• Diskriminierung geht uns alle an  

    Diskriminierung geht uns alle an  

    Herausgeberin Josephine Apraku

    Carlsen

    Leseempfehlung ab 12 Jahre

    Auf dem Cover ist eine bunte Schar der unterschiedlichsten Menschen zu sehen. Sie alle tragen den Titel als Banner, zusätzlich hat noch ein Mann ein Schild mit der Aufschrift Solidarität in den Händen. 
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    19 Autor*innen und Illustrator*innen haben an diesem Buch mitgewirkt. Ihre Texte, in die sie eigene Erfahrungen einfließen lassen, sind sehr gut verständlich und ich habe sie sehr gut lesen können. Die Illustrationen ergänzen ebenso wie die farbig unterlegten erklärenden Abschnitte. 
    Nach dem Vorwort geht es zunächst um eine Definition des Begriffes Diskriminierung. „Manchmal denken Menschen, dass Diskriminierung auf persönlichen Vorurteilen beruht. Das stimmt aber nicht, denn "Diskriminierung ist strukturell.“ Das ist ein Satz, der mich sehr nachdenklich gemacht hat. Überhaupt gefiel es mir gut, dass es hier keine Schuldzuweisungen gibt, sondern nur den Wunsch, dass alle einsehen, dass wir nicht alle gleich sind, wir aber die gleichen Rechte haben sollten.
    Vom englischen „able“ wird der Begriff „Ableismus“ abgeleitet, er bezeichnet die Diskriminierung von behinderten Menschen, beim „Ageismus“ geht es darum, junge und alte Menschen zu diskriminieren. Judenfeindlichkeit wird „Antisemitismus“ genannt und leider gibt es hier viele aktuelle Beispiele. Für die Diskriminierung von Menschen, die nicht heterosexuell sind, gibt es den Begriff „Heterosexismus“. Wenn Menschen ein geringes Einkommen haben oder wohnungslos sind, wird deren Diskriminierung „Klassismus“ genannt, denn unserer Gesellschaft hat viele Klassen, die nicht die gleichen Möglichkeiten haben. Wenn es nur um das Aussehen geht, spricht man von „Lookismus“. „Rassismus“ ist ein bekannter Begriff, wird aber in diesem Buch sehr gut und weitreichend erklärt. Um „Sexismus“, also die Ungleichbehandlung von Frauen, geht es im letzte Kapitel.
    Das Buch ist für mich eines der besten Sachbücher zu diesem Thema und das in erster Linie, weil es sehr gut zu verstehen ist und die einzelnen Diskriminierungsformen sehr gut beschrieben sind.

    Dagmar Mägdefrau
  • Freak City

    Freak City

    Kathrin Schrocke

    Mixtvision

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Nominierung Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis

    Bester Jugendroman international

    Nettedaler Jugendbuchpreis, Harzburger Jugendliteraturpreis

    Mika hat Liebeskummer. So richtig. Sandra, seine Ex, spielt Spielchen und lässt ihm immer noch eine Hintertür offen – was es nicht gerade leichter macht, sie zu vergessen. Und genau in dieser Gefühlsmischung trifft er Lea im Jugendtreff „Freak City“. Lea ist klug, schön – und gehörlos. 
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    Für Mika wirkt das anfangs wie eine unüberwindbare Barriere. Doch irgendwas an ihr lässt ihn nicht los. Ablenkung? Trotzreaktion? Echte Neugier? Mika ist sich selbst nicht ganz sicher. Aber er will sie verstehen – also macht er einen Gebärdenkurs. Der wird von Bine geleitet, einer coolen Erwachsenen, die ihn endlich mal ernst nimmt. 
    Was zunächst wie ein typisches Teenager-Chaos beginnt, entwickelt sich zu einer wirklich besonderen Geschichte. Denn „Freak City“ erzählt nicht nur von der ersten Liebe, sondern auch von echter Annäherung – über Sprache, Kultur, Perspektiven. Und es zeigt, dass das größte Hindernis oft gar nicht im Gegenüber liegt, sondern in den eigenen Vorstellungen.
    Mika ist zwar ein pubertierender Idiot, aber einer mit Herz und dem Mut, sich zu hinterfragen, also ein sympathischer Erzähler. Ich hätte vor dem Lesen nicht gedacht, dass Gebärdensprache, die von visuellen Zeichen lebt, so gut schriftlich umgesetzt werden kann. Barrieren werden verschoben, und auch Mika fragt sich, wer hier eigentlich was verpasst: die Gehörlosen oder die Hörenden, die sich gar nicht erst mit der Gebärdensprache und der Kultur der Gehörlosen auseinandersetzen wollen. (Nach dem Lesen bin ich mir sicher: Die Hörenden.)
    Obwohl er schon 2013 erschienen ist, bleibt es ein zeitloser Roman über Sprache, Anderssein und das, was Menschen wirklich verbindet.

    Raphaela Brosseron

    2013 ist das Buch erstmals erschienen. Mit einem neuen frische Cover, das Hände, die gebärden, abbildet, wirkt es sehr ansprechend.
    Mika und seine Freunde gehen der hübschen Lea nach und belästigen sie mit ihren Bemerkungen, doch sie bleibt völlig cool. Die Erklärung findet Mika, als er Lea im Freak City begegnet, denn sie ist gehörlos und unterhält sich in Gebärdensprache. Mika ist fasziniert von dem hübschen selbstbewussten Mädchen und entschließt sich spontan, in den Ferien die Gebärdensprache zu erlernen. Aber irgendwie ist es ihm auch peinlich, so erzählt er zunächst niemandem davon. Später stößt sein Plan auch auf Skepsis und Verwunderung. Mika weiß seine Gefühle nicht einzuordnen, eigentlich liebt er Sandra, die ihn verlassen hat, aber Lea zieht ihn immer wieder an. So entschließt er sich, sie einfach zu Hause zu besuchen. Keine gute Idee.
    Das Buch liest sich zügig. Mikas Gedanken und Gefühle lesen sich spannend und beschreiben auch seine sexuellen Vorstellungen, ohne peinlich zu sein. Mika ist einfach ein Sechszehnjähriger, der sich entscheiden muss, ob er um Sandra kämpfen möchte oder ob er lieber seinen neuen Gefühlen vertrauen kann, die ihn zu Lea ziehen. Dabei wird auch nicht verschwiegen, wie schwierig eine Freundschaft zwischen einer Gehörlosen und einem Hörenden sein kann. Einfühlsam erzählt Kathrin Schrocke von einer uns unbekannten Gruppe, die meist unter sich bleibt und die wir hier ein wenig kennenlernen.

    Dagmar Mägdefrau

  • 43 Gründe, warum es aus ist

    43 Gründe, warum es aus ist

    Daniel Handler

    Maira Kalman

    übersetzt von Birgit Kollmann

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Eine Kiste voller Erinnerungen, so etwas kennt wahrscheinlich jede*r, wenn man frisch verliebt ist. Alles erscheint plötzlich wichtig und kostbar. Normalerweise wirft man so eine Kiste irgendwann weg, aber Min gibt sie tatsächlich zurück. 
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    Und nicht nur das: zu jedem der 43 Gegenstände schreibt sie eine lange Erklärung, warum ihre Beziehung mit Ed vorbei ist.
    Von Anfang an ist klar: die Liebe zwischen Basketballstar und Schulschwarm Ed und der Film-Nerdin Min hält nicht. Trotzdem ist ihre Geschichte spannend und berührend. Für Min, aber irgendwie auch für Ed. Die Briefe wirken wie eine riesige, wütende „Ich liebe dich eigentlich noch“-Nachricht, die absolut nachvollziehbar ist, wenn man an den ersten Liebeskummer denkt.
    Besonders schön sind die Illustrationen und die Verknüpfung der Gegenstände mit den gemeinsamen Erinnerungen. Oft interpretiert Min im Nachhinein die Dinge als Warnsignale, auch wenn am Ende ein sehr offensichtlicher Trennungsgrund auftaucht. Genau das macht es aber so realistisch: Im Rückblick fragt man sich ja immer, ob man die Anzeichen früher hätte sehen sollen. Heutzutage würde Min wahrscheinlich einfach eine viel zu lange WhatsApp-Nachricht in ihre Notizen tippen und die beste Freundin würde ihr dringend raten, sie nicht abzuschicken.
    Min wirkt wie eine „alte Seele“: ungefähr 89-mal im Buch wird erwähnt, dass sie „anders“ ist. Dazu kommen viele Filmreferenzen, mit denen man klar¬kommen muss. Man merkt auch, dass das Buch von 2011 ist, manche Ausdrücke oder Einstellungen würden 2025 so nicht mehr passen (zum Beispiel, dass Ed „schwul“ als Beleidigung benutzt. Heute könnte Min ihm wohl besser erklären, warum das nicht geht).
    Das Buch zieht sich manchmal ein bisschen, und ob Ed wirklich alles lesen würde, ist fraglich. Aber man merkt: Min schreibt es vor allem für sich selbst, als eine Art Abschluss.
    Eine kreative Idee, um enttäuschte Liebe zu erzählen. Manchmal etwas holprig, aber originell und mit vielen schönen Details.

    Raphaela Brosseron

    Das Buch fällt sicher in der Buchhandlung sofort auf, denn nicht nur auf dem zartlila Cover sind Gegenstände zu sehen, sondern auch auf dem Buchschnitt.Diese Gegenstände, insgesamt sind es 43, wie der Titel verrät, packt die 16-jährige Min (Minerva, nach einer römischen Göttin, wie sie sich immer wieder vorstellt) in einen Karton. All diese Dinge wird sie Ed, ihrem kurzfristigen Freund, zurückgeben.
    Jedes dieser Dinge, beginnend mit einer Kinokarte, über Kronkorken, eine Feile, einen Eierformer bis zu einem Glas Kastanien, haben eine Bedeutung für Min. So wurden am Abend, als sich die beiden kennenlernten, die Bierflaschen aufgemacht, deren Kronkorken nun in den Karton gepackt werden. Die Karte zum Film „Greta in der Wildnis“ gehört dazu, weil es ihr erster gemeinsamer Kinobesuch war.
    Min liebt Filme und möchte Regisseurin werden und gilt als intellektuell. Ed ist ein umschwärmter Basketballspieler, der seine Matheambitionen geheim hält. Er hat nach außen viel Selbstvertrauen und nimmt wenig Rücksicht. Obwohl oder weil die beiden so unterschiedlich sind, ziehen sie sich auch sexuell an. Es wird viel geküsst und der Verlust der Unschuld ist ein wichtiges Thema. Ed benutzt das Wort „schwul“ immer wieder abwertend und wird dafür von Min gerügt. Mins Freund Al, der für sie Ratgeber und Beichtvater ist, taucht ständig in der Erzählung auf und es war nicht einfach für Ed, ihn als Freund einzuordnen.
    Die Aufmachung des Buches mit den vielen tollen Illustrationen ist sehr gelungen, auch die Idee, die Trennung über Gegenstände aufzuarbeiten, hat mir gefallen. Aber ich fand den Text etwas zäh, was sicher auch daran lag, dass das Buch sehr amerikanisch ist. Sowohl die Schulsituation, der Tagesablauf, wie auch die Art über sexuelle Themen zu reden. Dazu ist das Buch schon 2011 im Original erschienen und so wird Ed von Min noch auf einem Festnetzanschluss angerufen. Vielleicht liegt es an meinem hohen Alter, aber auch die Titel der Filme und die Musiktitel kannte ich nicht.

    Dagmar Mägdefrau

  • Die Piraten von Darksea

    Die Piraten von Darksea

    Catherine Doyle

    Knesebeck

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Christopher Reed glaubt fest an das Schiff Die Sonnendiebin und schleicht sich gemeinsam mit seinem zwei Jahre jüngeren Bruder hinaus, um am Strand auf sie zu warten – vielleicht wird er ja sogar angeheuert. 
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    Doch es dauert zwei Jahre, bis ein sprechender Papagei an das Fenster eines der Reed-Brüder klopft – allerdings nicht an Christophers, denn dieser liegt im Krankenhaus. Max wittert seine Chance: Auf einem magischen Piratenschiff muss es doch etwas geben, das seinen Bruder heilen kann!
    Als Landratte heuert er auf der Sonnendiebin an und begegnet dort nicht dem Kapitän Thorne O’Malley, sondern dessen Schwester Eliza O’Malley. Doch auch auf der Sonnendiebin sind die Zeiten nicht einfach: Darksea wird von einem mächtigen Feind bedroht, und die Magie schwindet. Max macht sich einen Namen in der Crew und stürzt sich voller Leidenschaft in das Abenteuer. Aber reicht das, um Darksea zu retten?
    Neben einer spannenden, mit liebevollen Details gestalteten Fantasy-Abenteuerwelt erleben wir auch eine Geschichte voller Emotionen. Geschwisterliebe ist ein zentrales Thema, ebenso wie die damit verbundene Angst vor Verlust. So wird die Frage nach Mut und Angst nicht nur durch die Gefahren in Darksea definiert, sondern auch durch die Furcht um einen geliebten Menschen. Und genau das macht diese Geschichte so besonders: Sie zeigt, dass die großen Ungeheuer manchmal leichter zu bekämpfen sind als die Angst um jemanden, den man liebt.
    Ein wundervolles, abenteuerliches und durchdachtes Buch – perfekt für alle, die ein wenig Magie, Mut und Abenteuer in ihrem Alltag brauchen!

    Raphaela Brosseron
  • Kanak Kids

    Kanak Kids

    Anna Dimitrova

    Arctis-Verlag

    Leseempfehlung ab 12 Jahre

    Dessi oder Daisy? Das kommt darauf an, wen man fragt. Am Gymnasium der Münchener Innenstadt ist Dessislava die blonde, perfekt angepasste „Daisy“ – Jeans, Bluse, Kontaktlinsen, kein bulgarisches Essen in der Lunchbox. In Neuperlach, wo Hochhäuser das Stadtbild prägen und die Realität weit entfernt von Münchens Schickeria ist, wird sie wieder zu „Dessi“ – Jogginghose, wilde Locken, keine Maskerade. 
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    Nicht, weil sie das Beste aus beiden Welten will, sondern weil sie es muss. Doch dann taucht Bo auf. Er durchbricht die sorgsam gezogene Grenze zwischen Dessis zwei Leben und erkennt ihr Dilemma, er hat ein ähnliches.
    Was dieses Buch so besonders macht, ist die Perspektive. Zu selten wird gezeigt, wie Menschen aus osteuropäischen Einwandererfamilien die „Almans“ wahrnehmen. Dessis deutsche Freund*innen müssen erst ihre Welt betreten, um zu verstehen, wie schwer es ist, kulturelle Grenzen zu überwinden. Mit viel Witz und Intelligenz hält Dessi sowohl ihren Eltern als auch den intoleranten Mitschüler*innen den Spiegel vor. Sie erzählt mit pointiertem Humor und messerscharfem Verstand von den scheinbar unüberwindbaren Gegensätzen zwischen Münchens Schickeria und der Neuperlacher „Bronx“.
    Besonders Bo bringt als charmanter, einfühlsamer Freund genau die Unterstützung, die Dessi braucht. Die Dynamik zwischen den beiden macht einfach Spaß – ihre Gespräche sprühen vor Schlagfertigkeit und Echtheit. Dieses Buch ist mehr als nur eine Coming-of-Age-Geschichte. Es ist eine treffende, humorvolle und gleichzeitig tiefgründige Analyse davon, wie sich Anpassung manchmal wie Überleben anfühlt. Und ganz nebenbei mit Liebesgeschichten (die vielleicht doch Grenzen durchbricht?), die wirklich niedlich sind.

    Raphaela Brosseron

  • Korianderkuss

    Korianderkuss

    Antje Herden

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Fred und Rosa sind schon ewig beste Freundinnen, doch Fred verliebt sich – ein Gefühl, mit dem Rosa bisher noch nicht viel anfangen kann. Jetzt entsteht eine Lücke in Rosas Leben: eine Fred-Lücke. Vor allem, weil sie außer Fred und ihrer Mutter kaum jemanden an sich heranlässt.
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    Doch dann kommt Kim neu in die Klasse, und Rosa ist plötzlich interessiert. Nicht wie alle anderen an Kims Geschlecht, denn Kim ist nicht binär, sondern an der Person selbst. Kim ist schlagfertig, klug und mysteriös – und vielleicht kann Rosa mit dem Verliebtsein ja doch etwas anfangen.
    Es passiert irgendwie ziemlich viel in der Geschichte: Ein weiteres Thema ist Jonas Ritter, Rosas Vater, den sie nicht kennt. Er schickt ihr plötzlich einen Brief, in dem er mitteilt, dass er für immer nach Australien geht, aber noch einen Hinweis auf ein Gartengrundstück hinterlässt. Gemeinsam mit Kim macht Rosa sich auf die Suche und findet es tatsächlich. Diese Aktion von ihrem Vater bleibt aber letztlich recht bedeutungslos für die Handlung. Kim entpuppt sich zufällig als Gemüseexpert*in und scheint generell viel Ahnung von allem zu haben.
    Fred ist ebenfalls noch präsent und versucht manchmal, das Gespräch mit Rosa zu suchen. Was mir persönlich jedoch gar nicht gefallen hat: Rosa reimt ständig vor sich hin. Sie sagt zwar selbst, dass sie keine Poetin ist, aber als Kim irgendwann meint, einige Reime seien „ziemlich gut“, halte ich das für eine glatte Lüge. Selbst wenn die Reime absichtlich „schlecht“ sein sollen, haben sie für die Geschichte keinerlei Mehrwert und waren eher unangenehm zu lesen.
    Gegen Ende analysiert Kim Rosas Einzelgänger-Dasein und zieht daraus Schlüsse, die wohl alles zusammenführen sollen. Für mich blieben diese Erkenntnisse jedoch unverständlich, da die Textsignale dazu wohl an mir vorbeigegangen sind.
    Was ich an Rosa mag, ist ihre Fähigkeit, Fehler einzugestehen. Perfekte Figuren sind schließlich nicht so interessant wie eine Rosa. Die Beziehung zwischen Kim und Rosa ist wirklich niedlich dargestellt, und die Szenen rund um ihre gemeinsame Gartenarbeit waren ebenfalls interessant.
    Insgesamt war die Konstruktion der Handlung für mich nicht ganz klar, und sprachlich waren Rosas Gedichte definitiv ein Minuspunkt. Positiv hervorheben möchte ich jedoch den Umgang mit dem Thema Gendern. Hier werden viele praxisnahe Beispiele gezeigt, die gut funktionieren – zum Beispiel klingt „Blödmensch“ statt „Blödmann“ sogar richtig gut.

    Raphaela Brosseron

    Rosa Eliza Retter hatte eine beste Freundin namens Fred, doch die hat jetzt die Liebe zu einem Jungen entdeckt, dessen Namen Rosa nicht aussprechen möchte. Deshalb hält Rosa Distanz zu Fred, selbst in der Schule spricht sie nicht mit ihr. Da kommt jemand Neues in die Klasse und Kim fasziniert Rosa von Anfang an. Nicht nur die Schönheit von Kim ist besonders, auch das Auftreten und die Schminkkunst ist perfekt. Kim definiert sich als keinem Geschlecht zugehörig und scheint aber Rosa gerne um sich haben zu wollen.
    Rosa lebt mit ihrer Mutter zusammen, mit der sie sich sehr gut versteht und die ebenfalls die Dreizehnjährige gut versteht. Rosas Erzeuger ist schon vor ihrer Geburt ins Ausland gegangen und hat sich all die Jahre nie gemeldet. Jetzt schenkt er ihr einen Garten, der hinter einer undurchdringlichen Hecke liegt. Dort verbringen Rosa und Kim ihre Osterferien und sie lieben es beide, den Garten zu versorgen. Wird es bei der Freundschaft bleiben oder wird auch Rosa die Liebe kennenlernen?
    Rosa erzählt uns von dieser Zeit im Frühling und so können wir ihre Gefühle kennenlernen und erleben, wie sie sich zaghaft den anderen gegenüber öffnet. Wie sie die Ablehnung durch ihre Vater überwindet und die Liebe entdeckt. Ungewöhnliche Protagonistinnen und eine gendergerechte Sprache machen dieses Buch sehr aktuell.


    Dagmar Mägdefrau
  • Schnee

    Schnee

    Marie Duedahl

    Renate Götz Verlag

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    „Schwarz wie die Nacht.
    Einzelgängerin.
    Ein Stachelschwein.
    Ein Kind von Loosern.
    Die böse Fee.
    Alles das war ich.
    Aber dann traf ich Schnee.“
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    Dieses Gedicht ist auf dem rückseitigen Cover des dünnen Büchleins zu lesen. Schnee ist eine Schülerin der 9a und sie ist weiß und fast durchscheinend. Im Gegensatz dazu steht Lulu, die nach einigen Schulwechseln in die 9a kommt. Sie ist wegen ihres Vaters, von dem sie nichts weiß, dunkelhäutig. Schnee kann Lulu mit einer Umarmung und dem Satz „Wir sind schön“ all' ihre Wut nehmen. Schnee hat bei ihrer Hippiemutter ein gemütliches Zuhause, während Lulu bei ihrer alkoholkranken Mutter und dem 16. Stiefvater wohnt. Schnee gibt ihr Mut und fordert Lulu auf, nach ihrem Vater zu suchen.
    Das Buch hat meist zweiseitige Kapitel mit großen Buchstaben und gedichtartigen Texten mit kurzen klaren Sätzen und ist deshalb sehr gut lesbar. Zu Beginn eines jeden Kapitel ist ein Satz aus dem Text auf dem grauen Hintergrund des Covers gedruckt.
    Die Geschichte wirkt trotz ihrer Traurigkeit auf mich hoffnungsvoll. Ich denke ,Lulu wird es schaffen, in sich nicht nur den Looser zu sehen. Ein sehr gut lesbares Buch mit starken Mädchenfiguren.

    Dagmar Mägdefrau

  • Auf immer und ewig

    Auf immer und ewig

    Margret Steenfatt

    Rororo/ FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre


    „Auf immer und ewig“ schwören sich Nike, Paul und Nathan mit dem Geheimzeichen ihrer Bande, den ›Kopfgeldjägern‹. Seit ihrer Kindheit sind die drei unzertrennlich und wären es vielleicht für immer geblieben, wenn sie nicht im Jahr 1938 Kinder wären – Nathan, ein Jude, und Paul, der Sohn eines überzeugten NSDAP-Anhängers.
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    Im Grindelviertel Hamburgs verändert sich vieles Stück für Stück. Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger verschwinden allmählich aus dem Stadtbild und werden schließlich brutal ausgegrenzt. Nike kann das nicht nachvollziehen und zeigt ihren Unmut, insbesondere gegenüber ihren Eltern. Warum sprechen sie nicht mit ihr über all das? Paul sympathisiert mit der Hitlerjugend und wird Mitglied. Zwar hängt er manchmal noch an der alten Freundschaft, jedoch nur zu seinen eigenen Bedingungen. Nathan übt sich in Zurückhaltung und konzentriert sich auf sein Geigenspiel – und auf Nike, denn mit ihr könnte es tatsächlich für immer sein...
    Das Trio zeigt eine interessante Dynamik. Leider wirkt Paul, der wohl einen Mitläufer repräsentieren soll, von Anfang an durch seine grotesken Streiche distanziert von den anderen beiden, was den Verlust der Freundschaft für die Leser*innen schwer greifbar macht. Auch die Beziehung zwischen Nathan und Nike entwickelt sich plötzlich und erscheint sofort als grenzenlose Liebe. Das passt zwar einerseits zu einer jugendlichen, fast kindlichen Liebe, andererseits resultiert dies aus der eher oberflächlichen Charaktergestaltung. Die Rollen des Trios sind wenig nuanciert: Paul erscheint zunehmend als grundlegend böse, Nike als durchweg gut und unschuldig, und Nathan als das Opfer der Gesellschaft. Zwar werden die Dynamiken der Ideologie und ihre Auswirkungen immer wieder erwähnt, aber nicht richtig in die Geschichte integriert. Besonders Nike zeigt für ein junges Mädchen einen ausgeprägten moralischen Kompass, was an sich nicht unglaubwürdig ist, aber in der Interaktion mit ihren Eltern oft unlogisch wirkt.
    Gelungen ist hingegen die spezifische Lokalisierung im Hamburger Grindelviertel. Die Leser*innen spüren wirklich, wie diese kleine Welt – ein Raum der Routine und Geborgenheit für die Kinder und auch die Erwachsenen – nach und nach zerbricht. Diese präzise Darstellung des Schicksals einer kleinen Stadt als Spiegelbild des großen Kriegs wurde gekonnt in den Fokus gerückt.
    Von Anfang bis Ende wird die kindliche bzw. jugendliche Perspektive auf die NS-Zeit konsequent beibehalten, was den Roman trotz allem sehr lehrreich macht.

    Raphaela Brosseron

  • Good Girl, Bad Blood – Band 2

    Good Girl, Bad Blood – Band 2

    Holly Jackson

    one

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Sie hat sich geschworen, nie wieder zu ermitteln, nachdem sie sich bei ihrem ersten Fall um Andie Bell beinahe selbst verloren hätte. Doch als Jamie Reynolds, der ältere Bruder ihres guten Freundes Zac, spurlos verschwindet, wird Pip erneut in die Welt des Verbrechens hineingezogen. Die Polizei nimmt das Verschwinden nicht ernst, wie so oft, und Pip beschließt, die zweite Staffel ihres True-Crime-Podcasts zu starten. 
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    Da sie sich bereits mit den Gefahren solcher Ermittlungen auskennt, warnt sie Zac und dessen verzweifelte Mutter: Bei ihrer Nachforschung könnten unangenehme Wahrheiten ans Licht kommen. Zeitgleich läuft der Prozess gegen Max Hastings, der mehrere junge Frauen vergewaltigt hat und durch seine Verbrechen eine Kette von Ereignissen ausgelöst hat, die Pips letzten Fall mit beeinflussten.
    Doch wird Jamies Verschwinden weniger tragisch enden oder Pips Glauben an das Gute endgültig zerstören? Ausgerechnet ein Tinder-Profil könnte die entscheidenden Antworten liefern.
    Als Leserin, die den ersten Band begeistert verfolgt hat, bin ich heimlich froh, dass Pips Karriere als Ermittlerin nicht vorbei ist. Dennoch löst Jamies Verschwinden und die Hilflosigkeit seiner Familie ein beklemmendes Gefühl aus. Die Polizei ermittelt nicht weiter, da es zu Jamie passe, einfach zu verschwinden. Pip, inzwischen bestens vertraut mit der Welt des True Crime, geht die Sache gewohnt strukturiert an – unterstützt von Ravi. Die Autorin schafft es dabei, realistisch darzustellen, dass Pip nicht nur Bewunderer hat. Selbst Menschen aus ihrem engeren Umfeld begegnen ihrem selbsternannten Ermittlerdasein skeptisch oder belächeln es. Trotzdem bilden Pip und Ravi erneut ein starkes Team. Überraschenderweise gelingt es der Autorin, mit denselben Figuren nach dem ersten Teil erneut eine fesselnde und logisch aufgebaute Fortsetzung zu kreieren, die zeigt, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse oft verschwimmen und dass die Justiz nicht immer für Gerechtigkeit sorgt.
    Eine beeindruckende Fortsetzung, von deren Handlung ich nicht zu viel verraten möchte!

    Raphaela Brosseron
  • Ein Tagebuch für vier – Wir sind die besten Freundinnen

    Ein Tagebuch für vier – Wir sind die besten Freundinnen

    Vikki VanSickle

    Laura Rosendorfer

    arsEdition

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Vier Freundinnen wird das Handy abgenommen und sie greifen auf eine altmodische Methode der Kommunikation zurück: Mit Stift und Papier schreiben sie geordnete Nachrichten in ein Notizbuch, das eigens dafür angelegt wurde. Ich hoffe nur, dass sie im Unterricht nicht genauso viel auf ihren Handys getextet haben wie in diesem Buch. 
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    Die Idee ist süß, und es ist interessant, dass man die Mädchen ausschließlich über ihre Nachrichten kennenlernt, ohne vorher ein Portrait oder eine Vorstellung ihrer Charaktere zu bekommen. Alle vier verwenden Pseudonyme, falls das Buch mal in die Hände einer Lehrkraft geraten sollte. Sie ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten: Twix, die humorvolle und entspannte, Sunny, die Träumerin, MP, die Fleißige, und Swoosh, die Sportliche. Natürlich gibt es auch gelegentlich Konflikte zwischen ihnen, was bei einer Viererkonstellation ganz natürlich ist. 
    Doch es gibt einige Aspekte, die unauthentisch wirken: Alle vier scheinen in ihren Konflikten immer sofort reflektiert zu sein, und ihren Gefühlen und Ansichten wird stets Raum gegeben, sodass jede Auseinandersetzung schnell beigelegt wird. Das wirkt unrealistisch. Zudem wird das Thema Sex und Pubertät fast zwanghaft in den Fokus gerückt, ohne dass dies durch den Sexualkundeunterricht oder andere Faktoren ausreichend begründet wird. Über lange Strecken passiert wenig, außer dass die Mädchen unnatürlich wirkende Gespräche über die Periode führen.
    Auch scheint jede von ihnen einen makellosen moralischen Kompass in Bezug auf Selbstbestimmung, Sexualität und Feminismus zu haben. Es wäre zwar wünschenswert, dass 13-Jährige so reflektiert über gesellschaftlich relevante Themen sprechen, aber es entspricht einfach nicht der Realität. Dadurch sehe ich kaum Identifikationspotenzial für Leser:innen, vielmehr besteht die Gefahr, dass sie sich abgehängt fühlen.
    Das Buch wirkt flach und moralisierend, wobei es zwanghaft um Sex und verwandte Themen kreist. Hätte man es als ein nett verpacktes Aufklärungsbuch deklariert, wäre meine Bewertung wohl positiver ausgefallen, denn eine gut erzählte Geschichte steht hier offensichtlich nicht im Fokus. Es ist schade, dass das Tagebuch der vier Mädchen auf diese Themen reduziert wird – vielleicht möchten sie auch einfach mal ein Eis essen, ohne ihre Periode dabei zu zelebrieren?
    Zwar sind einige der Themen und dazugehörigen Zeichnungen niedlich und stellenweise auch wichtig, aber als Erzählung funktioniert das Buch nicht überzeugend.
    Über weibliche Themen muss mehr geschrieben und geredet werden, aber das geht besser.

    Raphaela Brosseron
  • Der verwunschene Wald

    Der verwunschene Wald

    Kengo Kirimoto

    Urachhaus

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Auf dem etwas dunklen Cover sehen wir Poppy mit ihrem Hund Pepper durch den Wald gehen. Poppy geht immer den selben Weg an den Häusern längs Gassi, dabei hört sie Musik mit ihren Kopfhörern. Doch da läuft Pepper, ein Tier verfolgend, in ein abgesperrtes Gelände. Hier tut sich ein Wald auf und Poppy lernt Rob kennen, der sich hier auskennt und später seinen Lieblingsplatz mit ihr teilt.
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    So lernt das Mädchen auf die Natur zu achten und sieht plötzlich kleine Vögel oder andere Dinge in der Natur, die ihr vorher nie aufgefallen sind. Begeistert erzählt sie ihrer Mutter davon, doch die liegt nur teilnahmslos auf der Couch. Sie trauert um ihre Mutter, die vor kurzen gestorben ist. Poppy dagegen findet ihre Oma in der Natur wieder und sie grämt sich, dass ihre Mutter sich weigert mitzukommen. Als sie dann eines Abends von Rob abgeholt wird, damit sie den Dachs in der Dämmerung beobachten kann, taucht plötzlich ihre Mutter in der Haustüre auf.
    Dieser Comicroman ist mit wundervollen Illustrationen ausgestattet. Die Tier- und Pflanzenwelt ist so schön dargestellt, dass man sofort in den nächsten Wald laufen möchte, um so etwas in natura bestaunen zu können. Kleine Vögel, die man fast zwitschern hören kann, und Bäume mit ihren knorrigen Stämmen, die man fast unter den Fingern fühlt.
    Das Buch kommt mit ganz wenigen Sätzen aus, die Bilder zeigen aber sehr anschaulich die Trauer von Tochter und Enkelin und die Neugier Poppys beim Entdecken der Natur.

    Dagmar Mägdefrau
  • Fürs Leben zu lang

    Fürs Leben zu lang

    Nikola Huppertz

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Magali Weill ist 13 Jahre alt und 1,82m groß, es folgen schätzungsweise 10 cm. Eigentlich hält sie Tagebuchschreiben für etwas Selbstbezogenes, aber sie schreibt eins über die anderen, die im Gegensatz zu ihr ein interessantes Leben haben. 
    Es sind Ferien und Magali wünscht sich, vom französischen Nachbarsjungen Joël geküsst zu werden, ist sich aber gleichzeitig sicher, dass nie jemand ein so großes Mädchen küssen will.
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    Mit anderen Bewohnern des Hauses hat sie nicht nur in ihren Träumen Kontakt, mit dem Husky der Stemmerlings und dem 98-jährigen Herrn Krekeler. Als sein 13-Jähriger Neffe Kiean zu Besuch kommt, weil Herr Krekeler angeblich bald stirbt, bringt er neuen Wind in Magalis Alltag, ob sie will oder nicht. Magali steht angesichts des Todes vor vielen Fragen zum Leben. 
    Man merkt, dass Magali nicht einfach nur durch ihre Größe verunsichert ist, sondern dadurch wirklich Schwierigkeiten hat, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und sich dadurch schon früh ernsthafte Gedanken über das Leben macht. Dann sorgen noch das Thema Tod und der merkwürdige Kieran für wirklich tiefgründige Reflexionen, die in eine philosophische Richtung gehen. Dabei wird der Ton des Romans jedoch nicht unangenehm ernst. Magali wächst über sich hinaus, obwohl wachsen vermutlich das letzte ist, wonach ihr der Sinn steht. Das Tagebuch war eine super Idee, da sie ihre Gedanken über die anderen, das Leben und dann doch auch sich selbst wirklich in schöne, lustige, traurige und auch passende Worte verpackt. Der Titel hätte nicht besser gewählt sein können, gerade weil er vielleicht auch eine andere Bedeutung hat.
    Es lohnt sich, diese herauszufinden.

    Raphaela Brosseron

    Es ist nicht einfach für die dreizehnjährige Magali mit ihrer Größe von 1,82 m klarzukommen. Dazu hat sie noch eine achtzehnjährige Schwester, die Abi macht und die bei „normaler“ Größe sehr hübsch ist.
    So beginnt Magali dann in den Osterferien in das Tagebuch mit Goldschnitt und Lesebändchen zu schreiben. Zunächst über andere, wie die Bewohner des Hauses. Zu denen gehört die Familie Siemerdings mit ihren vielen Kindern und dem Husky Snow, den Magali täglich ausführt, und der 98-jährige Albert Krekeler. Herr Krekeler war bisher immer noch sehr fit und ist täglich in seinem schicken Jogginganzug eine Runde gejoggt, doch jetzt hat er beschlossen, zu sterben, und das hat seinen „verlorenen“ Sohn auf den Plan gerufen, der mit dem Enkel Kieran anreist.Da Kieran wenig Berührungsängste hat, taucht er jeden Tag ungefragt bei Magali auf und die beiden unterschiedlichen Jugendlichen verbringen die Ferien zusammen. Sie erleben das leise Sterben von Herrn Krekeler und stellen die Frage „Wie geht das überhaupt, ein richtiges Leben?“
    Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt und wirft die unterschiedlichsten Probleme auf. Zum einen ist das die Körpergröße von Magali, dann das Verhältnis der volljährigen Schwester zur Mutter, das Schweigen des übergewichtigen Vaters, die Familienverhältnisse von Kieran und natürlich das Sterben des alten Mannes. Am Ende ist das Tagebuch von Magali gefüllt und wir haben an ihren Gedanken teilnehmen dürfen und warten mit Spannung, ob sie weiterhin ungeküsst bleibt.

    Dagmar Mägdefrau
  • Wie ich zum Flirt-Profi wurde – oder zur Chaos-Queen

    Wie ich zum Flirt-Profi wurde – oder zur Chaos-Queen

    Gloria Trutnau

    Laura Rosendorfer

    one

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Das Cover sprüht vor Farben und ist mit verspielten Doodles verziert. Ein orangefarbener Sticker verspricht DIYs, Tests, Listen und Rezepte, was an die Gestaltung der Bravo Girl von früher erinnert. Passend dazu befolgt Juli im späteren Verlauf Tipps aus einer ähnlichen Zeitschrift. 
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    Das Buch bietet 110 Seiten eines unterhaltsamen Kurzromans sowie 60 Seiten voller Mitmachideen. Hier gibt es allerdings keinen direkten Vergleich zur Bravo Girl, wie man sie kennt, denn es geht nicht nur darum, Jungs zu beeindrucken. Stattdessen finden sich wirklich coole Anregungen zum Selbermachen, wie Spiele oder Tipps zur Selbstliebe – auch ein paar Flirttipps sind dabei. In der Geschichte versucht Juli, ihren neuen Sitznachbarn Tobi zu beeindrucken. Dabei lässt sie sich von den Tipps einer Influencerin namens Ella leiten, die in einer Mädchenzeitschrift veröffentlicht werden. Unterstützt wird sie von ihrer besten Freundin Elif. Allerdings merkt Juli schnell, dass diese oberflächlichen Ratschläge sie in unangenehme Situationen bringen. Mit ihrem besten Freund Vince hingegen ist alles viel unkomplizierter…
    Die Geschichte ist sehr niedlich und auch wenn solche Zeitschriften heute nicht mehr so angesagt sind wie früher, ist es eine interessante Idee, die Ratschläge einer fiktiven Influencerin kritisch zu hinterfragen. Das Buch ist liebevoll gestaltet, und am Ende hat man das Gefühl, Juli als neue Freundin gewonnen zu haben, mit der man dann den Mitmachteil ausfüllt.
    Insgesamt eine wirklich tolle Idee!

    Raphaela Brosseron

  • Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talent

    Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talent

    Ali Standish

    übersetzt von Jessika Komina und Sandra Knuffike

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    „Baskerville Hall ist schon zu normalen Zeiten kein ungefährlicher Ort [...] Ein Ort mit vielen Geheimnissen. Und es wäre klüger, wenn Sie ein bisschen achtgäben, um nicht über allzu viele davon zu stolpern.”
    Der junge Arthur Doyle wächst im Edinburgh des 19. Jahrhunderts unter schwierigen Familienverhältnissen auf.
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    Sein Vater ist alkoholkrank, und er, seine Mutter und seine zwei Schwestern kämpfen oft darum, genug zu essen zu haben. Seine Mutter ist überzeugt: Arthur ist zu Größerem bestimmt. Tatsächlich besitzt er eine außergewöhnliche Auffassungsgabe und hat sogar zwei Menschenleben gerettet. Umso überraschender ist die mysteriöse Einladung, die ihn zu Beginn des neuen Schuljahres nach Baskerville Hall führt. Die Schule verspricht viel, und Arthur findet schnell neue Freunde. Doch schon bald begegnet er auch seltsamen Ereignissen: einem ungewöhnlichen Direktor, einem frei umherstreifenden Wolf und eigenartigen "Schulritualen".
    Ich könnte noch viele Details aufzählen, aber möchte nicht zu viel verraten. Für alle, die gerade wegen der Internats- und Schulatmosphäre die ersten beiden Harry Potter-Bände geliebt haben, ist diese Geschichte ein absolutes Highlight. Besonders faszinierend sind die spannenden Studienschwerpunkte, die hier als Zirkel bezeichnet werden. Ebenfalls grandios sind die zahlreichen intertextuellen Verweise, die wie ein kleiner Liebesbrief an die britische Kultur wirken – von den Artusromanen bis hin zu klassischen Detektivgeschichten. Am Ende wurde mir auch klar, warum mir der Name des Protagonisten so vertraut vorkam. Diese Geschichte ist eine wunderschöne, kindgerechte und fantasievolle Hommage an den Schöpfer von Sherlock Holmes.
    Wer sich auf zahlreiche kleine und große Abenteuer in der schaurigen Umgebung Englands einlassen möchte und im Lösen von Rätseln eine besondere Art von Magie erkennt, wird großen Spaß an diesem Roman haben. Und wie die Überschrift des letzten Kapitels andeutet, ist dies sogar „Erst der Anfang“.

    Raphaela Brosseron
  • Whistle Blower Rebels – 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen

    Whistle Blower Rebels – 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen

    Benjamin Knödler

    Christina Knödler

    Felicitas Horstschäfer

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Eigentlich wollte ich nur mal kurz ins Buch schauen, weil die Rezension eigentlich jemand anderes schreibt. Aber dann bin ich einfach hängen geblieben bei den Whistleblowern. Christine und Benjamin Knödler haben hier 20 Menschen vorgestellt, 
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    die von den einen als Helden gefeiert und von den anderen als Verräter geächtet und verurteilt werden. Wie sie selbst im Vorwort sagen, sind die Geschichten und die Gründe ihres Handelns sehr unterschiedlich. 
    Der zeitlich erste hier vorgestellte Fall beginnt in den 1890er Jahren in Antwerpen, hier ist Edmund Dene Morel zuständig für die Waren, die aus „Kongo-Freistaat“ kommen, die Kolonie des belgischen Königs Leopold II. Entgegen den Informationen, die die Öffentlichkeit erfährt, erkennt Morel, wie die Menschen dort ausgenutzt und versklavt werden. Erst als er 1903 eine eigene Zeitung gründet, kann er die Zustände öffentlich machen und den Kolonialismus anprangern. Auch bei dem Isländer Jóhannes Stefánsson geht es um ein afrikanisches Land. In Namibia fließen Riesensummen an Schmiergeldern, damit seine Firma die Fischereirechte bekommt und das Meer und die Menschen ausbeuten kann. Bei vielen Whistleblower geht es um die Verhältnisse in den USA, beziehungsweise um das Verhalten der Regierung. Das beginnt mit Watergate, über die Veröffentlichung der Pentagonpapiere bis zu einer Studie, bei der schwarze Menschen bewusst an Syphilis für wissenschaftliche Studien sterben mussten. Natürlich beginnt das Buch mit dem Whistleblower, dessen Name uns sofort einfällt: Edward Snowden, der veröffentlichte, wen die NSA alles überwachen lies.
    Aber es gibt auch Fälle in Deutschland, wie den Apothekenskandal in Bottrop oder den BSE-Skandal der 1980er Jahre.
    Von vielen Whistleblower hatte ich noch nie gehört, kannte auch die Fälle nicht, anderes war in Vergessenheit geraten oder ich wusste nicht so ganz genau, wie es gewesen ist. Darum war es so toll, dass ich den gut verständlichen Text so problemlos lesen konnte und mir einiges im Nachhinein klarer wurde. Ein bewundernswertes Buch, das ich nur empfehlen kann.

    Dagmar Mägdefrau

  • Follow me, follow you

    Follow me, follow you

    Swantje Oppermann

    Hase und Igel

    Verlagsempfehlung Klasse 7, 8, 9 und 10

    #Magicgirlhatmichverzaubert

    Solche und weitere Hashtags kursieren über den TikTok-Account MagicGirl auf der besagten App, denn MagicGirl ist viral gegangen. Zu sehen ist in den kurzen Videos die 17-Jährige Lexi im engen schwarzen Outfit, die durch die Gegend “fliegt”. Eigentlich genau das, was das Cover schon zeigt.
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    Was das Cover außerdem zeigt, in den Videos aber nicht zu sehen ist: Lexis kleine Schwester Robin, die eigentlich die meiste Arbeit in den Account steckt, während Lexi davor performt. 
    Mit der Viralität kommt eine Menge Arbeit auf Robin zu: Marken wollen zusammenarbeiten, andere TikToker reagieren (nicht immer nett), die Fangemeinde wächst und auch die Hasskommentare. Mit denen kommt Lexi weniger gut klar als ihre kleine Schwester, denn den Hass spürt sie stärker als die Liebe. Würde ein tieferer Sinn in den Videos vielleicht helfen?
    Mit TikTok wird in der Geschichte ein Thema problematisiert und auch didaktisiert (es handelt sich immerhin auch um Schullektüre), das tatsächlich sehr aktuell für Jugendliche ist, TikTok und seine interessanten, aber auch gefährlichen Dynamiken. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie glücklich das ist, dann tatsächlich von TikTok zu sprechen, statt einfach eine fiktive App zu nennen, da das sehr moralisierend wirken kann und (nicht nur) Jugendliche dann eher eine ablehnende Haltung einnehmen.
    Im Roman wird das durch die Figurenkonstellation der beiden Schwestern ganz gut gelöst, beide finden individuelle Zugänge zur Plattform.
    Zwischendurch wird es auch wirklich spannend auf der Handlungsebene.
    Eine von mehreren Botschaften bringt York rüber, Lexis bester Freund: “Beleidigungen sagen mehr über den Absender aus als über den Empfänger.”
    Eine wirklich interessante und unterhaltende Geschichte, die TikTok als App nicht dämonisiert, aber durchaus zur Vorsicht mahnt.

    Raphaela Brosseron

  • Hannas Regen

    Hannas Regen

    Susan Kreller

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Jugendbuch des Monats 1/2023

    Das Cover zeigt ein rotes Buch, dass wie ein Haus aufgestellt ist und auf das es regnet. Hanna, das Mädchen, das in Josefins Klasse kommt, hat immer ein Buch dabei - „Gotische Kirchen bei Licht besehen“ - in der Schulstunde legt sie ihren Kopf darauf ab. Josefin, die Verlässliche, die, die nicht gesehen wird und die zu Haues noch einen Festnetzanschluss hat, hofft, dass Hanna vielleicht eine Freundin für sie werden könnte.
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    Doch Hanna spricht nicht mit ihr und scheint Josefin auch meist nicht zu sehen. Trotzdem gehen die beiden jeden Tag zusammen zur Schule und auch gemeinsam wieder zurück bis an die Ecke, an der Hanna abbiegen muss. Aufgrund ihres eigenartigen Verhaltens findet Josefin, die uns die Geschichte in der Ich-Form erzählt, dass etwas mit Hanna nicht stimmt. Als ihre Mutter dann noch ihre detektivischen Fähigkeiten nutzt und eine Theorie zur Hannas Familie aufstellt, beobachtet Josefin Hanna und erwägt, dass ihre Mutter recht haben könnte.
    Josefins Familie ist eigentlich ganz normal, aber der Vater liebt das Festnetz und wenn er sich dort meldet, gibt es oft viel Verwirrung, ihre Mutter ist berufstätig und kocht „international“, die Wochen in denen es entsprechende Gerichte eines Landes zu essen gibt, sind nicht immer ganz einfach für die Familie und deshalb hat Carlo, der jüngere Bruder, immer den Flyer der Pizzeria zur Hand.
    „Ich glaube, Geschichten verändern sich, sobald sie ein schlagendes Herz bekommen.“ Ein beeindruckender Satz, an dem ich hängen geblieben bin, wie bei vielen anderen Sätzen. Denn diese Buch kann man nicht einfach schnell herunterlesen, bei diesem Buch muss man genüsslich von Seite zu Seite blättern und sich der schön gestalteten Sätze erfreuen. „Ich bin höchstens eine Mitahnerin. Ich ahne mit meiner Mutter mit.“
    Hannas ungewöhnliches Verhalten hat durchaus einen Sinn und ihr Schicksal ist auf ungewöhnliche Art tragisch. Ein leises Buch, das trotzdem einschlägt.

    Dagmar Mägdefrau
  • Die Augen und das Unmögliche

    Die Augen und das Unmögliche

    Dave Eggers

    atlantis

    Leseempfehlung ab 12 Jahre

    Johannes ist ein Hund, der die Freiheit liebt, in einem Baumstamm mitten im Naturpark zu wohnen, wo alles seine eigene Infrastruktur hat. Die Enten sind eher unbeliebt, die Waschbären werden wegen ihren flinken FIngern gerne um Hilfe gebeten, sogar die Möwen spielen eine eigene Rolle. Das Sagen haben irgendwie die Bisons, obwohl sie in ihrer Bewegung eigentlich limitiert sind, sie sind trotz des vielen Platzes immer noch von Zäunen umgeben.
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    Anders als Johannes, der ist zusätzlich auch noch sehr schnell, was ihn als Ich-Erzähler zu gar nicht wenigen leicht überheblichen Kommentaren zu seiner Geschwindigkeit verleitet. 
    Auch die Bisons sehen sein Potenzial und wollen ihn als ihr “Auge”. So berichtet er über alles, was er sieht, und das ist einiges. Vor allem die Rechtecke der Menschen faszinieren ihn. Allgemein sind die Menschen im Park die größte Gefahr: Einige sind in Ordnung, andere bringen eine immense Unruhe rein, wovon sich der Park lange Zeit erholen muss. Doch was Johannes alles erlebt und erfährt, hätte niemand der tierischen Bewohner geahnt.
    Das Vorwort betont, dass es sich zwar um eine Parabel handelt, wir aber als Leser*innen nicht anfangen sollten, die Tiere als Platzhalter für Menschen zu sehen, viel zu oft denkt der Mensch, es ginge um ihn.
    Die Tiere stehen trotzdem eindeutig für einiges: Gemeinschaft, Sorgen, Freundschaft …. Eigentlich ist es egal, ob Mensch oder Tier - wir funktionieren nicht losgelöst voneinander, das wurde mir persönlich im Setting des Naturparks deutlich.
    Die Ich-Perspektive von Johannes war ungewohnt, aber wertvoll für die Geschichte. Ich weiß nicht, ob er in einer anderen Form von Hundejahre denkt, wenn er sagt, dass manche Sachen schon 300 Jahre her sind, an die er sich erinnert, oder ob es in dieser Welt tatsächlich so ist, aber ich fand das ganz niedlich.
    Wenn in jüngeren Klassen im Philosophieunterricht über Tiere gesprochen wird, würde ich glatt Teile des Textes lesen lassen.

    Raphaela Brosseron