• Das Haus in der Mango Street

    Das Haus in der Mango Street

    Sandra Cisneros

    Aus dem amerikanischen Englisch übersetzt von Gerd Burger

    atlantis

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Das erste längere Kapitel ist mit „Ein Haus für sich allein“ überschrieben und es ist das Vorwort der Autorin, dessen Foto ganz am Anfang abgedruckt ist. Eine junge Frau in ihrem Arbeitszimmer, das eigentliche eine Abstellkammer ist und in dem sie nicht arbeitet, denn sie schreibt am Küchentisch.
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    Da das Buch schon 1984 erschien, ist die Autorin inzwischen eine alte Frau, was der Aktualität ihres Buches keinen Abbruch tut. Im Vorwort beschreibt Esperanza, wo sie gewohnt hat, bis sie mit ihrer Familie in die Mango Street zog. Die Straße liegt in einem armen Stadtteil von Chikago und es gibt um sie herum viele Menschen mit ihren unterschiedlichen Schicksalen und diese Menschen tauchen in den kleinen Geschichten auf, aus denen das Buch besteht. Esperanza berichtet von ihren Eltern, ihren beiden Brüdern und von ihrer jüngeren Schwester Nenny, die oft Dinge tut, die für Esperanza unvorstellbar sind. Da ist von Joe, dem Babygrabscher die Rede, den Schwestern Lucy und Rachel mit denen sie sich zusammen ein Fahrrad für 15 Dollar kauft. Wir erfahren auch von ihrer Mutter, dass sie zwar sehr klug war, aber nicht lange zur Schule ging und dass sie heute beim Kochen Opernarien singt. Tragisch ist die Geschichte von der Tante Guadalupe, die lange krank war und für deren Tod sich Esperanza verantwortlich fühlt. Zu Ende des Buches lernen wir Sally kennen, Esperanza beste Freundin, die häusliche Gewalt vom Vater und vom Ehemann erfährt. 
    Die Geschichten sind kurz, nicht zeitlich sortiert und vieles wird nur angedeutet. Die Stil hat etwas von einem Plauderton und manchmal empfinde ich es als etwas naiv. Aber Esperanza schafft es die Mango Street zu verlassen und ihren Traum vom eigenen Haus zu realisieren. Dabei ist ihr wichtig nicht abhängig zu sein und so setzt sie sich durch und wird Schriftstellerin, ganz wie sie es im Vorwort schreibt.

    Dagmar Mägdefrau

  • Girlhood – Sechs inspirierende Storys über Mut, Stärke und Zusammenhalt

    Girlhood – Sechs inspirierende Storys über Mut, Stärke und Zusammenhalt

    Anna Dimitrova

    Amani Padda,

    Basma Hallak u.a.

    Arctis

    Leseempfehlung ab 14 Jahre

    Man unterschätzt leicht, wie viel einem Kurzgeschichten geben können. Besonders dann, wenn das Ende offenbleibt oder keine endgültige Lösung präsentiert wird und man dennoch miterleben darf, wie eine der starken Protagonistinnen sich entwickelt. Gerade weil wir hier sechs Kurzgeschichten haben, bündelt sich auf wenigen Seiten eine enorme Vielfalt und weibliche Kraft, die unglaublich inspirierend wirkt.
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    Ein wenig irritiert hat mich, dass Anna Dimitrova Dessi aus ihrem Roman Kanak Kids zur Hauptfigur ihrer Kurzgeschichte macht, dort hatte ich sie ganz anders wahrgenommen. Trotzdem habe ich alle sechs Geschichten sehr gerne gelesen.
    Und wie passend ist es eigentlich, diese Sammlung Girlhood zu nennen? Keine Geschichte nimmt der anderen den Raum, genauso wie auch Frauen im echten Leben einander nicht verdrängen müssen. Im Gegenteil: Ein Nebeneinander ist so viel schöner als ein Alleinsein.
    Außerdem hatte ich das Gefühl, dass die Geschichten nicht nur sorgfältig angeordnet, sondern auch thematisch leicht miteinander verknüpft sind. Was für die eine Figur ein Problem darstellt, kann für die nächste ein Wunsch sein und genau darin liegt ein besonderer Reiz dieser Sammlung.
    Am Ende bleibt für mich vor allem das Gefühl, dass Girlhood nicht nur einzelne Geschichten erzählt, sondern ein kollektives Bild von weiblichem Aufwachsen, Kämpfen und Träumen zeichnet.

    Raphaela Brosseron