• Schreib, schreib, schreib – Die kreative Textwerkstatt

    Schreib, schreib, schreib – Die kreative Textwerkstatt

    Katarina Kuik

    Ylva Karlson

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Deutscher Jugendliteraturpreis 2018 "neue Talente"

    Ich hatte bislang nie das Bedürfnis ein Buch oder ein Gedicht zu schreiben. Natürlich reimt man schon mal was für einen Anlass oder schreibt eine kleine Geschichte auf. Aber nachdem ich in dieses Buch geschaut habe und die vielen Aufforderungen „Schreib ein Gedicht, in dem die Wörter sanft in den Ohren klingen“ oder „Löse ein Kreuzworträtsel. Schreibe eine Erzählung in dem alle eingetragenen Wörter vorkommen.“ gelesen habe juckt es doch ein wenig in den Fingern.

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    Am Anfang des Buches wird ein Würfel empfohlen und die Punkte bekommen Zuordnungen wie 1. unter einem Baum oder 6. unter dem Schreibtisch. So startet man erst mal.
    In diesem Buch wimmelt es vor Ideen und Vorschlägen. Junge Autoren berichten von sich und schreiben eine kurze Geschichte, erfahrene Autoren geben Ratschläge. Es werden Bücher zu bestimmten Stilen empfohlen. 

    Ich bin begeistert von diesen vielen Ideen und kann das Buch Jugendlichen, die gerne schreiben möchten nur empfehlen. Aber auch Lehrer können an Hand dieser besonderen Anregungen mal eine Arbeit anders aufbauen und damit vielleicht auch Schüler erreichen, die den Unterricht langweilig finden.

    Dagmar Mägdefrau 

  • Dieser Wilde Ozean den wir Leben nennen

    Dieser Wilde Ozean den wir Leben nennen

    Elisabeth Steinkellner

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    LUCHS des Monats September 2018 (ZEIT/ Radio Bremen)

    Die besten 7 Bücher für junge Leser (Deutschlandfunk), Oktober 2018

    Wir erleben 6 Tage im Leben von Simon und Antonia. So ist das Buch auch unterteilt. Diese Kapitel bestehen aus vielen kurzen Kapiteln, die meist mit einem Wort überschrieben sind. 

    Simon hat vor einiger Zeit einen Studenten im Zug getroffen und sich in ihn verliebt. Er weiß nur seinen Vornamen „Paulus“ und dass er in dieser Stadt wohnt. Simon zieht in ein einfaches Hotelzimmer und lernt die Studentin Vero, die an der Rezeption arbeitet kennen und auf einer Parkbank Antonia. 

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    Sie sucht nach ihrem verschwunden Bruder Joel, dessen Schicksal sich erst am Ende aufklärt. Ihr Freund Enno hat sehr viel Geduld mit ihr, trotzdem kann auch er irgendwann nicht mehr weiter und ist für Antonia nicht mehr zu erreichen.
    Antonia hilft Simon bei seiner Suche, die beiden Fremden können sich vieles erzählen und haben Verständnis für die Situation des anderen.

    Mir hat die Sprache dieses Buches sehr gut gefallen. Auch das große Vertrauen, dass die Eltern von Simon in ihren sechszehnjährigen Sohn haben, finde ich bemerkenswert. Überhaupt kommt Simon aus „normalen“ Verhältnissen. Er hat eine Schwester, die er sehr liebt, eine Oma, die sich kümmert und Eltern, die ihn unterstützen. Er hat auch Freunde, an die er oft denkt und mit denen er Kontakt hält.

    Auch Antonia hat eine gute Freundin und Enno, der sie sehr lieb hat. Nur ihr verlorener Bruder, der zwar sehr intelligent ist, aber sein Leben nicht meistern konnte, macht sie traurig. Er ist psychisch krank  und verschwindet einfach. Dadurch ist auch Antonias Verhältnis zu den Eltern geprägt.
    Am Ende gibt es nicht direkt ein Happy End, aber doch viel Hoffnung für die Zukunft.

    Ein Buch, das ich sehr empfehlen kann, weil hier die Gefühle und auch der Sex durch eine schöne Sprache beschrieben werden.

    Dagmar Mägdefrau

  • Einer da oben hasst mich

    Einer da oben hasst mich

    Hollis Seamon

    Übersetzung Edith Beleites

    cbt Jugendbuchverlag

    Leseempfehlung ab 15 Jahre

    „Sterben ist total langweilig“, findet der 17-jährige Richie, der die letzten Tage seines Lebens in einem Hospiz verbringt.
    Doch dass diese befristete Zeit eines kranken Jugendlichen noch so spannend sein kann, beweist dieses Buch! Es ist prall gefüllt mit Gefühlen und Erlebnissen gemeinsam mit den unterschiedlichsten Menschen in seiner nahen Umgebung: z.B. “ seine Lieblingskrankenschwester Jeannette“, sein ausgeflippter Onkel Phil, mit dem Richie eine Beziehung der besonderen Art pflegt.

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    Er beschreibt ihn auf Seite 64: „ der Rest von ihm ist … sagen wir mal: gut gepolstert. Über der kunstvollen Silberschnalle seines Cowboygürtels ragt ein strammer Kugelbauch in die Landschaft. Aber davon darf man sich nicht täuschen lassen, denn der Mann besitzt ein unglaubliches Temperament. Auch jetzt überwindet er diesen Anfall von Wehleidigkeit schnell, und als er zu mir aufschaut, ist sein Grinsen noch breiter als meins.“  – weitere Bewohner/innen des Hauses unterschiedlichen Alters mit ihren Eigenarten, die trotz des absolut traurigen Hintergrundes immer wieder zum Schmunzeln und Lachen anregen. Hier nicht zu vergessen Sylvia: ein zartes Mädchen gleichen Alters in ähnlicher Lage, mit ungeheuer viel Power „mit dem schmalsten, zerbrechlichsten Gesicht“, Zitat Richie, bei welcher er sofort daran denkt, dass die Krankheit stärker ist als sie. Aber sie hat absolut keine Angst vor dem Ende!

    Die Leser/innen erleben somit zwei sterbenskranke Jugendliche mitten in einem facettenreichen Mosaik von Erlebnissen, Stimmungen und Gefühlen für alle Menschen in ihrem Umkreis und nicht zuletzt sich selbst.

    Ein mutiges, tiefgreifendes und zum Teil schonungsloses Buch mit nachhaltiger Wirkung! 

    Annette Heine

  • 17 Erkenntnisse über Leander Blum

    17 Erkenntnisse über Leander Blum

    Irmgard Kramer

    Loewe

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Leander erzählt uns von seiner Freundschaft mit Jonas, die schon sein fast 18jähriges Leben währt. Die beiden haben als Kinder schon zusammen gemalt und jetzt sind sie nachts als Sprayer unterwegs. Sein Vater ist Polizist und aufgrund seiner Lebensgeschichte und seiner unerfüllten Wünsche jagd er Sprayer.

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    Leanders Mutter ist aus Indien und Leander hat von ihr seine dunklere Hautfarbe und vom Vater die blauen Augen geerbt. Jonas und er sind sich sehr nahe und machen alles zusammen. Als Leander sich in eine Mädchen mit langen blonden Haaren verliebt, gibt es erstmals Probleme zwischen den beiden.

    Die andere Person, die uns in der Ichform erzählt ist Lila, sie backt leckere Kuchen und lebt mit ihrem Bruder Onno, ihren Eltern und deren wechselnden Partnern zusammen. Nach einer Krankheit sitzt sie neben dem Neuen in der Klasse, neben Leander. ihr Verhältnis ist zunächst etwas kühl, Leander geht ihr aus dem Weg. Erst durch einen Klassenausflug kommen die beiden ins Gespräch.

    Ich muss zugeben, dass ich mir heute die Nacht um die Ohren gehauen habe, um zu erfahren, wie diese beiden Erzählstränge zusammen finden. Welches Geheimnis sich hinter dem eigenartigen Benehmen von Leander verbirgt? Ich fand es sehr schön, wie sich Zusammenhänge, die ich vorher unsinnig fand, erklärten. Der Stil der beiden Erzähler hätte sich vielleicht etwas mehr unterscheiden im Stil können.

    Ein spannendes Buch mit sehr viel Gefühl. Viele Schattierungen der Verzweiflung, der Liebe und der Freundschaft erlebt man auf den 346 Seiten. Es wird auch viel über die Spayerszene berichtet und da geht es nicht um Schmierereien, sondern um ausgetüftelte Kunst. Die beiden Freunde Jonas und Leander planen und arbeiten seit Monaten an einem Projekt und suchen lange nach einer Wand, an der sie es verwirklichen können. Vielleicht sollte man den jungen Menschen Flächen zur Verfügung stellen um sie aus der Kriminalität zu holen und damit  wir uns an den fertigen Werken erfreuen können.

    Ich muss sagen, dass mich das Cover gar nicht anspricht. Farbloses beige soll zwar die Rentnerfarbe sein, aber trotz meines Alters finde ich es öde und farblos. Im Geschäft hätte ich nie danach gegriffen und schließlich wird Jugendliteratur häufig von Müttern, Großmüttern und Tanten gekauft.

    Dagmar Mägdefrau

  • Schlaft gut ihr fiesen Gedanken

    Schlaft gut ihr fiesen Gedanken

    John Green

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    In „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“ aus dem Hanser Verlag geht es um das 16-jährige Mädchen Aza, das neben den normalen Schwierigkeiten der Pubertät mit seinen Zwangsgedanken zu kämpfen hat und in einer Art Parallelwelt lebt.

    John Green beschäftigt sich immer mit Themen, die anderen unangenehm sind. „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ rund um die beiden krebskranken Jugendlichen Hazel und Gus hat mir beispielsweise mehr als einen Kloß im Hals verpasst.

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    Und auch Azas Zwangsgedanken und Zwangshandlungen sind authentisch und einfühlsam in die Geschichte eingewoben, in der es auch um Freundschaft, zaghafte Liebe und einen verschwundenen Millionär geht. Beklemmend und so nachvollziehbar beschreibt Green die Gedankenwelt und die Ängste des Mädchens vor Bakterien und tödlichen Krankheiten, dass man als Leser plötzlich selbst meint, einen bepflasterten Mittelfinger mit pochender Wunde darunter zu spüren.

    Trotzdem war ich nicht sofort gefesselt. Ich hatte bestimmt schon hundert der zweihundert Seiten gelesen, bis es mich so richtig packte. Im zweiten Teil steht Azas Mädchenfreundschaft zur Fan-Fiction-Autorin Daisy mit dem Star-Wars-Fimmel und die zarte Beziehung zu Davis im Fokus. Aza reflektiert ihr Verhalten, erkennt langsam ihr Problem und weiß immer mehr, dass sie etwas ändern muss.

    Ich habe den Roman gern gelesen und finde auch hier Greens Fähigkeit, das „Innenleben“ eines Mädchens so behutsam und echt in Worte zu fassen unglaublich. Das Buch ist gut komponiert, die Sprache wie immer besonders und wunderbar. Trotzdem hat das Buch mich leider nicht vom Hocker gehauen.

    Katia Simon

  • Was wir dachten, was wir taten

    Was wir dachten, was wir taten

    Lea-Lina Opperman

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Das Buch wird aus der Sicht der Schüler Fiona Nikolaus, Mark Winter und des Mathelehrers Herrn Filler geschildert. In kurzen Abschnitten wird die spannende Geschichte so fortlaufen erzählt.
    Und es ist eine Geschichte, die einem den Atem nimmt. Aufgrund einer Durchsage wird zunächst die Klassentüre geschlossen. Sollte es sich wirklich um einen Amoklauf handeln?

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    Mark ist der typische Hinterbänkler, der von den Lehrern schikaniert und von den Schülern nicht anerkannt wird. Er hat ein schwieriges Elternhaus mit einem gewalttätigen Vater. Eine Narbe in seinem Gesicht zeugt davon. Fiona, überdurchschnittlich begabt und ein Kopfmensch aus gutem Hause, schwärmt für Sylvester, den hübschen Mitschüler.
    Herr Filler trägt zur Jeans ein Sakko mit gepolsterten Schultern. Er ist Vertrauenslehrer und versucht dieser Wahl gerecht zu werden. Aber in dieser Situation ist er völlig hilflos. Es gibt keine konkrete Anweisung für eine solchen Amoklauf an die er sich halten kann.

    Wie er im Text selber feststellt, kann er nie mehr vor diese Klasse treten, er denkt oft an die Moralvorstellungen seiner Freundin und wie sehr er sie mit seinem Verhalten enttäuscht.
    Durch einen Trick kommt der Attentäter in die Klasse und man merkt, dass er die Strukturen der Gemeinschaft und die Geheimnisse der Einzelnen kennt. Und warum erschießt er nicht einfach alle? Warum muss der Klasse Aufgaben erfüllen, die alle Beteiligen nackt und bloß dastehen lässt?

    Die junge Autorin schafft auf 177 Seiten so viel Spannung aufzubauen, dass man das Buch nicht gerne aus der Hand legt. Vor allem die Frage, „wie kann sich das alles noch logisch auflösen?“ hält einen im Bann. Aber am Ende hat alles seinen Grund und wir merken, wie heuchlerisch wir doch alle in unserem Miteinander sind.

    Dagmar Mägdefrau

  • Die Legende von Shikanoko – Herrscher der acht Inseln

    Die Legende von Shikanoko – Herrscher der acht Inseln

    Lian Hearn

    Sauerländer

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Als großer Fan der „Clan der Otori“-Reihe hatte ich mich sehr auf die neue Romanreihe von Lian Hearn gefreut und so viel vorweg: Ich werde die anderen Bücher auf jeden Fall auch lesen. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten (dazu später mehr) hat mich das Buch schnell gefesselt.

    Die Handlung spielt in einem fiktiven mittelalterlichen Japan und enthält alles, was man von einem solchen Buch erwartet: Krieg, politische Intrigen, Machtkämpfe sowie Einblicke in die japanische Kultur und die Gesellschaftsstrukturen.

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    Das alles wird kombiniert mit einer großen Portion Magie und Mythologie in Form von Geistern, magischen Ritualen, Hexern und Dämonen. Alles in allem eine gute Mischung, die eine spannende Geschichte ergibt.

    Der große Schwachpunkt des Buches sind allerdings in meinen Augen die Charaktere: Man merkt, dass das Buch der Auftakt einer Reihe werden soll, da es versucht so viele Charaktere, Orte und Zusammenhänge wie möglich unterzubringen, was in Kombination mit der Tatsache, dass japanische Namen für westliche Leser nicht wirklich einfach und eingängig sind und oft dazu führt, dass man sich fragt „Wer war das nochmal?“ bzw. „Ist diese Person jetzt wichtig oder nicht?“, was dann auch zu besagter Anfangsschwierigkeit beim Lesen geführt hat. Dass viele dieser Charaktere nur ein- bis zweimal erwähnt werden, nur um unmittelbar danach zu sterben oder einfach aus der Geschichte zu verschwinden und (vielleicht) in einer der Fortsetzungen wieder eine Rolle zu spielen, hilft da auch nicht unbedingt. Leider führt diese Vielzahl an Charakteren auch dazu, dass die Geschichte stellenweise sehr „gehetzt“ wirkt um alle Teilstränge der Geschichte unterzubringen. Persönlich hätte ich nichts dagegen gehabt, wenn das Buch 200 Seiten mehr gehabt hätte, dafür aber die Entwicklung der Charaktere und einige der Ereignisse ausführlicher beschrieben worden wären.

    Fazit: Das Buch ist für mich nicht auf dem Niveau der „Clan der Otori“-Reihe, aber es ist dennoch eine sehr interessante Geschichte und ich freue mich auf den zweiten Teil.

    Der Altersempfehlung kann ich mich nur bedingt anschließen: Die Handlungen sind teilweise sehr brutal beschrieben und auf Grund der Komplexität ist es meines Erachtens eher etwas für ein etwas älteres Zielpublikum (16-18+).

    C. Kopke

  • Im Jahr des Affen

    Im Jahr des Affen

    Que Du Luu

    Königskinder-Verlag

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Die besten 7 Bücher für junge Leser (Juni 2016) – White Ravens 2016, Nachwuchspreis 2016 der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur

    Nominiert für den Jugendliteraturpreis 2017

    Zu Anfang kam ich etwas schlecht rein. Irgendwie war das nicht so richtig rund für mich. Eine junge Asiatin ging in Herford mit ihren Freundinnen in die Disco, ärgerte sich über ihren Pickel, trank zu viel Bier und machte sich an den Schwarm der Freundin ran.
    Aber dann bekam der Vater einen Herzinfarkt und nur mit Hilfe des aus Australien angereisten Onkels Wu war Mini in der Lage das Restaurant des Vaters weiterzuführen.

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    Dann erfährt der Lesende, dass die, als Dreijährige aus Vietnam als Bootpeople geflüchtete Chinesin, eine Banane ist: Außen gelb und innen weiß.
    Und so erleben wir sie auch. Sie hat nie wirklich mit dem Vater gesprochen, kann sich an die Flucht oder das Leben davor nicht erinnern. Sie kennt weder chinesische Bräuche noch die kann sie die Sprache richtig sprechen, lesen schon gar nicht.

    Das bringt uns ein wenig den Menschen näher, die sich in unserem Land zwar fast deutsch fühlen, aber durch ihr Aussehen als Fremde behandelt werden. Dabei sind Mini unsere Sitten näher, als die ihrer Ahnen. Der Vater hat keinen richtigen Glauben, ist aber für alles andere, wie Weihnachten, offen. Aber der Tochter fehlt der Halt ohne Geschichte und ohne Glauben.
    Dabei lebt in Australien die ganze restliche Familie und das sind viele Tanten und Onkel. Doch der Vater wollte dem Kind die Freunde nicht nehmen, die sie hier gefunden hat und betreibt deshalb mehr schlecht als recht sein Lokal.

    Ich habe viel gelernt über Chinesen, die wir ja alle aus dem Chinarestaurant kennen, die wir dort aber nur als „Diener“ wahrnehmen. Die menschlichen Schicksale bleiben uns verborgen und wir haben auch nie danach gefragt. Wie auch, der Kellner kennt nur seine Karte und spricht sonst kein Deutsch.

    Ein wirklich interessantes und spannendes Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann, gerade, weil wir uns über die „Nichtintegrierten“ wundern.

    Dagmar Mägdefrau

  • Layers

    Layers

    Ursula Poznanski

    Loewe

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Dorian lebt auf der Straße und wird, als er glaubt, er habe einen anderen Obdachlosen umgebracht, von Nico gerettet.
    Der bringt ihn in die Villa von Bornheim, der die Jugendlichen aufnimmt und ihnen alles bietet, was sie brauchen. Lediglich der Zugang zum Internet ist ihnen versagt. Dafür verteilen die Jungen und Mädchen Flyer in der Stadt. Sie werden hingebracht, Mittags wird ihnen essen geliefert und am Abend werden sie abgeholt. Sie dürfen allerdings die 10 Schritte Zone nicht verlassen.

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    Dorian verliebt sich in Stella, die auch in der Villa lebt. Nach einiger Zeit bekommt Dorian einen neuen Job. Er soll bestimmten Personen ein Werbegeschenk übergeben. Das ist, unter den vorgegebenen Bedingungen, nicht immer einfach. Und irgendwann gelingt es ihm nicht das Päckchen zu übergeben.

    Damit ist er wieder auf der Straße und in dem Paket ist eine Brille. Mit der eingeschalteten Brille sieht Dorian die Layers (Schichten, hier: projizierte Daten zu Personen, Gebäuden oder Firmen). Damit beginnt die Jagd und alles ist nicht so, wie es scheint.

    Ein spannender Jugendroman mit viel Technik, aber auch Gefühl.

    Dagmar Mägdefrau

  • Kinshasa Dreams

    Kinshasa Dreams

    Anne Kuschnarowas

    BELTZ & Gelberg

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Friedrich-Gerstäcker-Preis für Jugendbücher 2014

    Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher 2013

    Das Buch ist aus dem Jahr 2012 und gerade heute wieder ganz aktuell. Jengo, jetzt wird er Iron Joe genannt, und steht als Boxer in Deutschland vor dem alles entscheidenden Kampf. Schon seine Geburt in Zaire, jetzt Demokratische Republik Kongo, war ein Kampf ins Leben. Ein fester Pol in seinem Leben ist sein Großvater, der ihn auch zum Boxen bringt.
    So gibt es im Buch zwei vorrangige Themen: einmal die politische und persönliche Situation, die letztendlich zur Flucht führt und zu anderen sein Aufstieg zum Boxer.

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    Sein großes Idol ist Muhammad Ali, der in Kinshasa am 30.10.1974 seinen Weltmeistertitel  beim „Rumble in the Jungle“ zurückeroberte. In diesem inzwischen herruntergekommen Stadion macht Jengo seine erste Boxerfahrung.

    Da sein familiäre Situation sich dramatisch verändert, flüchtet der Junge mit einem Freund in einem Flugzeug. Leider bringt ihn dieses nicht in die Freiheit, sondern nach Ägypten. Nach einer aufregenden Zeit dort, gelingt es ihm nach Libyen weiter zu kommen und von dort geht es mit dem Schiff nach Italien. Leider wird er von dort wieder zurück geschickt. „Wäre er doch besser auf dem Meer verreckt.“

    Seine zweite Flucht über die Balkanroute wird nicht mehr so eindringlich geschildert. Aber sein aufregendes Leben in Paris, wo er hofft, seine Mutter zu finden. Letztendlich findet er aber seinen Weg als Boxer und steht, so beginnt ja das Buch, vor seinem Kampf.

    Nach seinem Tod wird ja wieder viel von Muhammad Ali berichtet und so hat das Buch damit seinen zweiten aktuellen Aufhänger. Sicher ein Buch für männliche, jugendliche Leser, aber durch die Beschreibung der Flucht auch für Erwachsene interessant.

    Dagmar Mägdefrau

  • Dies hier ist kein Tagebuch

    Dies hier ist kein Tagebuch

    Erna Sassen

    aus dem Niederländischen von Rolf Erdorf

    Verlag Freies Geistesleben

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Nominierung Jugendliteraturpreis 2016, Kategorie: Preis der Jugendjury und Jugendbuch

    Ein Buch mit schwarzem Einband zu einem dunklen Thema bei Jugendlichen: die Depression – liegt vor mir. Hier ist es der Autorin gelungen, dieses Problem in ungewöhnlicher Weise für die jungen LeserInnen verständlich zu machen.

    Der 16-jährige Boudewijis, genannt Bou, verweigert fünf Jahre nach dem Tod seiner damals psychisch kranken Mutter alles, was das Leben lebendig macht.

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    Bou schreibt dazu: „Nicht zur Schule gehen, nicht essen, nicht schlafen, nicht reden, nicht wollen, nichts wollen, einfach überhaupt NICHTS ….“ (S. 5/6)

    Diese Worte sprechen eine deutliche Sprache! Der Vater entwirft eine ungewöhnliche Therapie, um dem Sohn zu helfen, sich selbst die Tür zu einem positiven, zufriedenstellenden Leben wieder zu öffnen: er legt ihm ein leeres Heft und einige CD ́s in sein Zimmer und stellt ihm ein Ultimatum: entweder tägliche Eintragungen sowie Anhören von Musik oder aber Einweisung in die Psychiatrie! Bou akzeptiert das Heft und ist mit seinen Worten teils sehr ehrlich und selbstkritisch; beschreibt sich z.B. als „Weich-Ei“. Mit der Musik hat er jedoch zunächst große Schwierigkeiten: „Therapiemusik“ mit dem „heiligen Gesabber mit „gewaltigen Orchestern“ – er will keine „Rollatormusik“ !

    Nachdem er mit dem Vater darüber gesprochen hat liegt am nächsten Morgen ein kleiner Stapel weiterer CD ́s vor seiner Zimmertür. Ein verständnisvoller Vater, sowie seine Tante Marjan und seine kleine Schwester Fussel, zu der er eine intensive, liebevolle Beziehung hat. Sie zeigt ihm ihre rührend naive Liebe auch immer mal wieder zwischendurch mit kleinen Aufmerksamkeiten! Außer in dieser seiner kleinen Familie befindet er sich außerhalb jeglicher sozialen Gemeinschaft. Im Verlaufe des Buches ändert sich dies ein wenig durch einen unregelmäßigen kleinen Briefwechsel mit einer Freundin. Die Reaktion des Vaters auf Bou ́s ersten Eintrag: „Für Unbefugte verboten“: „Ich muss es nicht wirklich lesen. Ich meine einfach nur, dass du ab und zu jemandem zeigen musst, dass du etwas hinein schreibst. Marjan oder Fussel zum Beispiel.“ (S. 7)

    Die Eintragungen des Jungen sind allesamt sehr aufschlussreich: sie zeichnen das Bild eines Jugendlichen, der fast alles negiert, in dessen Kopf aber ein großer Mix an splitternder Gedanken zu Themen wie Altenheim, Extremisten, Alkohol, Samenspenden ….arbeitet.

    Seine letzten Worte in seinem Heft: „War eigentlich gar keine so schlechte Idee von meinem Vater. Kein Tagebuch zu führen. Morgen kaufe ich ein neues. (Oder nächstes Jahr).“

    Ein sehr anspruchsvolles Buch, in welchem das Einfühlungsvermögen der jugendlichen LeserInnen stark gefordert und gefördert wird!

    Annette Heine

  • Wer morgens lacht

    Wer morgens lacht

    Mirjam Pressler

    Beltz Verlagsgruppe

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Ich habe beim Lesen oft an das Verhältnis meiner Töchter zueinander gedacht.
    Auch da gab es Vorwürfe und Eifersucht, die für mich nicht erklärbar waren.

    Aus Annes Sicht wurde ihre Schwester immer bevorzugt konnte machen, was sie wollte. Die Eltern gaben immer nach. Nach ihrem Verschwinden versucht Anne ihre Schwester zu ersetzen, zu imitieren. Aber sie bleibt doch Anne.

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    Vieles klärt sich im Lauf des Buches, zum Teil auch das Verhältnis zu den Eltern. Zurück bleibt eine Schwester, die ihre Schwester hasst und liebt und in der immer ein Teil von ihr bleiben wird.

    Mich hat dieses Buch von Frau Pressler sehr angesprochen, obwohl mir auch einiges fremd blieb.

    Dagmar Mägdefrau