• Tage mit B.

    Tage mit B.

    Nikola Huppertz

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Buch des Monats Juli 2026


    Das Mädchen auf dem Cover dreht uns den Rücken zu, zeigt uns vielleicht auch die kalte Schulter. Düster wirkt es auf mich, keine Cover, nach dem ich im Laden sofort greifen würde. B., die Bernadette Otto heißt, aus Berlin kommt, und die beschlossen hat, dass sie nur noch das B ihre Namens nützen möchte.
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    Weil sie ein schwieriges Mädchen ist, haben die ratlosen Eltern sie zu ihrem Patenonkel geschickt. Henning ist zusammen mit seinen beiden Kindern Simon (13) und Käptn/Emilia (5) in Klein-Hilke auf einem Bauernhof mit Spielscheune im Urlaub. Als sie B. vom Bahnhof abholen, trägt sie, wie auch in der restlichen Erzählung, ihren zerknitterten Mantel und ihre Doc Martens-Schuhe. Sie hat in ihrer Segeltuchtasche viele Bücher und sie wählt den blanken Fußboden, um darauf zu schlafen. Sie schreibt in viel in ihre Hefte und einige Texte können wir mitlesen. Simon, der uns von diesen paar Tagen im Sommer erzählt, ist ein sehr empathischer Junge, so kümmert er sich liebevoll um seine kleine immer singende Schwester und erkennt sehr gut ihre Bedürfnisse und Gefühle. Mit B. tut aber auch er sich schwer, denn sie benimmt sich durchaus oft sehr seltsam und unvorhersehbar.
    Der Stil ist sehr ruhig und unaufgeregt, Simon, der Käferexperte, beobachtet sehr genau und ist oft hilflos, wenn es um B. geht. B. macht sich sehr viel Gedanken um das Leben, unsere Umwelt und die Geschichte des Ortes, die auch die Geschichte unseres Landes ist. Aber sie macht alles mit sich ab, sie öffnet sich Simon nur sehr zögerlich.
    Hat ein so junges Mädchen schon eine Schuld abzutragen für Dinge, die sie nicht verantwortet? B. scheint es so zu empfinden.
    Ich fand es nicht ganz einfach dieses Buch zu lesen, denn auch ich empfand B. als schwierig, was an meinem Alter liegen kann. Aber B. hat auch einiges bei mir angestoßen und ich werde sich noch oft an sie denken.

    Dagmar Mägdefrau

  • …und mir bleibt der hässliche Hund

    …und mir bleibt der hässliche Hund

    Franziska Hörner

    Thienemann

    Verlagsempfehlung ab 13 Jahre

    Auf der Rückreise vom Osterurlaub verunglücken die Eltern und die kleine Schwester von Felix. Alles, was ihm bleibt, ist Bolt – der hässliche, aber von seiner Schwester über alles geliebte Hund, mit dem er sich zuvor nie beschäftigt hat.

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    Das Buch nimmt uns auf sehr einfühlsame Weise mit auf den langen Weg, den Felix gehen muss, um sein Leben wieder in den Griff zu bekommen und ein „neues Ich“ aufzubauen. Es erzählt von dem Sommer, in dem er in einer Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie auf Mo trifft und sich in Marie verliebt. Gleichzeitig geht es um die Versuche von Felix und Mo, sich eigenständig ihren Ängsten zu stellen. Doch die sogenannten Challenges, an denen nur Marie beteiligt ist, überfordern die beiden teilweise stark.

    Ich muss sagen, dass mich dieses Buch sehr beeindruckt hat. Franziska Hörner beschreibt auf eine intensive und einfühlsame Weise die Trauer und den Verlust, den Felix erlitten hat, sowie die daraus entstandene Depression. Sie versucht, „in Worte zu fassen, wie es sich anfühlt, was es mit einem macht, wenn man einen solchen Verlust erlitten hat. Unser Wortschatz reicht dafür nicht aus.“ Diese Gedanken haben mich sehr berührt, und ich konnte mich gut in Felix – und sogar in Bolt – hineinversetzen. Besonders interessant fand ich zudem die Darstellung, wie sensibel Hunde auf die Stimmungen ihrer Besitzer reagieren und diese spiegeln können. So kommt der entscheidende Anstoß für Felix’ Besuch in der psychiatrischen Praxis letztlich aus einer Diagnose der Tierärztin: „Ihr Hund hat Depressionen.“

    Zum Glück zeigt Franziska Hörner aber auch, wie ein möglicher Weg zurück in ein „normales, altes“ Leben aussehen kann. Mit der Hilfe von Menschen, die neu in sein Leben treten und eine Art Ersatzfamilie bilden, findet Felix nach und nach wieder Anschluss.

    Ich kann dieses Buch jedem sehr ans Herz legen, der verstehen möchte, was Verlust und Trauer mit einem Menschen machen können – nicht nur Jugendlichen, sondern auch Erwachsenen.

    Beate Böhm