• Schnee

    Schnee

    Marie Duedahl

    Renate Götz Verlag

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    „Schwarz wie die Nacht.
    Einzelgängerin.
    Ein Stachelschwein.
    Ein Kind von Loosern.
    Die böse Fee.
    Alles das war ich.
    Aber dann traf ich Schnee.“
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    Dieses Gedicht ist auf dem rückseitigen Cover des dünnen Büchleins zu lesen. Schnee ist eine Schülerin der 9a und sie ist weiß und fast durchscheinend. Im Gegensatz dazu steht Lulu, die nach einigen Schulwechseln in die 9a kommt. Sie ist wegen ihres Vaters, von dem sie nichts weiß, dunkelhäutig. Schnee kann Lulu mit einer Umarmung und dem Satz „Wir sind schön“ all' ihre Wut nehmen. Schnee hat bei ihrer Hippiemutter ein gemütliches Zuhause, während Lulu bei ihrer alkoholkranken Mutter und dem 16. Stiefvater wohnt. Schnee gibt ihr Mut und fordert Lulu auf, nach ihrem Vater zu suchen.
    Das Buch hat meist zweiseitige Kapitel mit großen Buchstaben und gedichtartigen Texten mit kurzen klaren Sätzen und ist deshalb sehr gut lesbar. Zu Beginn eines jeden Kapitel ist ein Satz aus dem Text auf dem grauen Hintergrund des Covers gedruckt.
    Die Geschichte wirkt trotz ihrer Traurigkeit auf mich hoffnungsvoll. Ich denke ,Lulu wird es schaffen, in sich nicht nur den Looser zu sehen. Ein sehr gut lesbares Buch mit starken Mädchenfiguren.

    Dagmar Mägdefrau

  • Auf immer und ewig

    Auf immer und ewig

    Margret Steenfatt

    Rororo/ FISCHER Kinder- und Jugendtaschenbuch

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre


    „Auf immer und ewig“ schwören sich Nike, Paul und Nathan mit dem Geheimzeichen ihrer Bande, den ›Kopfgeldjägern‹. Seit ihrer Kindheit sind die drei unzertrennlich und wären es vielleicht für immer geblieben, wenn sie nicht im Jahr 1938 Kinder wären – Nathan, ein Jude, und Paul, der Sohn eines überzeugten NSDAP-Anhängers.
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    Im Grindelviertel Hamburgs verändert sich vieles Stück für Stück. Die jüdischen Bürgerinnen und Bürger verschwinden allmählich aus dem Stadtbild und werden schließlich brutal ausgegrenzt. Nike kann das nicht nachvollziehen und zeigt ihren Unmut, insbesondere gegenüber ihren Eltern. Warum sprechen sie nicht mit ihr über all das? Paul sympathisiert mit der Hitlerjugend und wird Mitglied. Zwar hängt er manchmal noch an der alten Freundschaft, jedoch nur zu seinen eigenen Bedingungen. Nathan übt sich in Zurückhaltung und konzentriert sich auf sein Geigenspiel – und auf Nike, denn mit ihr könnte es tatsächlich für immer sein...
    Das Trio zeigt eine interessante Dynamik. Leider wirkt Paul, der wohl einen Mitläufer repräsentieren soll, von Anfang an durch seine grotesken Streiche distanziert von den anderen beiden, was den Verlust der Freundschaft für die Leser*innen schwer greifbar macht. Auch die Beziehung zwischen Nathan und Nike entwickelt sich plötzlich und erscheint sofort als grenzenlose Liebe. Das passt zwar einerseits zu einer jugendlichen, fast kindlichen Liebe, andererseits resultiert dies aus der eher oberflächlichen Charaktergestaltung. Die Rollen des Trios sind wenig nuanciert: Paul erscheint zunehmend als grundlegend böse, Nike als durchweg gut und unschuldig, und Nathan als das Opfer der Gesellschaft. Zwar werden die Dynamiken der Ideologie und ihre Auswirkungen immer wieder erwähnt, aber nicht richtig in die Geschichte integriert. Besonders Nike zeigt für ein junges Mädchen einen ausgeprägten moralischen Kompass, was an sich nicht unglaubwürdig ist, aber in der Interaktion mit ihren Eltern oft unlogisch wirkt.
    Gelungen ist hingegen die spezifische Lokalisierung im Hamburger Grindelviertel. Die Leser*innen spüren wirklich, wie diese kleine Welt – ein Raum der Routine und Geborgenheit für die Kinder und auch die Erwachsenen – nach und nach zerbricht. Diese präzise Darstellung des Schicksals einer kleinen Stadt als Spiegelbild des großen Kriegs wurde gekonnt in den Fokus gerückt.
    Von Anfang bis Ende wird die kindliche bzw. jugendliche Perspektive auf die NS-Zeit konsequent beibehalten, was den Roman trotz allem sehr lehrreich macht.

    Raphaela Brosseron

  • Good Girl, Bad Blood – Band 2

    Good Girl, Bad Blood – Band 2

    Holly Jackson

    one

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Sie hat sich geschworen, nie wieder zu ermitteln, nachdem sie sich bei ihrem ersten Fall um Andie Bell beinahe selbst verloren hätte. Doch als Jamie Reynolds, der ältere Bruder ihres guten Freundes Zac, spurlos verschwindet, wird Pip erneut in die Welt des Verbrechens hineingezogen. Die Polizei nimmt das Verschwinden nicht ernst, wie so oft, und Pip beschließt, die zweite Staffel ihres True-Crime-Podcasts zu starten. 
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    Da sie sich bereits mit den Gefahren solcher Ermittlungen auskennt, warnt sie Zac und dessen verzweifelte Mutter: Bei ihrer Nachforschung könnten unangenehme Wahrheiten ans Licht kommen. Zeitgleich läuft der Prozess gegen Max Hastings, der mehrere junge Frauen vergewaltigt hat und durch seine Verbrechen eine Kette von Ereignissen ausgelöst hat, die Pips letzten Fall mit beeinflussten.
    Doch wird Jamies Verschwinden weniger tragisch enden oder Pips Glauben an das Gute endgültig zerstören? Ausgerechnet ein Tinder-Profil könnte die entscheidenden Antworten liefern.
    Als Leserin, die den ersten Band begeistert verfolgt hat, bin ich heimlich froh, dass Pips Karriere als Ermittlerin nicht vorbei ist. Dennoch löst Jamies Verschwinden und die Hilflosigkeit seiner Familie ein beklemmendes Gefühl aus. Die Polizei ermittelt nicht weiter, da es zu Jamie passe, einfach zu verschwinden. Pip, inzwischen bestens vertraut mit der Welt des True Crime, geht die Sache gewohnt strukturiert an – unterstützt von Ravi. Die Autorin schafft es dabei, realistisch darzustellen, dass Pip nicht nur Bewunderer hat. Selbst Menschen aus ihrem engeren Umfeld begegnen ihrem selbsternannten Ermittlerdasein skeptisch oder belächeln es. Trotzdem bilden Pip und Ravi erneut ein starkes Team. Überraschenderweise gelingt es der Autorin, mit denselben Figuren nach dem ersten Teil erneut eine fesselnde und logisch aufgebaute Fortsetzung zu kreieren, die zeigt, dass die Grenzen zwischen Gut und Böse oft verschwimmen und dass die Justiz nicht immer für Gerechtigkeit sorgt.
    Eine beeindruckende Fortsetzung, von deren Handlung ich nicht zu viel verraten möchte!

    Raphaela Brosseron
  • Ein Tagebuch für vier – Wir sind die besten Freundinnen

    Ein Tagebuch für vier – Wir sind die besten Freundinnen

    Vikki VanSickle

    Laura Rosendorfer

    arsEdition

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Vier Freundinnen wird das Handy abgenommen und sie greifen auf eine altmodische Methode der Kommunikation zurück: Mit Stift und Papier schreiben sie geordnete Nachrichten in ein Notizbuch, das eigens dafür angelegt wurde. Ich hoffe nur, dass sie im Unterricht nicht genauso viel auf ihren Handys getextet haben wie in diesem Buch. 
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    Die Idee ist süß, und es ist interessant, dass man die Mädchen ausschließlich über ihre Nachrichten kennenlernt, ohne vorher ein Portrait oder eine Vorstellung ihrer Charaktere zu bekommen. Alle vier verwenden Pseudonyme, falls das Buch mal in die Hände einer Lehrkraft geraten sollte. Sie ergänzen sich durch ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten: Twix, die humorvolle und entspannte, Sunny, die Träumerin, MP, die Fleißige, und Swoosh, die Sportliche. Natürlich gibt es auch gelegentlich Konflikte zwischen ihnen, was bei einer Viererkonstellation ganz natürlich ist. 
    Doch es gibt einige Aspekte, die unauthentisch wirken: Alle vier scheinen in ihren Konflikten immer sofort reflektiert zu sein, und ihren Gefühlen und Ansichten wird stets Raum gegeben, sodass jede Auseinandersetzung schnell beigelegt wird. Das wirkt unrealistisch. Zudem wird das Thema Sex und Pubertät fast zwanghaft in den Fokus gerückt, ohne dass dies durch den Sexualkundeunterricht oder andere Faktoren ausreichend begründet wird. Über lange Strecken passiert wenig, außer dass die Mädchen unnatürlich wirkende Gespräche über die Periode führen.
    Auch scheint jede von ihnen einen makellosen moralischen Kompass in Bezug auf Selbstbestimmung, Sexualität und Feminismus zu haben. Es wäre zwar wünschenswert, dass 13-Jährige so reflektiert über gesellschaftlich relevante Themen sprechen, aber es entspricht einfach nicht der Realität. Dadurch sehe ich kaum Identifikationspotenzial für Leser:innen, vielmehr besteht die Gefahr, dass sie sich abgehängt fühlen.
    Das Buch wirkt flach und moralisierend, wobei es zwanghaft um Sex und verwandte Themen kreist. Hätte man es als ein nett verpacktes Aufklärungsbuch deklariert, wäre meine Bewertung wohl positiver ausgefallen, denn eine gut erzählte Geschichte steht hier offensichtlich nicht im Fokus. Es ist schade, dass das Tagebuch der vier Mädchen auf diese Themen reduziert wird – vielleicht möchten sie auch einfach mal ein Eis essen, ohne ihre Periode dabei zu zelebrieren?
    Zwar sind einige der Themen und dazugehörigen Zeichnungen niedlich und stellenweise auch wichtig, aber als Erzählung funktioniert das Buch nicht überzeugend.
    Über weibliche Themen muss mehr geschrieben und geredet werden, aber das geht besser.

    Raphaela Brosseron
  • Der verwunschene Wald

    Der verwunschene Wald

    Kengo Kirimoto

    Urachhaus

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Auf dem etwas dunklen Cover sehen wir Poppy mit ihrem Hund Pepper durch den Wald gehen. Poppy geht immer den selben Weg an den Häusern längs Gassi, dabei hört sie Musik mit ihren Kopfhörern. Doch da läuft Pepper, ein Tier verfolgend, in ein abgesperrtes Gelände. Hier tut sich ein Wald auf und Poppy lernt Rob kennen, der sich hier auskennt und später seinen Lieblingsplatz mit ihr teilt.
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    So lernt das Mädchen auf die Natur zu achten und sieht plötzlich kleine Vögel oder andere Dinge in der Natur, die ihr vorher nie aufgefallen sind. Begeistert erzählt sie ihrer Mutter davon, doch die liegt nur teilnahmslos auf der Couch. Sie trauert um ihre Mutter, die vor kurzen gestorben ist. Poppy dagegen findet ihre Oma in der Natur wieder und sie grämt sich, dass ihre Mutter sich weigert mitzukommen. Als sie dann eines Abends von Rob abgeholt wird, damit sie den Dachs in der Dämmerung beobachten kann, taucht plötzlich ihre Mutter in der Haustüre auf.
    Dieser Comicroman ist mit wundervollen Illustrationen ausgestattet. Die Tier- und Pflanzenwelt ist so schön dargestellt, dass man sofort in den nächsten Wald laufen möchte, um so etwas in natura bestaunen zu können. Kleine Vögel, die man fast zwitschern hören kann, und Bäume mit ihren knorrigen Stämmen, die man fast unter den Fingern fühlt.
    Das Buch kommt mit ganz wenigen Sätzen aus, die Bilder zeigen aber sehr anschaulich die Trauer von Tochter und Enkelin und die Neugier Poppys beim Entdecken der Natur.

    Dagmar Mägdefrau
  • Fürs Leben zu lang

    Fürs Leben zu lang

    Nikola Huppertz

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Magali Weill ist 13 Jahre alt und 1,82m groß, es folgen schätzungsweise 10 cm. Eigentlich hält sie Tagebuchschreiben für etwas Selbstbezogenes, aber sie schreibt eins über die anderen, die im Gegensatz zu ihr ein interessantes Leben haben. 
    Es sind Ferien und Magali wünscht sich, vom französischen Nachbarsjungen Joël geküsst zu werden, ist sich aber gleichzeitig sicher, dass nie jemand ein so großes Mädchen küssen will.
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    Mit anderen Bewohnern des Hauses hat sie nicht nur in ihren Träumen Kontakt, mit dem Husky der Stemmerlings und dem 98-jährigen Herrn Krekeler. Als sein 13-Jähriger Neffe Kiean zu Besuch kommt, weil Herr Krekeler angeblich bald stirbt, bringt er neuen Wind in Magalis Alltag, ob sie will oder nicht. Magali steht angesichts des Todes vor vielen Fragen zum Leben. 
    Man merkt, dass Magali nicht einfach nur durch ihre Größe verunsichert ist, sondern dadurch wirklich Schwierigkeiten hat, ihren Platz in der Gesellschaft zu finden und sich dadurch schon früh ernsthafte Gedanken über das Leben macht. Dann sorgen noch das Thema Tod und der merkwürdige Kieran für wirklich tiefgründige Reflexionen, die in eine philosophische Richtung gehen. Dabei wird der Ton des Romans jedoch nicht unangenehm ernst. Magali wächst über sich hinaus, obwohl wachsen vermutlich das letzte ist, wonach ihr der Sinn steht. Das Tagebuch war eine super Idee, da sie ihre Gedanken über die anderen, das Leben und dann doch auch sich selbst wirklich in schöne, lustige, traurige und auch passende Worte verpackt. Der Titel hätte nicht besser gewählt sein können, gerade weil er vielleicht auch eine andere Bedeutung hat.
    Es lohnt sich, diese herauszufinden.

    Raphaela Brosseron

    Es ist nicht einfach für die dreizehnjährige Magali mit ihrer Größe von 1,82 m klarzukommen. Dazu hat sie noch eine achtzehnjährige Schwester, die Abi macht und die bei „normaler“ Größe sehr hübsch ist.
    So beginnt Magali dann in den Osterferien in das Tagebuch mit Goldschnitt und Lesebändchen zu schreiben. Zunächst über andere, wie die Bewohner des Hauses. Zu denen gehört die Familie Siemerdings mit ihren vielen Kindern und dem Husky Snow, den Magali täglich ausführt, und der 98-jährige Albert Krekeler. Herr Krekeler war bisher immer noch sehr fit und ist täglich in seinem schicken Jogginganzug eine Runde gejoggt, doch jetzt hat er beschlossen, zu sterben, und das hat seinen „verlorenen“ Sohn auf den Plan gerufen, der mit dem Enkel Kieran anreist.Da Kieran wenig Berührungsängste hat, taucht er jeden Tag ungefragt bei Magali auf und die beiden unterschiedlichen Jugendlichen verbringen die Ferien zusammen. Sie erleben das leise Sterben von Herrn Krekeler und stellen die Frage „Wie geht das überhaupt, ein richtiges Leben?“
    Das Buch ist in drei Teile aufgeteilt und wirft die unterschiedlichsten Probleme auf. Zum einen ist das die Körpergröße von Magali, dann das Verhältnis der volljährigen Schwester zur Mutter, das Schweigen des übergewichtigen Vaters, die Familienverhältnisse von Kieran und natürlich das Sterben des alten Mannes. Am Ende ist das Tagebuch von Magali gefüllt und wir haben an ihren Gedanken teilnehmen dürfen und warten mit Spannung, ob sie weiterhin ungeküsst bleibt.

    Dagmar Mägdefrau
  • Wie ich zum Flirt-Profi wurde – oder zur Chaos-Queen

    Wie ich zum Flirt-Profi wurde – oder zur Chaos-Queen

    Gloria Trutnau

    Laura Rosendorfer

    one

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Das Cover sprüht vor Farben und ist mit verspielten Doodles verziert. Ein orangefarbener Sticker verspricht DIYs, Tests, Listen und Rezepte, was an die Gestaltung der Bravo Girl von früher erinnert. Passend dazu befolgt Juli im späteren Verlauf Tipps aus einer ähnlichen Zeitschrift. 
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    Das Buch bietet 110 Seiten eines unterhaltsamen Kurzromans sowie 60 Seiten voller Mitmachideen. Hier gibt es allerdings keinen direkten Vergleich zur Bravo Girl, wie man sie kennt, denn es geht nicht nur darum, Jungs zu beeindrucken. Stattdessen finden sich wirklich coole Anregungen zum Selbermachen, wie Spiele oder Tipps zur Selbstliebe – auch ein paar Flirttipps sind dabei. In der Geschichte versucht Juli, ihren neuen Sitznachbarn Tobi zu beeindrucken. Dabei lässt sie sich von den Tipps einer Influencerin namens Ella leiten, die in einer Mädchenzeitschrift veröffentlicht werden. Unterstützt wird sie von ihrer besten Freundin Elif. Allerdings merkt Juli schnell, dass diese oberflächlichen Ratschläge sie in unangenehme Situationen bringen. Mit ihrem besten Freund Vince hingegen ist alles viel unkomplizierter…
    Die Geschichte ist sehr niedlich und auch wenn solche Zeitschriften heute nicht mehr so angesagt sind wie früher, ist es eine interessante Idee, die Ratschläge einer fiktiven Influencerin kritisch zu hinterfragen. Das Buch ist liebevoll gestaltet, und am Ende hat man das Gefühl, Juli als neue Freundin gewonnen zu haben, mit der man dann den Mitmachteil ausfüllt.
    Insgesamt eine wirklich tolle Idee!

    Raphaela Brosseron

  • Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talent

    Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talent

    Ali Standish

    übersetzt von Jessika Komina und Sandra Knuffike

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    „Baskerville Hall ist schon zu normalen Zeiten kein ungefährlicher Ort [...] Ein Ort mit vielen Geheimnissen. Und es wäre klüger, wenn Sie ein bisschen achtgäben, um nicht über allzu viele davon zu stolpern.”
    Der junge Arthur Doyle wächst im Edinburgh des 19. Jahrhunderts unter schwierigen Familienverhältnissen auf.
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    Sein Vater ist alkoholkrank, und er, seine Mutter und seine zwei Schwestern kämpfen oft darum, genug zu essen zu haben. Seine Mutter ist überzeugt: Arthur ist zu Größerem bestimmt. Tatsächlich besitzt er eine außergewöhnliche Auffassungsgabe und hat sogar zwei Menschenleben gerettet. Umso überraschender ist die mysteriöse Einladung, die ihn zu Beginn des neuen Schuljahres nach Baskerville Hall führt. Die Schule verspricht viel, und Arthur findet schnell neue Freunde. Doch schon bald begegnet er auch seltsamen Ereignissen: einem ungewöhnlichen Direktor, einem frei umherstreifenden Wolf und eigenartigen "Schulritualen".
    Ich könnte noch viele Details aufzählen, aber möchte nicht zu viel verraten. Für alle, die gerade wegen der Internats- und Schulatmosphäre die ersten beiden Harry Potter-Bände geliebt haben, ist diese Geschichte ein absolutes Highlight. Besonders faszinierend sind die spannenden Studienschwerpunkte, die hier als Zirkel bezeichnet werden. Ebenfalls grandios sind die zahlreichen intertextuellen Verweise, die wie ein kleiner Liebesbrief an die britische Kultur wirken – von den Artusromanen bis hin zu klassischen Detektivgeschichten. Am Ende wurde mir auch klar, warum mir der Name des Protagonisten so vertraut vorkam. Diese Geschichte ist eine wunderschöne, kindgerechte und fantasievolle Hommage an den Schöpfer von Sherlock Holmes.
    Wer sich auf zahlreiche kleine und große Abenteuer in der schaurigen Umgebung Englands einlassen möchte und im Lösen von Rätseln eine besondere Art von Magie erkennt, wird großen Spaß an diesem Roman haben. Und wie die Überschrift des letzten Kapitels andeutet, ist dies sogar „Erst der Anfang“.

    Raphaela Brosseron
  • Whistle Blower Rebels – 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen

    Whistle Blower Rebels – 20 Menschen, die für die Wahrheit kämpfen

    Benjamin Knödler

    Christina Knödler

    Felicitas Horstschäfer

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Eigentlich wollte ich nur mal kurz ins Buch schauen, weil die Rezension eigentlich jemand anderes schreibt. Aber dann bin ich einfach hängen geblieben bei den Whistleblowern. Christine und Benjamin Knödler haben hier 20 Menschen vorgestellt, 
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    die von den einen als Helden gefeiert und von den anderen als Verräter geächtet und verurteilt werden. Wie sie selbst im Vorwort sagen, sind die Geschichten und die Gründe ihres Handelns sehr unterschiedlich. 
    Der zeitlich erste hier vorgestellte Fall beginnt in den 1890er Jahren in Antwerpen, hier ist Edmund Dene Morel zuständig für die Waren, die aus „Kongo-Freistaat“ kommen, die Kolonie des belgischen Königs Leopold II. Entgegen den Informationen, die die Öffentlichkeit erfährt, erkennt Morel, wie die Menschen dort ausgenutzt und versklavt werden. Erst als er 1903 eine eigene Zeitung gründet, kann er die Zustände öffentlich machen und den Kolonialismus anprangern. Auch bei dem Isländer Jóhannes Stefánsson geht es um ein afrikanisches Land. In Namibia fließen Riesensummen an Schmiergeldern, damit seine Firma die Fischereirechte bekommt und das Meer und die Menschen ausbeuten kann. Bei vielen Whistleblower geht es um die Verhältnisse in den USA, beziehungsweise um das Verhalten der Regierung. Das beginnt mit Watergate, über die Veröffentlichung der Pentagonpapiere bis zu einer Studie, bei der schwarze Menschen bewusst an Syphilis für wissenschaftliche Studien sterben mussten. Natürlich beginnt das Buch mit dem Whistleblower, dessen Name uns sofort einfällt: Edward Snowden, der veröffentlichte, wen die NSA alles überwachen lies.
    Aber es gibt auch Fälle in Deutschland, wie den Apothekenskandal in Bottrop oder den BSE-Skandal der 1980er Jahre.
    Von vielen Whistleblower hatte ich noch nie gehört, kannte auch die Fälle nicht, anderes war in Vergessenheit geraten oder ich wusste nicht so ganz genau, wie es gewesen ist. Darum war es so toll, dass ich den gut verständlichen Text so problemlos lesen konnte und mir einiges im Nachhinein klarer wurde. Ein bewundernswertes Buch, das ich nur empfehlen kann.

    Dagmar Mägdefrau

  • Follow me, follow you

    Follow me, follow you

    Swantje Oppermann

    Hase und Igel

    Verlagsempfehlung Klasse 7, 8, 9 und 10

    #Magicgirlhatmichverzaubert

    Solche und weitere Hashtags kursieren über den TikTok-Account MagicGirl auf der besagten App, denn MagicGirl ist viral gegangen. Zu sehen ist in den kurzen Videos die 17-Jährige Lexi im engen schwarzen Outfit, die durch die Gegend “fliegt”. Eigentlich genau das, was das Cover schon zeigt.
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    Was das Cover außerdem zeigt, in den Videos aber nicht zu sehen ist: Lexis kleine Schwester Robin, die eigentlich die meiste Arbeit in den Account steckt, während Lexi davor performt. 
    Mit der Viralität kommt eine Menge Arbeit auf Robin zu: Marken wollen zusammenarbeiten, andere TikToker reagieren (nicht immer nett), die Fangemeinde wächst und auch die Hasskommentare. Mit denen kommt Lexi weniger gut klar als ihre kleine Schwester, denn den Hass spürt sie stärker als die Liebe. Würde ein tieferer Sinn in den Videos vielleicht helfen?
    Mit TikTok wird in der Geschichte ein Thema problematisiert und auch didaktisiert (es handelt sich immerhin auch um Schullektüre), das tatsächlich sehr aktuell für Jugendliche ist, TikTok und seine interessanten, aber auch gefährlichen Dynamiken. Ich bin mir nicht ganz sicher, wie glücklich das ist, dann tatsächlich von TikTok zu sprechen, statt einfach eine fiktive App zu nennen, da das sehr moralisierend wirken kann und (nicht nur) Jugendliche dann eher eine ablehnende Haltung einnehmen.
    Im Roman wird das durch die Figurenkonstellation der beiden Schwestern ganz gut gelöst, beide finden individuelle Zugänge zur Plattform.
    Zwischendurch wird es auch wirklich spannend auf der Handlungsebene.
    Eine von mehreren Botschaften bringt York rüber, Lexis bester Freund: “Beleidigungen sagen mehr über den Absender aus als über den Empfänger.”
    Eine wirklich interessante und unterhaltende Geschichte, die TikTok als App nicht dämonisiert, aber durchaus zur Vorsicht mahnt.

    Raphaela Brosseron

  • Hannas Regen

    Hannas Regen

    Susan Kreller

    Carlsen

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Jugendbuch des Monats 1/2023

    Das Cover zeigt ein rotes Buch, dass wie ein Haus aufgestellt ist und auf das es regnet. Hanna, das Mädchen, das in Josefins Klasse kommt, hat immer ein Buch dabei - „Gotische Kirchen bei Licht besehen“ - in der Schulstunde legt sie ihren Kopf darauf ab. Josefin, die Verlässliche, die, die nicht gesehen wird und die zu Haues noch einen Festnetzanschluss hat, hofft, dass Hanna vielleicht eine Freundin für sie werden könnte.
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    Doch Hanna spricht nicht mit ihr und scheint Josefin auch meist nicht zu sehen. Trotzdem gehen die beiden jeden Tag zusammen zur Schule und auch gemeinsam wieder zurück bis an die Ecke, an der Hanna abbiegen muss. Aufgrund ihres eigenartigen Verhaltens findet Josefin, die uns die Geschichte in der Ich-Form erzählt, dass etwas mit Hanna nicht stimmt. Als ihre Mutter dann noch ihre detektivischen Fähigkeiten nutzt und eine Theorie zur Hannas Familie aufstellt, beobachtet Josefin Hanna und erwägt, dass ihre Mutter recht haben könnte.
    Josefins Familie ist eigentlich ganz normal, aber der Vater liebt das Festnetz und wenn er sich dort meldet, gibt es oft viel Verwirrung, ihre Mutter ist berufstätig und kocht „international“, die Wochen in denen es entsprechende Gerichte eines Landes zu essen gibt, sind nicht immer ganz einfach für die Familie und deshalb hat Carlo, der jüngere Bruder, immer den Flyer der Pizzeria zur Hand.
    „Ich glaube, Geschichten verändern sich, sobald sie ein schlagendes Herz bekommen.“ Ein beeindruckender Satz, an dem ich hängen geblieben bin, wie bei vielen anderen Sätzen. Denn diese Buch kann man nicht einfach schnell herunterlesen, bei diesem Buch muss man genüsslich von Seite zu Seite blättern und sich der schön gestalteten Sätze erfreuen. „Ich bin höchstens eine Mitahnerin. Ich ahne mit meiner Mutter mit.“
    Hannas ungewöhnliches Verhalten hat durchaus einen Sinn und ihr Schicksal ist auf ungewöhnliche Art tragisch. Ein leises Buch, das trotzdem einschlägt.

    Dagmar Mägdefrau
  • Die Augen und das Unmögliche

    Die Augen und das Unmögliche

    Dave Eggers

    atlantis

    Leseempfehlung ab 12 Jahre

    Johannes ist ein Hund, der die Freiheit liebt, in einem Baumstamm mitten im Naturpark zu wohnen, wo alles seine eigene Infrastruktur hat. Die Enten sind eher unbeliebt, die Waschbären werden wegen ihren flinken FIngern gerne um Hilfe gebeten, sogar die Möwen spielen eine eigene Rolle. Das Sagen haben irgendwie die Bisons, obwohl sie in ihrer Bewegung eigentlich limitiert sind, sie sind trotz des vielen Platzes immer noch von Zäunen umgeben.
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    Anders als Johannes, der ist zusätzlich auch noch sehr schnell, was ihn als Ich-Erzähler zu gar nicht wenigen leicht überheblichen Kommentaren zu seiner Geschwindigkeit verleitet. 
    Auch die Bisons sehen sein Potenzial und wollen ihn als ihr “Auge”. So berichtet er über alles, was er sieht, und das ist einiges. Vor allem die Rechtecke der Menschen faszinieren ihn. Allgemein sind die Menschen im Park die größte Gefahr: Einige sind in Ordnung, andere bringen eine immense Unruhe rein, wovon sich der Park lange Zeit erholen muss. Doch was Johannes alles erlebt und erfährt, hätte niemand der tierischen Bewohner geahnt.
    Das Vorwort betont, dass es sich zwar um eine Parabel handelt, wir aber als Leser*innen nicht anfangen sollten, die Tiere als Platzhalter für Menschen zu sehen, viel zu oft denkt der Mensch, es ginge um ihn.
    Die Tiere stehen trotzdem eindeutig für einiges: Gemeinschaft, Sorgen, Freundschaft …. Eigentlich ist es egal, ob Mensch oder Tier - wir funktionieren nicht losgelöst voneinander, das wurde mir persönlich im Setting des Naturparks deutlich.
    Die Ich-Perspektive von Johannes war ungewohnt, aber wertvoll für die Geschichte. Ich weiß nicht, ob er in einer anderen Form von Hundejahre denkt, wenn er sagt, dass manche Sachen schon 300 Jahre her sind, an die er sich erinnert, oder ob es in dieser Welt tatsächlich so ist, aber ich fand das ganz niedlich.
    Wenn in jüngeren Klassen im Philosophieunterricht über Tiere gesprochen wird, würde ich glatt Teile des Textes lesen lassen.

    Raphaela Brosseron
  • Retro – Geh nicht online

    Retro – Geh nicht online

    Jarrod Shustermann

    Sofia Lapuente

    Sauerländer

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Luna lebt ein klassisches modernes High School Leben, in dem sich Hierarchie und Ordnung durch einen einzigen Post auf Limbo, DEM sozialen Netzwerk, verändern kann. Als ihre beliebte Freundin Samantha ihr Unrecht tut, greift sie für ihre Rache als erstes nach ihrem Handy und postet ein schlimmes Video von Samantha, das alles auf den Kopf stellt. 
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    Luna selbst ist es, die den Netzwerk-Riesen kontaktiert, damit er sich um das kümmert, was die vielen Profile auf der Plattform anstellen: Extremes Mobbing und Rufschädigung.
    Tatsächlich kommt Limbo dem Ruf nach Hilfe nach und veranstaltet an der High School eine Retro Challenge: 1 Jahr ohne moderne Geräte (alles nach 2000) leben. Im wahren Leben sein, echte Kontakte pflegen, nicht mehr hinter Bildschirmen verstecken… Denjenigen, die durchhalten, winkt ein Stipendium. Tatsächlich finden sich bereitwillige Teilnehmer, so auch Axel, der eigentlich zur Influencer-Gang “Golden” gehört und der nun eine andere Seite zeigt. Ganz ohne technische Hilfe ist es gar nicht mal so leicht, sich gegen die Gefahren zu wehren, die irgendwann auftreten …

    Der Thriller entwickelt sich langsam und lässt Raum für den Aufbau einer neuen Freundesgruppe um Luna, Axel, Darrel, Mimi und Kilo. Subtil schleichen sich unheimliche Elemente in die Geschichte ein, die ein stetes Misstrauen schüren, doch die eigentliche Spannung entfaltet sich erst später. Das Thema Freundschaft ist generell eng mit sozialen Netzwerken verknüpft und man sieht hier wunderbar, wie viel sich ändert, wenn man sich Freunde unabhängig ihrer Follower*innen-Zahl sucht. 

    Das Buch lässt sich superschnell lesen, da man motiviert wird, selbst das Handy wegzulegen und natürlich auch, weil es wirklich spannend ist und gleichzeitig ein wichtiges Thema behandelt. Da es nicht allzu brutal ist und in einer High School spielt, ist für Jugendliche mehr als geeignet.

    Raphaela Brosseron

  • Und die Welt sie fliegt hoch

    Und die Welt sie fliegt hoch

    Sarah Jäger

    Sarah Maus

    Rotfuchs

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Jugendliteraturpreis 2025

    Das ist einfach ein sehr ungewöhnliches Buch, zunächst zum Äußeren, die festen Pappseiten, in die das Buch gebunden ist, sind einfach glatt abgeteilt worden, dadurch wirkt es eckig. Auf dem Cover eine Milchstraße mit zart eingeritzten Motiven. Die Kapitel zählen von 10 herunter und sie tragen Namen wie Geburt, Freund, Endgegner, Liebe und Tod. Eine Seitenzahl gibt es nicht. 
    Eine uns noch unbekannt Person schreibt eine andere per Sprachnachricht an. Die zweite Person ist verwundert und fragt mehrfach „Woher hast du meine Handynummer?“ Die Antworten sind kurz, während die Sprachnachrichten mehr plaudern. Die Seiten sind mit Zeichnungen unterlegt. Nach der Bemerkung „Komischer Vogel“ wird Person 1 als Vogel dargestellt, während der Antwortende zum Astronauten wird. 
    
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    Es dauert eine ganze Zeit bis der immer wieder Angesprochene sich auch am Gespräch beteiligt. Person 1 hat Hausarrest und alle Freund hängen die letzten beiden Wochen im Freibad ab. Vor Langeweile wird das Zimmer aufgeräumt und dabei der Zettel mit der Handynummer aus der Grundschule gefunden. Da findet unsere mitteilsame Person ein Opfer, um die öde Zeit zu überbrücken.
    Am Anfang stellte sich mir manchmal die Frage, wohin soll dieses erzwungene Gespräch führen, aber im Laufe der Geschichte wurde es immer spannender und meine Neugier wuchs immer mehr. Ein ungewöhnliches, ein besonderes Buch, das nur über das Medium WhatsApp läuft und das mit den fantasievollen Illustrationen noch mehr meine Fantasie anregte. 
    
    Dagmar Mägdefrau
    
    
  • Heartstopper

    Heartstopper

    Alice Oseman

    Graphix Loewe

    Heartstopper

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Im bereits 5. Teil von Heartstopper ist es bereits ein Jahr her, dass mit Nick und Charlie alles angefangen hat. Die beiden sind immer noch sehr verliebt und wollen miteinander schlafen, nur sind sie da noch sehr unsicher im Umgang miteinander. Für Charlie ist das alles auch wegen seiner mentalen Vergangenheit gar nicht so einfach. 
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    Aber auch Nick hat Sorgen, denn bei ihm steht die Zukunftsplanung an, immerhin ist er ein Schuljahr weiter als Charlie und kurz vor dem Abschluss. 
    Nach dem Lesen überrascht es mich nicht mehr, dass die Geschichte von Charlie und Nick ihren Weg zu Netflix gefunden hat.  Die beiden sind trotz ihrer Unterschiede sehr sympathisch und die Verliebtheit ist mit wenigen Bildern spürbar, außerdem sind die kleinen Bilder schon so szenenartig und perspektivisch dargestellt, dass man als Serienmacher*in eigentlich gar nicht mehr so viel zu tun hätte. Die Illustrationen haben mir sehr gut gefallen, die Größe und Anordnung führen die Augen mühelos durch die Geschichte und ermöglichen ein entspanntes Lesen.
    Es ist schön zu sehen, wie trotz des Fokus auf die Liebesgeschichte, die Freundesgruppe eine wichtige Rolle spielt, und wie Charlie sich nach und nach bei seinen neuen Freunden öffnen kann. Sensible Themen wie Nicks Essstörung und seine Narben werden angesprochen, und vorne im Buch findet sich eine Triggerwarnung. 
    Auch ohne die vorherigen Teile gelesen zu haben, fühlt man sich gut von der Handlung abgeholt. Am Ende gibt es eine Übersicht des "Osemanversums", die eine Zeiteinordnung der Geschichte bietet. Alice Oseman hat mit der fortlaufenden LGBTQ+-Graphic-Novel "Heartstopper" wirklich eine fesselnde Welt geschaffen, die glücklicherweise viele Leser*innen erreicht und berührt.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse

    Edvard – Mein Leben, meine Geheimnisse

    Zoë Beck

    Insel

    Verlagsempfehlung ab 12 Jahre

    Es ist sicher nicht einfach, wenn man nach Grieg und Munch benannt wurde. Aber Edvard Vater ist Musikdirektor und die Mutter leitet eine Galerie. 
    Edvard liebt seine Klassenkameradin Constanze, die ihn aber in den sozialen Medien gesperrt hat, ob der Grund die fehlende Brustbehaarung Edvards ist, stelle ich in Frage. Edvard kommt auf die Idee, einen amerikanischen Austauschschüler namens Jason zu erfinden. Dieses Faceprofil baut er mit Familie und Freuden aus und Constanze ist begeistert von Jason und liked alle seine Posts. 
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    Das Verhältnis zum realen Nachbarn ist nicht besonders gut, da Edvard mehrfach in die Hinterlassenschaften des Pudels getreten ist. Um so mehr ist er erstaunt, als der Nachbar ihm ein paar neue Sneakers bringt. Die Edvard sofort anzieht und die er am liebsten anlassen möchte. Doch der Nachbar bietet noch eine andere Überraschung. Doch da will ich nicht zu viel verraten. 
    Ein sehr turbulentes Buch mit erstaunlichen Wendungen, das einfach Spaß macht zu lesen. Die Kapitel sind immer mit Datum und Uhrzeit überschrieben und teilweise sehr kurz. Deshalb ist das Buch mit seinen fast 200 Seiten schnell gelesen. Die Charaktere der einzelne Figuren sind sehr vielschichtig und sie werden nicht bewertet, was mir sehr gut gefällt.
    
    Dagmar Mägdefrau
    
    Edvard hat verschiedenste Gründe, nicht mehr in die Schule zu gehen. Die Sommerferien neigen sich dem Ende zu, doch seine Stimme ist immer noch zu hoch, die Brust haarlos, und die Aussicht auf Ferien auf einem Bauernhof mit seinen engagierten, vegetarisch essenden Eltern bereitet ihm wenig Freude. In der virtuellen Welt hat er sich als Jason ein alternatives Leben geschaffen, mit einem durchdachten Fake-Profil, das ihn mit Constanze verbindet. Doch sein Nachbar Herr Tannenbaum könnte ihm eine Chance bieten, sich im echten Leben zu beweisen.
    Edvard teilt seine Ängste und Sorgen in Blogposts, verbringt viel Zeit online und hat sogar künstliche Intelligenz genutzt, um seinen Fake-Account zu perfektionieren - unteranderem mit künstlicher Intelligenz. Dadurch bekommt die Geschichte natürlich einiges an Aktualität, denn er fälscht mal eben sogar ganze Videos. Dieses Lügennetz, was er da aufbaut, ist aber insgesamt ziemlich lustig und hat selbst ständig Sorge, wie sich das entwickeln soll.  Seine Pubertätsprobleme sind nicht geringer und natürlich ist er ausgerechnet in das beliebteste Mädchen der Klasse verliebt. Da ist uns als Leser*innen die neue Mitschülerin Karli lieber, aber ich finde es ziemlich authentisch, dass Edvard da nicht genauso vernünftig denkt wie wir. Neben Humor und ziemlich vielen Problemen der Pubertät, ist das Thema Engagement gefragt und Edvard kann für die Rettung von Herrn Tannenbaums Haus endlich seine Energie mal richtig einsetzen. 
    Auf jeden Fall sehr unterhaltsam und nachvollziehbar, wie Edvard uns seine kleinen und großen Sorgen ganz modern mitteilt. Gäbe es den Blog wirklich, würde ich ihm bestimmt folgen.
    
    Raphaela Brosseron
    
  • Lucky Loser extra light  

    Lucky Loser extra light  

    Heidemarie Brosche

    Hase und Igel light

    Verlagsempfehlung Klasse 6-8

    Es ist sicher nicht einfach, wenn der Nachname Loser lautet, aber Lukas, der Lucky genannt wird, muss damit zurechtkommen. Leider ist er einige Male beim Schwarzfahren erwischt worden und muss nun Sozialstunden in einem Altersheim ableisten. Als er sein Handy dem Heimleiter abgeben muss, sieht er, dass Kim, seine Freundin, den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Schwester Mariana, die auf Station 5 für Lucky zuständig ist, stellt ihm Willy Winning vor. Der alte Mann verweigert das Essen und liegt wie tot in seinem Bett. Allerdings bekommt er doch mehr mit, als Lukas denkt und am nächsten Tag spricht er den Jungen sogar an. So entsteht eine Freundschaft zwischen Lukas und dem alten Mann, der einige Jahre im Gefängnis gesessen hat und Lucky gute Tipps geben kann.
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    44 Kapitel auf 144 Seite berichten in großer Schrift von Lucky Loser. Die Geschichte bietet Spannung und viel Gefühl, dabei ist sie einfach zu lesen. Dazu tragen auch die Emojis über jedem Kapitel und die Illustrationen, die die Gefühle sehr gut abbilden, bei. Schon das Cover zeigt das Entsetzen des Jungen, als er „Kontaktsperre“ liest. 
    Dieses Buch entspricht dem Buch gleichen Titels ist allerdings verkürzt gedruckt worden. So wurde aus dem Text „So schnell ich kann, biege ich in die Martinstraße und fingere ich den zerknitterten Brief aus meiner Hosentasche“ der kurze Text „Schnell biege ich in der Martinstraße und fingere den Brief …“ 
    Ich denke durch diese zusätzliche Kürzung wird das Buch auch für Jugendliche, die nicht gerne lesen, lesbar und interessant.
    
    Dagmar Mägdefrau
  • Lucky Loser

    Lucky Loser

    Heidemarie Brosche

    Hase und Igel light

    Verlagsempfehlung Klasse 6-8

    Es ist sicher nicht einfach, wenn der Nachname Loser lautet, aber Lukas, der Lucky genannt wird muss damit zurechtkommen. Leider ist er einige Male beim Schwarzfahren erwischt worden und muss nun Sozialstunden in einem Altersheim ableisten. Als er sein Handy dem Heimleiter abgeben muss, sieht er, dass Kim, seine Freundin, den Kontakt zu ihm abgebrochen hat. Schwester Mariana, die auf Station 5 für Lucky zuständig ist, stellt ihm Willy Winning vor. Der alte Mann verweigert das Essen und liegt wie tot in seinem Bett. Allerdings bekommt er doch mehr mit, als Lukas denkt und am nächsten Tag spricht er den Jungen sogar an. So entsteht eine Freundschaft zwischen Lukas und dem alten Mann, der einige Jahre im Gefängnis gesessen hat und Lucky gute Tipps geben kann.
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    44 Kapitel auf 144 Seite berichten in großer Schrift von Lucky Loser. Die Geschichte bietet Spannung und viel Gefühl, dabei ist sie einfach zu lesen. Dazu tragen auch die Emojis über jedem Kapitel und die Illustrationen, die die Gefühle sehr gut abbilden, bei. Schon das Cover zeigt das Entsetzen des Jungen als er „Kontaktsperre“ liest. 
    Ein Buch gleichen Titels wird als „Extra-Light-Version“ angeboten und ist um einige Worte verkürzt gedruckt. 
    
    Dagmar Mägdefrau
    
    Lukas, den alle nur "Lucky" nennen, findet sich im Altersheim wieder, wo er Sozialstunden ableisten muss, nachdem er mehrmals beim Schwarzfahren erwischt wurde. Der ironische Name "Lucky" im Sinne von Glück passt so gar nicht zu seinem derzeitigen Lebensgefühl. Vielmehr spiegelt sein Nachname "Loser" besser wider, was er gerade durchmacht. Besonders belastend ist die plötzliche Nachricht seiner Freundin, die ihm während seiner nur “Kontaktabbruch” schreibt. Nicht nur das – er betrachtet auch seinen eigenen Vater als einen Verlierer, und auch sein bester Freund verhält sich merkwürdig. In dieser schwierigen Phase seines Lebens ist es jedoch überraschenderweise ein alter Mann namens Willy Winning aus dem Altersheim, der ihm hilft, sich zurechtzufinden.
    
    Die Geschichte ist authentisch und modern gehalten, insbesondere in Bezug auf den Umgang mit Social Media und dessen Einfluss auf das Leben heutiger Jugendlicher. Eine bemerkenswerte Stärke ist die Verfügbarkeit von zwei Versionen des Romans: Die "Light Version" bietet eine etwas einfachere Sprache mit weniger verschachtelten Sätzen und reduzierten Adjektiven, ohne dabei den Erzählstil zu beeinträchtigen. Diese Flexibilität macht das Buch nicht nur für den schulischen Einsatz im Rahmen der Binnendifferenzierung interessant, sondern ermöglicht auch eine individuelle Anpassung des Leseerlebnisses.
    Die Bilder waren auch eine schöne Begleitung beim Lesen, nicht zu kindlich gehalten und immer passend zum Text, als visuelle Unterstützung. Diese Geschichte dürfte vielen gefallen, egal welche Variante!
    
    Raphaela Brosseron