre Familie trotz ihrer Differenzen richtig ins Herz geschlossen und wäre am liebsten eingezogen. Ein sehr zeitgemäßer Roman, der auch nach Corona wunderbar unterhält, mit zahlreichen popkulturellen Verweisen und einer gelungenen Mischung aus lustigen, traurigen, krisenhaften und romantischen Momenten.

    Raphaela Brosseron

  • Nächte im Tunnel

    Nächte im Tunnel

    Anna Woltz

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Gewinnerin des Gustav-Heinemann-Friedenspreises 2023

    Ausgezeichnet mit dem LUCHS-Preis

    Leselotse November/Dezember 2022

    Dieses Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und ich kann nur sagen, zu Recht! Ein Buch, das zutiefst berührt und bewegt.
    Die vierzehnjährige Ella lebt mit ihrer Familie in London, die Mutter hilft anderen Menschen, die alles durch die Luftangriffe der Deutschen Armee verloren haben. Der Vater räumt während und nach den Angriffen auf. Ella und ihr kleiner Bruder Robbie müssen jeden Tag an der U-Bahn-Station anstehen, um dort einen Platz für die Nacht zu sichern. Jay, der sich alleine durchschlafen muss, „verkauft“ gute Plätze in einem Tunnel, dort ist es nicht so laut und eng wie auf dem Bahnsteig.
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    Erst als die fünfzehnjährige Quinn auftaucht, die vom Landsitz ihrer Familie geflohen ist, um Verletzen zu helfen, können die vier gemeinsam ihre Nächte im Tunnel verbringen. Sie erfahren einiges von den anderen und geraten einige Male aneinander. 
    Das Buch beginnt damit, dass einer der Vier sterben wird und dieses Wissen belastet das Lesen, alle vier wachsen uns Lesenden ans Herz und der Gedanke, dass eines dieser Kinder die Tage, in denen das Buch spielt, nicht überleben wird, macht von Anfang an traurig. Aber trotzdem ist es auch ein Buch das Hoffnung gibt, denn alle stehen am Anfang ihres Lebens und wir erfahren ihre Wünsche und Träume, die hoffentlich wahr werden.
    Gerade in diesen Zeiten, in denen wir die Menschen in Kiew ebenfalls in den U-Bahnhöfen sitzen sehen, ist uns die Situation der Menschen in London während des 2. Weltkriegs näher. 
    Ein Buch, dass uns aufwühlt und hoffen lässt.
    
    Dagmar Mägdefrau
    
    
  • Der Geruch von Ruß und Rosen

    Der Geruch von Ruß und Rosen

    Julya Rabinowich

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Man könnte annehmen, dass ein Roman, der die Geschichte von Flüchtlingen erzählt, mit ihrer Flucht beginnt und das "Happy End" darin besteht, sicher auf festem Boden anzukommen. Die jugendliche Madina erzählt in diesem Tagebuch jedoch von ihrer Zeit der anhaltenden Fremdheit, selbst nach über einem Jahr an einem Ort, der nun mal nicht ihre Heimat ist.
    Ihre Heimat ist untrennbar mit den Schrecken des Krieges verbunden, aber auch mit den Erinnerungen an die duftenden Rosen bei ihrer Oma. Diese kostbaren Erinnerungen kann ihr niemand nehmen, jedoch genauso wenig die traumatischen Erfahrungen des Krieges.
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    Mit ihrem Tagebuch versucht Madina, die Gedanken in ihrem Kopf zu ordnen. Sie stellt Fragen zur Schule, zu den täglichen Anfeindungen, zu den vielen Problemen, die ihre Familie auf sie abwälzt, und zu den noch ungelösten Geheimnissen.
    Obwohl Madina nicht mehr im Kriegsgebiet ist, hat sie Grenzen überschritten, die ihr ein normales Leben verwehren, besonders im Vergleich zu ihrer neuen Freundin Laura wird ihr das immer wieder bewusst. Dabei bleibt unklar, aus welchem Land Madina geflüchtet ist, es wird immer nur von "meinem Land" und "meiner Sprache" gesprochen. Das stört beim Lesen absolut nicht, vielmehr wird klar, dass es so wie Madina, schrecklich vielen Menschen geht. 
    Die Sprache ist wunderschön, bildlich und ein Kunstwerk an sich. Trotzdem lässt der Roman einen universellen Zugang zu, sodass sich niemand davor drücken kann, sich mit ihrem Schicksal auseinanderzusetzen. 
    Ein beeindruckender und zeitnaher Roman über Flucht und das Leben danach erzählt aus der Perspektive einer starken jungen Frau. Man kann diesen Teil der Geschichte gut lesen, ohne - wie ich - die anderen Teile über Madina zu kennen, trotzdem werde ich diese auf jeden Fall nun auch noch lesen. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    Madina, die aus einem Land in dem Krieg herrschte geflohen ist, fühlt sich inzwischen in der geräumigen schönen Wohnung wohl. Sie hat mit Laura, der Tochter der Vermieterin eine gute Freundin gefunden, die sie sehr unterstützt. Madina empfindet nach den Strapazen der Flucht und der Ablehnung der Nachbarn, endlich sowas wie frei-sein. Ein Therapeutin und ihre frühere Klassenlehrerin machen ihr immer wieder Mut. 
    Doch dann ist der Krieg aus und ihre Tante möchte zurück in das Land, in dem Madinas Vater vermisst wird. Madina macht sich mit der Tante auf den Weg in das Land ihrer Vorfahren, indem ihnen Misstrauen und Ablehnung entgegengebracht wird.
    Der Leser erfährt nicht um welches Land es sich da handelt, aber es hat noch sehr altmodische Strukturen und auch damit tut sich die inzwischen Jeans tragende Madina schwer. Ein wenig erinnert mich das an meine Jugend in den 1960er Jahren. Auch da war der Mann noch „der Herr im Haus“ und hatte das Sagen. Aber viele Mütter hatten sich im Krieg emanzipiert und wollten nicht wieder gehorchen. Auch hier wurden die Gesetzte erst in den 1970er Jahren geändert. 
    Madina erinnert sich an die Gerüche, ich habe da auch oft Verbindungen, auch meine Erinnerungen werden häufig durch einen Geruch hervorgerufen.
    Madina muss ich entscheiden, bleibt sie hier oder geht sie in ihr altes Land zurück? Würde sie damit nicht auch ihre Freiheit aufgeben? 
    Die Erzählung resultiert aus Madinas Tagebuch, aber es gibt keine Daten, nur 3 Teile und 24 Kapitel. Madina erzählt uns diesen Teil ihres Lebens in wunderschönen Worten und poetischen Vergleichen. Mir gefiel es sehr gut diese schönen Sätze zu lesen.
    Ein Buch über Flucht, Ankommen, Fremdsein und Zurückblicken, dass vieles nur anreißt und doch wissen wir, worum es geht.
    
    Dagmar Mägdefrau
    
  • The Stars we reach – Emerald Bay Teil 1

    The Stars we reach – Emerald Bay Teil 1

    Lorena Schäfer

    One

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Im ersten Teil der Emerald-Bay-Triologie bringt uns die 19-Jährige Ivy an die atemberaubende australische Küste von Emerald Bay. Nach ihrer Trennung von ihrem Ex-Freund, wegen dem sie sich in Deutschland ein Jahr durch einen  BWL-Studiengang quälte, will sie endlich ihren Leben leben und möchte sich nie wieder von einem Mann aufhalten lassen - auch wenn ihr neuer Mitbewohner Taylor sich als attraktiver und sympathischer Surfer-Boy entpuppt. Obwohl die beiden sich auf Anhieb bestens verstehen, halten sie an ihrer Vereinbarung fest: Freundschaft ja, aber alles andere ist ausgeschlossen. Doch wie sollen sie ihre aufkeimenden Gefühle unterdrücken, wenn Taylor Ivy in ihren Träumen unterstützt und Ivy Taylor in einer schweren Zeit beisteht?
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    In der Beschreibung wird von einer From-Strangers-to-Lovers-Geschichte gesprochen, die der Entwicklung ihrer Beziehung nicht gerecht wird. Ihre Verbindung beginnt mit einer tiefen Freundschaft, was ihre Gefühle authentisch und glaubwürdig macht. Hier verliebt sich niemand über Nacht, alles entwickelt sich langsam. Erst kommen die Gefühle, dann die bedeutungsvollen Worte und schließlich die wohlüberlegten Entscheidungen - ein Ansatz, den ich äußerst gelungen finde. Die Geschichte dreht sich nicht nur um ihre Beziehung, nebenbei knüpft Ivy auch andere Freundschaften und entdeckt, wie sie sich ihre Zukunft vorstellt und lebt ihre Liebe zum Kochen aus.
     All das spielt sich vor dem bezaubernden Hintergrund der sommerlichen Umgebung Australiens ab, die immenses Fernweh hervorruft.
    
    Dass Ivy tatsächlich „schon immer” nach Australien wollte, kaufe ich ihr nicht unbedingt ab, dazu war sie mir zu verwundert über den australischen Sport, das Fahren auf der anderen Straßenseite und auch die Möglichkeit, Schlangen und Spinnen zu sehen. Allerdings wird so vermutlich jede*r abgeholt, auch jene, die keine Kenntnisse über Australien haben.
    Eine süße Geschichte, die einem zumindest zeitweise den Aufenthalt in Australien inklusive jugendlicher Romanze ermöglicht, auch ganz ohne echtes Flugticket.
    
    Raphaela Brosseron
  • Rattensommer

    Rattensommer

    Juliane Pickel

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Buch des Montas Oktober 23

    Lou und Sonny sind schon immer beste Freundinnen und auch diesen Sommer wollen sie zusammen in ihrem Schwimmbad, ein stillgelegtes Freibad ohne Wasser, verbringen. Obwohl sie sich schon so lange kennen, empfindet Lou plötzlich ganz anders für ihre Freundin und sie entdeckt Dinge an ihr, die ihr bislang nicht auffielen.
    Doch aus dem faulen Sommer wird leider nicht, denn Hagen Bender, der vor fünf Jahren am Tod von Sonnys Mutter schuld war, kommt überraschend aus dem Gefängnis frei und er zieht in sein Haus am See ein. 
    Sonnys Wut ist seit dem Verlust ihrer Mutter auf diesen Mörder gerichtet und nun, da er wieder frei ist, kennt sie kein anderes Thema mehr.
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    Diese Wut überschattet völlig ihre Trauer, die sie nie zugelassen hat. Die beiden Mädchen scheinen sich in allem zu ergänzen, aber bei genauer Betrachtung versucht Lou immer nur ihrer Freundin beizustehen und sie zu unterstützen. Dabei verliert sie völlig ihr eigenes Leben und ihr Leid aus den Augen.
    
    Das Buch ist manchmal schwer zu ertragen, besonders die Wut und Gewalt, die Sonny entwickelt macht Angst. Trotzdem musste ich einfach weiterlesen, um zu erfahren, wie sich alles entwickelt. Da das Buch aus Lous Sicht geschrieben ist, können wir ihre Gefühle gut verstehen und möchten sie manchmal auffordern ihr eigenes Ding zu machen, statt immer Entschuldigungen für Sonnys schlimmes Verhalten zu finden. 
    Obwohl vieles am Ende des Buches offen bleibt, hat es einen Schluss, der hoffen lässt. 
    
    Dagmar Mägdefrau
    
    Ganz gleich, wie sehr wir uns nach ereignisreichen Sommern sehnen, mit Sonny und Lou würden wir vermutlich nicht tauschen wollen, denn ihr Sommer ist im wahrsten Sinne des Wortes überwältigend.
    
    Ihre lebenslange Freundschaft verbindet sie auf eine besondere Weise. Doch in diesem Sommer verändert sich ihre Beziehung und gleichzeitig wird Hagen Bender aus dem Gefängnis entlassen. Vor nicht einmal fünf Jahren verantwortete er  den Tod von Sonnys und seitdem ist Sonnys Leben nicht mehr dasselbe.
    
    Hagens Rückkehr in ihre Welt zieht Sonny in einen selbstzerstörerischen Strudel aus Rachegelüsten, Verzweiflung und unterdrückter Trauer. Lou hingegen ringt darum, die Balance zu finden. Einerseits möchte sie ihrer besten Freundin in dieser schweren Zeit beistehen, vor allem, da sich ihre Gefühle für Sonny vertiefen, andererseits zerrt ein unerklärliches Bauchgefühl an ihr.
    
    Zweifellos stellt dieser Sommer einen entscheidenden Wendepunkt dar, der das Leben der beiden Mädchen völlig auf den Kopf stellt.
    
    In diesem eindrucksvollen Roman prallen gravierende Schicksalsschläge und komplexe zwischenmenschliche Beziehungen aufeinander, und die Handlung ist so intensiv, dass eine Zusammenfassung ihr kaum gerecht werden kann. Dennoch bleibt die Geschichte erstaunlich realistisch, und insbesondere Lous Ich-Perspektive ist äußerst nachvollziehbar. Lou ist eine bemerkenswerte Jugendliche, die Fragen, die sie sich im Zusammenhang mit Schuld und den Grenzen einer Freundschaft stellt, würden selbst Erwachsene herausfordern.
    
    Juliane Pickels Fähigkeit, dramatische und innovative Handlungen für Jugendbücher zu entwickeln, die gleichzeitig Ruhe ausstrahlen und die Leser tief berühren, ist außergewöhnlich. Rattensommer ist genauso empfehlenswert wie ihr Buch “Krummer Hund”.
    
    Raphaela Brosseron