• Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)

    Six times we almost kissed (und was beim 7. Mal passiert ist)

    Tess Sharpe

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    „Manche Mädchen kriegen manche Sachen nicht.”

    Ein süßes, buntes Cover und ein relativ eindeutiger Titel (Man kann sich vielleicht ein wenig denken, was beim 7. Mal geschieht) lassen eine Art RomCom vermuten, eine niedliche Lovestory, die nach ein paar Turbulenzen ihren Ausgang findet.
    mehr oder weniger lesen
    Die Geschichte von Penny und Tate ist so viel mehr als das und hat mich wahnsinnig traurig und gleichzeitig genauso glücklich gemacht. 
    Penny und Tate kennen sich ihr ganzes Leben lang, denn ihre Mütter sind beste Freundinnen. Bestimmt hatten letztere mal gehofft, dass ihre Töchter eine ähnliche Verbindung haben. Eine Verbindung haben sie - jedoch weigern sie sich, diese friedlich zu halten, die Spannungen könnte man definitiv als Ungereimtheiten auffassen, wenn da nicht noch irgendwas anderes wäre. Das zwischen den beiden ist jedoch schwierig zu deuten, denn wirklich beide Ich-Erzählerinnen sprechen es partout nicht aus, dabei erinnern sie mich stark an eine Freundin, die nicht zugeben kann, wenn sie jemanden mag. Gott sei Dank haben wir Meghan, Pennys beste Freundin, die sieht, was zwischen den beiden ist.
    Falscher Stolz/ Schüchternheit usw. sind jedoch nicht das Einzige, was irgendwie zwischen den beiden steht (oder sie sogar verbindet?), denn beide haben wirklich harte Schicksale, die sie verarbeiten müssen, ab jetzt sogar unter einem Dach, denn ihre Mütter haben entschlossen, zusammenzuziehen.
    Wie traumatisch vor allem Pennys Verlust ist, bekommt wirklich viel Platz, das ist einem am Anfang der Geschichte nicht unbedingt klar. Da musste ich manchmal schlucken, aber ich fand es toll, dass alles vernünftig aufgearbeitet wurde und die Liebesgeschichte nicht die Lösung aller Probleme sein sollte. Es blieb nicht ohne Grund bei 6 Malen “almost kissed”: Es sollte einfach ein sicherer Moment sein.
    Das Knistern zwischen den beiden und diese tiefe Verbindung war bei jeder Beinahe-Situation und auch dazwischen so spürbar, dass ich selbst beim Schreiben der Rezension am liebsten noch einmal den Roman in die Hand nehmen würde. Dieses „Mein-Gott-jetzt-findet-endlich-zusammen”-Gefühl macht einen wahnsinnig, aber ich habe es genauso geliebt, ein ganz besonderes Gefühl, das nur wenige Bücher auslösen können.
    Ich beneide alle, die es noch zum ersten Mal lesen dürfen, weil das Lesegefühl wirklich toll war!

    Raphaela Brosseron

  • Mute – Wer bist du ohne Erinnerung?

    Mute – Wer bist du ohne Erinnerung?

    Tobias Elsässer

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    „Jedes Mal, wenn ich diese Bilder anschaue, denke ich daran, wie zufällig dieses Leben ist. An welchem Ort man geboren wird, in welchem Haus, bei welchen Eltern. Alles Zufall.”

    Espe lebt als eines von drei Adoptivkindern mit einer leiblichen Tochter zusammen bei ihren liebevollen Eltern, die beide wissenschaftlich engagiert sind und sich stets bemühen, ihren Kindern ein gutes Leben zu bieten.
    mehr oder weniger lesen
    Dieses Streben führt dazu, dass die Familie häufig umzieht, zuletzt in ein Haus in St. Engberts. Dort ereignet sich ein Unfall, der glücklicherweise glimpflich endet. Seitdem jedoch wird Espe regelmäßig von unerklärlichen Bildern heimgesucht, die besonders durch unangenehme Gerüche ausgelöst werden. Ihre jüngere Schwester Yuma zeigt sich seit dem Unfall ebenfalls verändert, zieht sich von der Familie zurück und beginnt, allem zu misstrauen. 
    Die Situation eskaliert weiter, als die Eltern verhaftet werden und die Familie ins Kreuzfeuer der Medien gerät. Die genauen Vorwürfe gegen die Eltern werden erst allmählich enthüllt und scheinen mit der Vergangenheit der adoptierten Kinder verknüpft zu sein. Dieses schrittweise Zusammensetzen der Ereignisse verdeutlicht das Leid der Geschwister, die als Adoptivkinder ohne Erinnerungen an ihre eigene Herkunft kämpfen. Ihre Identität ist durch diese Lücken geprägt.
    Die Handlung wird durch die chronologische Erzählweise sowie Einschübe von Interviews einer Investigativreporterin und Notizen aus einem Tagebuch, das von einem Klinikaufenthalt berichtet, reichhaltig gestaltet. Themen wie Erinnerungen, Trauma und Epigenetik bilden ein komplexes wissenschaftliches Geflecht, das von Tobias Elsässer fesselnd in die Geschichte integriert wird. Im Nachwort betont Elsässer, dass diese Themen primär der Erzählung dienen und nicht vollständig sachlich aufgearbeitet sind. Das heißt. dass man nicht alle wissenschaftlichen Erklärungen zur Epigenetik vollständig verstehen muss, es reicht, sie als spannenden Motor der Geschichte zu sehen.
    Absolut kein alltäglicher Thriller, durchweg fesselnd und bis zum Schluss voller Innovationen!

    Raphaela Brosseron
  • The dreams we chase

    The dreams we chase

    Lorena Schäfer

    One

    Emerald Bay

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Im dritten Teil der Reihe verschlägt es Lexi für ein Meeresbiologie Studium vom Outback nach Emerald Bay. Mit diesem Studium erfüllt sie sich einen Traum, den sie schon strebsam verfolgen will. An der Uni trifft sie auf Hazel, die wir schon aus dem zweiten Teil kennen und die beiden freunden sich an. 
    mehr oder weniger lesen
    Jake kennen wir ebenfalls aus dem zweiten Teil, genauso ist Lexi ihm in der Vergangenheit bereits begegnet, doch hat sie daran keine gute Erinnerung, denn sie hält Jake für einen privilegierten Sohn bekannter Meeresforscher. Jake ist genauso wenig begeistert, als die beiden dann ausgerechnet zu einem gemeinsamen Projekt verdonnert werden … 

    Der Teil ist mein Lieblingsteil der Reihe, erst mal ist es natürlich irgendwie, wie an einen bekannten Ort zurückzukehren und es war auch schön, zumindest einige Figuren wiederzutreffen. Aber ich hatte dieses Mal nochmal mehr das Gefühl, dass die Autorin sich von gängigen Romance-Klischees versucht abzuheben, ohne den Faktor “Romance” zu streichen. Der Konflikt der beiden spitzt sich nicht künstlich zu und sie schaffen es öfter mal, tatsächlich zu kommunizieren und Sachen aus der Vergangenheit zu klären.
    Außerdem verlieren beide ihre persönlichen Ziele nicht aus den Augen, sofern sie sich derer sicher sind. Ganz sicher ist, dass beide das Meer lieben und sehr viel Ahnung davon haben, das hat mir am Buch auch super gefallen. Da wurde Emerald Bay als Umgebung richtig ausgeschöpft und nochmal anders beschrieben.
    Einfach eine richtige Wohlfühlgeschichte und ich bin traurig, erst mal nicht mehr in Emerald Bay zu sein!

    Raphaela Brosseron
  • Golden Heritage

    Golden Heritage

    Carolin Wahl

    Loewe Intense

    Reihe Crumbling Hearts

    Verlagsempfehlung ab 16 Jahre

    Während Aleksander Skogen im ersten Teil der Crumbling Hearts Reihe gerade wegen seines Skandal im Lampenlicht Aufmerksamkeit auf sich zieht, lebt Ellinor Skogen, seine jüngere Schwester, ein anderes Leben: Ihr ist jede Form von Aufmerksamkeit zu viel, die Presse hat kein aktuelles Bild von ihr und allein der Gedanke, mal kein chronischer People-Pleaser zu sein, bereitet ihr Panik. 
    mehr oder weniger lesen
    Nichtsdestotrotz möchte sie in das Keksunternehmen der Familie Skogen eintreten und nutzt ihre Unbekanntheit, um dort hinter die Kulissen zu blicken. Schon kurz vorher war sie Lucas, ihrem ehemaligen besten Freund, der sie damals einfach geghostet hatte, nach Jahren wieder begegnet und nun der nächste Schock: Sie müssen beide eng zusammenarbeiten. Da er eine Kälte und Distanz hat, die ihr fehlt und sie die Kontakte, die ihm fehlen, überlegen sie sich einen zunächst rationalen Plan, diese Zusammenarbeit irgendwie gewinnbringend für beide Seiten zu machen - mit emotionalen Folgen. 
    Nachdem ich den ersten Teil noch durchaus gelungen fand und mir sicher war, dass er für Fans von Romance ein guter Fund ist, weiß ich nicht, ob ich das gleiche auch für den Teil behaupten kann. Klar, die Romance-Tropes sind gut vertreten, nicht nur Fake-Dating, wie es auf dem Buch schon angegeben ist, auch Enemies-to-lover, genauso die großen Emotionen und einige “spicy” Momente.
    Die Story ist nicht neu, zwei Leute, die aus welchen Gründen auch immer nicht verstehen, dass sie Gefühle füreinander haben, das stört mich nicht.
    Aber wie kann es sein, dass sie beim anderen wirklich jede Regung wahrnehmen, jedes Zucken, jede „Veränderung der Haltung” usw., nur um dann aber die falschesten Schlüsse daraus zu ziehen? Am häufigsten war eigentlich etwas mit dem Brustkorb. Um es einmal exemplarisch zu verdeutlichen: Auf Seite 86 „rollt etwas Mächtiges” durch seine Brust, ein paar Zeilen später kämpft er „gegen das dumpfe Gefühl” in seiner Brust an, auf Seite 88 schmerzt sie und fühlt sich eng an. Der Magen kommt genauso oft vor, er hat ein „protestierendes Ziehen”, er krampft sich eine Seite später und rebelliert auf der nächsten.
    Dass Nervosität sich so körperlich in der Brust und im Magen zeigt, sehe ich ein. Aber beim Lesen wird einem jedes sprachliche Klischee gefühlt in 10 Varianten vorgeworfen. Gerne werden auch Vergleiche gebracht, hauptsache irgendein „wie” folgt, „brennen wie Brennnesseln”, „schneiden wie Fleischmesser”, eigentlich auch das Übliche, aber so gehäuft, dass ich mich zwischendurch wirklich fragte, ob das eine Parodie ist.
    Das “Komm schon, Kätzchen, zeig mir deine Krallen”, das Lucas sehr früh, als die beiden noch sehr distanziert sind, ständig sagt, kommentiere ich einfach mal damit, dass ich dachte, diese Phrase ist vielleicht nicht ideal übersetzt, er nennt sie doch nicht wirklich so abwertend Kätzchen? Dann ist mir eingefallen, dass das Original ja schon auf Deutsch ist.
    Man hätte so viel mehr aus allem machen können, die Gespräche über das Unternehmen, die Beziehung zum manipulativen Großvater, die arabischen Wurzeln von Lucas …
    Es muss ja nicht unendlich viel Tiefe bekommen, aber dieser krampfhaft bildliche Schreibstill war für mich alles andere als intensiv, eher sehr oberflächlich.
    Es gibt bestimmt Abnehmer*innen für dieses Buch, die sich bei meinen Ausführungen denken, dass das doch alles toll klingt. Gleichzeitig bin ich trotzdem enttäuscht, nach einem soliden ersten Teil so ein Leseerlebnis zu haben.

    Raphaela Brosseron
  • Wild is the Witch – Verfluchte Nähe

    Wild is the Witch – Verfluchte Nähe

    Rachel Griffin

    Oetinger

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    In einer Welt, in der Hexen und Magie Teil der Realität sind und Menschen von ihnen wissen, verbreiten sich auch Skandale der Hexenwelt: Iris Freundin Amy versuchte ihren Freund Alex in einen Magier zu verwandeln, mit furchtbaren Folgen. Das ging schief und landete sogar vor einem richtigen Hexengericht. Zwei Jahre später hat Iris ihr Leben wieder im Griff, aber dann bringt eine Nachricht im Radio die ganze Sache wieder hoch. 
    mehr oder weniger lesen
    . Gerade da macht Pike, der Super-Praktikant im Wildtiergehege von Iris Mutter, eine blöde Bemerkung über Hexen. Iris, die eigentlich gelernt hat, mit ihrer Magie vorsichtig umzugehen, passiert ein dummer Fehler: Sie verflucht Pike in einem wütenden Moment.
    Das Seltsame ist, dass gerade Pike ihr hilft, als sie versucht, den Fluch wieder rückgängig zu machen. Sie gehen zusammen in den Wald, wo Pike eigentlich nichts von der Magie mitkriegen soll. Aber irgendwie lernen sie sich besser kennen und Iris bereut den Fluch immer mehr.
    Die Magie in dieser Welt wird wie physische Energie verstanden, die nicht erschaffen, sondern transformiert wird, und ist somit tief mit der Natur verwoben. Diese Auffassung von Magie passt wunderbar zum Setting des Wildtiergeheges und des Waldes, welches bereits eine mystische Atmosphäre bietet. Es fühlt sich alles magisch und irgendwie richtig an.
    
    Genauso energiereich ist die Beziehung von Iris und Pike, zunächst als “Konkurrenten”, die eher wenig rücksichtsvoll miteinander umgehen, nach dem Kennenlernen, verwandelt sich auch hier die Energie. Das macht sowohl die Handlung als auch das Zwischenmenschliche stimmig, trotzdem sind noch genug Reibungspunkte für äußerst spannende Momente da, denn die Konsequenzen, denen Iris ausgesetzt ist, sind enorm. 
    "Verfluchte Nähe" trifft es genau: Die Geschichte von Iris und Pike ist spannend, ein bisschen romantisch und zeigt, wie Magie und Natur zusammengehören. Es ist ein tolles Buch für alle, die gerne in eine magische Welt eintauchen und dabei was über Freundschaft und das Überwinden von Vorurteilen lernen wollen.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Stolen Crown – Magie des dunklen Zwillings

    Stolen Crown – Magie des dunklen Zwillings

    Valentina Fast

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Valentina Fasts Buch entführt uns auf 624 Seiten in eine vielschichtige und fesselnde Welt, die nach dem fiktiven vierten Weltkrieg von einer Atombombe verwüstet wurde.
    Eine Atombombe zerstörte die Welt, wie wir sie kennen, einige Menschen konnten sich in Bunkern verstecken und überleben, andere wurden durch die Radioaktivität zu Fabelwesen, zu Faes. Die Faes spalten sich in Tag-Faes, Wesen voller Licht und positiver Energie, und Nacht-Faes, die in Dunkelheit gehüllt, als gefährlich gelten.

    mehr oder weniger lesen
    Avi und Ana sind Zwillinge, was nicht sein darf, da einer automatisch ein Nacht-Fae ist. Deswegen müssen sie sich ein Leben teilen, als Aviana. Doch als Ana erkrankt, setzt Avi alles daran, sie zu retten, und kreuzt dabei den Weg von Ren, einem Soldaten von Fürst Nevan, der Avi in den Kampf für eine gerechtere Welt einweiht, in der Nacht- und Tag-Faes gleichberechtigt sind.
    Valentina Fast bietet eine komplexe Mischung aus Dystopie und Fantasy, die durch den Kontext des vierten Weltkriegs plausibel und faszinierend wirkt. Die Erzählung ist nicht auf einen einzigen Spannungsbogen beschränkt, sondern entfaltet sich in einer Reihe kleinerer, die die Geschichte authentisch und vielschichtig machen. Die "Sinnesspiele", obwohl sie an "Die Tribute von Panem" erinnern, vor allem mit dem überdrehten Spielleiter Spencer, tragen eine eigene Note und lassen Menschen und Dunkel-Faes gegeneinander antreten. Die Spiele gehen in dem vielen Geschehen fast ein wenig unter, aber vielleicht wäre durch einen stärkeren Fokus dort die Parallele zu den Tributen von Panem tatsächlich zu groß geworden. 
    Avi als Hauptfigur hat viele Probleme und als Zwilling, der immer im Schatten stand und ihre wahren Kräfte nicht zeigen durfte, einige Komplexe. Zwischendurch schien es so, als fände sie jeden Mann, der ihr begegnet unendlich attraktiv, jeder löst “Hitze” in ihr aus,  eine Beschreibung, die man häufig in Romance-Büchern findet und man hat den Eindruck, sie ist da sehr willkürlich. Erst später wird klar, dass es nun mal auch mit ihrem versteckten Leben zusammenhängt, in dem sie keinen Umgang mit Männern pflegte, die tatsächlich an ihr als individuelle Person interessiert waren, daher finde ich, dass sogar das irgendwann ein logischer Teil der Geschichte ist.
    Insgesamt muss man sich auf viele verschiedene Ereignisse einlassen, mehr wie eine Serie mit verschiedenen Folgen, statt ein kontinuierlicher Film, erstreckt sich die Geschichte auf über 600 Seiten. Jedoch kann man der Geschichte gut folgen und es bleibt stets spannend. Dabei ist nicht nur Liebe Schlüssel zum Glück, sondern auch das Finden des Selbst als Dunkel-Fae, Freundschaft und Geschwisterliebe.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Der Tunnelbauer

    Der Tunnelbauer

    Maja Nielsen

    Gerstenberg

    Verlagsempfehlung ab 13 Jahre

    Der Sommer 1961 ist für die Jugendlichen in Ost-Berlin vielversprechend, nach dem Schulabschluss freuen sich alle auf ihre Zukunft und nutzen ihre Freizeit mit Freunden, Verliebtsein und langen Nächten. So auch Achim, der sich sofort in die aufgeweckte Freundin seiner Schwester, Chris, verliebt. Doch die politische Situation ist aufgeladen, der einzige Weg in den Westen über West-Berlin wird durch den Bau der Mauer geschnitten, ein erster Freund der Gruppe landet willkürlich im Gefängnis.
    mehr oder weniger lesen
    Achim flieht und lässt zurück, was mit Chris gerade erst angefangen hat. Im Westen schließt er sich einer Gruppe von Freiheitskämpfern an, die einen Tunnel bauen wollen, der die Menschen unterirdisch von der DDR in  die BRD führt. Dabei hat die Stasi sie immer im Visier und lässt es an den übrigen Angehörigen aus…
    Das Buch ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass manches am besten literarisch transportiert wird, denn ein Geschichtsbuch hätte mir die Fakten vermitteln können, aber nicht in diesem Rahmen, was für eine kontinuierliche Angst in dieser Zeit herrschte. Das Wissen, was man bereits hat, wird durch weiteres ergänzt, ich kannte die reale Geschichte des Tunnel 57 zum Beispiel nicht. Aber auch die Anspannung der Zeit, die Sorgen der Menschen, irgendwie in die Fänge der Stasi zu gelangen, wie manipulativ Letztere arbeitete, wurde sehr gut aufgefangen. 
    Nachdem ich das Buch beendet hatte, wollte ich es direkt noch einmal lesen, um wirklich alles aufzusaugen, was die Geschichte von Achim, Chris, Bea und allen anderen zu bieten hat. 
    Am Ende befindet sich eine Beschreibung der tatsächlich existierenden Tunnelbauer, ein Glossar und eine Chronik der Berliner Mauer, sodass man sich sofort tiefer mit dem historischen Kontext beschäftigen kann.  
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Das Mädchen, das in den Wellen verschwand

    Das Mädchen, das in den Wellen verschwand
    Um den Meeresgott zu besänftigen, wird jedes Jahr ein Mädchen in den Wellen geopfert, um seine neue Braut zu werden. Dadurch nehmen die Stürme zumindest für ein Jahr ein Ende, doch es war anscheinend noch keine Braut dabei, die ihn für die Ewigkeit beruhigt, und so bleibt es bei der jährlichen Opfergabe. 
    Mina wurde eigentlich nicht ausgewählt, doch sie opfert sich, damit ihr Bruder mit seiner großen Liebe zusammen bleiben kann…
    Endlich erfährt sie, wie es den Bräuten in der Götterwelt ergangen ist erkundet diese. Das ist aber eine gefährliche Reise, in der sie sich den großen Göttern stellen muss, von denen ihre Großmutter schon immer so viele Geschichten erzählt hat. 
    
    mehr oder weniger lesen
    Es war superspannend, wie sich hier die koreanische Mythologie und Fantasy vermischt haben. Die Sage um Shim Cheong, die sich, um ihren Vater zu retten, ebenfalls dem Meeresdrachen geopfert haben soll, wurde hier aufgegriffen und zu einer modernen Erzählung verarbeitet. 
    Vor allem durch Minas Abgleich mit den Geschichten, die sie über die Götter kannte und dem, was sie dann tatsächlich erlebt, wird klar, wie stark sie all diese Sagen und Mythen schon ihr ganzes Leben lang geprägt haben und wie enorm ihr kultureller Einfluss ist.
    Da Fantasy und Mythologie hier verschmelzen, ist es manchmal gar nicht so leicht, hinterherzukommen. Der klare Schreibstil, der bestimmt auch einer gelungenen Übersetzung zu verdanken ist, hilft da. 
    Der romantische Teil wird auch wunderbar in diese mythische Erzählung hineingearbeitet, denn Mina ist durch ein rotes Band des Schicksals mit jemandem zunächst eher unfreiwillig verbunden. 
    Mit ein wenig Konzentration und Offenheit kann man sich mit dem Roman in eine wirklich liebevoll ausgestaltete Welt hineinführen lassen, die so anders ist, als alles, was man vielleicht sonst so liest.
    
    Rapaela Brosseron
  • Pixton Love II – Always by my side

    Pixton Love II – Always by my side

    Mimi Heeger

    Moon Notes

    Pixton Love

    Verlagsempfehlung ab 16 Jahre

    Es ist eine Woche her, dass Scarletts Leben aus den Fugen geraten ist: Ihre religiösen Eltern fanden heraus, dass Scarlett neben dem Literaturstudium in Yale erotische Bücher schreibt und Scarlett steht ohne ihre Unterstützung vor dem Nichts. In dem Versuch, vor ihren Sorgen wegzurennen, landet sie auf einer Studentenparty unwissentlich in Theos Zimmer. Theo ist ein sehr empathischer Psychologiestudent, der Scarlett vorher nur durch sein auffälliges Äußeres aufgefallen ist. Theo merkt, dass Scarlett tiefgehende Probleme hat, denn damit hat er nicht nur im Studium Erfahrungen gemacht. Von diesem Moment an sind die beiden füreinander da.
    mehr oder weniger lesen
    Das Buch behandelt ernsthafte Themen, die auf der letzten Seite mit einer Triggerwarnung versehen sind. Es ist voller Emotionen, Herausforderungen, psychologischer Tiefe und Intimität. Die zahlreichen expliziten Szenen sind detailliert beschrieben. Ich empfand die Darstellung sehr idealisiert, obwohl sie bei weitem nicht so problematisch ist, wie in vielen anderen Büchern. Das Einzige, was ich da allgemeingültig kritisieren kann, ist, dass Kondome ohne weiteres als unnötig betrachtet werden.
    Die Geschichte geht nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch tief. Sowohl Theo als auch Scarlett kämpfen mit ernsthaften Problemen und versuchen, einander zu verstehen. Der Untertitel "always by your side" trifft hier zu 100% zu. Theo als Charakter ist faszinierend; er kleidet sich unkonventionell, um die Reaktionen seiner Mitmenschen zu testen, und bringt gerne sein psychologisches Fachwissen ein.
    Ich bin etwas unschlüssig zurückgeblieben; das letzte Drittel des Buches hat mich stark mitgerissen, erotische Szenen in Büchern treffen generell nicht meinen Geschmack. Für Leser*innen dieses Genres könnte die Reihe jedoch empfehlenswert sein, aber eher ab 18. Fans der Reihe werden sich darüber freuen, dass Abigail und Quinn in diesem Teil nicht aus dem Fokus geraten.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Wie Melodien im Wind – Liebe ist Band 2  

    Wie Melodien im Wind – Liebe ist Band 2  

    Alicia Zett

    one

    YA-Trilogie

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Toni führt ein Doppelleben auf dem Internat Schloss Mare, umgeben von wohlhabenden Mitschüler*innen und sogar einem Prinzen, ohne dass jemand von ihrem eigentlichen familiären Hintergrund weiß. Lukas, der dänische Prinz, hat ihr Herz erobert, aber aufgrund der unüberbrückbaren Kluft zwischen ihren Welten gehen sie sich irgendwann aus dem Weg, was für ihre Mitschüler*innen schwer nachvollziehbar ist.
    mehr oder weniger lesen
    In dieser Geschichte wird Tonis langjährige Freundschaft mit Lukas aufgegriffen, was ihre Beziehung besonders authentisch macht. Beide tragen Ängste und Sorgen mit sich, wobei wir Tonis Perspektive folgen. Neben aktuellen Herausforderungen plagt sie auch die Zukunftsangst. Musik, ihre große Leidenschaft neben dem Fußball, wird zu einem Ventil für ihre Gefühle. Sowohl ihr als auch Lukas fällt es manchmal leichter, mit Melodien ihren Gefühlen ihren Raum zu geben. Ich finde es manchmal schwierig, über Musik nur zu lesen, aber da hier vor allem die Texte bedeutend sind und Toni in allen Bereichen ihres Lebens versucht, „nicht aus dem Takt zu kommen”, passt Musik hier wunderbar, um auch über ihren mentalen Einfluss zu sprechen. Generell wird das Thema mentale Gesundheit in der Geschichte sehr ernst genommen, ohne dabei die Liebesgeschichte in den Hintergrund zu drängen und umgekehrt. Die Spannung entsteht aus der Gegensätzlichkeit von Toni und Lukas sowie aus ihren gut gehüteten Geheimnissen. 
    Maximal neidisch bin ich auf das Internatsleben, gerade wegen der Freundesclique um die beiden herum, die uns hoffentlich nochmal in einem nächsten Teil begegnen wird. 
    Die Autorin nimmt die Gefühle von Jugendlichen ernst und verpackt ernste Themen in einen Wohlfühlroman, der sicher mitfiebern lässt.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • The waves we catch – Emerald Bay

    The waves we catch – Emerald Bay

    Lorena Schäfer

    one

    Emerald Bay

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Band 2

    Im zweiten Teil der Emerald-Bay-Trilogie enthüllen sich endlich die Hintergründe von Nathan, dem besten Freund von Taylor, der bereits im ersten Teil eingeführt wurde, sowie von Billie, die dort nur namentlich erwähnt wird. Zuvor war Billie einfach verschwunden und hatte Nathans Herz gebrochen. Als ihre "Pflegemutter" Phoebe stürzt und ins Krankenhaus kommt, kehrt Billy zurück, obwohl sie geschworen hatte, dies nie wieder zu tun. Ein Treffen mit Nathan lässt sich dabei nicht vermeiden…
    mehr oder weniger lesen
    Noch viel mehr als im ersten Teil besteht hier die Dramatik in der fehlenden Kommunikation der beiden Hauptfiguren, Billie und Nathan. Bei Ivy und Taylor war die fehlende Kommunikation aber ein wenig verständlicher, denn die beiden kannten sich nun mal noch nicht. Billie und Ivy kennen sich seitdem sie Kinder sind und waren sogar ein Paar. 
    Billies Beweggründe sind schon nachvollziehbar, vor allem bleibt es spannend, da man diese nicht direkt erfährt. Allerdings habe ich bei sowas immer das Gefühl, es wird eine Tragik konstruiert, die mit einem einfachen Gespräch zu einem Happy End werden kann, ohne dass eine der Figuren dabei an Sympathiepunkten verliert. Was genau dahintersteckt, kann jede*r selbst nachlesen, je nach Erwartungshaltung wird man eventuell enttäuscht. Dennoch sind romantische Elemente und die malerische Kulisse Australiens auch im zweiten Teil präsent. Fans von Ivy und Taylor dürfen sich freuen, da sie in dieser Fortsetzung nicht gänzlich fehlen und man zudem mehr über den Verlauf der anderen Figuren erfahren wird.
    Den Titel finde ich für den Surfprofi Nathan passend, ich dachte mir sofort, dass es in dem Teil um ihn geht.
    Für den dritten Teil hätte ich andere Hauptprotagonist*innen erwartet, trotzdem bin ich gespannt, wen wir da aus Emerald-Bay wieder treffen. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    
    
    
  • Die Farbe von Schneeflocken

    Die Farbe von Schneeflocken

    Larissa Schira

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Die 16-Jährige Letti und der 17-Jährige Matteo sind weihnachtliche Gegensätze. Letti ist nicht wirklich ein Fan des Festes, während Matteo sich als richtiger Weihnachtsenthusiast bezeichnet. Doch trotz ihrer gegensätzlichen Meinungen arbeiten sie gemeinsam an einem besonderen Projekt in der Kinderklinik – dem Wunschbaum, um den kranken Kindern dort ein zauberhaftes Weihnachten zu bereiten. Letti kommt die Zusammenarbeit gerade recht, da sie so nicht alleine mit Weihnachten konfrontiert wird. Matteo ist trotz Lettis Abneigung gegen Weihnachten auch begeistert, denn Letti gefällt ihm. Während Letti allerdings ehrenamtlich in der Klinik arbeitet, hat Matteo andere Beweggründe…
    mehr oder weniger lesen
    Die Abneigung von Letti gegenüber Weihnachten mag zunächst übertrieben wirken, aber es ist erfrischend, dass der Weihnachtsroman die Vielfalt von Weihnachtserfahrungen berücksichtigt, denn die Festtage sind nicht für jeden eine fröhliche Zeit. Das Kinderklinik-Setting ermöglicht zudem Einblicke in die Arbeit vor Ort.
    Die Magie von Weihnachten findet dennoch ihren Platz, vor allem dank Matteos engagierten Bemühungen, ohne Letti etwas aufzudrängen. Trotz ihrer Fehler erscheinen sie reflektiert im Umgang miteinander – für mich immer ein Zeichen tatsächlicher Zuneigung.
    Obwohl Letti mit dem Leistungsdruck ihrer Eltern in Sachen Eislaufen zurecht überfordert ist, sind Matteos Probleme nochmal eine ganz andere Hausnummer und recht ernst. Diese werden meiner Meinung nach aber gut aufgearbeitet und nicht einfach links liegen gelassen. Letti und Matteo erzählen abwechselnd aus der Ich-Perspektive und ich kann beide an vielen Stellen in ihrem Handeln verstehen, bin aber umso beeindruckter von Lettis Entwicklung gegen Ende. 
    Dabei bleibt es nicht nur ernst, die Schlagabtäusche der beiden zum Thema Weihnachten sind ziemlich witzig, außerdem gibt es natürlich auch ein paar romantische Momente, die wirklich herzerwärmend und niedlich sind. Meine Lieblingsstelle ist die, an der der Titel des Romans “erklärt” wird, da wird die Geschichte schön abgerundet und irgendwie passt auch da alles zusammen.
    Wirklich eine süße Geschichte, die man mit oder ohne Weihnachtsstimmung lesen kann, denn es ist für jeden was dabei. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    
  • Nenn keine Namen

    Nenn keine Namen

    Astrid Sy

    Gerstenberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Leselotse-Gewinner September 23

    Die sieben besten Bücher für junge Leser 9/23

    „Ab jetzt nicht mehr deinen Namen sagen. Oder den deiner Eltern. Nenn keinen Namen. Vergiss, wer du bist.”
    
    Kaat wird auf der Straße Amsterdams zum ersten Mal mit der Verzweiflung von Eltern, die deportiert werden sollen, konfrontiert, denn eine Frau will ihr ohne weiteres ihren Säugling in die Arme geben und fleht sie an, sich um diesen zu kümmern. Kaat, die eigentlich nur ihr unbeschwertes Studentenleben führen wollte, wird jäh aus ihrer naiven Hoffnung gerissen, dass der Krieg schnell vorübergehen würde. Ihr guter Freund Pim öffnet ihr die Augen und zeigt ihr, wie sie Kinder tatsächlich retten kann. 
    
    mehr oder weniger lesen
    Währenddessen weigert sich Rosie beharrlich, die Augen vor der düsteren Realität zu verschließen. Entschlossen weigert sie sich, den Judenstern zu tragen, und drängt darauf, dass ihre Familie sofort untertaucht. Rosie, die in einer Kinderkrippe im Zentrum Amsterdams arbeitet, wird unmittelbar mit den Auswirkungen der Deportation konfrontiert. Hier verschmelzen ihre Lebensgeschichten, denn es sind genau diese Kinder in der Krippe, die durch den mutigen Widerstand gerettet werden.
    Sowohl Kaat als auch Rosie und ihre Mitstreiter riskieren ihr eigenes Leben, um Kinder vor dem sicheren Tod zu bewahren.
    Ein starker historischer Roman, der seine Wurzeln in zahlreichen wahren Geschichten findet. Die Figuren des Romans sind authentischen Vorbildern nachempfunden, und so liegt der Roman mit seiner ungeschönten Darstellung eng an der Realität vergangener Zeiten. Durch diese Darstellung wird der Schrecken des Krieges ebenso eindrücklich vermittelt wie die Heldentaten des Widerstands. Die Erzählstränge reichen über das Kriegsende hinaus, denn das Leben der Menschen setzt sich fort, ohne dass ein einfaches Happy End möglich wäre. Der Roman ehrt auf wunderbare Weise die realen Held*innen des Widerstands, die trotz ihres beispiellosen Einsatzes zur Rettung vieler Kinder stets das Gefühl hatten, nicht genug getan zu haben.
    Besonders schön ist, dass sowohl Rosie als auch Kaat nicht nur als repräsentativ für alle Helfer*innen stehen, sondern gerade in ihrer Unterschiedlichkeit den Seiten Leben geben. Dadurch treffen manche Ereignisse die Lesenden noch tiefer als ohnehin.
    Die Auseinandersetzung mit dem historischen und sensiblen Material erfolgt äußerst transparent. Begriffe, die einer Erklärung bedürfen, sind mit einem Asterisk gekennzeichnet und finden sich im Glossar am Ende des Buches wieder. Die Lesenden haben somit die Möglichkeit, sich bei Bedarf näher mit spezifischen Begriffen vertraut zu machen. Zusätzlich ist die umfassende Recherchearbeit der Autorin dokumentiert und kann nachgelesen werden. 
    
    Raphaela Brosseron
    
    
    
    
  • Skogendynasty

    Skogendynasty

    Carolin Wahl

    Loewe Intense

    Verlagsempfehlung ab 16 Jahre

    Nach einem öffentlichen Skandal wird Aleksander Skogen, der Erbe des Skogen Keks Imperiums, gezwungen, sich in die Abgeschiedenheit der Wildnis Norwegens zurückzuziehen. Dort begegnet er Norah, einer Naturführerin, die ein Leben führt, das fernab von seinem luxuriösen Lebensstil liegt. In den unberührten Landschaften Norwegens, weit entfernt von jeglichem Überfluss, entwickelt sich eine unerwartete Anziehung zwischen den beiden.Wer sich für "Gossip" der Reichen und Schönen interessiert und Fan von "Der Denver-Clan" war, könnte sich von diesem Buch schnell angesprochen fühlen.
    mehr oder weniger lesen
    Der vermeintliche Skandal ist äußerst pikant, doch Norah, die von dem Medien-Debakel nichts mitbekommen hat, gibt vor, über den Skandal hinwegzusehen. Obwohl das stimmt, fühlt sich Aleksander dennoch verunsichert, denn auf der Trekking-Tour scheint Norah die Anziehung zwischen ihnen nicht zuzulassen. Ihre Probleme sind größtenteils nachvollziehbar, jedoch werden sie, passend zum Genre, überzeichnet dargestellt und kommen immer wieder ins Spiel, besonders in Bezug auf Aleksander. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Beziehung zwischen den beiden sehr intensiv und extrem ist, wobei tiefgründige Gespräche oder Abstand anstelle von lockeren Kennenlerngesprächen dominieren. Dennoch ist die Intensität zwischen ihnen genau das, was der Roman verspricht. Die Trekking-Tour bietet ein wunderschönes Setting, und ich konnte verstehen, warum Norah dieses Leben nicht unbedingt aufgeben möchte. Nach der Trekking-Tour verlangsamt sich das Tempo zwischen den beiden, was die Liebesgeschichte zu Recht als Slow-Burn-Romance charakterisiert. Trotz des Luxus und der High Society ist die Geschichte keineswegs oberflächlich. Vielmehr bildet sie eine Grundlage für weitere gesellschaftliche Themen, wie beispielsweise die Frage nach dem Schein und Sein in der modernen Medienwelt. Norah und Aleksander sind ein gelungenes Anfangspärchen für diese Trilogie, und man kann gespannt sein, was in den kommenden Teilen passieren wird.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Wer den Kürzeren zieht

    Wer den Kürzeren zieht

    Mel Wallis de Vries

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Auf einer abgelegenen Hütte plant eine bunt zusammengewürfelte Gruppe von Freunden eine erholsame Zeit zu verbringen. Die Schüler Maxime und Anne reisen aus Utrecht an, um sich mit Maximes alter Freundin Lizzy, deren Cousin Daniel und seinem Freund Sami zu treffen. Daniel und Sami, bereits im Studium, betrachten die Welt mit einem anderen Blick, besonders Daniel ist bekannt für seine Diskussionsfreudigkeit. Die Zeit für ein ausführliches Kennenlernen bleibt ihnen nicht, denn schon nach einem Tag geschehen merkwürdige Dinge: seltsame Nachrichten auf Instagram und ein blutüberströmter Junge taucht auf. Schnell wird klar, dass die fünf in Gefahr schweben und die Hütte möglicherweise nicht lebend verlassen werden.
    
    mehr oder weniger lesen
    Ihre Befürchtungen werden auf Video-Tape aufgenommen, diese sind als böse Vorahnungen vor den Kapiteln verteilt. So weiß man, es wird etwas Schlimmes passieren, aber man muss auf jeden Fall weiterlesen, um zu wissen, was. Wer wirklich ganz genau liest, könnte vielleicht schnell eine Idee haben, was da vor sich geht. In meinem Kopf haben sich jedoch die Vermutungen gehäuft, weswegen ich in einem Durch lesen musste, um zu wissen, wie es ausgeht. Tatsächlich habe ich mit dem Ende nicht gerechnet, fand das dementsprechend auch spannend und gelungen. Die fünf Charaktere wurden geschickt gewählt, und trotz der begrenzten Seitenzahl erhielten sie genug Tiefe für einen psychologischen Thriller, der die Abgründe der menschlichen Natur erkundet. Ohne zu viel zu verraten, persönlich bevorzuge ich es, wenn der "Bösewicht" seinen Plan am Ende nicht unnötig erklärt, um mögliche Lücken zu schließen. Das Ende hat mich dennoch überzeugt, und das Buch liest sich schnell. Es erzeugt ohne explizite Gewaltdarstellungen eine beeindruckende Spannung.
    
    Raphaela Brosseron
    
    Anne, die die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt, lässt sich von ihrer Freundin Maxime überreden, einige Tage in einer Hütte zusammen mit deren Freundin Lizzy aus Kindertagen
    zu verbringen. David ist ein Cousin von Lizzy und er hat die Hütte gemietet, er studiert und reist zusammen mit seinem Freund Sami an. 
    So richtig gemütlich ist die Hütte nicht und am liebsten möchte Anne wieder abreisen, aber die Hütte liegt so abgelegen, dass diese Möglichkeit nicht besteht. Im Prolog taucht noch eine Junge namens Vincent auf, der blutverschmiert vor der Tür liegt. Doch das geschieht erst eine Zeit später.
    Die Kapitel beginnen mit Stunde 1 und machen auch Sprünge von einigen Stunden,
    doch dazwischen werden die Protokolle von Tape-Aufzeichnungen gedruckt, die erst Stunden später aufgenommen werden. Hier befindet sich nur ein Jugendlicher in einem Raum und spricht mit der Kamera. Durch diese Vorgriffe wird die Geschichte noch einmal zusätzlich spannend. 
    Das Buch ist gut zu lesen und die Spannung, die schon ganz zu Anfang meine Ängste schürt, wird immer größer. Auch der Ausgang der Geschichte hat mich beindruckt. Zudem werden die Charaktere der unterschiedlichen Protagonist*innen sehr gut beschrieben. Da Anne ihre Sicht auf die Dinge erzählt, leidet man in erster Linie mit ihr, kann aber auch ihr manchmal ungewöhnliches Verhalten begreifen. Ein echter Thriller!
    
    Dagmar Mägdefrau
    
  • Cast in Firelight – Magie der Farben

    Cast in Firelight – Magie der Farben

    Dana Swift

    one

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Adraa, die Thronerbin von Belwars, ist dazu bestimmt, eines Tages Jatin zu heiraten, den zukünftigen Maharadscha von Naupur. Die beiden treffen sich nur einmal als Kinder, und dieses Treffen verläuft alles andere als gut. Jatin zeigt sich arrogant mit seiner Magie, und Adraa lässt sich provozieren. Während Jatins Zeit an der Akademie setzen Adraa und Jatin ihre Beziehung in bissigen Briefen fort, anstelle von romantischen. Ein Konkurrenzkampf in magischen Leistungen entfaltet sich zwischen ihnen. In diesen Briefen verschweigt Adraa natürlich ihre Tätigkeiten im Untergrund, bei denen sie heimlich für das Volk agiert, sowie ihre Aktivitäten im Untergrund. 
    mehr oder weniger lesen
    Sie hätten niemals erwartet, sich einmal verbünden zu müssen, um ihre jeweiligen Völker zu retten. Noch weniger hätten sie sich vorstellen können, dass während ihres gemeinsamen Kampfes Gefühle zwischen ihnen aufkeimen könnten – ohne dass ihnen bewusstwird, an wessen Seite sie eigentlich kämpfen.
    Auf dem Cover sind zwei Figuren illustriert, vermutlich Adraa und Jatin.Ich finde es schade, wenn das Cover bereits ein so deutliches Bild der Figuren vermittelt, obwohl die Buchbeschreibungen für sich stehen könnten. Die dargestellten Figuren scheinen dem Schönheitsideal zu entsprechen und wirken wie aus einer Traumwelt gegriffen, mit unnatürlich großen Augen, die eher an Zeichentrickfiguren erinnern. Inhaltlich fand ich den Anfang vielversprechend, besonders weil wir Adraa und Jatin schon als Kinder kennenlernen. Doch im Verlauf der Geschichte habe ich irgendwann den Überblick über die magischen Kräfte verloren, und der Fantasy-Teil, besonders im Zusammenhang mit den Göttern, erschien mir recht überladen.
    Letztendlich stehen die weiße und rote Magie im Fokus und es ist nicht zwingend erforderlich, alles zu verstehen, um den Kern der Geschichte zu erfassen. Die Liebesgeschichte hat mir gut gefallen, und trotz des bekannten Themas Enemies-toLovers fühlte es sich irgendwie neu an. In der Mitte der Handlung gab es eine gewisse Längen, vielleicht gerade wegen der Vielzahl von Ereignissen. Der Perspektivenwechsel zwischen Araa und Jatin in jedem Kapitel wurde wirksam umgesetzt, sodass man sich sehr gut einfühlen konnte. Die Aufteilung der Königreiche Belwar und Naupur sowie ihre Verflechtung dienten sinnvoll als treibende Kraft für die Handlung. Insgesamt ist es eine romantische und fantastische Geschichte, die sowohl Fantasy- als auch Romance-Fans ansprechen dürfte, vorausgesetzt, man lässt sich nicht vom Cover abschrecken.
    
    Raphaela Brosseron
    
    
  • Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle

    Vom Mond aus betrachtet, spielt das alles keine Rolle

    Anne Freytag

    One

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Der Roman spielt in der Zeit des harten Lockdowns während der Corona-Pandemie. Selbst das Spazierengehen gestaltet sich schwierig, weshalb die Handlung wie in einem Kammerspiel vorwiegend im Haus von Sallys Familie stattfindet. 
    mehr oder weniger lesen

    Sally ist in dieser Zeit alles andere als alleine, denn ihre drei Geschwister und ihre Mutter Marianne füllen das Haus mit Leben. Dies umfasst laute Diskussionen und ebenso lautes Schweigen.
    Sally ist gerade fertig mit der Schule, weiß nicht wohin mit sich und kann wegen Corona eigentlich auch nirgends hin und wurde zudem vor zwei Monaten von Felix verlassen.
    Als ihre Mutter beschließt, Leni, die Volontärin ihres Verlages, aufzunehmen – diese wurde nach einer Trennung aus ihrer Wohnung verdrängt –, ist Sally wenig begeistert über diese fremde Person in ihrem Haus und lässt es Leni auch spüren. Inmitten des ohnehin chaotischen Alltags im Haus kehrt Felix zurück und versucht, alles wieder in Ordnung zu bringen. Sally spürt endlich eine Anziehung und bekommt einen Einblick in die wahre Bedeutung von Liebe – allerdings nicht durch Felix.
    Durch zahlreiche Mikromomente entwickelt sich die Beziehung zwischen Sally und Leni auf sanfte Weise. Obwohl das Haus kaum verlassen wird, geschieht so viel, insbesondere in den Erzählungen von Sally und Leni. Ihre Perspektiven sind so einprägsam und charakteristisch, dass man ohne Hinweis am Anfang des Kapitels wüsste, wer gerade erzählt. Das Knistern in der Luft ist wunderschön zwischen den Zeilen gefasst und so viel greifbarer und authentischer als in so manch heterosexueller Figurenkonstellation anderer Romane, was ja eigentlich nur zeigt, dass das Wichtigste die Echtheit von Gefühlen ist. Das gilt sowohl im wahren Leben als auch im Gelingen einer Geschichte, und diese Geschichte ist Anne Freytag mit einem sehr gefühlvollen Ton gelungen.
    Ich hätte nicht gedacht, dass Corona-Romane mich so begeistern, aber hier ist der begrenzte Raum und der Verzicht auf äußere Ereignisse genau richtig. Ich habe Sally und ihre Familie trotz ihrer Differenzen richtig ins Herz geschlossen und wäre am liebsten eingezogen. Ein sehr zeitgemäßer Roman, der auch nach Corona wunderbar unterhält, mit zahlreichen popkulturellen Verweisen und einer gelungenen Mischung aus lustigen, traurigen, krisenhaften und romantischen Momenten.

    Raphaela Brosseron

  • Nächte im Tunnel

    Nächte im Tunnel

    Anna Woltz

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Gewinnerin des Gustav-Heinemann-Friedenspreises 2023

    Ausgezeichnet mit dem LUCHS-Preis

    Leselotse November/Dezember 2022

    Dieses Buch wurde mehrfach ausgezeichnet und ich kann nur sagen, zu Recht! Ein Buch, das zutiefst berührt und bewegt.
    Die vierzehnjährige Ella lebt mit ihrer Familie in London, die Mutter hilft anderen Menschen, die alles durch die Luftangriffe der Deutschen Armee verloren haben. Der Vater räumt während und nach den Angriffen auf. Ella und ihr kleiner Bruder Robbie müssen jeden Tag an der U-Bahn-Station anstehen, um dort einen Platz für die Nacht zu sichern. Jay, der sich alleine durchschlafen muss, „verkauft“ gute Plätze in einem Tunnel, dort ist es nicht so laut und eng wie auf dem Bahnsteig.
    mehr oder weniger lesen
    Erst als die fünfzehnjährige Quinn auftaucht, die vom Landsitz ihrer Familie geflohen ist, um Verletzen zu helfen, können die vier gemeinsam ihre Nächte im Tunnel verbringen. Sie erfahren einiges von den anderen und geraten einige Male aneinander. 
    Das Buch beginnt damit, dass einer der Vier sterben wird und dieses Wissen belastet das Lesen, alle vier wachsen uns Lesenden ans Herz und der Gedanke, dass eines dieser Kinder die Tage, in denen das Buch spielt, nicht überleben wird, macht von Anfang an traurig. Aber trotzdem ist es auch ein Buch das Hoffnung gibt, denn alle stehen am Anfang ihres Lebens und wir erfahren ihre Wünsche und Träume, die hoffentlich wahr werden.
    Gerade in diesen Zeiten, in denen wir die Menschen in Kiew ebenfalls in den U-Bahnhöfen sitzen sehen, ist uns die Situation der Menschen in London während des 2. Weltkriegs näher. 
    Ein Buch, dass uns aufwühlt und hoffen lässt.
    
    Dagmar Mägdefrau