Das Wiesel Piet muss in die große Stadt! Er ist der Einzige, der einer großen Aktion entkommen ist, bei der alle Wiesel des Waldes – seine Mutter und seine Schwester Cilli eingeschlossen – gefangen wurden. Für Piet ist klar, dass er alle aus der „Wiesel-Fabrik“ in der Stadt retten muss. Aber wie kommt er in die Stadt? Und wie kann er die Wiesel befreien?
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Im Laufe seiner Mission trifft Piet auf Tiere, die ihn bei seinem Plan unterstützen, wie den Siebenschläfer Hugo oder die Kanalratten. Er lernt aber auch aus leidvoller Erfahrung, dass nicht nur die Menschen eine Gefahr für Tiere sein können, sondern auch andere Tiere wie der Marder Toni, der rücksichtslos andere Tiere ausbeutet, oder die speziell zur Bewachung des Lagers eingesetzten Riesenhunde.
Stepha Quitterer hat mit überbordender Fantasie und viel Sprachwitz eine Tierwelt geschaffen, die ein Spiegelbild der Menschenwelt ist. Manches ist sehr witzig, etwa „Junge Dachsfamilie, 5 Kinder, reinlich, gebildet, solides Einkommen, sucht dringend Wohnung im Kiez. Ab 20 Wohnkammern, mindestens 10 Eingänge“, oder wenn die Ratten glauben, dass die Menschen ihnen in den Tagen vor Silvester „per Klospülung extra Bratenreste und Unmengen Klöße, Kartoffelbrei und Rotkohl schenk(t)en“. Vieles ist aber auch so, dass man schlucken muss – etwa über die Vorurteile, die die Tiere untereinander hegen.
So hat Piet einen „Krähen-Bruder“, der vor langer Zeit von Piet und seiner Mutter als Küken vor dem Verdursten gerettet wurde. Offiziell können Wiesel und Krähen aber nicht befreundet sein, denn „Krähen sind voller Läuse“, „nehmen es mit der Pünktlichkeit nicht so genau“ und „klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist“.
Noch bedrückender ist allerdings die Szene, in der der ganze Wald „entwieselt“ wird und deutlich wird, dass alle anderen Waldtiere wussten, was passieren würde, aber niemand zu den Wieseln steht, weil man sonst selbst in Gefahr geraten könnte. So machen sich beispielsweise die Eichhörnchen zu Gehilfen dieser Aktion. Oder man erlebt später in der „Wiesel-Fabrik“ Wiesel als Aufseher, die keinerlei Gnade gegenüber ihren Artgenossen kennen. So hat Piets bester Freund einen Ausbildungsplatz als angehender Aufseher bekommen.
Dieses Buch gibt viel Stoff zum Nachdenken und miteinander Reden. Nicht zuletzt über die Haltung des Siebenschläfers Hugo, der überzeugt ist, für Piet verantwortlich zu sein, weil er sich entschieden hat, ihm das Leben zu retten: „Ich muss zu dieser Entscheidung stehen. Dafür sorgen, dass es eine gute Entscheidung war.“
Eine tolle Abenteuergeschichte, die ganz nebenbei viele wichtige Werte vermittelt – mit schönen Illustrationen. Sehr lesenswert!
Beate Böhm


