• Fünf Gramm Glück – Die Geschichte einer Brotdose erzählt von ihr selbst

    Fünf Gramm Glück – Die Geschichte einer Brotdose erzählt von ihr selbst

    Thilo Reffert

    Sonja Kurzbach

    Klett Kinderbuch

    Verlagsempfehlung ab 7 Jahre

    Das Cover zeigt eine türkise Brotdose und wenn man das Buch aufschlägt sehen wir den Inhalt. Ein Brot, Trauben und Gurkenscheiben, immer im Querformat, passend zur Dose.
    Die Geschichte beginnt mit der Fertigung und der Verschiffung nach Deutschland. Mit dem Leben als Brotdose eines Erstklässlers.

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    Mit der Angst im dunklen Kühlschrank, dem Vergessen und Verloren werden. Aber auch über die Freude des Besitzers beim Wiederfinden. Alles banale Erlebnisse, die einfach schön erzählt werden. Und bisher hatte ich noch nicht das Glück eine Geschichte aus Sicht der Brotdose erzählt zu bekommen. Ich habe jetzt ein schlechtes Gewissen, dass meine Brotdose, seit ich nicht mehr arbeite, auch in der dunklen Schublade liegt.

    Es gibt viele Bilder zu den kurzen Kapiteln, als für Erstleser durchaus geeignet.

    Dagmar Mägdefrau

  • Die Welt der Berge

    Die Welt der Berge

    Dieter Braun

    Knesebeck

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Das Cover zeigt uns die Bergwelt mit den entsprechenden Tieren, dann folgt eine Grafik der höchsten Berge, danach die Einladung des Autors mit ihm die Berge zu entdecken und  nach dem Inhaltsverzeichnis geht es los. Zunächst wird die Frage „Was ist ein Berg?“ beantwortet, nach der Erklärung seiner Entstehung lernen wir die höchsten Berge kennen und erfahren, dass es auf dem Mars einen 26.400m hohen Berg gibt.

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    Und wo es Berge gibt, gibt es auch Menschen, die sie besteigen. Da gibt es wieder umfassende Informationen. Berge werden uns vorgestellt, ebenso seine Bewohner, die Entstehung und Beschaffenheit von Gebirgen sind Thema, aber auch ihre Gestaltung. Quer durch alle Kontinente einschließlich der Antarktis beschreibt das Buch alles, was es zu dem Thema Berg zu wissen gibt. Zuletzt geht es um die Umwelt, denn auch den Bergen tun zu viel Menschen nicht gut. Mit einer Weltkarte und der Lage der wichtigsten Berg schließt das Buch nach 93 Seiten.

    Reichlich Information wird durch ruhige Bilder begleitet. Für Bergfans ein Muss, für alle anderen ein tolles, informatives Buch.

    Dagmar Mägdefrau

  • City Crime – Pelzjagd in Paris

    City Crime – Pelzjagd in Paris

    Andreas Schlüter

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Sicher macht diese Buch Lust auf einen Kurztrip nach Paris, um all die interessanten Schauplätze zu bestaunen. Leider hat mich der Krimi nicht so ganz überzeugt. Finn und Joanna sind mit dem Vater in Paris, da der aber beruflich eingebunden ist soll sich Lilou, die Tochter eines Freundes, um die beiden kümmern.

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    Leider hat sie viel anderes zu tun. So schleppt sie die zwei zunächst auf eine Modenschau. Dort macht Lilou Bilder von den pelztragenden Models und die beiden Hobbydetektive vermuten sofort einen neuen Fall. Es geht um Pelze, die von Pelzfarmen stammen, wo die Tiere schlecht gehalten werden und sogar um den seltenen Schneeleoparden.

    Finn und Joanna ermitteln fleißig mit und begeben sich dabei in Gefahr.
    Man lernt einiges über dieses grausige Fellgeschäft und über Paris, spannend ist die Geschichte auch, trotzdem empfinde ich sie etwas gezwungen.

    Dagmar Mägdefrau

  • Davids Geschichte

    Davids Geschichte

    Susanna Maibaum

    BVK Lesewelten

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Ich gebe zu, mein erster Gedanke war „wieder ein Buch über Juden im Dritten Reich“. Aber auf den 130 Seiten dieses Buches wird das Thema etwas anders angegangen.
    Der zwölfjährige David erfährt von seinem Großvater, dass er, als er in seinem Alter war, einen jüdischen Freund Namens David hatte, der dann 19.10.1941 plötzlich verschwand. Und David versucht mit Hilfe eines Rabbis und seiner Eltern diesen verlorenen Freund zu finden.

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    Ich empfinde diese Geschichte einfach als besonders rund. Es bleibt nichts offen, auch die Gedanken des Großvaters, damals und heute, sind ein Thema. Nebenbei erfahren wir einiges über den jüdischen Glauben und sicher werden einige Leser im Internet suchen, genau wie David.
    Und dann ist da noch die Geschichte mit dem neuen Schüler aus China. David erkennt da Parallelen zur Situation des Großvaters in den Kriegsjahren und er lernt daraus.

    So muss ich nach der Lektüre von Davids Geschichte sagen: Ein wirklich schönes Buch und danke an Frau Maibaum, das sie es geschrieben hat.

    Dagmar Mägdefrau

  • Die Zeitreise – Vom Urknall bis heute

    Die Zeitreise – Vom Urknall bis heute

    Peter Goes

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Über die Handlichkeit eines Din-A-3- Buches kann man streiten, der Inhalt ist einfach überwältigend. Aber der Titel zeigt ja schon, dass hier die Geschichte unserer Welt mit dem „Ursprung des Lebens“ bis in die „2010er-Jahre“ beschrieben wird. Über Dinosaurier, die ersten Menschen, das alte Ägypten, Griechen, Römer, Hunnen, Wickinger, Osmanen, Azteken bis Nordamerika (18. Jahrhundert), vom Mittelalter über Kreuzzüge und Weltkriege bis zur Raumfahrt gibt es jeweils eine Doppelseite zum Thema.

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    Es gibt einen kurzen Text, aber dominiert werden die Seiten von schwarzen Zeichnungen mit sparsam eingesetzter Farbe auf farbigem Hintergrund. Ja, und was es dort alles zu entdecken gibt! Da braucht man sicher viele Wochen um alles zu sehen und zu verstehen. Da sieht man Homer und Sokrates und mit geschwungenem Text erfährt man ihre Daten und das Wichtigste aus ihrem Leben. Die Seite „Entdeckungsreisende aller Zeiten“ geht von dem Franziskaner Odeorich von Portenau über die Ming-Dynastie bis zu Roald Amundsen. So erfahren wir im Kapitel 50er Jahre etwas über die Single und auf der letzten Seite sieht man ein Banner mit der Aufschrift „Je suis Charlie“.

    Es ist so viel Information in diesem Buch, ein neugieriger Leser wird viel erfahren und sicher wieder viele neue Frage haben. Wie die meisten Sachbücher sicher wieder etwas für die Jungen, aber mich hätte das Buch als Mädchen sicher auch sehr fasziniert.

    Dagmar Mägdefrau

  • Der Mond hinter den Scheunen

    Der Mond hinter den Scheunen

    Erwin Moser

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Ich muss zugeben, dies ist das erste Buch des kürzlich verstorbenen Autors Erwin Moser, das ich lese.  Jetzt ärgere ich mich, dass ich nicht schon mehr von ihm in meiner Bücherkiste habe.
    Zunächst war ich etwas verwirrt, weil es um die Welt der Mäuse, Ratzen und Katzen geht, nur am Rand komme Menschen vor.
    Grauschnauz, der Feldmäuserich kommt durch unglückliche Umstände zu den Mäusen, die in der Scheune wohnen. Sie nehmen den Neuen problemlos auf und zeigen ihm ihre Welt, mit vielen Abenteuern.

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    Gelbzahn, der Mühlratz, wird durch einen neuen stärkeren Ratz vertrieben und findet bei den Kanalratzen Unterschlupf. Deren alter Häuptling sieht in ihm einen Konkurrenten. Doch Gelbzahn will wieder zu seinen Mühlratzen zurück und hat auch schon einen Plan, wie das gelingen kann. Beide Häuptlinge regieren autoritär und lassen ihr Volk schwer arbeiten. Doch Gelbzahn lernt in dieser Zeit, dass es besser wäre mit seinem Volk demokratischer umzugehen.

    Und dann sind da noch die Katzen. Raffi ist der Kater auf dem Hof und sollte um die Mäuse im Getreide kümmern. Leider lernt er Grauschnauz kennen und spielt mit ihm „Ich sehe was…“. Danach kann er keine Mäuse jagen, er sieht sie nicht mehr als Nahrung.
    Bei den Katzen geht es auch um Liebe und verliebt sein. So ist Raffi seiner Freundin treu, obwohl die mit dem Auto weggebracht wurde.
    Ja und dann ist da noch die kluge Eule, die mit Raffi philosophische Gespräche über den Tod führt.

    Es gibt also viel lesen auf den 309 Seiten und es geht dabei um Politik, um größenwahnsinne Führer, um „Bürger“, die Verantwortung übernehmen, um die Natur und um das Leben mit all seinen Problemen. Von all dem merkt man nicht so viel, weil es die Tiere sind, die all diese Dinge erleben. Tiere, die sich schon sehr menschlich benehmen, aber keine Disneyfiguren.

    Sie sehen, ich bin begeistert und kann dieses Buch nur empfehlen. Für 8-jährige eher zum Vorlesen, aber auch wenn die Kinder es selbst lesen, kann man sicher noch viel darüber diskutieren.

    Dagmar Mägdefrau

  • Hörbuch: Thabo – Detektiv & Gentleman. Die Krokodil-Spur

    Hörbuch: Thabo – Detektiv & Gentleman. Die Krokodil-Spur

    Kirsten Boie

    Interpret: Hendrik Kleinschmidt

    Jumbo Neue Medien & Verlag

    Empfehlung ab 10 Jahre

    Zum ersten Mal bespreche ich ein Hörbuch und ich glaube, gehört ist das Buch von Kirsten Boie einfacher zu verstehen, als wenn man es selber liest. Vor allem die vielen englischen und afrikanische Namen sind schon sehr kompliziert zu behalten. Ich habe einige Zeit gebraucht, bis ich da richtig drin war. Aber dann war es nicht nur spannend, ich habe auch viel über Afrika erfahren.

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    Im Königreich an der Grenze zu Südafrika gibt es viele Waisenkinder und drei dieser Kinder werden vermisst. Ein Fall für Thabo. Er ist mit dem englischen Mädchen Emma befreundet und deren Großtante Agatha hat ihn durch das Anschauen der alten Miss Marpel Filme auf die Idee gebracht, Detektiv zu werden. Ich glaube für den Leser/Hörer wäre es nicht falsch, diese Filme zu kennen, denn es wird oft darauf Bezug genommen. Sind die Medizinmänner Schuld am Verschwinden? Werden die Kinder den Ahnen geopfert? Was macht die Hilfsorganisation Water WiZZard, deren Mitarbeiter in der Lodge von Emmas Mutter wohnen? Es gibt viele Spuren und die Lösung bringt Thabo und Emma in höchste Gefahr. Ein Krimi, der sich nicht nur durch den exotischen Schauplatz von vielen anderen abhebt. Mir wurden die 6 Stunden, die die 4 CDs laufen, nicht langweilig. Ich möchte noch mehr von Thabo und seinem Leben im Königreich erfahren. Oh, ehe ich es vergesse, eine andere Besonderheit ist Thabos Wunsch ein Gentlemen zu werden. Es ist schön, mal einen höflichen Jungen zu treffen, der bei „verdammt“ schon zusammenzuckt.

    Jetzt muss nicht noch etwas zu Hendrik Kleinschmidt dem Sprecher der CDs sagen. Ich finde es einfach toll, wie professionell er diesen, doch schwierigen Text, einspricht. 2014 hat er den Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels gewonnen. Und es begeistert mich, dass Lesen also immer noch Sinn macht und zu so einem tollen Erfolg führen kann.

    Dagmar Mägdefrau

  • Sophie im Narrenreich

    Sophie im Narrenreich

    Verena Petrasch

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 11 Jahre

    Ich gehöre nicht zu den begeisterten Harry Potter Lesern und habe etwas Probleme mich in einer Phantasiewelt hineinzudenken. Aber dieses Buch hat mich schnell gefesselt.

    Nachdem die Narren im Mittelalter verfolgt und gequält wurden, haben sie eine eigene Narrenwelt und sind für uns Menschen unsichtbar. Jeder erwachsene Mensch trägt ein Inneres Kind (das Kind, das er mal war) in sich. Deshalb können wir das Glück empfinden und auch mal närrisch sein.

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    Wir erzeugen mit unserm Glück „Glücksmomente“ von denen die Narren leben. Leider gibt es auch Schwarznarren, die den Menschen das Innere Kind rauben. Dadurch wird der Mensch schwermütig und depressiv. Aus dieser schrecklichen Situation kann die Narren nur die 12-jährige Sophie retten. Sie wechselt ins Narrenreich, eine spannend ausgedachte Welt mit phantastischen Narrenfiguren und wundersamen Landschaften. Hier muss sie zunächst mit Hilfe eines Buches Narreteien erlernen. Auch dieses Buch ist eine Besonderheit. Es will sich zuerst einem Menschenmädchen nicht öffnen, manchmal ist es beleidigt, häufig bietet es aber auch Auswege mit neuen Narreteien.

    Ein spannende Buch mit überraschenden Wendungen und der Weisheit „Du hast immer eine Wahl“. Ich habe es mit Begeisterung gelesen und denke viele Kinder werden, wie ich, die über 500 Seiten des Buches verschlingen und mit Sophie dem Kampf entgegenfiebern.

    Dagmar Mägdefrau

  • Briefe von Hans

    Briefe von Hans

    Susanne Maibaum

    BVK LESEwelten

    Verlagsempfehlung ab 11 Jahre

    Ein Buch, das man…einmal aufgeschlagen, nicht mehr aus der Hand legen mag. Durch die gewählte Briefform, eingebettet in eine leicht nachvollziehbare Rahmenhandlung, wird fesselnd und gut verständlich die Geschichte des 1. Weltkriegs erzählt. Besonders berührend ist hierbei der Bezug zu einem Familienschicksal.

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    Die „Briefe von Hans“ vermitteln aber nicht nur anschaulich geschichtliches Wissen, sondern machen den Bezug nachfolgender Generationen zu historischen Ereignissen nachvollziehbar…“ das ist zwar alles schon viele Jahre her, aber es hat auch etwas mit mir zu tun, weil es meine Vorfahren und ihr Leben stark prägte“.

    Anke Carlin


    Vor 100 Jahren war Europa mitten im 1. Weltkrieg. Trotzdem wissen wir über diese Zeit nicht sehr viel. Meist nur die nackten Daten, zu stark wird er vom noch schlimmeren 2. Weltkrieg überschattet.

    Nach dem Tod des Urgroßvaters findet die Familie im Nachlass Briefe von Hans und Friedrich. Friedrich ist der Vater des Verstorbenen und Hans war sein Bruder. Er zieht 1914 begeistert in den Krieg gegen Frankreich. Aber sehr schnell werden ihm die Schrecken des Krieges bewusst. Die Idee, mal eben Frankreich zu besiegen und Weihnachten wieder zu Hause zu sein, wird von der traurigen Realität von Hitze, Kälte, Hunger und Schmutz überschattet.

    Ich weiß nicht, ob solche Briefe wirklich geschrieben wurden oder ob ein Soldat, der so am Sieg zweifelt, nicht vor ein Kriegsgericht gekommen wäre. Aber die Worte sind so eindringlich. Die verzweifelte Situation an der Front, die nie vorankommt, steht einem plastisch vor Augen. Die Angst, der ständige Lärm, der Geruch der Verwesung, das alles empfindet man mit Hans.

    „Briefe an Hans“ sind ein Apell gegen den Krieg, der aber leider schon beim jüngeren Bruder Friederich nicht ankommt. Er wünscht sich schnell Soldat zu werden. In seinen Briefen wird die Lage in Deutschland geschildert, auch hier Hunger und Kälte. Die Deutschen wollen nicht mehr siegen, sie wollen nur, dass alles wieder so wird wie vorher. Aber der Krieg dauert, wie wir wissen über vier lange Jahre.

    Ein lesenswertes Buch, mit etwas über 100 Seiten auch für Nicht-Leseratten und lesefaule Jungen ein guter Tipp. 

    Dagmar Mägdefrau

  • Solo für Clara

    Solo für Clara

    Claudia Schreiber

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Um es vorweg zu nehmen: Ein außergewöhnliches und musikalisches Jugendbuch ab 12! Schon beim ersten Durchblättern habe ich die QR-Codes im Buch entdeckt. Normalerweise halte ich von einer schönen Gestaltung mehr, als von solch technischem Schnickschnack, aber hier erfüllt er wirklich einen guten Zweck und unterstützt den Lesegenuss. Die QR-Codes verweisen nämlich auf Musikstücke … Aber lieber erstmal kurz zum Inhalt: Clara van Bergen heißt das Mädchen, das der Leser hier von seinem zwölften Lebensjahr an begleitet, bis es 16 ist. In einzelnen Rückblicken springt man immer wieder in das Leben der jüngeren Clara.

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    Clara ist musikalisch, willensstark und äußerst intelligent. Schon als Fünfjährige beginnt sie auf eigenen Wunsch, Klavier zu spielen. Schnell stellt sich heraus, wie talentiert sie ist. Sie bekommt mehr Unterricht bei besseren Lehrern. Es dauert nicht lang, da hat sie den Vater mit ihrer Spielkompetenz überholt. Die Schulen werden danach ausgesucht, ob sie mit Claras Musik vereinbar sind und Clara weiß: ich möchte Pianistin werden. Ihr Glück scheint vollkommen, als sie im Alter von elf bei einem Professor Klavier studieren darf.

    Der erste Teil des Buches liest sich rasant. Clara gelingt einfach alles: In der Schule ein Überflieger, am Klavier sowieso. Die QR-Codes am Rand des Romans verweise immer auf die Stücke, die Clara gerade spielt, sodass der Leser – mag er auch noch so unmusikalisch sein wie ich – eine ungefähre Vorstellung davon hat, wie anspruchsvoll Claras Spiel ist. Zu dieser perfekten Welt passt auch der Schreibstil: positiv, heimelig und alles ist perfekt und aalglatt. Ich fühle mich sprachlich an Kinder- und Jugendbücher aus den 1950er Jahren erinnert und deren heile Welt. Und dann gibt es einen Bruch: Ging Clara bisher alles leicht von der Hand, werden mit Beginn des Studiums die Herausforderungen größer, der Druck stärker und sie unzufriedener. Plötzlich spielt die Konkurrenz zu anderen eine Rolle und Clara gelingt auch nicht mehr alles. Sie muss jetzt kämpfen. Auch der Sprachstil wechselt, wird kantiger, weniger gefällig. Was bleibt, sind die QR-Codes, die durch die Musik Claras inzwischen steinigen und anspruchsvollen Weg dokumentieren. „Ist die Musik denn alles?“, fragt Clara inzwischen erschöpft. Um sie herum geben viele Jugendliche, die denselben Weg gehen, auf. Und dann verliebt sich Clara auch noch.

    Es hat nicht ganz einen Tag gedauert und ich musste mich schon wieder von Clara verabschieden, weil ich das Buch ausgelesen hatte – wie schade!

    Katia Simon

  • Der Hummelreiter

    Der Hummelreiter

    Verena Reinhardt

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Nominiert für den Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises 2017, Neue Talente

    Ausgezeichnet mit dem Coverpreis 2017 der Jury der Jungen Leser

    Das Cover dieses Buches ist einfach wunderschön gestaltet und ich suche meine Bücher gerne nach dem Cover aus. Allerdings ist das eintauchen in eine fantastische Welt nicht so meins und wenn es für mich nicht logisch erscheint, fällt mir das Lesen manchmal schwer. Ich stelle mir vor dass alle menschenartigen Wesen in Süd- und Nordwärts genau so klein sind, wie der Held des Buches Friederich Löwenmaul, der Hummelreiter wider Willen.

    Und damit müsste auch der Palast der Königin Ophry genau so winzig sein. Trotzdem passen sogar Eulen dort hinein. Da hat meine Vorstellungskraft Probleme.

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    Verena Reinhardt, eine promovierte Biologin, hat sicher viel Fachwissen in dem Buch untergebracht, trotzdem finde ich vieles eigenartig.
    Besonders schlimm für ein Kinderbuch finde ich es, dass die Menschen(?) und Tiere häufig betrunken sind und unter der Droge Valmü sogar tolle Ideen haben. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, weshalb Alkohol und Drogen hier so positiv beschrieben werden.

    Über 500 Seiten benötigt die Autorin zur Beschreibung des Abenteuers der goldenen Hummel Brumsel und des Hummelreiters. Da kommen Ameisen als Heer vor, die beeinflusst durch Düfte, gegen ihre Natur, in Massen gen Norden ziehen. Diese Ameisen kommen aber nur in der Masse vor, nie als Individuum. Anders die Raupen, die tätowierte Raupe Kahlsson verpuppt sich und taucht als Admiral wieder auf. Dagegen gibt es die drei Raupen, die die manipulierenden Düfte erstellen, die bleiben die ganze Zeit Raupen.
    Es gibt Fledermäuse, die zu den Wächtern gehören, aber es wird auch eine Maus als Braten verzerrt. Die Tiere müssen ständig ihr Essen kochen, was mich auch verwundert. Es wird Pollen in unterschiedlicher Form verzehrt, aber es gibt nur eine Hummel und keine Bienen.

    Abschließen muss ich also sagen, kein Buch für mich.

    Dagmar Mägdefrau

  • Ich, Jonas, genannt Pille und die Sache mit der Liebe

    Ich, Jonas, genannt Pille und die Sache mit der Liebe

    Brigitte Werner

    Verlag Freies Geistesleben

    Verlagsempfehlung ab 11 Jahre

    Die Autorin Brigitte Werner, seit vielen Jahren bekannt durch ihre praktischen, kreativen, phantasievollen Ideen und Arbeiten mit kleinen und großen Menschen, hat hier wieder ein Buch geschaffen, das Kinder sofort ansprechen wird. Der etwa 11-12-jährige Ich-Erzähler Jonas, genannt „Pille“ ist eingebettet in seine Familie, deren einzelne Mitglieder schillernd in ihren unterschiedlichen Charakteren  sind.

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    Im Vordergrund steht gleich zu Anfang der geplante Umzug von Opa Leo ins Altersheim. „Ne“, sagt Tante Berta, „ der hat nicht alle Tassen im Schrank. Punkt!“ Pille möchte ihr am liebsten vors Knie treten , damit ihr die Kirsche aus der Sahnetorte  wieder aus ihrem Mund springt … „Ihr seid doch alle total verrückt! Er hat wohl alle Tassen im Schrank, vielleicht noch ein paar mehr als ihr. Lasst Opa Leo in Ruhe!“ (S. 5) Pille kann sehr eindrucksvoll  seine jeweiligen Stimmungen beschreibend, was lesende Kinder ausgezeichnet verstehen werden. „Und ich sitze dann in irgendeinem Versteck, klein und mies und feige wie die allererbärmlichste Furzlaus im ganzen Universum. Klasse!“ (S.22) Gefüllt mit Sorge und skurrilen Erlebnissen rund um Opa Leo wird es unbemerkt Mai, und das Mädchen Lilli tritt in Pilles Leben. „Alle Mädchen in meiner Klasse finde ich blöd oder fast blöd. Wieso richtet Lilli solch ein Durcheinander in mir an, dass ich mich in mir selber nicht mehr zurechtfinde? Opa Leo wird das wissen. Ich muss ihn dringend fragen, wieso Mädchen so was können, ohne Vorwarnung und ohne großes Getöse… (S. 133) In Opas neuem Leben in der „Villa am Kanal“ vollziehen sich reichlich spannende Erlebnisse aber auch wundersame Veränderungen.

    Lesende Kinder werden sich ab der ersten Seite mit Pille anfreunden und seine Welt gespannt miterleben –  das Lesen hat auch mir uneingeschränkt Spaß gemacht. Absolut geeignet!

    Annette Heine

  • Auf Kaperfahrt mit Störtebeker – Spannende Graphic Novel aus der Hansezeit

    Auf Kaperfahrt mit Störtebeker – Spannende Graphic Novel aus der Hansezeit

    Till Lenecke

    Hinstorff

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    So richtig warm werde ich mit dieser Art Buch nicht. Vielleicht habe ich nicht den geschulten Comic-Blick. Ich kann oft die Personen, in schwarz/grau gezeichnet, nicht voneinander unterscheiden. Erst am Ende wurden die handelnden Personen vorgestellt. Der Text ist sparsam und ganz am Ende, in der Erklärung zu den Kapiteln, wurde mir einiges klarer.

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    Ich lese wahrscheinlich zu gerne, dass ich mich mit dem Wenigen ungern zufrieden geben mag. Trotzdem macht das Buch Weniglesern sicher viel Freude und macht sie neugierig auf die Seefahrt im Mittelalter, die sicher nicht romantisch, sondern böse und brutal war. Das versuchen die Zeichnungen auch zu vermitteln.

    Dagmar Mägdefrau

  • Eliot und Isabella im Finsterwald

    Eliot und Isabella im Finsterwald

    Ingo Siegner

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 6 Jahre

    Es ist schon der 4. Band von den Rattenkindern, der am 22.8.2016 erscheint. Aber man kann ihn durchaus ohne Vorkenntnisse lesen. Die Bilder von Ingo Siegner sind wie immer ansprechend mit mal ganzzeitig, mal eingestreuten Teilen.

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    Ja und spannend ist es natürlich auch wieder. Die Rüppelratten, angeführt von Bocky Bockwurst, ärgern unseren Held Eliot. Letztendlich sind sie die Angsthasen und Eliot tut in der Gefahr genau das Richtige. Denn er hat Fantasie, kann reimen und hat ein helles Köpfchen. Unterstützt wird er, das Stadtkind, von seiner Freundin Isabella, die sich im Wald auskennt. Als dann Tante Eleonore eingreift, steht der Rettung von Opa Pucky nichts mehr im Wege. Zum Ende können alle beim Waldfest mitfeiern.

    Keine Belehrungen, keine Besserwissereien, purer Spaß an tollen Figuren und die Freundschaft, die alle verbindet.

    Dagmar Mägdefrau

  • Kiste

    Kiste

    Text: Uwe Heidschötter

    Illustrationen: Patrick Wirbeleit

    Reprodukt Berlin

    Verlagsempfehlung ab 6 Jahre

    Ausgezeichnet mit dem Max und Moritz-Preis; Bester Comic für Kinder 2016

    Oh je! – eine Kiste, die nicht nur sprechen sondern auch basteln kann! Der Schuljunge Matti hat sie vom Straßenrand mit ins Haus genommen, um an seiner Raumstation weiter zu bauen. Diese geheimnisvolle Kiste war der Werkzeugkasten eines Zauberers!

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    Bei der ersten Begegnung mit „Kiste“erstarren Mattis Eltern – der Zauberer muss helfen! Also auf geht ́s! Nach einem langen Marsch, auf dem sie sich oft verlaufen, wird es bereits dunkel und Matti bekommt Angst. Endlich angekommen, gibt es ein großes Problem: der

    Zauberer hat sich selbst in eine riesige Schlange verzaubert, und ein neuer Zauberstab muss geschnitzt werden! Dank der großen Bastelhilfe von Matti und Kiste klappt alles prima, und der Zauberer stellt nach seinem alten Rezept ein Pulver her, mit dem Mattis Eltern wieder aus der Starre aufwachen.

    Ein spannendes und phantasievolles Comic, das bereits durch die zum größte Teil sehr realistischen Bilder den Verlauf der Handlung verständlich werden lässt!

     2 weitere Folgen  sind bereits erschienen.                                                 

    Annette Heine  


    Eine lustige Idee, ein Junge findet eine Kiste vor dem Haus und möchte daraus eine Raumstation basteln. Aber kaum ist er mit der Kiste in seinem Zimmer, fängt diese an zu sprechen. Die Beiden erleben einiges zusammen, dann kehrt die verzauberte Kiste zu ihrem Zauberer zurück. Die Geschichte wird als Comic gezeichnet und ist deshalb auch für ungeübte Leser ein schöner Einstieg.

    Dagmar Mägdefrau

  • Rick 1 – Wie man seine durchgeknallte Familie überlebt

    Rick 1 – Wie man seine durchgeknallte Familie überlebt

    Antje Szillat

    Comics von Kim Schmidt

    Coppenrath Kinder

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    In einer Männer-WG groß zu werden – das hat schon was!! Rick, fast 12 Jahre alt, lebt gemeinsam mit seinem Vater,ein Kriminalpolizist, dessen Freund Wutz, „Undercover-Agent“ bei der Polizei und ihrem Kater Gismo – wegen seiner üblen Katzenfürze häufig „Stinkbombe“ genannt. Seine Mutter hat er leider nie kennengelernt – sie ist gleich nach seiner Geburt gestorben.

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    Aber eine große Hilfe ist ihm oft seine Oma Mary., die nur eine Straße weiter wohnt und die „besten Kartoffelpuffer des ganzen Universums“ brät. Nicht nur er selbst, sondern auch sein Blutsbruder Chrissy findet Ricks Leben einfach genial! Ganz im Gegensatz zu seiner strengen Klassenlehrerin Frau Püttelmayer – von Chrissy als „schlammschleimige Matschkuh“ bezeichnet; sie findet das Leben von Rick in seiner chaotischen WG für bedenklich.

    Doch bald ziehen überaus dunkle Wolken auf im Leben des Jungen: sein bester Freund zieht nach Stuttgart ohne es ihm vorher gesagt zu haben, und sein Vater verliebt sich in seine Kunstlehrerin, die einen sohn hat: Finn, laut Rick ein „Oberstreber, totaler Langeweiler und Blödiansohn“. Das Leben ist einfach nur ungerecht! Aber siehe da, auch in dieser negativen Phase gibt es Spannendes, Lustiges und sogar ein großes Abenteuer: und das ausgerechnet mit Finn, der eine tolle Phantasie hat und großen Mut beweist!

    Ein überaus spannendes Buch – in das lesende Kinder sich durch eine echte, nicht gekünstelte Sprache und den lustigen Erlebnissen ab der ersten Seite wohl fühlen werden! Sehr zu empfehlen!                                                                             

     Annette Heine


    Bei Rick ist alles anders. Er wohnt mit Papa und seiner Polizeikollegin in einer WG. Ergänzt wird die WG durch einen pupsenden Kater. Problematisch wird es als ein Vater sich in eine Lehrerin seiner Schule verliebt, die sich als Vegetarierin herausstellt und zu allem Unglück noch die Mutter eines Mitschülers ist, der immer nur liest und als Streber bekannt ist.

    Dann gibt es noch eine schrille Oma einschl. Hund, die regelmäßig die WG heimsucht und einen Freund, der nach Stuttgart zieht.
    Rick kann erstaunlich viel für einen 11jährigen, so z.B. Fikallen braten. Diese werden der Freundin untergejubelt.
    Zum Schluss stellt sich heraus, dass Finn auf Grund seiner regen Lesetätigkeit viel Phantasie hat und doch ein guter Freund/Bruder zu werden verspricht. Viele Streiche finde ich schon nicht mehr schön. Die kleinen Comics, die die Kapitel begleiten lockern sehr schön auf.

    Dagmar Mägdefrau

  • Martha

    Martha

    Atak

    Aladin

    Verlagsempfehlung ab 6 Jahre

    Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2017

    Einfach wunderschöne Bilder, die an große Meister erinnern. Das Buch ist einfach ein impressionistisches Kunstwerk.

    Martha, die letzte Wandertaube, die am 1.9.1914 im Zoo von Cincinnati stirbt, erzählt die Geschichte ihrer Art. Zunächst gibt es riesige Schwärme dieser Tauben. Sie erzähl von ihrem ruhigen Leben in Nordamerika.

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    Die ersten Tauben werden geschlachtet und gegessen, die Menschen haben Hunger. Doch dann geht das große Schlachten los, bis eine Taube nur noch 1 Cent bringt. Erst als die drei überlebenden Tauben in den Zoo kommen, werden sie wieder beachtet und geachtet. Aber leider, wie für viele andere Tiere auch, zu spät.

    In erster Linie faszinieren die bunten Bilder, trotzdem lässt uns die Geschichte traurig und nachdenklich zurück. Ich befürchte, all zu zart besaiteten Kindern darf man die Geschichte nicht vorlesen. Andere werden aber sicher ihre Freude an dem tollen Bilderbuch haben.

    Dagmar Mägdefrau

  • Hotel Wunderbar

    Hotel Wunderbar

    Jutta Nymphius

    Tulipan-Verlag

    Verlagsempfehlung ab 9 Jahre

    In einem Hotel sind nicht immer alle Zimmer vermietet und das Hotel von Mikas Vater hat schon bessere Tage gesehen. Damals als Mama noch da war, da gab es einen richtigen, gut riechenden Weihnachtsbaum und sie konnte ganz tolle Sachen aus Gurken oder Tomaten machen.  Damals lief das Hotel so gut, dass man noch einen Anbau mit sechs Zimmern brauchte.

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    Aber jetzt ist alles anders, Papa sitzt immer nur im Büro und will auch nicht mit Mika „Hase und Jäger“ spielen. Mika kann nicht mal mit Papa sprechen, immer muss er arbeiten, obwohl gar nicht viel los ist.

    Da lernt Mika den kleinen schwarzen Hundewelpen Silvester kennen und mit ihm den Obdachlosen Teddy und weil beide so frieren lädt Mika die beiden ein in einem leeren Hotelzimmer im Anbau zu übernachten. Mit der Zeit werden jede Nacht alle sechs Betten belegt. Aber Mika gibt diesen Menschen nicht nur ein Bett, sondern er erzählt ihnen von seinen Sorgen und spielt mit ihnen. Und diese neuen Freunde hören ihm gut zu. So kommt es am 22.1. zu einer Weihnachtsfeier mit einem kleinen, krummen, aber echten Tannenbaum. Als Papa da hereinplatzt begreift er schnell, dass er sich zu wenig um seinen Sohn gekümmert hat. Jetzt soll das Leben so weitergehen, dass es „Mama gefallen“ hätte.

    Dagmar Mägdefrau