• Smillas Gespür für Käfer

    Smillas Gespür für Käfer

    Anne Jaspersen

    Amrei Fiedler

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Die zehnjährige Smilla liebt Käfer über alles. In der Schule wird sie von einigen Mitschülern gemobbt und ist eher eine Außenseiterin. 
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    Deshalb sucht sie nach der Schule Zuflucht auf einem alten, verwilderten Grundstück mit einem kleinen roten Haus, das Fiete vor seinem Tod gehörte.Leider gerät dieser geschützte Raum, in dem sie so sein kann, wie sie ist, in Gefahr, als JayJay, ein bekannter YouTuber, das Haus für sich beansprucht. Doch als schließlich eine Investmentfirma das Grundstück kaufen und dort Eigentumswohnungen bauen möchte, verbünden sich die beiden und suchen nach einer Möglichkeit, dieses Vorhaben zu stoppen.
    Die Geschichte rund um die Rettung von Fietes Grundstück ist wunderbar erzählt und sehr schön geschrieben. Am Anfang jedes Kapitels werden Fakten zu einzelnen Käfern genannt, die jeweils inhaltlich mit dem Kapitel zusammenhängen. Passend dazu gibt es schöne Illustrationen der jeweiligen Käfer.
    Besonders hervorzuheben ist, dass Smilla mit Zügen aus dem neurodivergenten Spektrum beschrieben wird und man dadurch einen sehr einfühlsamen Einblick erhält, wie Menschen in diesem Spektrum viele Dinge wahrnehmen. Sehr schön zu lesen ist auch, wie sich die Freundschaft zu JayJay und später zu John entwickelt und wie sie gemeinsam so viel erreichen.
    Ich habe das Buch mit großer Freude gelesen.

    Katrin Hemmerich


  • Bibibiber hat da mal `ne Frage – Warum muss ich schlafen? – Band 6

    Bibibiber hat da mal `ne Frage – Warum muss ich schlafen? – Band 6

    Dr. Mai Thi Nguyrn-Kim

    Marie Meimberg

    Oetinger

    Verlagsempfehlung ab 7 Jahre

     
    Ich muss gestehen, obwohl dies schon der 6. Band ist und die Autorinnen und Wissenschaftlerinnen Mai und Marie dem Bibibibiber eine Menge spannender und interessanter Fragen gestellt haben, ist es das erste Buch der Reihe, das ich lese.

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    Der Untertitel „Warum wir alle Schlaf brauchen und genug Schlaf die Welt schöner macht“ lässt uns schon erahnen, dass der von den meisten Kindern und sicher auch einigen Erwachsenen als lästig empfundene Schlaf eine Berechtigung in unserem Tagesablauf hat. Der Bibibibiber hat einen tolle Idee, er möchte den größten Damm der Welt bauen und bittet anderer um Hilfe. Doch er erhält lauter Absagen, weil die Tiere immer irgendwie schlafen müssen. Und schon sind wir beim Thema „Photosynthese“, das uns mit Hilfe von Legosteinen dargestellt wird.
    Das Buch hat sehr viele einfach gezeichnete Illustrationen, die die schwierigen Themen sehr gut darstellen und so erfahren wir, wieso der Schlaf für die Tiere und für uns Menschen so wichtig ist. Ein Sachbilderbuch, das wirklich nicht ermüdend ist.
    Eine sehr gut gemachte Sachbuchreihe für Kinder und Erwachsene, denn so klar war mir das mit dem Schlafen auch nicht, auch wenn ich es inzwischen ganz gerne mache. Schnarch!

    Dagmar Mägdefrau


  • Staub

    Staub

    Silke Schlichtmann

    Maja Bohn

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 6 Jahre

    Schon auf dem Cover sehen wir Staub in unterschiedlichsten Erscheinungsformen mit Demo-Schildern, die darauf hinweisen, wie wichtig diese kleine Partikel sind. „Staub ist eine Mischung aus Luft und winzigen Teilchen.“ 
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    Zunächst berichtet die Autorin aus ihrer eigenen Erfahrung, die sich mit der der Lesenden deckt. Wir empfinden Staub meist als lästig und mühen uns, ihn zu entfernen. „Staub hat einfach einen schlechten Ruf.“ Aber in diesem Buch werden wir eines Besseren belehrt, denn vieles funktioniert ohne Staub gar nicht. So schützt er uns vor der Sonneneinstrahlung oder erzählt uns Geschichten über die Vergangenheit oder über mögliche Täter. Es gibt eine Menge Staubsorten, über die wir viel erfahren. So wird der fruchtbare Lössboden „staubiges Gold“ genannt. 
    Erstaunlich, dass dem Staub, dem wir ja überall begegnen, erst jetzt so ein spannendes Sachbuch mit so vielen informativen Illustrationen gewidmet wurde. Hier wurde ein Alltagsthema zu einem superwichtige Thema gemacht, aber das Beste an dem Buch ist, dass das Lesen und Anschauen riesigen Spaß macht.

    Dagmar Mägdefrau
  • Der Prinz der Zwerge – Orens Reise

    Der Prinz der Zwerge – Orens Reise

    Kian Talyn

    Independently published

    Autorenempfehlung junge Erwachsene

    Die Geschichte beginnt in einer englischen Industriestadt zum Ende des Ersten Weltkriegs. Orens Mutter arbeitet in einer Munitionsfabrik und verschwindet bei einer Explosion. Der Zwölfjährige sucht verzweifelt nach ihr und gerät zusammen mit seinem besten Freund Finch in eine andere Welt. 
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    Hier erfährt Oren, dass er ein Zwergenprinz ist, da aber seine Mutter keine Zwergin ist, hat sein Vater den Anspruch auf den Thron verwirkt. Seine Tante Sigrid hat dafür gesorgt, dass Oren von seinem Anspruch erfährt und sie hofft, dass er ihn sich erkämpfen wird. Allerdings muss er zunächst seinen Vater finden und die Reise dorthin birgt viele Gefahren. 
    Eine fantastische Welt aus Zwergen, Zauber*innen, Drachen und Pixies hat sich der Autor da ausgedacht. Ich bin keine erfahrene Fantasyleserin und fand mich zunächst sehr gut zurecht, aber im Laufe der Handlung kamen sehr viele Charaktere dazu, so hatte ich manchmal Probleme, mich zurecht zu finden. Es gab sehr traurige Ereignisse, fröhliche Szenen und wilde Kämpfe, sowohl in der Vergangenheit als auch während der Geschichte. Oren, der uns die Handlung aus seiner Sicht beschrieb, erlebte Wut, Trauer und sein Mut wuchs mit der immer größeren Bindung zu seinem Zwergvolk. Die Beschreibung der Orte war sehr anschaulich und ich konnte mir alles sehr gut vorstellen. In der Fantasywelt wurde auf die nordische Götterwelt zurückgegriffen und auch die Namen entsprechen denen der Menschen auf Island.
    Ein spannendes Buch mit vielen Wendungen, vielen emotionalen Momenten, aber auch sehr humorvollen Ideen. Eine schöne Mischung, die sich gut lesen lässt.

    Dagmar Mägdefrau


  • Der Büchergarten – Ein blühendes Geheimnis – Band 1

    Der Büchergarten – Ein blühendes Geheimnis – Band 1

    Katja Fixe

    Leonie Daub

    Arena

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Charlie liebt es, am Samstagmorgen durch die Stadt zu streifen, wenn die Straßen noch ruhig sind. Sie trifft sich mit ihrem besten Freund Jamil. Zusammen entdecken sie ein geheimnisvolles, verwildertes Grundstück. Zwischen Hecken, bunten Blumen und wilden Wiesen eröffnet sich ihnen der Büchergarten – ein verzauberter Ort voller Magie und Bücher.
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    Dort lernen sie die alte Dame Emilie Lichtblau, die Schreibmaschine Optima und das Rotkehlchen Federzart kennen, die den beiden zeigen, dass Bücher mehr sind als nur bedrucktes Papier.
    Die Geschichte ist in einer schönen und einfachen Sprache geschrieben, sodass sie sich für jüngere Kinder zum Vorlesen wie auch für fortgeschrittene Leseanfänger zum Selberlesen sehr gut eignet.
    Katja Frixe entführt uns in eine wunderbare Welt, die zeigt, dass Zusammenhalt und füreinander da zu sein etwas sehr Schönes ist und viel bewirken kann. Das Cover ist wunderschön illustriert, und auch in der Geschichte finden sich immer wieder sehr schöne, zur Handlung passende Illustrationen.
    Rundum ein sehr gelungenes Buch – ich freue mich auf einen hoffentlich zweiten Teil der Geschichte.

    Katrin Hemmerich
  • Mira macht Sachen

    Mira macht Sachen

    Sabine Lemire

    Rasmus Bregnhøi

    Klett Kinderbuchverlag

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    In den letzten Jahren sind acht Mira-Bücher erschienen und nun macht Mira Sachen, das bedeutet, es gibt in diesem Buch Bastel-, Strick-, Näh- und andere Anleitungen. Mit Pompons aus Wolle geht es los und hier gibt es Anleitungen eine Katze oder ein Huhn daraus zu machen. 
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    Es gibt Schablonen und Tipps, wie man mit Hilfsmitteln umgeht. Dann wird eine Tasche gestrickt, Wollreste zu einem Schal oder einer Kette verarbeitet. Dann kann man sich an einen Mira-Pullover trauen, denn die Anleitungen sind sehr detailliert und gut erklärt. Das Kapitel „Nähen“ beginnt mit einer Haarspange in Form eines Schmetterlings. Dann wird eine Tasche genäht und Shirts verschönert. Ein 3-D-Bild kann dann gebastelt werden und Häuser aus Milchtüten werden sehr fantasievoll gestaltet. 
    Nach einigen Schmuckstücken geht es mit dem Kapitel „Weihnachten“ und vielen schönen Ideen weiter.
    Zum Ende eines jeden Kapitels gibt es einen witzigen Comic mit Mira.
    Vielfältige Dinge, die man selbst herstellen kann, werden hier aus dem Blickwinkel von Mira betrachtet, angeboten. Sicher gefällt nicht allen alles, aber sicher wird die eine oder andere Idee mit Begeisterung umgesetzt werden können. Nicht nur für Mira-Fans gibt es hier viel zu entdecken.

    Dagmar Mägdefrau
  • Paul`s unglaubliche Reise mit Donnerblitz

    Paul`s unglaubliche Reise mit Donnerblitz

    Thorsten Winskowski

    BoD

    Autorenempfehlung ab 6 Jahre

    Auf dem Cover reitet der kleine Paul auf Donnerblitz, seinem selbstgebastelten Raumschiff. Nachdem Paul von einem Raumschiff geträumt hatte, macht er sich gleich am Nachmittag daran, so etwas selbst zu bauen, zum Schluss schreibt er „Donnerblitz“ auf die Tonne. 
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    Und schon in der darauffolgenden Nacht drückt er auf den Startknopf und legt vorsichtig den ersten Gang ein. Zu seinem eigenen Erstaunen kann Donnerblitz fliegen, schon bald ist er über den Dächern unterwegs. Mit einem Knall durchbrechen sie die Schallmauer und mit dem fünften Gang erreichen sie den Weltraum. Jetzt muss Paul Luft aus den mitgenommenen Luftballons atmen. Im sechsten Gang geht es dann wieder zurück zur Erde. 
    In der nächsten Nacht nimmt sich Paul vor, bis zum Mond zu fliegen.

    Eine Geschichte voller Fantasie. Später im Buch tauchen dann noch kleine außerirdische Roboter auf, denen Paul helfen kann und die seinen Donnerblitz reparieren können. Zusammen geht es dann noch zum Mars. Natürlich kann man sich Gedanken machen, wenn ein Junge nachts im Garten unterwegs ist, vielleicht sollten sich die Eltern auch mehr für das Tun ihres Kindes interessieren. Aber letztlich ist es eine fröhliche, fantasievolle Erzählung und es macht Spaß, sie zu lesen. Die Bilder im Buch sind, anders als der Text, KI-unterstützt entstanden, passen aber sehr gut zur Geschichte.

    Dagmar Mägdefrau
  • Lea, Tom und der gelbe Luftballon

    Lea, Tom und der gelbe Luftballon

    Luitgard Péron

    tredition

    Autorenempfehlung ab 6 Jahre

    Tom und Lea sehen wir auf dem Cover, sie liegen fröhlich auf einer Wiese und beobachten einen Frosch. 
    Die beiden sind schon lange beste Freunde und gehen jetzt gemeinsam in die 2. Klasse. An den Nachmittagen treffen sie sich an ihrem „geheimen Ort“, einer Eiche, die auf einer bunten Wiese steht.
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    Wir erfahren, wie sie den Platz entdeckt haben und was sie schon Tolles zusammen hier erlebt haben. Doch diesmal hat Tom eine schlechte Nachricht, er wird in eine andere Stadt ziehen und „Lea verliert ihren besten Freund.“ Zuhause merkt Mama gleich, dass Lea ein Problem hat und als sie in Leas Zimmer kommt, erfragt sie liebevoll und einfühlsam den Grund für Leas Tränen. Sie geht auf Leas Gefühle mit viel Verständnis ein und ermutigt sie, alles zu erzählen. Mit Hilfe eines Bildes von einem Leuchtturm verbildlicht die Mama Leas Schmerz und versichert ihrer Tochter: „Ich tröste dich jetzt, ich bin bei dir.“ Später erzählt sie Lea noch eine kleine Geschichte und erklärt damit den Begriff „dein eigener Ort“, an den sich Lea zurückziehen und innere Ruhe finden kann.
    Ein sehr gefühlvolles Buch, dass die Autorin selbst passend in zarten Tönen illustriert hat. Die Mutter geht auf die Gefühle ihrer Tochter ein und nimmt sie sehr ernst. Mit ihrer ruhigen Art, ihrer körperlichen und mentalen Nähe schafft sie es, dass ihre Tochter trotz des Verlustes Trost findet.
    Im hinteren Teil des Buches werden die Leser*innen zum Mitmachen aufgefordert. Sie können malen und schreiben und sich ihrer Gefühle bewusst werden. Beim Lesen spürte ich, wie wichtig der Autorin dieses Thema ist und wie wohl überlegt und voller Liebe sie dieses Buch zusammengestellt hat.

    Dagmar Mägdefrau

  • Fritzi war dabei

    Fritzi war dabei

    Hanna Schott

    Gerda Raidt

    Klett Kinderbuchverlag

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Der hellblaue Trabant wird gewaschen und Fritzi kommt mit ihrem Tornister des Wegs, so ein ähnliches Bild haben wir von der ehemaligen DDR in unseren Köpfen.
    Am 1. September beginnt nach den Sommerferien wieder die Schule und Fritzi ist auch irgendwie froh, dass der Schulalltag wiederkehrt.
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    Allerdings ist der Tag auch der Beginn eines ganz besonderen Herbstes, denn wir schreiben das Jahr 1989. Der erste Schultag beginn mit dem Fahnenappell und Fritzi ist stolz, dass sie jetzt ein rotes Tuch auf ihrer weißen Bluse tragen darf. Das dazugehörende Bild zeigt die Kinder mit ihrer strengen und linientreuen Lehrerin unter der Fahne. In der Klasse stellt sich heraus, dass Sophie fehlt und die Lehrerin macht eine Bemerkung, die Fritzi nicht verstehen kann. Doch in der nächsten Zeit ist immer wieder von Ungarn die Rede und sowohl Mama als auch Papa beklagen, dass Kolleg*innen nicht mehr zur Arbeit kommen. Mama entschließt sich, in die Nikolaikirche zu gehen und nimmt ihre Tochter mit. Beim Verlassen der Kirche werden die beiden gefilmt und die Reportage wird im Westfernsehen ausgestrahlt. 
    Durch das Buch wurde mir wieder klar, was für ein Wunder wir doch 1989 erleben durften und mit welcher Freude wir uns auf ein Zusammenleben mit „den Brüdern und Schwestern im Osten“ gefreut haben. Hier erleben wir die Ereignisse aus Sicht der neunjährigen Fritzi, die eine Oma in München hat, die sie von Zeit zu Zeit in Leipzig besucht. Die uns aber die Sichtweise eines im Sozialismus lebenden Mädchens aufzeigt. Gerade für mich, die ich immer im Westen gelebt habe und die auch keinen Bezug zur DDR hatte, ist das eine interessante Erfahrung.
    Mit seinen 87 Seiten und vielen erklärenden Illustrationen ist das Buch sehr gut zu lesen und zu verstehen. Ich denke, es ist wichtig, dass die Kinder auf diesem Weg von der jungen deutschen Geschichte erfahren und die Form, dass ein Mädchen aus Ihrem Alltag berichtet, ist hervorragend gewählt.

    Dagmar Mägdefrau
  • Beast Lands – Schattenflügel – Band 1

    Beast Lands – Schattenflügel – Band 1

    Jess French

    George Ermos

    übersetzt von Christiane Wagle

    DK

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre

    Der Prolog erinnert in seiner Stimmung an eine Schöpfungsgeschichte und führt behutsam in die Entstehung der Welt Ramoa ein, einer fantastischen Umgebung voller Pangrons, fliegender „Bestien“, und vieler weiterer Dinge, die es in unserer Realität nicht gibt. 
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    Trotz all dieser Fantasieelemente spiegelt die Welt gesellschaftliche Strukturen wider, die wir nur zu gut kennen: Hier wird nach unten getreten, eine strenge Rangordnung bestimmt den Alltag, und junge Menschen stehen unter großem Druck. Ich finde es großartig, dass jungen Leser*innen zugetraut wird, sich in einer magischen Welt auch mit solchen realen Themen auseinanderzusetzen.
    Die Geschichte wird aus der Perspektive von drei jungen Protagonist*innen erzählt, die aus ganz unterschiedlichen Teilen Ramoas stammen. Dass ausgerechnet Kinder den Mut aufbringen, die sicheren Städte zu verlassen und sich tief ins Biestland vorzuwagen, um ihre Heimat vor dem Untergang zu retten, während die Erwachsenen versagen, verleiht der Handlung einen wunderbar abenteuerlichen Kern.
    Zwischendurch werden sehr viele Details beschrieben. Einerseits fördert das die Vorstellungskraft, andererseits kann es den Fokus etwas verwässern und die Orientierung erschweren. Dennoch gefällt mir besonders, wie Freundschaft, Mut und gemeinsames Abenteuer im Zentrum stehen und wie die Geschichte zeigt, dass die wahren Gefahren nicht immer in den Bestien lauern, sondern oft in der Menschheit selbst.

    Raphaela Brosseron

  • Neue Fälle: Erwischt! Zeitreise ins Verbrechen

    Neue Fälle: Erwischt! Zeitreise ins Verbrechen

    Christine Haas

    Alexander von Knorre

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 9 Jahre

    •	Der große Postzugraub von 1963 
    • Der Raub der Mona Lisa
    • Das Gespenst von Berlin
    • Wolfgang Beltracchi, der Meisterfälscher
    • Kim Dotcom – Dunkle Geschäfte im Internet
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    Fünf spannende Fälle aus unterschiedlichen Zeitperioden werden noch einmal aufgerollt. 1971 gab es in der Baker Street einen dreisten Bankraub. Die Banditen mieteten ein leeres Ladenlokal und buddelten sich in den Tresorraum einer Bank, um dort die Kundentresore zu plündern. Zunächst wird die Geschichte in einem Comic erzählt. Weiter geht es mit der Frage „Was ist passiert?“ Hier wird der ganze Vorgang noch einmal genau beschrieben. Kleine Textfelder „Schon gewusst?“ erklären spezielle Zusammenhänge der Tat. Danach erfahren wir, wie sich die Bande vorbereitet hat und danach ist eine Fahndungsplakat des Haupttäters abgebildet. Über den bekanntesten Bewohner der Baker Street geht es weiter zu Scotland Yard und seiner Geschichte. 
    So ähnlich sind auch die anderen Fälle aufgebaut und obwohl ich einige der Fälle damals in der Presse verfolgt habe, fand ich es sehr spannend, hier noch einmal davon zu lesen.
    Eine spannende und informative Reihe, nicht nur für Krimifans.

    Dagmar Mägdefrau
  • Als die gelben Blätter fielen

    Als die gelben Blätter fielen

    Marius Marcinkevicius

    Inga Dagilė

    Deutsch von Saskia Drude

    Dressler

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Aus dem Fenster des dunklen Hauses schauen zwei Kinder, die einen Judenstern tragen, neben ihnen ist ein kleiner zotteliger Hund zu sehen. Danach lernen wir einige andere Bewohner des Gettos kennen, wir lesen ihre Namen und sehen eine Abbildung von ihnen im Einband.
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    Das Buch beginnt im Sommer 1943. Die beiden Kinder lassen auf dem Dach eines Hauses sitzend einen Drachen steigen. „Die Freiheit ist nicht da draußen, sondern hier. Im Herzen.“ Da legt Riwka dem Jungen ihre Hand auf die Brust. Ganz klein sehen wir die Kinder jetzt auf dem Dach und um sie herum in den Straßen sind viele Menschen unterwegs. Während Riwka von dem Jungen „das mutigste Mädchen der Welt“ genannt wird, hat er viele Ängste. Als der Junge, der uns die Geschichte erzählt, auf das Mädchen wartet, taucht ein großer schwarzer Vogel auf, der ihn aus „seinen kleinen Augen böse ansah.“ Aus den schwarzen Vögeln werden marschierende Soldaten, die ein Tor bauten. Wenn man durch das Tor ging, kam man nie mehr wieder. 
    Ein traurige Geschichte mit einem hoffnungsvollen Ende. Denn da steht Riwka als alte Frau und aus all den anderen sind Steine geworden. „Und ich spüre, wie in meinen steinernen Körper die Wärme zurückkehrt.“
    Mit diesem Buch wird den Juden in Vilnius ein kleines Denkmal gesetzt und das Nachwort erklärt die historischen Zusammenhänge.
    Beeindruckende Illustrationen, meist düster, aber sehr gefühlvoll. Der Text ist trotz der traurigen Erzählung voller Poesie. Mit diesem Buch ist die Kinderliteratur über die Shoa um ein eindrucksvolles Buch reicher geworden.

    Dagmar Mägdefrau

  • Niemandskatze – Carlo von Catwig

    Niemandskatze – Carlo von Catwig

    Cora Gofferijé

    Christina Groth

    fe- Medienverlag

    Leseempfehlung ab 6 Jahre

    Auf dem Cover sehen wir den einäugigen Kater Carlo von Catwig, stolz schaut er uns mit seinem einen blauen Auge an. Daneben die riesige, aber immer ängstliche Dogge Amboss und mit einem verschlagenen Blick der Mops Fiesemöpp, der seinen Namen zu Recht bekommen hat.
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    Während Ida Isenbügel, die Inhaberin des Hunde-Hotels, friedlich schläft, hört Amboss verdächtige Geräusche. Da er selbst zu ängstlich ist, geht der kurzbeinige Mops zur Tür und findet davor eine Katze. Diese Katze befindet sich in einem jämmerlichen Zustand und Ida macht sich sofort auf den Weg zur Tierärztin, damit der Kater medizinisch versorgt wird. Doch dort muss Ida eine Entscheidung treffen, denn der Kater ist eine „Niemandskatze“, eine Katze ohne Namen und ohne Besitzer*in. Ida ist sicher, dass der Kater kämpfen wird und gibt ihm den Namen „Carlo von Catwig“. Und sie behält Recht, bald kann Carlo wieder bei ihr einziehen. Aber Fiesemöpp kann sich nicht damit abfinden, dass dieser Kater Privilegien hat, die er auch gerne hätte, und so versucht er mit allen Mitteln, den neuen Mitbewohner loszuwerden.
    Das Schicksal von Carlo ist bei uns in Essen durch die Presse gegangen und in diesem kleinen Büchlein erfahren wir, wie aus einer kranken, schmutzigen Niemandskatze ein stolzer einäugiger Kater geworden ist. Carlo ist ein Kämpfer mit Herz, der selbst am Ende Fiesemöpp rettet.
    Die Kinder werden mit Carlo zittern und seinen Erfolg feiern. Besonders die zahlreichen farbigen Illustrationen, die die Erzählung so schön begleiten, werden ihnen, wie mir, gefallen. Die Mut-Mach-Geschichte liest sich wunderbar in einem durch und zeigt, dass auch die, die schon am Boden liegen, noch zum Star werden können. Carlo ist einfach ein liebenswerter Kerl!

    Dagmar Mägdefrau
  • Eher fällt der Mond vom Himmel

    Eher fällt der Mond vom Himmel

    Rachel van Kooij

    Jungbrunnen

    Verlagsempfehlung ab 9 Jahre

    Hui, nach der Lektüre musste ich erst einmal tief durchatmen. Jana hat einfach in ihrem jungen Leben immer wieder diese A…Karte bekommen. Ihre Mutter ist seit 5 Jahren in den USA im Gefängnis, ihr spielsüchtiger Vater hat sich fett gefressen und in der Schule steht der Lehrer dem Mobbing hilflos gegenüber. 
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    So muss sie immer wieder lügen und Ausreden erfinden, sich selbst Mut machen und ihren Vater versorgen. Dabei wünscht sie sich nichts so sehr wie eine Freundin. Als dann ein neues Mädchen in die Klasse kommt und sie den Platz neben Jana einnimmt, schöpft sie Hoffnung. Zunächst scheint es auch zu funktionieren, Aleeen, das Flüchtlingsmädchen aus Afghanistan, teilt ihr leckeres Frühstück mit ihr und bleibt in der Pause an ihrer Seite. Doch leider gibt es dann ein ganz dumme Äußerung von Jana und Julia, die Klassenqueen, nutzt diese Chance zu weiteren Intrigen. 
    Manchmal wäre ich gerne ins Buch gesprungen und hätte Jana unterstützt, die so viel mit sich ausmachen muss und die sich an der Figur, die ihr Vater am Computer spielt, orientiert, um neuen Mut zu fassen.
    Mobbing in der Schule und eine hilflose Lehrerschaft, eine Schülerin, die die anderen manipuliert und erpresst, Jana erhält von keinem Hilfe. Die Sozialarbeiterin, die sie und den Vater regelmäßig besucht, tut was sie kann, aber leider lebt der dicke Vater in seiner eigenen Welt. Dass das Buch dann doch noch ein hoffnungsvolles Ende hat, hat mich dann doch ein wenig beruhigt und ich hoffe für alle, denen es wie Jana geht, dass sie irgendwann ihre Verantwortung abgeben und Kind sein können.
    Ein hervorragendes Buch, das die Gefühle so beschreibt, dass man sie förmlich spürt und mir manchmal die Luft wegblieb.

    Dagmar Mägdefrau

  • Maris Märchen

    Maris Märchen

    Shari & André Dietz

    Saskia Gaymann

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 6 Jahre

    Zunächst stellt sich Mari vor, sie ist die Tochter des Autorenpaares und hat das Angelman-Syndrom. Deshalb kann Mari nicht für alle verständlich sprechen, ist aber sehr fröhlich und lacht sehr viel. In dem Märchen „Von einer, die auszog, das Fürchten zu lernen“ versucht Mari, zu erfahren, wie es ist, Angst zu haben. 
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    Rosi, die im Palast Downröschen genannt wird, was ihr natürlich nicht gefiel, schläft eine lange Zeit und träumt von Henry Prinz und einer besseren Welt. Als sie dann aufwacht, spricht sie mutige Worte. „Händikäppchen“ wird das Rotkäppchen böswillig genannt und Wolfgang, ihr Freund, ist ein Wolf mit einem ungewöhnlichen Kleidergeschmack. Weil alle Jochen Günter „Humpelstilzchen“ nennen, kennt niemand seinen Namen und er kann mit dem König die bekannte Wette abschließen. Was Ein „Grank“ ist und was er anrichtet, erzählt uns dann noch einmal Mari, die uns zu Ende des Buches noch einmal ganz genau ihre Sichtweise erklärt. 
    Ein Buch, das voller Humor steckt und doch sehr nachdenklich macht. Wie schnell setzt sich so ein beleidigender Begriff zuerst im Spaß und dann im Alltag durch. Hier wird gezeigt, dass kleine Einschränkungen nicht dazu führen müssen, dass die oder der Betroffene nicht clever sein können und mit ihrem fröhlichen Lachen für gute Laune sorgen können. Ein wunderschönes Märchenbuch voller zauberhafter Geschichten und liebenswerter Protagonist*innen, dazu kommen noch die witzigen Illustrationen.

    Dagmar Mägdefrau

  • Die Schiffsgeister – Der Zauberkrake – Band 2

    Die Schiffsgeister – Der Zauberkrake – Band 2

    Bettina Göschl

    Franziska Harvey

    Jumbo

    Verlagsempfehlung ab 8 Jahre

    Auf dem Cover ist die ganze Truppe zu sehen, die Menschenkinder Jonte und Luna, Faugaz, der Geisterpirat, und das Klabautermädchen Fregaz, Cousine Sally und drohend im Hintergrund der Zauberkrake. 
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    Schon am Ende des letzten Buches haben wir erfahren, dass Faugaz's Cousine Sally in einem Bild gefangen ist. Leider müssen die beiden Geister  warten, bis der Zeitwürfel das Fenster verrät, in dem sie aus ihrer grünen Flasche dürfen. Inzwischen lernen wir den gemeinen Krake mit den magischen Kräften kennen. Er wohnt tief unten im Meer und sitzt auf einen Berg Gold, um ihn herum stehen Gefäße, in denen er die verschiedensten magischen Gestalten gefangen hält. Deshalb möchte er auch unsere beiden Geister für seine Sammlung fangen. Sally soll der Köder sein, um sie herbeizulocken. Als die Kinder mit den Geistern zum Piratenturm fahren, um dort das Bild zu suchen, lauert er schon im Hintergrund. 
    Die Kinder bitten die Geister immer wieder, sich unsichtbar zu machen, damit sie nicht auffallen, doch leider vergessen sie, dass man sie trotzdem hören kann, das führt zu vielen lustigen Szenen. So stellen sie beim Frühstück die verrücktesten Sachen an und verursachen ein riesiges Chaos. Aber neben diesen humorvollen Passagen wird es doch auch sehr spannend. Zumal es am Ende wieder sehr eng mit der Zeit wird und niemand möchte, dass unsere Geister zu Steinen werden. Dafür sind sie doch einfach zu liebenswert.
    Die Geschichte mit viel Lokalkolorit liest sich sehr gut und die vielen tollen Bilder machen das Buch zu einem großen Vergnügen.

    Dagmar Mägdefrau

  • Ihr geht mir auf den Geist

    Ihr geht mir auf den Geist

    Jutta Nymphius

    Kathrin Rödl

    Gulliver

    Verlagsempfehlung ab 11 Jahre

    Acht Kapitel, keine 100 Seiten, viele Abschnitte und einige schwarz-weiß Bildchen machen das Buch superlesbar. 
    Jakub, der uns von den „Wiedergängern“ erzählt, sehen wir zusammen mit den beiden Untoten auf dem Cover.
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    Erst riecht er sie und dann sitzen sie plötzlich in seinem Zimmer. Arnold, ordentlich mit Krawatte, dem die Regeln wichtig sind, und der coole Dennis, der einfach macht, was er will. Die beiden hört Jakub über seine Kopfhören, während er mit seinem Freund Malik unterwegs ist, deshalb erzählt er ihm von seinem Problem. Leider mischen sich die beiden in Jakubs Leben ein und bringen ihn dazu, Dinge zu tun, die er nachher nicht erklären kann und die selbst Malik an ihrer Freundschaft zweifeln lässt.  Doch wie kann er die beiden loswerden? Auch da benötigt er die Hilfe seines Freundes.
    Mich konnte diese Geschichte nicht so recht überzeugen, allerdings bin ich auch keine Freund von Zombie-Literatur. Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass jugendliche Leser*innen das ganz anders sehen. Auf jeden Fall macht es Spaß zu erleben, wie Jakub sich ganz anders verhält und damit viel kaputt macht. Sogar seinem Großvater isst er seine Lieblingstorte weg.

    Dagmar Mägdefrau
  • 35 Kilo Hoffnung

    35 Kilo Hoffnung

    Anna Gavalda

    Claas Janssen

    Aus dem Französischen von Ursula Schregel

    arsEdition

    Verlagsempfehlung ab 10 Jahre


    „Ich hasse die Schule“ ist hinten auf dem Buch zu lesen. Der 13-jährige David, der uns seine Geschichte erzählt, wohnt in Frankreich und deshalb endet seine „glückliche Zeit“ schon mit drei Jahren, denn von da ab muss er in die Vorschule.
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    Nachdem er den ersten Tag hinter sich gebracht hat, möchte er liebsten wieder zu Hause basteln, denn das ist es, was David am besten kann und über alles liebt. Seine Bananenschälmaschine ist eine seiner Erfindungen. Doch leider mag er Schreiben und Rechnen so gar nicht. Lediglich eine Lehrerin hat sein Talent erkannt und ihm noch ein schönes Jahr beschert. Danach kam der Schulhorror wieder. Sein Opa Léon, ein Ingenieur mit einer kleinen Werkstatt, ist Davids liebster Mensch, zumal sich eine Eltern immer häufiger wegen seiner schulischen Leistung streiten. 
    Ein dünnes Buch, es hat nur 86 Seiten und einige kleine Bildchen in Schwarz-Weiß. Ich hatte es schnell gelesen, weil ich wissen wollte, wie David es wohl schafft, sein Leben in den Griff zu bekommen. Dazu hat ihn die lebensbedrohende Krankheit seinen Opas gebracht, da hat David die Initiative ergriffen und gezeigt, was in ihm steckt. Ein hoffnungsvolles Buch, das uns zeigt, wenn man will, gibt es immer eine Lösung. So fand David ein Internat mit netten Mitschülern und einer Direktorin, die seine Stärken erkannt hat.

    Dagmar Mägdefrau