• Hört uns mal zu!

    Hört uns mal zu!

    Andrea Behnke

    Johanna Mücke

    Hase und Igel

    Leseempfehlung 5. – 8. Klasse

    AkkordWort ist ein Jugendtreff, in dem viel Musik gemacht wird. Nino bringt sein Akkordeon mit, Mitray spielt auf ihrer Bağlama, einer langhalsigen Zupflaute. Cecile besucht eine Musikschule und spielt schon sehr gut auf ihrer Querflöte. Ergänzt wird die Gruppe durch Mateo, der hervorragend Texte schreibt und sie gerne als Rap vorträgt.
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    Diese ganz unterschiedlichen Jugendlichen machen gemeinsam Musik mit Bennet, einem Lehrer, der nachmittags im AkkordWort arbeitet. Als die Leiterin den vieren den Vorschlag macht, zur Ausstellungseröffnung einer NS-Gedenkstätte etwas beizutragen, sind diese sofort begeistert. Zu Vorbereitung besuchen sie den Südbahnhof, denn von hier wurden die Menschen deportiert. Obwohl sie schon in der Schule von der Shoah gehört hatten, waren die Jugendlichen entsetzt von der Menge der getöteten Menschen. Nino hört hier auch von den Homosexuellen, die ebenfalls ins Konzentrationslager kamen. Alle vier feilen immer wieder an Texten und bringen dabei ihre eigenen Gefühle ein. Doch dann steht an der Wand des AkkordWort „Schwulenheimat“ und die Besucher des Treffs müssen sich um die Zukunft des Ortes, den sie als ihr „Daheim“ empfinden, sorgen.

    Das Buch hat 144 Seiten und einige bunte, sehr gelungene Illustrationen. Die Geschichte wird sehr spannend erzählt, die Kapitel spielen abwechselnd im AkkordWort und bei den Jugendlichen. So erfahren wir einiges über die familiäre Situation der Jugendlichen. Aber auch die Vergangenheit, die hier mit dem Bahnhof einen Ort hat, ist Thema in der Geschichte. Die Auseinandersetzung mit Homosexualität, damals und heute. Der Kampf um den Erhalt des Treffs, Aussagen, die weh tun, und noch vieles mehr findet sich in diesem Buch.

    Sehr gut gefielen mir die Passagen, in denen es um KI und ihre Auswirkungen geht und wie real die Situation beschreiben wird.

    Für Schulen gibt es Begleitmaterial und ich finde, dass dieses Buch eine hervorragende Schullektüre ist.

    Dagmar Mägdefrau

  • Triggerwarnung – Dieses Buch handelt von sexualisierter Gewalt   

    Triggerwarnung – Dieses Buch handelt von sexualisierter Gewalt   

    Tim Berkels

    Franziska Kolmer

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Das Buch ist sehr gut aufgebaut und erklärt zunächst den „Sexualtrieb“ und wie unterschiedlich er sich entwickeln kann. Über den Begriff „Aggression“ geht es zur Gewalt, die sich in diesem Fall auf die Sexualität bezieht. Da geht es um Missbrauch und Vergewaltigung. Zunächst steht der Straftäter oder die Straftäterin im Fokus, hier gibt es neben den Erklärungen auch kleine Fallbeschreibungen. 
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    Es werden Fantasien beschrieben, die später mit Gewalt umgesetzt werden. Die Gefühle der Täter werden hier beängstigend genau beschrieben.

    Dann wird der Fokus auf die Betroffenen gelenkt. Das „Nein-Sagen“ und weshalb es oft nicht klappt oder es nicht beachtet wird. Störungen, die entstehen können, bis hin zum getriggert werden. Ich hatte noch nie von der „anonymen Spurensicherung“ gehört und ich denke, das ist ein sehr wichtiger Rat für Menschen, die missbraucht wurden.

    Wie es dann vor Gericht weitergeht und wie die Strafen aussehen können, lesen wir im letzten Teil. Danach geht es um Hilfsmöglichkeiten.

    Gerade bei diesem schwierigen Thema ist es wichtig, dass junge Menschen, die merken, dass ihre sexuelle Neigung zu Gewalt führen könnte, Hilfe erfragen können.

    Unter der entsprechenden Überschrift gibt es eine Erklärung in blauer Schrift, wichtige Sachinformationen sind in einem pinken Kästchen zu lesen und die Fallgeschichten sind nochmals besonders gekennzeichnet.

    Ich habe in der letzten Zeit immer wieder von Jugendlichen gelesen, die angeregt durch das Internet fragwürdige sexuelle Aufklärung erfahren haben. Diese, aber auch die, die durch Missbrauch im Elternhaus selbst betroffen sind, finden in diesem Buch viele Tipps. Dabei wird ihr Verhalten nicht abgewertet und deshalb glaube ich, dass einige die angebotenen Hilfen nutzen werden. Auf der anderen Seite geht es um die meist weiblichen Opfer, die hier aufgebaut werden und denen die Scheu vor der Anzeige durch hervorragende sachliche Erklärungen genommen wird.

    Dagmar Mägdefrau

  • Der Prinz der Zwerge – Orens Ruf

    Der Prinz der Zwerge – Orens Ruf

    Kian Talyn

    Independently published

    Autorenempfehlung junge Erwachsene

    Nachdem sich Oren nicht so ganz wohlfühlt in Clúvar mit all seinen Prunk, sehnt er sich immer mehr nach seinem Zwergenfreund Finch. Deshalb freund er sich auf seine Reise nach Sångwind, zumal Finch Besuch aus der Menschenwelt erwartet. Sein Vater bittet Oren seine Großeltern, die Eltern seiner verstorbenen Mutter zu besuchen. Doch Oren scheut sich vor der Begegnung. 
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    Wie sich herausstellt sind seine Bedenken auch nicht ganz zu Unrecht. Die Kriegerin Sigrid soll Oren wieder einen „Alten Weg“ öffnen. Aber sie verlangt, dass Oren nicht allein geht und stellt ihm Einar zur Seite, den Oren nicht besonders leiden kann. Aber Oren hat sich in der Vergangenheit zu oft einer Gefahr ausgesetzt und sein Vater verlang, dass er nicht ohne Begleiter reist. Doch leider beherrscht Einar den Transfer nicht so gut und die beiden landen nicht vor, sondern im Schweinestall, was viel zur Erheiterung von Finch und seiner Familie beiträgt. Als Finch Großeltern aus der Menschenwelt zu ihnen kommen, freuen sich alle und feiern zusammen ein Fest mit leckerem Kuchen. Besonders groß ist die Freude, als die Großeltern erklären, dass sie auch nach Sångwind ziehen werden. Als Finch ihnen sein Gurkenglas zeigt, quaken die Gurken nicht wie sonst, sondernd das Inhalt friert ein und mit ihnen die Bewohner des Hauses mit Ausnahme von Finch, Oren und Einar. Die drei machen sich auf und versuchen ihre Länder zu retten.

    Die drei werden noch viele spannende Abenteuer erleben und immer wieder auf andere magische Gestalten treffen, die sie meist unterstützen und ihnen, wenn sie den Ernst der Lage erkannt haben, ihre Hilfe anbieten.

    Sehr genau werden die Kleidung, die Landschaft und die Häuser beschreiben, was mir manchmal etwas langatmig erschien, es führt aber auch dazu, dass ich mir alles sehr genau vorstellen konnte. Mit viel Fantasie wurden die verschiedensten Gestalten erdacht und beschrieben. Es war spannend zu lesen, wie unsere Helden zusammen mit der Kyra die verschiedensten Orte aufsuchen und letztlich kämpfen müssen, um die Länder vom Frost zu befreien. Ein wenig knistert es auch zwischen Oren und Kyra, doch es ist die zarte Liebe 13jähriger.

    Dagmar Mägdefrau

  • Between the Lines – Band 1

    Between the Lines – Band 1

    Anna Dimitrova

    Arctis

    Leseempfehlung ab 16 Jahre

    Auf dem Cover sehen wir Kali und Rei, die Hauptdarsteller dieser RomCom, sie stehen an einem Regiestuhl, denn die beiden studieren an Filmakademie. Erwähnenswert ist auch der Buchschnitt, der passend zum Cover eingefärbt Filmicons abbildet. 
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    Zum ersten Mal treffen die völlig entnervte, heulende Kali und der mysteriöse Filmstudent auf der Unisextoilette aufeinander. Da sie sich nicht sehen können, braucht es schon etwas Zeit, bis sie dann aufeinandertreffen. Aber diese Eingangsszene ist humorvoll geschrieben und lässt und auf eine romantische Geschichte hoffen. Doch so schnell kommen die beiden nicht zusammen, denn Rei benimmt sich beim zweiten Treffen sehr abweisend. Da ist es gut, dass Kali in ihrer WG zwei nette Mitbewohnerinnen hat. Beide sind auch sehr interessant angelegte Charaktere. Maya, die sich immer nicht nur um ihre Geschwister kümmert, sondern auch den WG-Haushalt schmeißt und Lias, von der es heißt, wenn sie jemanden Opfer nennt, bedeutet, dass das sie ihn liebt.

    Die Beziehung von Kali und Rey ist nicht einfach zu beschreiben, eigentlich finden sie immer wieder Gründe, dass sie nur Freunde sein wollen, dabei spürt man genau, wie es zwischen ihnen knistert.

    In der Figur von Kali, die davon träumt eine gefragt Drehbuchautorin zu werden, steckt viel biografisches. So hat sie bulgarische Wurzeln und ist davon überzeugt, dass ihre Familie sie eher klein hält, statt sie zu unterstützen.

    Die Sprache empfinde ich als sehr jugendlich, so gibt es viel englische Begriffe, ganz häufig wird das Wort „Same“ benutzt. Über viele humorvolle Passagen habe ich mich amüsieren können, aber es gibt auch tiefgründige Stellen und zu Ende habe ich die Spannung deutlich gespürt.

    Dagmar Mägdefrau

  • Dead Girls Don’t Dance

    Dead Girls Don’t Dance

    MK Pagano

    Übersetzt von Michael Krug

    One

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre


    Im Sommer letzten Jahres wird Addies Schwester tot am Grund einer Schlucht gefunden. Addie bereut ihre letzte Begegnung mit ihr zutiefst, denn sie hatten sich gestritten und Addie ihr dabei viele Dinge an den Kopf geworfen. Seit ihrem Tod versucht sie herauszufinden, wer wirklich für ihren Tod verantwortlich ist. Denn im Gegensatz zur Polizei glaubt Addie nicht an einen Unfall. Sie ist überzeugt, dass Thatcher ihre Schwester gestoßen hat.
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    Doch ein Jahr später wird ausgerechnet Thatcher tot in derselben Schlucht gefunden. Aufgrund ihrer Anschuldigungen gegen ihn gerät Addie sofort unter Verdacht. Ihr einziger Lichtblick: Seth, mit dem sie sich seit Kindertagen immer wieder streitet, ist gleichzeitig ihr Alibi für die betreffende Nacht. Gemeinsam beschließen die beiden, die mysteriösen Todesfälle selbst aufzuklären.

    Das Buch ist sehr flüssig und spannend geschrieben. Ich habe es praktisch in einem Rutsch durchgelesen und mit diesem Ende überhaupt nicht gerechnet. Immer wieder gibt es überraschende Plottwists, sodass man ständig überlegt, wie die Geschichte wohl ausgehen könnte. Die Spannung wird schnell aufgebaut und bleibt bis in die letzten Kapitel erhalten.

    Für mich ist das Buch ein wunderbarer Psychothriller und eignet sich meiner Meinung nach auch hervorragend, um in dieses Genre einzusteigen.

    Auch die Gestaltung des Einbands gefällt mir ausgesprochen gut. Sie ist wunderbar düster gehalten und die Balletttänzerin, die durch Rauch dargestellt wird, ist ein echter Hingucker. Besonders schön fand ich, dass ich ein Exemplar mit Farbschnitt in den Händen halten durfte. Die Gestaltung des Farbschnitts greift die Elemente des Covers wieder auf und rundet das Gesamtbild perfekt ab.

    Katrin Hemmerich 

  • Magicalia – Band 1  

    Magicalia – Band 1  

    Jennifer Bell

    Übersetzt aus dem Englischen von Friedrich Pflüger

    Hanser

    Verlagsempfehlung ab 9 Jahre

    Kosh übernachtet bei Bitsy. Als die beiden einen Podcast aufnehmen wollen, ertönt plötzlich ein lauter Knall aus der unteren Etage des Hauses. Neugierig gehen sie der Sache auf den Grund – und entdecken einen Hamstozeros vor ihrer Zimmertür. Währenddessen wird Bitsys Vater unten von einer mysteriösen Frau entführt. Natürlich will Bitsy ihren Vater retten, und Kosh steht ihr dabei zur Seite.
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    Doch plötzlich finden sich die beiden mitten in einem magischen Abenteuer wieder. Sie müssen ein magisches Relikt finden und begegnen dabei den Magicores – magischen Wesen, die mithilfe von Emotionen entstehen. Auf ihrer Reise reisen sie durch ein Wurzelnetzwerk, das sich rund um die Welt erstreckt, suchen nach geheimnisvollen Koordinaten und werden dabei von einem Bestiarium namens „Magicalia“ unterstützt. Mit viel Mut stürzen sich Bitsy und Kosh in ein unglaubliches Abenteuer.

    Die Geschichte ist in einer sehr bildgewaltigen Sprache geschrieben, sodass man sich die fantastische Welt beim Lesen wunderbar vorstellen kann. Die Magicores haben tolle Eigenschaften und spannende Kräfte – dabei fühlt man sich ein wenig an Pokémon erinnert. Die Umschlaggestaltung ist wunderschön und hat mich in seinen Bann gezogen. Die Magicores, die in dem Buch illustriert worden sind, sind auch wunderbar. Vielleicht gibt es ja irgendwann mal das Magicalia als Buch zu kaufen?! 🙂 

    Die Altersempfehlung passt meiner Meinung nach sehr gut, wenn man bereits ein geübter Leser ist. Gleichzeitig eignet sich die Geschichte auch hervorragend zum Vorlesen.

    Wer auf der Suche nach einer magischen und gleichzeitig spannenden Reihe ist, ist hier genau richtig. 

    Katrin Hemmerich 

  • Cryptos – Die Graphic Novel      

    Cryptos – Die Graphic Novel      

    Ursula Poznanski

    Christopher Tauber

    Timo Grubing

    Graphix Loewe

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Jana Pasco, eine Weltendesignerin, programmiert für Mastermind verschiedene virtuelle Welten. Als sie in einer dieser Welten einen Mord und einen vermeintlichen Selbstmord miterlebt und anschließend erfährt, dass die Ermordete auch in der realen Welt gestorben ist, wird sie misstrauisch. Sie beginnt zu ermitteln, deckt nach und nach immer mehr Machenschaften auf und gerät dadurch selbst zunehmend in Gefahr.
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    Auf diesen Graphic Novel bin ich durch eine Werbung auf Instagram aufmerksam geworden und war sofort neugierig auf die dystopische Geschichte. Anfangs wusste ich gar nicht, dass der Band auf dem gleichnamigen Roman von Ursula Poznanski basiert.
    Die Geschichte hat mich von der ersten Seite an gefesselt. Besonders begeistert haben mich die unterschiedlichen Zeichenstile, die die verschiedenen virtuellen Welten optisch voneinander abheben. Die Grundidee erinnert zwar stellenweise an die Matrix, entwickelt jedoch ihren ganz eigenen Ansatz. Die Illustrationen sind großartig und perfekt auf die jeweiligen Welten und deren Atmosphäre abgestimmt.
    Dieser Graphic Novel hat auf jeden Fall mein Interesse am Originalroman geweckt – der steht inzwischen auf meiner Leseliste. Ich kann den Band uneingeschränkt empfehlen.

    Katrin Hemmerich
  • Fräulein Renée und das kartografische Komplott  

    Fräulein Renée und das kartografische Komplott  

    Katja Grimme

    Corinna Böckmann

    Südpol

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Die 17-jährige Renée Graf stellt im Jahr 1908 den jungen Dichter Casper Schützer ein, damit er ihre Chronik schreibt. Dabei hat sie jedoch drei Regeln: Erstens hat sie das Kommando. Zweitens entscheidet man sich im Zweifelsfall nicht für die vernünftige, sondern immer für die abenteuerliche Lösung. Und drittens ist Tradition niemals ein Argument. Da Casper keine andere Wahl hat, lässt er sich auf diese ungewöhnliche Vereinbarung ein.
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    Bei einem Spaziergang entdecken die beiden in einem Forsthaus eine Leiche, und Renée beschließt, dass sie gemeinsam ermitteln. Schon bald stoßen sie auf Spuren, die sie zur Geographischen Gesellschaft Württemberg führen …
    Die Geschichte wird in der Ich-Form aus der Sicht des Chronisten Casper erzählt. Dadurch taucht man sofort in die Handlung ein und erlebt seine Gedanken und Gefühle hautnah mit. Besonders gelungen fand ich, dass Caspers Neurodivergenz auf eine authentische und unaufgeregte Weise in die Geschichte eingebunden wird. Sie macht ihn zu einem vielschichtigen Charakter, ohne ihn darauf zu reduzieren. Die Spannung baut sich zunächst langsam auf, doch ab einem gewissen Punkt möchte man das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
    Der Roman ist nicht nur ein spannender Kriminalfall, sondern greift auch die Situation queerer Menschen in der damaligen Zeit auf und vermittelt zugleich interessantes historisches Wissen, unter anderem über König Karl I. von Württemberg. Normalerweise bin ich kein großer Fan von Liebesgeschichten, da sie mir oft zu kitschig sind. Kaja Grimme gelingt es jedoch, die Liebe zwischen Renée und Lisbeth so natürlich in die Handlung einzubinden, dass sie den Kriminalroman bereichert, ohne jemals kitschig zu wirken. Insgesamt ist es ein sehr gelungenes Buch.

    Katrin Hemmerich

  • Tage mit B.

    Tage mit B.

    Nikola Huppertz

    Tulipan

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Buch des Monats Juli 2026


    Das Mädchen auf dem Cover dreht uns den Rücken zu, zeigt uns vielleicht auch die kalte Schulter. Düster wirkt es auf mich, keine Cover, nach dem ich im Laden sofort greifen würde. B., die Bernadette Otto heißt, aus Berlin kommt, und die beschlossen hat, dass sie nur noch das B ihre Namens nützen möchte.
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    Weil sie ein schwieriges Mädchen ist, haben die ratlosen Eltern sie zu ihrem Patenonkel geschickt. Henning ist zusammen mit seinen beiden Kindern Simon (13) und Käptn/Emilia (5) in Klein-Hilke auf einem Bauernhof mit Spielscheune im Urlaub. Als sie B. vom Bahnhof abholen, trägt sie, wie auch in der restlichen Erzählung, ihren zerknitterten Mantel und ihre Doc Martens-Schuhe. Sie hat in ihrer Segeltuchtasche viele Bücher und sie wählt den blanken Fußboden, um darauf zu schlafen. Sie schreibt in viel in ihre Hefte und einige Texte können wir mitlesen. Simon, der uns von diesen paar Tagen im Sommer erzählt, ist ein sehr empathischer Junge, so kümmert er sich liebevoll um seine kleine immer singende Schwester und erkennt sehr gut ihre Bedürfnisse und Gefühle. Mit B. tut aber auch er sich schwer, denn sie benimmt sich durchaus oft sehr seltsam und unvorhersehbar.
    Der Stil ist sehr ruhig und unaufgeregt, Simon, der Käferexperte, beobachtet sehr genau und ist oft hilflos, wenn es um B. geht. B. macht sich sehr viel Gedanken um das Leben, unsere Umwelt und die Geschichte des Ortes, die auch die Geschichte unseres Landes ist. Aber sie macht alles mit sich ab, sie öffnet sich Simon nur sehr zögerlich.
    Hat ein so junges Mädchen schon eine Schuld abzutragen für Dinge, die sie nicht verantwortet? B. scheint es so zu empfinden.
    Ich fand es nicht ganz einfach dieses Buch zu lesen, denn auch ich empfand B. als schwierig, was an meinem Alter liegen kann. Aber B. hat auch einiges bei mir angestoßen und ich werde sich noch oft an sie denken.

    Dagmar Mägdefrau

  • Spiel des Lügners – Schattenbrüder-Dilogie – Band 1

    Spiel des Lügners – Schattenbrüder-Dilogie – Band 1

    Jessica S. Olson

    Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Hansen-Schmidt

    Fischer Sauerländer

    Verlagsempfehlung ab 14 Jahre

    Lola und ihr Boss, Enzo der Dieb, versuchen seit vier Jahren, die magische Mondscherbe aufzuspüren. Diese haben Enzo und sein Bruder Nic, der Lügner, aus dem Tempel von Aethera gestohlen.
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    Mit der Mondscherbe hat der Lügner seinen Bruder mit einem Fluch belegt und nur ihre Zerstörung kann Enzo davon befreien. Die letzte Spur, die Lola und Enzo verfolgen, führt in das Casino des Lügners, den einzigen Ort in Aethera, den der Dieb nicht betreten kann. So ist Lola auf sich allein gestellt. Sie wird an dem mehrtägigen Würfelturnier des Lügners teilnehmen und die Zeit als Gast nutzen, um nach der Mondscherbe zu suchen. 

    Das Buch zieht einen bereits auf den ersten Seiten geradezu magisch in die Geschichte rein. Gleichzeitig braucht man etwas Zeit, um sich auf diese fantastische Welt, die Jessica Olson entworfen hat, einzulassen und sie in ihrer Komplexität zu verstehen. Am besten gönnt man sich gerade zu Beginn ausreichend Lesezeit am Stück. 

    Lola, die sich nichts so sehr wünscht, wie Mitglied von Enzos Bande zu werden, entdeckt im Laufe des Turniers ihre eigenen Kräfte und emanzipiert sich von ihrem Boss. Betrachtet sie noch zu Beginn des Turniers den Lügner als Feind, kann sie sich im Laufe der Zeit seinem Charm nicht entziehen und verliebt sich in den Nic, der hinter der Fassade des glatten Casinobetreibers auftaucht. – Ein typischer Fall von From-Enemies-to-Lovers. Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht von Lola und Nic, was uns als Leser*in vor allem Einblicke in das Gefühlschaos der Protagonisten ermöglicht. 

    Das Buch ist toll gestaltet – Cover, Pageoverlay und Farbschnitt. Ein echter Hingucker und so passend zu dieser mitreissenden Romantasy mit ihrem Setting in einer Welt voller Illusionen. Ich freue mich schon auf den zweiten Band dieser Casino-Dilogie, der hoffentlich alle meine offenen Fragen beantworten wird. 😃

    Beate Böhm

  • Zwischen Berlinern und Butterbrezeln

    Zwischen Berlinern und Butterbrezeln

    Annemieke Reesink

    Spaß am Lesen Verlag

    Leselevel 2

    Das Cover zeigt des Gebäck, das dem Buch den Titel gibt mit Deutschlandfähnchen geschmückt. 
    Das Buch wendet sich in erster Linie an Menschen, die nach Deutschland zugewandert sind und die hier einiges über unser Land und die Menschen, die hier leben, erfahren.
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    Unter der Überschrift „zu Hause“ geht es um die eigene Wohnung und den Umzug dorthin. 
    Die Geschichten handeln zum von einem jungen Syrer, der oft mit seinen Freuden unterwegs ist. Mir ihrer Hilfe zieht er nach Münster und trifft dort auf eine sehr nette Nachbarin, die ihn zum Geburtstag einlädt. So lernt Feras das Fettgebäck Berliner kennen.
    Roksana und ihre Tochter Karen kommen aus der Ukrainer und obwohl Roskana einige deutsche Helfer*innen hat, sehnt sie sich nach Kontakten. Sie traut sich aber oft nicht, ein Gespräch anzufangen, weil sie befürchtet, dass ihr Deutsch nicht genügt und die anderen zu schnell sprechen werden. Aber dann muss sie doch handeln, weil die Nachbarn zu laut sind und sie und ihre Tochter nicht schlafen können und bei den Nachbarn schellen. Doch die reagieren sehr freundlich und so ist das Problem schnell gelöst.
    Zu den sieben Kapiteln gibt es jeweils zwei kurze gut verständliche Geschichten, die sich mit dem Alltag hier in Deutschland befassen. Da geht es um Nebenkosten, Versicherungen und die Möglichkeit einer Ausbildung. Da werden Kontakte geknüpft und am 3. Oktober zwei Feste gefeiert. Ein gut zu lesendes Buch, das ich für das Erlernen der deutschen Sprache sehr empfehlen kann.

    Dagmar Mägdefrau
  • Astrid Lindgren – Ein Leben voller Geschichten

    Astrid Lindgren – Ein Leben voller Geschichten

    Manfred Mai

    Hase und Igel

    Leseempfehlung für die 5 – 8 Klasse

    Die Biografie von Astrid Lindgren wurde hier in einem dünnen Büchlein untergebracht und trotzdem habe ich das Gefühl, dass das Wichtigste aus ihrem Leben hier zu lesen ist. Das Cover zeigt die berühmte schwedische Autorin zusammen mit ihrer bekanntesten Figur, der Pipi Langstrumpf, wie ich sie aus den Filmen der 1970er Jahre kenne. 
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    In 16 Kapiteln geht es durch die 94 Lebensjahre der Autorin. Ihre Kindheit verbrachte sie in Vimmerby auf einem Bauernhof, ein Vorbild für die Kinder von Bullerbü, wo auch ihr älterer Bruder das Vorbild eines Jungen abgab. Bücher faszinierten die kleine Astrid schon früh und deshalb wollte sie schnell lernen, was diese Schnörkel auf den Seiten bedeuten. 
    Die einzelnen Kapitel sind kurz und es gibt immer wieder Bilder aus der Zeit, zunächst aus der Kindheit und zum Schluss Fotos, die zeigen, wie hoch dekoriert Astrid Lindgren war. Dabei war sie eine Frau, die Kritik anbrachte, wenn sie es nötig befand und die sich immer wieder für Kinder und ihre Rechte einsetzte.
    Keine 100 Seiten zu lesen und so viele tolle Informationen, ein Buch, dass hoffentlich viele Kinder lesen werden, denn es handelt von einer Frau, die es nicht immer leicht hatte und die trotzdem stark durchs Leben ging. Wie ich finde, ein echtes Idol!

    Dagmar Mägdefrau

  • Der Hund von Baskerville

    Der Hund von Baskerville

    Athur Coban Doyle

    Sidney Paget

    Hase und Igel

    Verlagsempfehlung ab 5./6./7. Klasse

    Wie die meisten von uns kenne ich die Geschichten von Sherlock Holmes nur aus Filmen und Fernsehproduktionen. Ich habe nur einige wenige Bücher gelesen. Dieses Buch über den unheimlichen Hund von Baskerville ist in großen Buchstaben gedruckt, verfügt über einige Schwarz-weiß-Zeichnungen und ist auf unter 160 Seiten gekürzt zu lesen.
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    Dr. James Mortimer berichtete Holmes von dem Fluch der Baskervilles, einer Sage, die von Hugo Baskerville berichtet. Er war ein skrupelloser Mann, der ein Bauernmädchen mit einer Hundemeute hetzte, der aber selbst von einem „riesenhaften, schwarzen Hund“ getötet wurde. Mortimers Freund Charles Baskerville ist nun ebenfalls auf rätselhafte Weise zu Tode gekommen und neben seiner Leiche wurden Spuren eines großen Hundes gefunden. Der berühmte Detektiv aus der Baker Street in London schickt seinen Freund Dr. Watson nach Baskerville, er soll dem Höllenhund, der dort sein Unwesen treibt, auf die Spur kommen.
    Ein klassischer Kriminalfall, der nichts von seiner Spannung eingebüßt hat und der hier gut lesbar aufbereitet wurde. Zu empfehlen für Jugendliche, die sich vor dicken Büchern scheuen oder für Menschen, die sich schnell über diese spannende Geschichte informieren möchten.

    Dagmar Mägdefrau

  • Hotel Ambrosia – Du. Entkommst. Nicht.        

    Hotel Ambrosia – Du. Entkommst. Nicht.        

    Katie Kento

    one

    Verlagsempfehlung junge Erwachsene

    Die 17-jährige Robyn ist ein großer True-Crime-Fan und wohnt passenderweise direkt gegenüber dem Ambrosia-Hotel, das eine düstere Vergangenheit voller Verbrechen und Mysterien birgt. Fasziniert von diesem Ort schreibt sie ihrer Lieblings-Podcast-Hostin Ivy von Whispering Ivy eine E-Mail und weist sie auf das Hotel hin. 
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    Ivy ist sofort Feuer und Flamme und bittet Robyn, auf ihren Namen und mit ihrer Bezahlung dort einzuchecken, um Material für den Podcast zu sammeln. Doch Robyn leidet an ME/CFS – einer Krankheit, die ähnliche Symptome wie Long Covid hat und sie an schlechten Tagen ans Bett oder in den Rollstuhl fesselt. Vielleicht gerade deshalb hat sie das Hotel von außen bereits in- und auswendig studiert und ist regelrecht besessen davon.
    Als plötzlich A.J., ein obdachloser Jugendlicher, in ihrem Appartement auftaucht, überredet sie ihn, für sie im Ambrosia einzuchecken. So erhält sie doch eine – wenn auch widerwillige – Innenperspektive. Während Robyn aus sicherer Entfernung die Stellung hält, setzt sich A.J. zunehmend in Gefahr. Und all das muss sie vor ihrer Großtante Nelly verheimlichen, die sich ohnehin Sorgen um sie macht.
    Mit der Perspektive einer eingeschränkten Beobachterin erinnert der Thriller unweigerlich an Hitchcocks Das Fenster zum Hof, was Robyn selbst thematisiert. Auch ihre Leidenschaft für True-Crime-Podcasts weckt Assoziationen zu Holly Jacksons A Good Girl’s Guide to Murder. Doch dieser Thriller ist weit mehr als eine bloße Hommage – er überrascht mit einer innovativen, unvorhersehbaren Story. Obwohl Robyn das Geschehen nicht aktiv beeinflussen kann, bleibt die Spannung konstant hoch. Das Setting ist beinahe kammerstückartig, doch die Atmosphäre ist so intensiv und realistisch, dass es an nichts fehlt.
    Robyns Fixierung auf das Hotel wirkt absolut glaubwürdig – schließlich ist es ihre einzige Ablenkung von der Krankheit. Zu den Menschen, die sie über die Zeit beobachtet hat, entwickelt sie fast eine parasoziale Beziehung und gibt ihnen Namen aus der griechischen Mythologie. Ihre Skizzen des Hotels und der Bewohner ergänzt sie mit A.J.s Erkenntnissen, was für eine faszinierende Struktur sorgt. Die Dynamik zwischen Robyn und A.J. ist ebenfalls ein Highlight: Sein trockener Humor und seine pragmatische Art bringen eine willkommene Prise Leichtigkeit in die düstere Geschichte.
    Als Robyn beginnt, an ihrem Verstand zu zweifeln, verschwimmen auch für die Leser:innen die Grenzen zwischen Realität und Fieberwahn. Und gerade, wenn man glaubt, das Rätsel durchschaut zu haben, sorgen unerwartete Wendungen dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Ein absolut modernes Highlight für alle Thriller- und True-Crime-Fans!

    Raphaela Brosseron
  • Kristinas Mutprobe

    Kristinas Mutprobe

    Carolin Philipps

    Petra Dorkenwald

    Hase und Igel

    Verlagsempfehlung Klasse 5, 6 und 7

    Die zwölfjährige Kristina lebt mit ihrer Mutter in einer nicht sehr guten Wohngegend, hier gibt es kleine Hochhäuser, die immer wieder besprayt werden. Aufgrund der Berichterstattung in der Zeitung hat Kristinas Mutter Angst, wenn ihre Tochter hier alleine unterwegs ist. Da sie schon nach Schulschluss und dann bis in den später Abend arbeitet, muss Kristina allein in der Wohnung bleiben. 
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    Das ist natürlich sehr langweilig, auch wenn sie genügend Videospiele zur Verfügung hat. Doch dann klopft Tobias, der Chef einer Sprayerbande, an ihre Wohnungstür und weil sie seine Angst spürt, lässt sie ihn in die Wohnung. So wird die Wohnung zum Hauptquartier der Jungen, obwohl sie im Gebiet einer anderen Bande liegt und deren Chef Kristina unter Druck setzt.
    Zusammen mit den Jungen erlebt Kristina gefährliche Abenteuer, aber erst als sie, um zur Bande zu gehören, eine Mutprobe ablegen soll, muss Kristina eine Entscheidung treffen.
    Im Buch geht es ums Sprayen, um U-Bahn-Surfen und Steine auf die Autobahn werfen. Nicht alle Aktionen bleiben ohne Folgen und da denke ich, werden die Leser*innen sich Gedanken machen müssen und Position beziehen. Kristinas Leben bekommt durch die Jungen viel Spannung, aber sie entfernt sich auch immer weiter von ihrer Mutter, ihre Noten leiden und letztlich nutzen die Jungen sie auch aus. Am Rande geht es auch um zerbrochene Biografien und häusliche Gewalt, alles Themen, die sicher jugendlichen Leser*innen nicht fremd sein dürften.
    Das Buch wird in elf Kapiteln erzählt, es gibt einige farbige, erläuternde Bilder dazu. Die Identifikation mit den Protagonisten wird den Leser‘*innen wohl nicht allzu schwerfallen.

    Dagmar Mägdefrau

    Die 12-jährige Kristina verbringt ihre Nachmittage alleine in der Wohnung und fühlt sich wie eingesperrt, denn ihre alleinerziehende Mutter ist bis zum späten Abend arbeiten und traut Kristina nicht zu, sich in der Zeit außerhalb der vier Wände zu bewegen. Faktisch ist das Leben auf den Straßen vor dem Wohnungskomplex, in dem die beiden leben, gar nicht mal so sicher, dafür recht lebendig: Zwei Banden treffen dort aufeinander, die sich als Gegner verstehen. Dieser kleine Krieg macht nicht vor Kristinas Haustür halt, und Tobias flüchtet zufällig zu ihr. Da die Mutter nie da ist, scheint die Wohnung das perfekte Bandenquartier zu sein…
    Kristina wird schnell ein Teil der Bande aus 14-jährigen Jungen und lernt die anderen Extremen des Lebens kennen: Nervenkitzel und Gefahr. Vom Sprayen bis hin zu gefährlichem S-Bahn-Surfen, die Langeweile treibt die Truppe zum Äußersten. Für mich war am eindrucksvollsten, wie die Beweggründe der Jugendlichen zu solchem Leichtsinn deutlich wurden: zum einen die Langeweile, zum anderen der Mangel an Alternativen. Klar, die anderen aus der Klasse können sich mit Geld ein Surfbrett holen und in den Urlaub fahren, Kristina halt nicht. Da ist das S-Bahn-Surfen für sie und die anderen eine logische Alternative.
    Gott sei Dank zeigt der Roman deutlich die Konsequenzen dieses Trends auf, der tödlich sein kann. Auch die letztliche Mutprobe ist gefährlich und Kristina muss sich überlegen, was Mut eigentlich wirklich ist.
    Nach dem Lesen ist mir klar, warum das Buch eine beliebte Schullektüre ist, wohl auch schon seit langem. Es ist halt alles sehr kompakt geschrieben, viele Aspekte würde man normalerweise mehr ausarbeiten. Das aktuelle Cover ist recht modern gestaltet, weswegen mir fast gar nicht aufgefallen wäre, dass die Geschichte schon 2011 veröffentlicht wurde. Eine wichtige Lektion über Mut.

    Raphaela Brosseron

    Das Buch gibt es auch als X-light-Version, zusätzlich werden Materialien für die Klassenlektüre angeboten.
  • Zeit heilt keine Wunden – Das Leben des Ernst Grube

    Zeit heilt keine Wunden – Das Leben des Ernst Grube

    Hannah Brinkmann

    avant-verlag

    keine Altersempfehlung

    Ernst Grube, über dessen Leben diese Graphic Novel erzählt, ist als alter Mann auf den Cover abgebildet. Neben den Judenstern ist sein Mitgliedsbuch der KPD und ein Abzeichen der FDJ abgebildet. Zunächst ist ein Zitat von Gerty Spies über „Des Unschuldigen Schuld“ abgedruckt, das mich wieder sehr nachdenklich macht. 
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    Der erste Teil des Buches ist mit „Die Kindheit überleben“ überschrieben. Herr Grube erzählt Schüler*innen eines Gymnasiums von sich. Einige große Illustrationen bilden verschlungen menschliche Augen ab, dazu ist eine Verordnung aus dem Jahr 1935 zu lesen, die beschreibt, wer zu dieser Zeit als Jude gilt. Clementine Grube, Ernsts Mutter, wirkt mit ihrer Brille sehr streng. Sie ist mit einem Arier verheiratet und hat mit ihm drei Kinder, die beiden großen Jungen und ein Mädchen, das im Laufe der Erzählung geboren wird. Hier taucht zum ersten Mal der Hahn auf, der im weitesten Sinne für die Nazis steht. Da die Wohnsituation für die Familie immer schwieriger und die Nahrungsbeschaffung immer schlimmer wird, entscheiden sich die Eltern, ihre Kinder in eine jüdisches Kinderheim zu geben. Hier werden die Kinder sehr gut versorgt und die Erzieherin ist sehr gewissenhaft. Die Illustrationen werden zu Ende immer krasser und aufrüttelnder. Am Ende sehen wir die sowjetische Fahne und den Satz „Wir sind frei.“ 
    Im zweiten Teil wird „Eine deutsche Karriere“ geschildert. Er handelt von dem Juristen Kurt Weber, den seine jüdische Verlobte verlässt, weil ihm seine Kariere wichtiger ist als alles sonst. So tritt er, trotz seiner Bedenken, in die NSDAP ein und fordert Urteile im Namen des NS-Staates. Doch er schafft es, nach Ende der NS-Zeit als „Entlasteter“ anerkannt zu werden.
    „Der lange Prozess“ berichtet vom inzwischen erwachsenen Ernst Grube, der sich in der FDJ verstanden und anerkannt fühlt. So wird er als verheirateter Mann und Vater Flugblätter in der inzwischen verbotenen KPD transportieren. Er wird angeklagt und trifft so auf den Richter Kurt Weber.
    Einiges in diesem Buch war für mich unbekannt und wenn ich inzwischen weiß, dass die selben Menschen in der NS-Zeit und danach Ämter bekleideten, wurde für mich dadurch diese Geschichte noch intensiver, auch aufgrund der vielen aufrüttelnden Bilder. Und die Frage "Wie hätte ich mich verhalten?" bleibt wieder lange Zeit im Kopf.

    Dagmar Mägdefrau

  • Ginette Kolinka – Adieu Birkenau – Eine Überlebende erzählt

    Ginette Kolinka – Adieu Birkenau – Eine Überlebende erzählt

    Victor Matet

    Cesc

    Splitter

    Ohne Altersangabe

    In dieser Graphic Novel lernen wir die französische Jüdin Ginette Kolinka kennen. Auf dem Cover ist sie auf den Schienen, die sie selbst mit verlegt hat, als alte Frau zu sehen ist, neben ihr als Schatten sehen wir sie als junge Frau, im Hintergrund das Tor nach Birkenau.
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    Ginette Kolinka ist mit einer französischen Schulklasse unterwegs in das Lager, in dem sie einige Jahre gefangen wurde. Sie will ihnen vom Holocaust erzählen, damit es weiterhin Menschen gibt, die sich erinnern und die verhindern werden, dass so ein Unrecht noch einmal geschieht. 
    Das Buch beginnt mit der Geburt ihres Sohnes, der sich später wundert, dass nicht alle Mütter eine Nummer auf dem Arm haben. Erst als ihm ein Buch über Auschwitz in die Hände fällt, werden ihm die Zusammenhänge klar. Dann lernen wir die alte Ginette Kolinka kennen, sie macht Sport und es gibt viele Anfragen an sie, dass sie in Schulen aus ihrer Zeit in den Lagern berichtet. So reist sie mit einer Klasse nach Birkenau. Hier wechseln die Gegenwart und ihre Erinnerungen miteinander ab. Sie erzählt und dann kommen die Bilder aus der Zeit. Zunächst schafft es die Familie, sich mit falschen Papieren in einen andere Stadt zu retten, doch dann wird Ginette mit ihrem Vater und ihrem Bruder in den Osten gebracht. Sie spricht davon, wie naiv sie war, dass sie glaubte, dass sie hier nur arbeiten sollten und hat erst später begriffen, dass es Glücksache war, dass sie diese Zeit überlebt hat. Wenn auch ihre Mutter sie wegen der kurzen Haare und ihrem Untergewicht für ihren jüngern Bruder gehalten hat.
    Ginette Kolinka ist trotz ihrer schrecklichen Erfahrungen eine fröhliche und freundliche alte Dame, die sich auch mal gerne einen Scherz erlaubt. Ihr Enkel spielt in einer Band namens Téléphone und am Ende des Buches können wir einen Liedtext nachlesen, den sie für Ginette gesungen haben. Im Anhang des Buches sind auch noch einige Dokumente zu sehen, so ein Foto von Ginette als Kind.
    Durch die Comic-Form ist die Geschichte sehr gut zu lesen, der Wechsel der Zeiten ist durch die Bilder sehr gut nachzuvollziehen.

    Dagmar Mägdefrau
     
  • Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung

    Emmie Arbel. Die Farbe der Erinnerung

    Barbara Yelin

    Reprodukt

    Keine Altersempfehlung

    Nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2024

    Gustav-Heinemann-Friedenspreis 2024

    Die Autorin Barbara Yelin, die auch die Bilder dieser Graphic Novel gezeichnet hat, hat viele Jahre die Titelgeberin Emmie Arbel besucht oder sich mit ihr getroffen, um sich von der alten Dame aus ihrem Leben berichten zu lassen. 1937 in Holland geboren, wird das kleine Mädchen 1942 zusammen mit seiner Familie nach Ravensbrück und später nach Bergen-Belsen deportiert. 
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    Sie und ihre Brüder überleben und werden nach dem Krieg von einem holländischen Ehepaar aufgenommen. Mit ihnen wandern die drei Geschwister 1949 nach Israel aus, hier wird Emmie ihr Leben verbringen, heiraten, Kinder bekommen, ihren Militärdienst ableisten, arbeiten und sich später ehrenamtlich engagieren. Lange Jahre kann sie mit niemanden über ihr Schicksal sprechen, erst einer Therapeutin kann sie sich öffnen. So schafft sie es, wieder nach Deutschland zu reisen und dort als Zeitzeugin in Schulen jungen Menschen von sich zu berichten und damit dazu beizutragen, dass der Holocaust nicht vergessen oder geleugnet wird.
    In dem Buch gibt es viele Zeitsprünge, trotzdem kann man der Erzählung gut folgen. Emmie spricht immer wieder davon, dass sie sich nicht erinnert, doch dann kann sie doch von einige Szenen ihrer schlimmen Vergangenheit berichten. Barbara Yelin hat diese Sprünge vom Jetzt in die Vergangenheit meist farblich verdeutlicht und so wurde der Horror für mich fühlbar. Emmie, die häufig rauchend abgebildet wird, berichtet stockend von ihrer Zeit im Lager und der schrecklichen Zeit in Holland, erzählt aber auch, wie jede Mutter und Großmutter, von ihren Kindern und Enkelkindern, die sie oft besuchen und deshalb auch auf den kleinen Bildern zu sehen sind.
    Die Graphic Novel, in der ich Emmie Arbel kennenlernen durfte, zeigt mit kurzen Dialogen und beeindruckenden Bildern sehr viel, aber die Stimmung wird hauptsächlich durch die Art der Zeichnung und die Farben bestimmt, nicht durch beängstigende Abbildungen.
    Ich hoffe, dass dieses Buch gerade von jungen Leuten, die nicht gerne lesen, zur Hand genommen wird.

    Dagmar Mägdefrau
  • Die Schatzinsel

    Die Schatzinsel

    Robert L. Stevenson

    Walter Paget

    Hase und Igel

    Verlagsempfehlung Klasse 5, 6, und 7

    Der Klassiker aus dem 19. Jahrhundert wird hier in leichter Sprache angeboten. Große Buchstaben zeichnen das leichte Lesen aus und zusätzlich gibt es schwarz-weiß gedruckte Illustrationen, die sich an dem Alter des Buches orientieren. Das Buch besteht aus sechs Kapiteln mit weiteren kurzen Unterteilungen. Dadurch sind die Texte meist nur einige Seiten lang.
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    Jim Hawkins, der Ich-Erzähler dieses Abenteuers, berichtet vom Zusammentreffen des angetrunkenen Kapitäns und Dr. Livesey in der Kneipe seiner Eltern dem „Admiral Benbow“. Der Kapitän wohnt schon einige Tage in der Schänke, als der „schwarze Hund“, ein anderer Seemann, auftaucht, und es zum Kampf kommt, bei dem sich der Kapitän zwar behaupten kann, dann aber einen Schlaganfall erleidet. Einige Tage danach taucht noch ein blinder Bettler auf und nach seinem Besuch fällt Käpten Flint tot um. Noch bevor die Piraten gemeinsam zurückkehren, können Jim und seine Mutter die Sachen aus der Kiste des Kapitäns an sich nehmen und sie Dr. Livesey bringen. Das Wettrennen um den Piratenschatz, der auf einer Insel vergraben sein soll, beginnt.
    Piraten, Kämpfe und Abenteuer verspricht die Geschichte zu Recht. Da wird nicht lange gefackelt, da kommt es immer wieder zu Gefechten und schon die Charaktere der Piraten sind verwegen und furchtlos.
    Ich kann nicht beurteilen, wie spannend eine Geschichte, die vor so langer Zeit spielt, für heutige Kinder ist. Wir hatten in meiner Jugend viel Spaß an den Verfilmungen, die als Serie liefen. In jedem Fall lässt sich das Buch gut lesen und damit wird es auch für Wenig-Leser interessant.

    Dagmar Mägdefrau

  • Bloom

    Bloom

    Kevin Panetta

    Savanna Ganucheau

    one

    Verlagsempfehlung junge Erwachsene

    Ari ist auf der Hochzeit seiner Schwester und hört lieber seine eigene Musik, bis sie ihn zur Seite zieht, um ein ernstes Gespräch mit ihm zu führen. Sie ist der Meinung, dass er nicht einfach mit seiner Band nach Baltimore abhauen kann, denn die Familienbäckerei braucht ihn. 
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    Dies ist das große Dilemma in Aris Leben: der Druck, den familiären Erwartungen hinsichtlich der Bäckerei gerecht zu werden, während er gleichzeitig seinen eigenen Traum verfolgen möchte. Doch was ist sein eigener Traum? Die Lösung für das Problem mit der Bäckerei scheint in Sicht, als Hector in die Stadt kommt. Er pausiert gerade seine Kochausbildung und liebt es zu backen. Sie arbeiten zusammen und kommen sich näher, doch so einfach, wie es klingt, ist es nicht. 
    Ari als Figur gefällt mir, aber er ist nicht besonders sympathisch. Figuren müssen das auch nicht immer sein, aber da Hector so ein lieber und verständnisvoller Typ ist, verstehe ich nicht ganz, was er an Ari findet. Ari ist launisch, weiß noch nicht, was er will, aber will definitiv nicht, was seine Eltern wollen. Und dann sind da noch Aris Freunde: Es wird mehrfach deutlich, dass die Freunde, die gleichzeitig Aris Bandmitglieder sind, keine guten Freunde sind. Hector spricht es selbst auch an. Das Problem wird in der Geschichte immer wieder thematisiert, aber nie wirklich weiter ausgearbeitet, da fehlte mir ein wenig der rote Faden.
    Das Setting der Bäckerei ist hervorragend. Man sollte das Buch nicht mit leerem Magen lesen, da es einen hungrig macht. Hector ist, wie gesagt, der Ruhepol der Geschichte. Vielleicht gefällt mir deswegen die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten doch ein wenig. Man merkt, wie viel Liebe und Arbeit in die Zeichnungen geflossen sind; der Graphic Novel ist wirklich schön aufbereitet. Inhaltlich bleibt er jedoch etwas oberflächlich, obwohl er das Gegenteil zu erreichen versucht.
    Insgesamt ist es aber eine süße Geschichte, und ich würde gerne wissen, wie es mit den beiden weitergeht.

    Raphaela Brosseron

  • Das Mädchen, das in den Wellen verschwand

    Das Mädchen, das in den Wellen verschwand
    Um den Meeresgott zu besänftigen, wird jedes Jahr ein Mädchen in den Wellen geopfert, um seine neue Braut zu werden. Dadurch nehmen die Stürme zumindest für ein Jahr ein Ende, doch es war anscheinend noch keine Braut dabei, die ihn für die Ewigkeit beruhigt, und so bleibt es bei der jährlichen Opfergabe. 
    Mina wurde eigentlich nicht ausgewählt, doch sie opfert sich, damit ihr Bruder mit seiner großen Liebe zusammen bleiben kann…
    Endlich erfährt sie, wie es den Bräuten in der Götterwelt ergangen ist erkundet diese. Das ist aber eine gefährliche Reise, in der sie sich den großen Göttern stellen muss, von denen ihre Großmutter schon immer so viele Geschichten erzählt hat. 
    
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    Es war superspannend, wie sich hier die koreanische Mythologie und Fantasy vermischt haben. Die Sage um Shim Cheong, die sich, um ihren Vater zu retten, ebenfalls dem Meeresdrachen geopfert haben soll, wurde hier aufgegriffen und zu einer modernen Erzählung verarbeitet. 
    Vor allem durch Minas Abgleich mit den Geschichten, die sie über die Götter kannte und dem, was sie dann tatsächlich erlebt, wird klar, wie stark sie all diese Sagen und Mythen schon ihr ganzes Leben lang geprägt haben und wie enorm ihr kultureller Einfluss ist.
    Da Fantasy und Mythologie hier verschmelzen, ist es manchmal gar nicht so leicht, hinterherzukommen. Der klare Schreibstil, der bestimmt auch einer gelungenen Übersetzung zu verdanken ist, hilft da. 
    Der romantische Teil wird auch wunderbar in diese mythische Erzählung hineingearbeitet, denn Mina ist durch ein rotes Band des Schicksals mit jemandem zunächst eher unfreiwillig verbunden. 
    Mit ein wenig Konzentration und Offenheit kann man sich mit dem Roman in eine wirklich liebevoll ausgestaltete Welt hineinführen lassen, die so anders ist, als alles, was man vielleicht sonst so liest.
    
    Rapaela Brosseron
  • In Deeper Waters

    In Deeper Waters

    F. T. Lukens

    one

    Verlagsempfehlung 14 Jahre

    Endlich ist Tal an der Reihe: Wie seine drei Geschwister zuvor, bricht auch er mit dem Schiff zu seiner Coming-of-Age-Reise auf. Für ihn ist dieser Aufbruch besonders, da er aufgrund seiner Magie zuvor im Schloss abgeschirmt wurde. Seine Magie ist eng mit seinem Urgroßvater verbunden, der damit Angst und Schrecken verbreitet hat. Tal soll seine Magie weiterhin geheim halten. Als das Schiff den jungen Athlen aus einem Wrack birgt, entdeckt Tal eine ganz andere Art der Magie - die Magie der Anziehung. Doch bevor etwas geschehen kann, verschwindet Athlen bereits, und Tal begegnet ihm erst nach seiner eigenen Entführung wieder. Dabei stellt er fest, dass auch Athlen alles andere als gewöhnlich ist. Ihrer aufblühenden Romanze stehen weit mehr Hindernisse im Weg, als Tal ahnt.
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    Während er seine eigene Magie und die vielen Feinde seiner Familie als größte Hindernisse betrachtet, hat auch Athlen seine eigenen Probleme zu bewältigen.
    
    Der Rahmen der abenteuerlichen Schiffsreise verleiht der Geschichte einen Hauch von klassischem Abenteuer, ohne veraltet zu wirken. Die jungen Charaktere sind modern und unterhaltsam gestaltet, insbesondere Athlen erweist sich als interessante und mystische Schlüsselfigur. Die Kombination von Queerness und magischen Elementen bringt die abenteuerliche Seefahrt aus dem männlich geprägten Bild heraus, ohne den Flair zu zerstören. Es zeigt, dass es sich lohnt, alte Muster zu überdenken, und dass Veränderungen Traditionen nicht zerstören, sondern bereichern können und einem breiteren Publikum schmackhaft gemacht werden können. Die Liebesgeschichte entwickelt sich langsam und beginnt mit einer Freundschaft. Dabei werden keine kitschigen Klischees bedient. Tal und Athlen handeln stets vernünftig und vergessen die Gefahren um sie herum nicht. Ein möglicher Kritikpunkt ist die Undurchdringlichkeit der magischen Welt. Es werden viele Wesen, Verstrickungen und Regeln eingeführt, wodurch man leicht durcheinanderkommen kann. Erst spät begreift man, warum gerade Tals Magie ein Problem darstellt. Da man lange Zeit nicht weiß, wem man vertrauen kann, fiebert man bis zum Ende mit und wird vollständig von der Verschwörung eingenommen. Ein zweiter Teil, der genauso magisch, unterhaltsam und emotional ist, wäre großartig, denn man taucht gerne in diese Welt ein.
    
    Raphaela Brosseron
  • Koller

    Koller

    Annika Büsing

    Steidl

    Leseempfehlung junge Erwachsene

    Chris lernt Koller kennen und noch bevor er sich sicher ist, ob Koller sein richtiger Name ist, erleben die beiden innerhalb einer Woche mehr zusammen als andere in jahrelangen Beziehungen. Ursprünglich war der Plan, an die Ostsee zu fahren, Koller erwähnt beiläufig seine Verbindung zu dem Ort. Dass der Ausflug einen Einblick in seine Kindheit bietet und noch weitere private Details enthüllen wird, ahnen beide nicht. Schnell wird Chris klar, warum Koller so ist, wie er eben ist. Während Chris aufgrund seiner distanzierten Mutter eher rational handelt, macht Koller seinem Namen alle Ehre und zeigt offen seine Emotionen. Obwohl zwei verschiedene Welten aufeinandertreffen, passt es irgendwie, wenn auch vielleicht nicht für immer, zumindest für diesen ausgedehnten Roadtrip. 
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    Als Leser*in kann man sich genauso wenig der mitreißenden Art von Koller entziehen wie Chris. Obwohl man spürt, dass ein Leben mit ihm alles andere als stressfrei sein kann, bleibt man gefesselt. Was als unscheinbare Begegnung beginnt, entfaltet sich wie der Schmetterlingseffekt zu etwas Großem und wirft viele Fragen über das Leben auf. Besonders gelungen ist, dass diese Fragen nicht nur aus der Perspektive einer einzelnen Generation gestellt werden, sondern auch andere Altersgruppen einbezogen werden. Ungewöhnlicherweise wird der Fokus an einer Stelle auf die Geschichte von Kollers verstorbener Großmutter gelegt, obwohl sie in der erzählten Gegenwart nicht mehr lebt. Auch Chris eigene Vergangenheit kommt nicht zu kurz und wir erfahren, wie seine wissenschaftlich engagierte Mutter überhaupt zu einem Kind gekommen ist. Während wir als Leser viele Einblicke erhalten, scheinen Koller und Chris kaum ernsthafte Gespräche zu führen, die nicht ausarten. Das macht ihre Beziehung, sofern man sie als solche bezeichnen kann, nicht unbedingt plausibel. Dennoch ist die Dynamik zwischen den beiden Hauptfiguren für den Roadtrip entscheidend und treibt einen zum Weiterlesen. Spannend ist auch die Einbeziehung der Hochwasserkatastrophe von 2021, die sich zu den vielen persönlichen Katastrophen im Leben der beiden dazu gesellt. Der direkte Stil passt wunderbar zu den beiden und man schließt diese Gegenpole doch sehr ins Herz.
    
    Raphaela Brosseron
  • Unten

    Unten

    Maja Ilsch

    Dressler

    Verlagsempfehlung 10 Jahre

    Wer auf Netflix den zur Coronazeit populären Film “Der Schacht” geguckt hat, erinnert sich: Denen in den oberen Etagen geht es gut, je weiter unten man ist, desto tiefer ist man auch in der Nahrungskette. Wesentlich besser und tiefgründiger hat Maja Ilisch dieses dystopische Konzept umgesetzt. 
    In einem Moment spielt Nevo noch mit ihrer Freundin Juma fangen, im nächsten müssen sie sich aufteilen, denn solche Spiele sieht die Hausverwaltung gar nicht gerne. Da das Etagenhaus die einzige Welt ist, die die Bewohner kennen, hat die Hausverwaltung eine beträchtliche Macht, der die Kinder nicht ausgesetzt sein wollen. Juma versteckt sich im Wäscheschacht, aber als die Wachen weg sind, kann Nevo sie nicht mehr finden.
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    Juma versteckt sich im Wäscheschacht, doch als die Wachen weg sind, findet Nevo sie nicht mehr. Der einzige Weg zu Juma und zur Wahrheit führt nach unten, und Nevo beginnt, das System zu hinterfragen, über das sie zuvor nie nachgedacht hat. 
    
    Dieses Buch öffnet eine Welt, die in sich sehr geschlossen ist und eine Gesellschaftskritik verbindet. 
    Nevo ist ein mutiges 11-jähriges Mädchen und nach der Beschreibung des Hochhauses zu urteilen, hätten sich nur die wenigsten nach unten getraut. 
    
    An sich ging das Konzept immer auf und war gut durchdacht. Nur am Anfang blieb unklar, warum ein so kontrollierendes System überhaupt so etwas wie einen gemeinsamen Wäscheschacht zulässt, der mal eben nach unten führt. Zudem wird eine etwas banale Frage nicht geklärt: Wie wird die Wäsche der vielen Bewohner richtig zugeordnet? Da das Buch einen zum Hinterfragen anregt, bleiben diese Fragen bei der Genauigkeit der Geschichte nicht aus, diese wird dadurch jedoch nicht beeinträchtigt. Am Ende hätte mir noch etwas mehr Aufklärung des Systems gefallen, so bleibt jedoch zumindest die Fantasie angeregt. Eine kreative und spannende Geschichte.
    
    Raphaela Brosseron